Ganz von den Socken: Anwaltskleidung 4.0

Hat unser Kleiderkodex im Informationszeitalter bald ausgedient? Man stelle sich eine Gruppe wartender Anwaltskollegen in einem großen, modernen Medienhaus im teuren Zentrum einer deutschen Landeshauptstadt vor. An der Wand der Empfangsecke hehre Ankündigungen: „Wir lieben es, Experten auf unseren Gebieten zu sein“. „Wir setzen uns gerne den Hut auf.“ – „Ich meine, es ist hoffentlich okay, dass ich bei der Hitze jetzt auf meine Krawatte verzichtet habe?“, meint einer der Juristen anfangs noch.

Unser Gesprächspartner kommt und trägt – Socken. Keine Schuhe und Socken, Schlabbershirt, Baggy Pants und Socken. Was aber weder auf Solvenzprobleme noch auf eine Bit-Nerdiness zurückzuführen ist, wie sie die Älteren unter uns vielleicht noch aus der Frühzeit Sheldon Coopers kennen. Das Konzept, das uns auf allen Ebenen dargeboten wird, nennt sich „Extreme Agile Leadership“ – sog. „Code Monkeys“ gehören darin ebenso sehr der Vergangenheit an wie Anwaltssoldaten. Was die spannende Frage nach sich zieht, ob auch Anzug und Kostüm bald nicht mehr als Ausweis von Expertise, sondern von Ewiggestrigkeit gelten.

Schon berichtet ein befreundeter Coach überaus angetan vom Aufenthalt in der Hannoveraner DB-Lounge: Der ob seiner modischen lila-grünen Socken angesprochene Business Man war tatsächlich Jurist! Bei näherem Hinsehen handelte es sich indes nicht um einen Anwalt, sondern um einen Hochschullehrer.

Gleichzeitig kenne ich einige Anwälte, die finden diese gesamte Modedebatte vollkommen blödsinnig. Woran soll man einander in der Bahn denn überhaupt noch erkennen, wenn nicht an Kostüm und Manschettenknöpfen, hat unlängst einer geflachst. Aber der hatte sicherlich nur den Blogbeitrag zu den „Kollegen im Großraumwagen“ noch nicht gelesen. Jedenfalls sind wir gespannt, wie Sie es mit der anwaltlichen Berufskleidung halten!

Viele Grüße vom Kanzleiforum-Team,

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

1 Antwort
  1. aHa
    aHa says:

    Wie ernst die Kleidungsfrage im Berufsleben werden kann, zeigt ein Artikel aus der FAZ (Nr. 207 v. 5.9.2016, 24): Danach haben in den konservativen Kreisen der Londoner City selbst gute Bewerber „keine Chance“ bei Verstößen gegen einen oft undurchsichtigen Kleidungskodex. Kleidung signalisiert „Aura“ – und wer nicht „polish“ genug ist, nun, der sollte es mit braunen Schuhen zum Anzug besser in Italien versuchen. Jedenfalls bevor der Brexit in die Tat umgesetzt wird.

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