Über den richtigen Umgang mit akademischen Titeln und Adelstiteln

Regeln gelten nur für Sozialaufsteiger, formulierte eine FH-Professorin einmal in einem Interview. Wie jeder Provokation wohnt auch dieser sicher ein wahrer Kern inne. Aber nur, wer die Regeln gemeistert hat, erreicht das, was in Italien Bestandteil von sprezzatura ist: die Leichtigkeit im ungezwungenen Umgang mit anderen Menschen.

Für die Kanzlei ist die korrekte Anrede in Briefen, Emails und vor allem auch am Telefon ein Ausweis von Professionalität. Wenn schon die Ansprache von Mandanten und Geschäftspartnern nicht richtig sitzt, weckt dies Zweifel an der Perfektion der angebotenen juristischen Dienstleistung.

Niemand wird Sie auf Ihre „Fehler“ in der Ansprache hinweisen; schon gar nicht der kundige Titelträger, wenn er auch nur die Grundregeln des höflichen Umgangs beherrscht. Deshalb empfiehlt sich an dieser Stelle vor allem die Anschaffung eines guten Buches, etwa des nun schon in 5. Auflage erschienenen Klassikers von Redeker:

Redeker
Die korrekte Anrede im öffentlichen Leben
2012, 244 S., Bundesanzeiger Verlag, ISBN 978-3-8462-0019-3,
Preis 24,80 € inkl. MwSt.

Aber es gibt eine Reihe von Dingen, welche sich nicht unmittelbar aus Büchern ergeben und oftmals auch informell gepflegt werden:

Vom richtigen Umgang mit akademischen Titeln

Akademische Titel – Professor und Doktor, nicht hingegen der Master-Titel (LL.M., MBA etc.) – werden immer verwendet, denn zumindest einer davon ist auch Bestandteil des Namens. Immer meint: zu jeder Zeit, in jedem Rahmen und gegenüber allen Kommunikationspartnern. Zumindest so lange, bis der Titelträger vorschlägt, denselben doch lieber wegzulassen. Je enger der persönliche Kontakt, desto eher drängt sich das für den Träger des Titels auf.

Aber Vorsicht: Der Verzicht gilt selbstverständlich nur für den unmittelbaren mündlichen Kontakt und allenfalls noch die direkte Email-Korrespondenz ohne Beteiligung Dritter. In offizieller (Geschäfts-) Korrespondenz werden die Titel besser weiter verwendet.

Es ist daneben üblich, dass Professoren und Doktoren desselben Fachbereiches von vornherein und unausgesprochen auf die wechselseitige Nennung des Titels verzichten.

Aber Vorsicht: Höflicher scheint es, dennoch mit dem Titel zu antworten, wenn man in Kenntnis der wechselseitigen Promotion und desselben Fachbereiches damit angesprochen wird.

Auch wenn im Adressfeld eines Briefes alle Titel aufzuführen sind, wird in der Briefanrede nur der höchste verwendet. Letzteres gilt auch für Emails!

Ein Gedanke zur Unterschrift von Briefen: Unter derselben findet sich die Wiedergabe des Namenszuges in Maschinenschrift, damit der Leser erkennen kann, wer genau unterzeichnet hat. Es ist unüblich, seinen Namenszug handschriftlich etwa mit „Dr.“ zu versehen, weshalb die akademischen Titel auch in der maschinenschriftlichen Unterzeile eigentlich nichts zu suchen haben.

Aber Vorsicht: Eine wichtige Ausnahme ist freilich, wenn das CI-Konzept eines Unternehmens entgegen der Regelungen in der DIN 5008 für Geschäftsbriefe etwas anderes vorschreibt: Sollte im Namenszug des Absenders unter der Unterschrift ein Titel verpflichtend ausgeführt sein, sollte der Adressat des Briefes in der Anrede selbstverständlich auch mit seinem Titel angeschrieben werden.

Auch bei der Email bietet es sich an, die „Unterschrift“ nach der Grußformel nur mit Vor- und Nachname auszuführen und die Titel zur Namenswiedergabe in das anschließende Feld für Firma und Kontaktdaten zu fügen.

Zu kompliziert, das Ganze? Dann gehen wir noch eine Stufe weiter:

Vom richtigen Umgang mit Adelstiteln

Eigentlich ist es eher nicht üblich, sich selbst vorzustellen. Wird man vorgestellt, werden auch akademische genauso wie Adelstitel bei der Präsentation durch Dritte genannt.

Aber Vorsicht: Der Adlige wird sich selbst nur mit Vor- und Familiennamen vorstellen; weder wird er seinen Adelstitel noch sein Adelsprädikat jemals aussprechen. Dann stehen wir als Gegenüber vor der Herausforderung, die korrekte Anrede selbst ermitteln zu müssen.

Für alle Einzelheiten zu Adressierung und Anrede verweise ich auf die genannte Literatur. Auch hier gilt wie schon zuvor: Es empfiehlt sich, solange förmlich zu bleiben, bis andere Möglichkeiten angeboten werden.

Eine Besonderheit findet sich beim Zusammentreffen von akademischen Titeln und Adelstitel in einer Person: Hier wird für die Anrede in Brief und persönlichem Gespräch nur der jeweils höchste Titel genannt. Welcher das ist, hängt ab von Umfeld und Anlass: Im akademischen Ambiente kann dies die entsprechenden Titel verlangen, während die Höflichkeit eher für den Adelstitel spricht.

Es grüßt Sie herzlich im Namen des Kanzleiforum Teams

Dr. Frank Lang, Lektor, Verlag C.H.Beck oHG

 

 

6 Antworten
  1. Vonundzu
    Vonundzu says:

    Weder der Doktorgrad (nicht: -titel) noch der Professorentitel ist „Bestandteil des Namens“.

    Bestandteile des Namens sind hingegen Adelstitel und Adelsprädikate, weshalb sie auch nicht zugunsten des akademisches Grades oder Titels entfallen dürfen, sondern in der Anrede mit diesen zusammen zu nennen sind.

    Antworten
    • Frank Lang
      Frank Lang says:

      Vielen Dank für Ihre Hinweise!
      Nach der am 1.1.2009 in Kraft getretenen Reform des Personenstandsgesetzes war es zunächst umstritten, ob akademische Grade noch in die Register eingetragen werden können, was der BGH 2013 negativ entschieden hat (Az. XII ZB 526/12). Ältere Eintragungen werden damit aber nicht unwirksam, sondern die akademischen Grade werden nur für künftige Eintragungen nicht mehr übernommen, vgl. etwa Nr. 56.2.1. PStGVwV.
      Für den zweiten Hinweis ein Beispiel:
      Der „Herr Prof. Dr. Graf X von Z“ würde nach dem Gesagten in der Briefanrede entweder „Sehr geehrter Herr Professor von Z“ oder „Sehr geehrter Graf Z“ angesprochen. Was meinen Sie?

      Antworten
      • Vonundzu
        Vonundzu says:

        Dass erworbene akademische Grade keine Bestandteile des bürgerlichen Namens werden, ist seit Menschengedenken unzweifelhaft (s. auch die Nachweise in BGH XII ZB 526/12 sub II.1.). Zweifelhaft und Gegenstand der aktuellen BGH-Entscheidung war nur, ob der akademische Grad als solcher (!) registerfähig ist.

        Und ja, Beck-Autor Prof. Prinz von Sachsen Gessaphe muss als „Herr Professor Prinz von Sachsen Gessaphe“ angeredet werden, solange Sie nicht positiv wissen, dass er sich das anders wünscht.

        Antworten
  2. Hesse
    Hesse says:

    ich halte überhaupt nichts davon sogenannte Adlige mit ihrem Titel zu benenne. Ich spreche sie ohne ihr „von“ an, weil es für mich keine Adligen gibt. Spätestens mit der Weimarer Republik wurden die Sonderrechte und Privilegien der Adligen aufgehoben und das war richtig so. Deshalb sind diese für mich nur aufgeblasene Truthähne wenn sie auf die Ansprache als Adliger bestehen.

    Antworten
  3. Busmann Johanna
    Busmann Johanna says:

    Hallo Anredeforum,
    in meinem Kundenkreis befinden sich mehrere Adelige. Wenn ich ihnen schreibe oder sie treffe, lautet meine Anrede „Guten Morgen, Graf“. In einer förmlichen ersten mail: „Sehr geehrter Graf von …“. Alle anderen Titel lasse ich weg. In einem Fall – nach einigen Jahren – schreibe und sage ich: „Moinmoin, Graf, wie geht es Ihnen inzwischen?“ Kommt gut an, ich fühle mich wohl, meine Gesprächspartner offenbar auch, und andere in meiner Umgebung gewöhnen sich das auch an. Wie stehen Sie dazu?

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.