Interview mit Rechtsanwalt Dr. Jochen Theurer zum Thema Zeitmanagement

Guten Tag Herr Dr. Theurer. Fast hätte ich es nicht rechtzeitig zu unserem Interviewtermin geschafft. Sicherlich haben Sie als Autor des Buches Zeitmanagement für Juristen, das in 2. Auflage gerade erschienen ist, einen Tipp für mich, was ich zukünftig besser machen kann, um nicht völlig abgehetzt bei einem Termin zu erscheinen.

Früher losfahren und/oder ein Navi benutzen.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Zeitfresser?

Eine angeschlagene Gesundheit, ständige Unterbrechungen bei anspruchsvollen Tätigkeiten und die Überzeugung, alles selbst am besten zu können.

Reicht es aus, sich einfach vorzunehmen zielgerichteter zu arbeiten oder ist eine tiefergehende Umstellung der Arbeits- und Lebensweise notwendig?

Fast alle Zeitprobleme entstehen, weil man sich nicht traut, die sinnvollen, notwendigen und realistischen Schritte umzusetzen. Dabei tauchen nämlich regelmäßig tiefsitzende Urängste auf: Wenn ich nicht jederzeit erreichbar bin, wandern die Mandanten ab und ich lande auf der Straße. Wenn ich nicht jedes Mandat übernehme, verärgere ich meine Mandanten und lande auf der Straße. Wenn ich nicht alles so mache wie die anderen, lande ich auf der Straße usw. Und diese Ängste ziehen sich durch alle Schichten: Vom jungen Associate, der voller Angst den Ablauf seiner Probezeit herbeisehnt, bis hin zum gestandenen Partner einer Großkanzlei, der im Seminar erklärt: „Wir könnten selbst dann nichts ändern, wenn alle Partner der Kanzlei das beschließen würden.“

Das Problem ist: Wer gestresst ist und glaubt, ein „Zeitproblem“ zu haben, der schafft es einfach nicht, sein Verhalten zu ändern. Der Grund dafür sind fast immer unbewusste Glaubenssätze, innere Überzeugungen oder Ängste. Und an dieser Stelle muss man dann ansetzen. Deshalb hilft es meistens auch nicht, einfach mal so ein Buch zu lesen.

Haben Sie einen Tipp, wie sich Verhandlungstage besser nutzen lassen?

Wissen was man mit der Verhandlung konkret erreichen will. Nicht labern. Die anderen Beteiligten konsequent unterbrechen, wenn sie anfangen zu labern.

Beleuchten Sie in Ihrem Buch auch andere Lebensbereiche jenseits des Arbeitsalltags?

Ja. Es geht auch darum eine befriedigende Work-Life-Balance zu erreichen, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern und sich auf den Weg zu einer gesünderen Lebensweise zu machen.

Welche Expertise bringen Sie in das Buch ein?

Meine langjährigen Erfahrungen als Rechtsanwalt und Coach gepaart mit einer umfassenden Praxis in Neuro-Linguistischem Programmieren (NLP) und dem Gehirnintegrationstraining Brainkinetik®.

Bitte seien Sie so nett und fassen kurz zusammen, wodurch sich Ihr Buch von den anderen Büchern am Markt zum Thema „Zeitmanagement“ unterscheidet.

  1. Alle für Juristen relevanten Techniken und Strategien sind übersichtlich zusammengestellt und erläutert.
  2. Die Leser lernen, ihre „inneren Einwände“ zu bearbeiten. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Arbeitsalltag tatsächlich etwas verändert und es langfristig zu einem besseren Zeitmanagement kommt.
  3. Unterschiedliche Strategien – je nach der individuellen beruflichen und persönlichen Situation.

Herr Dr. Theurer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Theurer
Zeitmanagement für Juristen
2016, IX, 239 S., Springer Gabler, ISBN 978-3-658-14966-6,
Preis 24,99 € inkl. MwSt.

 

1 Antwort
  1. Busmann
    Busmann says:

    Großartig. Endlich mal einer, der Juristen davon abbringen möchte, jede Minute ihres Tages zu „verplanen“, aufwändig „Zeitpuffer“ einzustellen sowie „Wochenpläne“ an die Wand zu hängen oder ins Telefon zu layouten…..
    Fehlt m.E. nur noch der Gedanke, dass Anwälte eh nur in ungeliebten ROLLEN einen Zeitmangel haben. Aus ungeliebten ROLLEN große Teile an andere zu delegieren, ist eine weitere, zeitgenössische Zeitmanagementkunst: Der coole Berater muss und wird kein cooler „Controller“ sein, wenn er keine Lust hat auf Zahlenwerke. Die Rampensau wird nie ein erfolgreicher Aktenschnüffler – und umgekehrt!
    Zeitgenössisches Management der täglichen 24 Stunden beginnt immer, BEVOR ein Mandat die Kanzlei erreicht und untersteht der Frage: Kann ich mir leisten, dieses Mandat überhaupt ANZUNEHMEN? Strategie ist also Grundlage für effizientes Zeitmanagement…

    Herzlich, Johanna Busmann, Hamburg
    Kanzleiberaterin seit 26 Jahren

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