Der Syndikus-Rechtsanwalt: Kennen Sie den?

Berichtet die Banking-Anwältin einer internationalen Kanzlei im Familienkreis, sie arbeite jetzt für eine Bank als Syndika. Fragt die Tante: „Fürs Syndikat? Ja, ist das denn jetzt auch schon legal?“
Dieser (echte) Fall legt den Finger bereits auf die Wunde: Die Zahl der Unternehmensjuristen steigt, von der hohen Nachfrage nach dem zu Jahresbeginn eingeführten neuen Status des Syndikusrechtsanwalts ganz zu schweigen. Aber Hand aufs Herz: Wissen Sie genau, womit sich die Syndikusjuristin und der Syndikusjurist Ihres Mandanten in der Praxis wirklich befassen? Wie sehr gehen Sie mit ihnen im Gespräch ins Detail? Weiterlesen

Buchvorstellung: Günter Seefelder, Wie Sie Ihre Kanzlei vernichten

Am auffälligsten optisch „eingebläut“ hat der Verlag die Anekdoten. Für den eiligen Leser, der in farbigen Kästchen üblicherweise Praxistipps aufstöbert, ist das erst einmal irritierend. Gleichzeitig ist es aber auch ein Spannungselement: Der Kapitelüberschrift hat man schon entnommen, was Sache ist. Jetzt geht es „ans Eingemachte“.

Dazu ein Beispiel: Kapitel II.3 gehört „Matthias Gscheit – fachlich gut zu sein reicht nicht“. Im Untertitel folgt die These auf den Fuß: „Mangelnde Fähigkeiten zum Perspektivwechsel beeinträchtigen den Erfolg“. Geschildert wird der Werdegang eines Gegnerschrecks, der sich anlässlich einer steuerlichen Betriebsprüfung schließlich mit dem Falschen anlegt. Im Folgenden weist der Autor u.a. auf unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation und der Mediation und auf Coaching-Prozesse hin. Wie man entsprechende Konflikte unter Kanzleiinhabern löst, dazu gibt es weitere Fälle … und zur Wahrnehmung von Signalen anlässlich einer „Führung im Feldwebelton“ dann schließlich (in grau) praktische Tipps. Weiterlesen

„Zusammen ist man stärker – Networking und Akquise für kleine und mittlere Kanzleien“ Interview mit Constanze Eich

Schön Sie zu treffen, liebe Frau Eich.

Können Sie uns kurz beschreiben, wie Ihre persönliche Entwicklung aussieht, was sie studiert haben und welche Zusatzausbildungen sie gemacht haben, also wie Sie letztlich dorthin gekommen sind wo sie heute sind?

Durch einen Zufall bin ich nach meinem Abitur auf das Seminar für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen aufmerksam geworden, ein Studiengang, der sich wissenschaftlich mit strategischer Kommunikation beschäftigt. Das war genau das Richtige für mich und somit habe ich mit großer Begeisterung dieses Magisterstudium absolviert und damit auch meine Profession gefunden. Meine ersten Berufserfahrungen habe ich dann in Weiterbildungseinrichtungen, Lobbybüros und Kommunikationsabteilungen im In- und Ausland gesammelt. Weiterlesen

Auf dem Prüfstand: Networking und Akquise für Rechtsanwälte von Constanze Eich

Eich
Networking und Akquise für Rechtsanwälte
2016, XI, 231 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-68761-7,
Preis 38,90 € inkl. MwSt.

Das Werk vermittelt dem Rechtsanwalt und Unternehmensjuristen, wie er systematisch netzwerken kann, sein eigenes Profil schärft, sinnvoll Akquise-, Recruiting- und Businessdevelopment betreibt und seine Akquisitionsstrategie auf die Zielgruppe anpasst. Erfahrene Berufsträger stellen in Kurzinterviews ihre Erfahrungen zum Themenkomplex zur Verfügung. Durch Grafiken, Übersichten und gezielte Praxistipps wird die Darstellung aufgelockert.

Soweit der Pressetext. Ob dieses Buch diese Erwartungen erfüllt? Lesen Sie die Rezension unseres Beiratsmitglieds Dr. Jochen Brandhoff, Rechtsanwalt und Partner bei www.bop.legal

Sie wollen sich ein eigenes Bild machen? Hier stellen wir Ihnen eine Leseprobe zur Verfügung

Was halten Sie davon? Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen!

Mit den besten Grüßen aus München grüßt Sie

RA Katharina Nitsch und das Kanzleiforum Team

 

Ichiban: Eins und Eins macht Eins

Zu den beeindruckendsten Anekdoten aus meiner Studienzeit zählte der Bericht einer Freundin meiner Eltern. Die Dame war Leitende Oberstaatsanwältin und hatte in einem Totschlagsprozess gerade eine mäßig hohe Freiheitsstrafe für einen recht selbstbewussten Angeklagten gefordert. Der, nach seinem letzten Wort befragt, antwortete, das mit den dreieinhalb Jahren gehe in Ordnung. „Aber“, so setzte er nach, „nich‘ von die Puppe da!“.

Nr. 1 verhandelt nur mit Nr. 1 – die Japaner haben für dieses Phänomen einen eigenen Begriff geschaffen, das „Ichiban“-System. Tatsächlich fällt auch im Anwaltsgeschäft auf, dass es mittelständische Kanzleien oft gar nicht erst auf die Panels von Großkonzernen schaffen, die Aufträge „verpitchen“ – von Höchstspezialisierungen einmal abgesehen. Von einem bekannten Rechtsberater der Verteidigungsindustrie wird berichtet, er könne sich vor Vergabeverfahren kaum retten, sei er doch Oberstleutnant der Reserve.

Aber es geht auch eine Nummer kleiner: Sie sind ein ausgewiesener Praktiker, aber es fehlt Ihnen der Doktortitel. Genau auf den scheint aber die Geschäftsführung Ihres Wunschmandanten immer wieder Wert zu legen, ohne dass jemals klar würde, worüber Ihre Konkurrenten überhaupt promoviert haben.

Oder ist das alles Unsinn und halb so wild? Rankings, die an dieser Stelle schon angesprochenen „Briefe und Siegel für Hase und Igel“ haben für Sie keine Bedeutung? Und Sie gehören auch nicht zu denen, die bei Kollegeneinladungen als erstes nachschauen, welche Sozietät sonst noch auf dem Verteiler steht?

Wir sind gespannt, was „Ichiban“ für Ihre Praxis bedeutet. Für das Kanzleiforum-Team grüßt

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Ganz von den Socken: Anwaltskleidung 4.0

Hat unser Kleiderkodex im Informationszeitalter bald ausgedient? Man stelle sich eine Gruppe wartender Anwaltskollegen in einem großen, modernen Medienhaus im teuren Zentrum einer deutschen Landeshauptstadt vor. An der Wand der Empfangsecke hehre Ankündigungen: „Wir lieben es, Experten auf unseren Gebieten zu sein“. „Wir setzen uns gerne den Hut auf.“ – „Ich meine, es ist hoffentlich okay, dass ich bei der Hitze jetzt auf meine Krawatte verzichtet habe?“, meint einer der Juristen anfangs noch.

Unser Gesprächspartner kommt und trägt – Socken. Keine Schuhe und Socken, Schlabbershirt, Baggy Pants und Socken. Was aber weder auf Solvenzprobleme noch auf eine Bit-Nerdiness zurückzuführen ist, wie sie die Älteren unter uns vielleicht noch aus der Frühzeit Sheldon Coopers kennen. Das Konzept, das uns auf allen Ebenen dargeboten wird, nennt sich „Extreme Agile Leadership“ – sog. „Code Monkeys“ gehören darin ebenso sehr der Vergangenheit an wie Anwaltssoldaten. Was die spannende Frage nach sich zieht, ob auch Anzug und Kostüm bald nicht mehr als Ausweis von Expertise, sondern von Ewiggestrigkeit gelten.

Schon berichtet ein befreundeter Coach überaus angetan vom Aufenthalt in der Hannoveraner DB-Lounge: Der ob seiner modischen lila-grünen Socken angesprochene Business Man war tatsächlich Jurist! Bei näherem Hinsehen handelte es sich indes nicht um einen Anwalt, sondern um einen Hochschullehrer.

Gleichzeitig kenne ich einige Anwälte, die finden diese gesamte Modedebatte vollkommen blödsinnig. Woran soll man einander in der Bahn denn überhaupt noch erkennen, wenn nicht an Kostüm und Manschettenknöpfen, hat unlängst einer geflachst. Aber der hatte sicherlich nur den Blogbeitrag zu den „Kollegen im Großraumwagen“ noch nicht gelesen. Jedenfalls sind wir gespannt, wie Sie es mit der anwaltlichen Berufskleidung halten!

Viele Grüße vom Kanzleiforum-Team,

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung