Terror – Verfilmung nach Ferdinand von Schirach

Heute Abend wird zeitgleich im Ersten, im ORF und im Schweizer Fernsehen die Verfilmung des viel diskutierten Theaterstücks „Terror“ von Ferdinand von Schirach gezeigt. Mit großem Aufwand wurde dies als multimediales und interaktives Ereignis promotet. Im Stück findet eine Verhandlung vor dem Schwurgericht statt. Unter Mordanklage steht der Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr. Eigenmächtig wie auch in voller Kenntnis der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit des § 14 Abs. 3 Luftsicherheitsgesetz hat er entschieden, ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abzuschießen, das Kurs auf die Fußballarena in München genommen hatte. Dort findet an diesem Abend vor 70.000 Zuschauern das ausverkaufte Länderspiel Deutschland gegen England statt. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte. Ist er nun ein Held oder ein Mörder? Staatsanwaltschaft und Verteidigung tragen verschiedene Argumentationslinien vor. Das Besondere ist, dass der Zuschauer im Anschluss an die Schlussplädoyers in einer multimedialen Abstimmung aufgefordert ist, über Schuld oder Unschuld zu urteilen. Damit wird die Idee von Fernsehen als gesellschaftliches Diskursmedium konkret erprobt. Die Abstimmungsergebnisse in den verschiedenen Ländern können direkt miteinander verglichen werden.

Was halten Sie als Juristen von diesem interaktiven Format?

Wir würden gerne mit Ihnen diskutieren – über das Format und ab morgen über das Ergebnis.

Es grüßt Sie herzlich

RA Katharina Nitsch

für das Kanzleiforum Team

1 Antwort
  1. aHa
    aHa says:

    Ich muss sagen, ich war schon ein wenig entsetzt über diese ganze Sache. Zum einen das Ergebnis der Fernsehabstimmung: Da setzt sich ein „Profi“ (Offizier!) in einer funktionierenden, rechtsstaatlich legitimierten Rechtsordnung (!) über den Militärbefehl (!) hinweg, konkrete Menschenleben zu verschonen (!). Anschließend erwartet er von eben dieser Rechtsordnung einen Freispruch und kommt damit bei über 80 % der Befragten durch. Dabei wäre das allenfalls ein Fall für eine Begnadigung gewesen. Für einen „übergesetzlichen Notstand“, wie ihn noch Thomas Fischer vom BGH morgens im HR reklamiert hat, sehe ich da überhaupt keinen Raum. Denn wo sollte der beginnen? Immer, wo der einzelne es gerade für richtig hält? Dann können wir das StGB auch abschaffen.
    Zum anderen die selektive mediale „Berichterstattung“ … als hätten wir kein Bundesverfassungsgericht, das in der Realität nicht ebenfalls schon Stellung bezogen hätte. Und das einen anderen Schuldbegriff hat als die ARDler. Unter dem Strich ist das vielleicht mal wieder ein ganz guter Anlass zu fragen, ob mehr Volksabstimmungen in Deutschland wirklich der Weisheit letzter Schluss wären …

    Antworten

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