Der Weihnachtsfeier Knigge – von Horst Hanisch

In der Adventszeit steht in vielen Unternehmen die jährliche Weihnachtsfeier als Zeichen der Anerkennung für geleistete Arbeit an.
Viele Teilnehmer freuen sich auf die Feier und sehen darin einen Höhepunkt des Arbeitsjahres. Für andere ist diese Tradition eine Pflichtveranstaltung in der hektischen Vorweihnachtszeit. Da es so viele andere Dinge zu tun gäbe, möchten sie lieber darauf verzichten. Jeder muss selbst entscheiden wie wichtig es ihm ist, sich hier auszugrenzen und auf die Chancen zu verzichten, Kollegen und Mitarbeitern kennen zu lernen.

Die leidige Frage: Was ziehe ich an?
Auch wenn kein bestimmter Dresscode vorgegeben wird – oder durch ein möglicherweise angekündigtes Motto richtungsweisend ist – werden sich die meisten Eingeladenen eleganter kleiden als üblich. Zu solch einem Anlass, der ja nur einmal im Jahr stattfinden kann, sollte das Outfit etwas schicker als im Arbeitsalltag gewählt werden.

Den Aperitif nutzen …
Oft wird beim Eintreffen ein Aperitif gereicht. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich mit möglichst vielen Anwesenden zum Smalltalk zu treffen. Hier ein paar nette, charmante Worte austauschen, dort ein echt gemeintes Lächeln und ein freundliches Zunicken zeigen. Betrachten Sie die Zeit vor dem „eigentlichen“ Programm als mögliche Netzwerkarbeit: Sehen und gesehen werden! Wenn es irgend geht, grüßen Sie auch den Einladenden – in der Regel die Chefin oder den Chef – und bedanken sich für die Einladung. Selbstverständlich gilt es als großes Tabu, diese vermeintliche Chance zu nutzen, um die längst überfällige Gehaltserhöhung anzusprechen. Themen dieser Art gehören nicht auf die Weihnachtsfeier!

Die Reden …
Diejenigen, die im Vorfeld gebeten wurden eine Rede zu halten, sollten diese lustig, kurzweilig und interessant gestalten. Die Weihnachtsrede ist ein passender Anlass, positive Ereignisse des vergangenen Jahres zu erwähnen, den Mitarbeitern zu danken und sie auch für das kommende Jahr zu motivieren. Tadel auszusprechen ziemt sich in diesen Reden nicht. Wohl aber kann kurz auf mögliche (zukünftige) Veränderungen eingegangen werden.

Die Schlacht am Buffet
Fast immer enden diese Reden mit der Eröffnung des Speisenbuffets. Einige springen sofort auf und eilen gehetzten Gangs zum angerichteten Speisenangebot. Hierbei sind regelrechte Künstler zu beobachten, die irgendwo am Buffet beginnen sich zu bedienen und es schaffen, ihre Teller pyramidenförmig mit Speisen zu beladen, und die sich dann triumphierend zu ihrem Sitzplatz zurück begeben und dort sofort anfangen, die Speisen in sich hineinzuschaufeln. Wer etwas gesitteter vorgehen will, begutachtet erst einmal das komplette kulinarische Angebot, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Gesprächsthemen mit Vorsicht wählen
Genießen Sie die Speisen und tauschen sich mit den Tischnachbarn aus. Natürlich wird es auch begleitende Getränke, meist alkoholischer Natur, zum Essen geben. In guter Stimmung trinkt einer mal etwas mehr als üblich. Bekannterweise lockert Alkohol die Zunge. Wer hier nicht aufpasst, sagt schon mal etwas, was er am nächsten Tag bereut. Bleiben Sie bei Ihren Aussagen deshalb loyal sich selbst gegenüber. Wer über Kollegen lästern will, über laufende Projekte schimpfen muss oder sich über die Unfähigkeit der Geschäftsführung auslassen will, sollte dies tunlichst an anderer Stelle tun. Auch am nächsten Tag sollten sie sich mit gutem Gewissen in die Augen sehen können und die Weihnachtsfeier in guter Erinnerung behalten.

Was tun mit Smartphones?
Profis lassen ihre Smartphones und Handys während solcher Feiern aus- oder stummgeschaltet in der Tasche. Andere nutzen die Chance, möglichst viele „lustige“ Fotos der Gäste zu machen und sofort auf den sozialen Plattformen zu veröffentlichen. Wenn Sie sich auf solchen Foren nicht in „peinlicher“ Pose wiedersehen wollen, bleibt nichts anderes übrig, als während der Feier ein angemessenes Verhalten zu zeigen.

Du oder Sie?
Die Stimmung ist gut und wird immer ausgelassener. Schon wird von jemandem das Du angeboten. Bedenken Sie, dass es sich hier lediglich um ein Angebot handelt, dass Sie annehmen, allerdings auch ablehnen können. Gerade dann, wenn der Vorgesetzte das Du anbietet, sollten Sie gut überlegen. Im Falle der Ablehnung könnten Sie freundlich entgegnen: „Wir sind so lange sehr gut mit dem Sie gefahren, lassen Sie es uns vor erst dabei bewenden.“ Wenn das Du für Sie in Ordnung ist, ist natürlich nichts einzuwenden. Unangenehm wird es höchstens am nächsten Tag, wenn sich die Beteiligten „nüchtern“ im Arbeitsumfeld wiedersehen und nun gar nicht mehr duzen wollen. In der deutschen Kultur ist es außerordentlich schwierig bis unmöglich vom Du auf das Sie zurückzukehren. Deshalb sollten Sie Ihr Gegenüber sofort mit Sie ansprechen, um gleich klarzumachen, dass nun doch lieber wieder auf der Sie-Ebene weitergearbeitet werden soll.

Happy End?
Tja, und dann kann es sein, dass Sie Ihre/n Kollegen/Kollegin mit ganz anderen Augen sehen und eine gewisse Sympathie empfinden, die Sie vorher gar nicht wahrgenommen haben. Sollten Sie sich verliebt haben? Das kann vorkommen; es gibt mehr Verliebte in einem Unternehmen, als nach außen hin anzunehmen ist. Herzlichen Glückwunsch dann, wenn es von Ihnen beiden so gewünscht ist.

Es grüßt Sie im Namen des Kanzleiforum-Teams

Horst Hanisch

Hanisch
Kanzlei-Knigge
2014, XVIII, 202 S., Springer Gabler, ISBN 978-3-658-06513-3,
Preis 29,99 € inkl. MwSt.

 

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