Finanz-Einmaleins für die Kanzlei von Professor Dr. Claus Koss

Judex non calculat. Der Jurist rechnet nicht oder liest Zahlen nur, wenn ein § davorsteht. Besagt zumindest ein Bonmot über die Zunft der Richter, Staats- und anderen Anwälte. Dabei hat das Spiel mit Plus und Minus, mit Soll und Haben, mit Umsatz und Gewinn seinen eigenen Reiz: Abhängig von der Rechnung, die aufgemacht wird, kommt ein ganz anderes Ergebnis heraus. Mal zum Vorteil des eigenen Mandanten, mal zu dessen Nachteil.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Claus Koss haben wir einige Grundregeln zusammengestellt – anwendbar im Kanzleialltag und in Verfahren.

In der Kanzlei 

  1. Beschäftigen Sie sich selbst mit der Buchführung. Richten Sie sie sauber ein. Es gibt diverse Buchhaltungsprogramme auf dem Markt, die Ihnen helfen. Das spart Arbeit. Viele Programme verfügen über Datev-Schnittstellen, was Ihren Steuerberater freut. Als Kanzleigründer bestimmen Sie einen Tag in der Woche, an dem Sie Ihre Buchhaltung erledigen: Einnahmen und Ausgaben kontrollieren, gesammelte Belege und Rechnungen sorgfältig ablegen oder einscannen sowie die Posten ins Buchhaltungsprogramm übertragen. So behalten Sie den Überblick über Ihre Finanzen und sehen schnell, ob Ihr Laden läuft.
  2. In einer großen Kanzlei bietet sich eine externe Buchhaltung an. Den Job übernimmt der Steuerberater. Sie legen dann einen Tag im Monat fest, an dem er die Buchungsbelege bekommt.
  3. Auf dem Bankkonto der Kanzlei liegen häufig Mandantengelder. In der Finanzbuchhaltung (Fibu) trennen Sie diese klar vom eigenen Geld. Deshalb weisen Sie dem treuhänderisch verwalteten Geld unbedingt das dafür vorgesehene gesonderte Fibu-Konto Nr. 3310 oder 33101 zu. Darauf werden alle ein- und ausgehenden Mandantengelder verbucht. »Falls die Beträge nicht getrennt verbucht werden, setzen Anwalt und Notar sich dem Vorwurf der Untreue aus«, sagt Autor Claus Koss. Seine Einführung in die Welt der Zahlen plus der dahinter steckenden Informationen hat der Jurist, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Nicht-Buchhaltern – auch in seiner Zunft – gewidmet.
  4.  Aus der Koss-Praxis kommt der nächste Hinweis: Bloß nicht schludern! Sicher, manchmal ballen sich Termine, Eilsachen, Urlaub, Krankheit. Da wandert die sowieso unbeliebte Buchhaltung auf der Prioritätenliste nach hinten. Falsch, sagt Koss: »Einmal verschlampt, erfordert sie hinterher umso mehr Aufwand.«
  5. Die Kanzlei kommt vielleicht einige Zeit ohne Buchhaltung über die Runden. Das Finanzamt wird dann bei der Festsetzung der Steuern die Einnahmen schätzen. Das kann teuer werden. Um das zu verhindern, muss was her? Klar: eine ordentliche Buchhaltung. Wer die rechtzeitig vor Fristablauf abliefern will, wird eine Menge Mandate liegen lassen.

Im Verfahren

Stellen Sie sich vor, im Scheidungsverfahren wird um den Zugewinnausgleich gerungen. Es geht unter anderem um den Wert der Firma, die die Ehepartner gemeinsam aufgebaut haben. Ein Gutachten beziffert den Wert auf zwei Millionen Euro. Da drängt sich doch die Frage auf, wie der Experte zu dieser Annahme kommt. Wenn Sie über den Unterschied der Berechnungsmethoden informiert sind, können Sie mit zwei, drei Fragen die Gutachter-Argumentation erschüttern. Im besten Fall holen Sie einen höheren Betrag zugunsten Ihres Mandanten heraus.

  1.  Also tun Sie, was Juristen eh beherrschen: Fragen stellen! Hinterfragen Sie die Zahlen! Nach welchen Normen wurde zum Beispiel der Jahresabschluss erstellt? Nach dem deutschen HGB, nach US-GAAP, nach IFRS für International Financial Reporting Standards? Unter dem Strich können nicht nur unterschiedliche Ergebnisse herauskommen, sondern auch zielführende Informationen für Ihr Verfahren.
  2. Bilanzkenntnisse nutzen auch dem Verwaltungsjuristen. Wer ein öffentliches Unternehmen oder für Kommune, Land und Gebietskörperschaft Beteiligungen kontrolliert, sollte Aktiva und Passiva auseinanderhalten. Außerdem gut zu wissen: Doppik bedeutet nicht doppelte Buchführung, sondern steht für Rechnungslegung in der öffentlichen Verwaltung. Nehmen Sie zunächst keine Angabe für bare Münze. Es ist hilfreich, genau hinzugucken, zu vergleichen. Es kann durchaus interessant sein zu erfahren, warum ein Unternehmen in einem Jahr Vorräte für eine Million Euro in den Büchern hatte, im nächsten Jahr aber gar keine.

Und hinterher: 

Rechnung schreiben. Ohne Rechnungen kommt  kein Geld herein. Mandanten sind wie andere Menschen auch –  sie zahlen nur nach Abrechnung und Aufforderung. Übrigens: Rückstellungen sind Verbindlichkeiten. Diese können auf mögliche Leichen im Keller deuten. Dazu gehören Rechtstreitigkeiten und Fälle von Produkthaftung. Dagegen sind Rücklagen so etwas Ähnliches wie ein Sparbuch.

Den gesamten Artikel und weitere interessante Informationen finden Sie im BeckExtra Magazin.

Koss
Bilanz
2016, 293 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-69344-1,
Preis 24,90 € inkl. MwSt.

 

Im nachfolgenden Video spricht Prof. Dr. Claus Koss über sein Buch „Bilanz lesen und verstehen“:

 

 

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.