Der Brexit: Vom Sturm zum lokalen Tiefdruckgebiet?

Wie ein Sturm ist die Nachricht vom britischen Austrittsvotum am 23. Juni durch die EU gefegt, auch durch die deutschen Anwaltskanzleien. International aufgestellte Sozietäten kämpfen seitdem mit teilweise heftigen Böen – angefangen vom großen Londoner Office mit dem für ganz Europa zuständigen Back Office über die Frage der fortgesetzten Absetzbarkeit örtlicher Schulgebühren bis hin zur Vergütung deutscher Anwälte in Pfund … als einer Währung auf Talfahrt. Wie aber ist die Stimmung ansonsten?

„Es wird extrem viel darüber geredet, und wir haben natürlich eine Arbeitsgruppe, aber die eigentlichen Auswirkungen kommen wohl erst später“, heißt es dazu aus einer US-Kanzlei. „Ins operative Geschäft spielt der Brexit trotz allem noch nicht entscheidend hinein“, ergänzt eine Top 20-Kanzlei – selbst wenn entsprechende langfristige Strategien von Unternehmen schon jetzt abgefragt werden. Viele Wirtschaftsanwälte rechnen damit, dass es in einem Jahr „richtig rund geht“ und die Beratungswelle dann länger anhält – „ein so komplexes Knäuel an unmittelbar und mittelbar geltendem EU-Recht, wie davon betroffen ist“.

Und dann sind da die Partikularsorgen: Wie schnell können für die Steuerrechtler die Doppelbesteuerungsabkommen verhandelt werden? Was wird im grünen Bereich aus den Gemeinschaftspatenten? Werden rückwirkend Marken „weggeschossen“? Welche Zukunft erwartet die Familienrechtler mit Blick auf Rom III? Umgekehrt die Briten: Werden Sie an den Universitäten zu Ausländerkündigungen und Inländerquoten greifen? Entsprechendes deutet sich an und könnte Konsequenzen für die Breite unserer eigenen Juristenausbildung haben. Überhaupt: Sind Sie als Kanzlei eine LLP? Wenn ja, werden Sie sich das mit der Betonung auf „Sturm“ oder „Wasserglas“ ja vielleicht auch gerade überlegen.

Schreiben Sie uns doch einmal, wie Sie die Lage wenige Monate nach dem Votum wahrnehmen.

Darauf freut sich gemeinsam mit dem Kanzleiforum-Team

Ihre

 

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

Lexvisors – das nächste Legal Tech Start Up. Überlegungen zur Zunahme der Digitalisierung der freien Berufe

Seit Anfang Oktober ist Lexvisors online. Lexvisors bietet drei Services an: der Vergleich verschiedener anwaltlicher Angebote, die Möglichkeit einen Anwalt direkt zu befragen und eine Dokumentenerstellung. Damit reiht sich das Projekt ziemlich genau in die Mitte des Dreiecks aus den Frage- und Akquiseportalen wie 123recht (frag-einen-Anwalt.de), dem Duo Smartlaw/Janolaw sowie Vergleichsportalen wie Jurexpert oder Jurato. Anlass genug, sich Gedanken zu machen über die zunehmende Digitalisierung des Anwaltsberufes. Weiterlesen

Terror – Verfilmung nach Ferdinand von Schirach

Heute Abend wird zeitgleich im Ersten, im ORF und im Schweizer Fernsehen die Verfilmung des viel diskutierten Theaterstücks „Terror“ von Ferdinand von Schirach gezeigt. Mit großem Aufwand wurde dies als multimediales und interaktives Ereignis promotet. Im Stück findet eine Verhandlung vor dem Schwurgericht statt. Unter Mordanklage steht der Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr. Eigenmächtig wie auch in voller Kenntnis der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit des § 14 Abs. 3 Luftsicherheitsgesetz hat er entschieden, ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abzuschießen, das Kurs auf die Fußballarena in München genommen hatte. Dort findet an diesem Abend vor 70.000 Zuschauern das ausverkaufte Länderspiel Deutschland gegen England statt. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte. Ist er nun ein Held oder ein Mörder? Staatsanwaltschaft und Verteidigung tragen verschiedene Argumentationslinien vor. Das Besondere ist, dass der Zuschauer im Anschluss an die Schlussplädoyers in einer multimedialen Abstimmung aufgefordert ist, über Schuld oder Unschuld zu urteilen. Damit wird die Idee von Fernsehen als gesellschaftliches Diskursmedium konkret erprobt. Die Abstimmungsergebnisse in den verschiedenen Ländern können direkt miteinander verglichen werden.

Was halten Sie als Juristen von diesem interaktiven Format?

Wir würden gerne mit Ihnen diskutieren – über das Format und ab morgen über das Ergebnis.

Es grüßt Sie herzlich

RA Katharina Nitsch

für das Kanzleiforum Team

Interview mit Professor Dr. Dr. h.c. Peter Ehlers zum Schifffahrtsrecht

Guten Tag Herr Professor Ehlers. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für den Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Sie haben sich bereits in Ihrer Promotion direkt nach Ihrem Studium mit dem Thema Seeschifffahrt auseinander gesetzt. Wie kamen Sie auf die Idee, sich diesem nicht unbedingt klassischen Rechtsgebiet zu widmen?

Ich bin an der Küste aufgewachsen, wollte nach dem Abitur selbst zur See fahren und habe mich immer für Schifffahrt und Meere interessiert. Durch meine Promotion über die Internationale Seeschifffahrts-Organisation kam ich in Kontakt mit dem Bundesverkehrsministerium und begann meine berufliche Laufbahn in der Schifffahrtsverwaltung des Bundes. In meiner vierzigjährigen beruflichen Tätigkeit  vor allem in der Abteilung Seeverkehr des Bundesverkehrsministeriums und als Präsident des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie habe ich mich immer wieder auch mit seerechtlichen Themen befasst. Seit Anfang der 1990er habe ich Lehraufträge an den Universitäten Hamburg und Rostock wahrgenommen. Während sonst an den Universitäten eher das internationale Seerecht behandelt wird, habe ich mich auf das nationale öffentliche Seerecht konzentriert, bei dem es gerade um die Anwendung und Durchsetzung internationaler Regelungen geht, und dabei meine in der Verwaltungspraxis gewonnenen Erfahrungen eingebracht. Weiterlesen

„Wer fragt, erhält Antworten, wer richtig fragt, die richtigen.“ Interview mit Axel Wendler

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Guten Tag Herr Wendler. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Ihr gemeinsam mit Dr. Helmut Hoffmann verfasstes Werk „Technik und Taktik der Befragung“ widmet sich schwerpunktmäßig der Zeugeneinvernahme. Wird dieses Thema in der Ausbildung vernachlässigt?

Ein klares Ja. In der Ausbildung erhält das Thema quasi überhaupt keinen Raum. Anwälte, Richter und Staatsanwälte befassen sich häufig erst in ihrer Berufszeit mit dem Thema und buchen dann ein berufsbegleitendes Seminar – oft nachdem sie in ihrer Praxis einen Fall hatten, der ihnen ihr Defizit aufgezeigt hatte. Weiterlesen

Rezension Praktikerliteratur: Technik und Taktik der Befragung!

Beide Autoren waren Richter am OLG Stuttgart und halten seit vielen Jahren Seminare u.a. zu Fragen der Vernehmung von Auskunftspersonen. Sie haben sich bei diesem Handbuch über die Technik und Taktik der Befragung zum Ziel gesetzt, ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus – addiert – 70 Berufsjahren weiterzugeben. Diese Kenntnisse sollen u.a. zu „besseren, d.h. letztlich gerechteren Urteilen“ führen. Doch nicht nur an Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte richtet sich dieses Fachbuch, sondern laut Vorwort auch an im juristischen Alltag tätige Sachverständige, Mitarbeiter von Unternehmen, die im Bereich Corporate Governance, Anti Fraud und Compliance tätig sind sowie Sachbearbeiter von Versicherungen.

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel und beginnt der Thematik entsprechend mit der Vernehmungslehre und Vernehmungstaktik. Dieses wichtige erste Kapitel umfasst mehr als ein Viertel des Werkes und legt den Grundstein für das weitere Verständnis. Praktikerfreundlich sind die wichtigen Passagen mit farblich abgesetzten, abschließenden Fazits gespickt. Weiterlesen