Kanzleiwebsite: Dreh- und Angelpunkt für Ihr Kanzleimarketing – kostenloses Webinar mit Pia Löffler

Eine gute Website ist heutzutage für den Erfolg einer Kanzlei wichtiger denn je. Immerhin ist das Internet meist die erste Anlaufstelle, wenn potenzielle Mandanten Rechtsberatung suchen. Doch was macht eine Kanzleiwebsite modern und übersichtlich? Rechtsanwältin und Marketingexpertin Pia Löffler erklärt im kostenlosen Webinar „Kanzleiwebsite: Dreh- und Angelpunkt für Ihr Kanzleimarketing“, worauf es hier ankommt.

Datum: 4. April 2017; 17:00 – 17:45 Uhr

Hier geht es direkt zur Anmeldung: www.anwaltswebinare.de/w/231042

 

Anwalt(Marketing)Tendenzen 2017. Gastbeitrag von Dr. Petra Arends-Paltzer

 I. Evergreen Content

Benutzen Sie in Ihrer Social Media Communication „Evergreen Content“-Informationen.  Das sind Themen, die kein „Verfallsdatum“ haben und deshalb fortwährend genutzt werden können. Kurz gesagt: Inhalte, die nicht veralten, haben das Zeug „Evergreen“ zu werden. Wenn man die Frage, ob ein Artikel auch noch in einem oder zwei Jahren aktuell ist, mit „Ja“ beantworten kann, dann hat man den ersten Schritt für einen immergrünen Artikel. Beispiel: Online Scheidung – So einfach geht das!

II. Social Media Plattformen

Social Media Plattformen stellen nach wie vor eine der besten Möglichkeiten für Anwälte dar, ihre Reputation auf- und auszubauen. Xing, Google My Business, Youtube, Facebook Business, Twitter, Online, Blog, Facebook Gruppen, digitales Schaufenster, Beziehungsaufbau, digitale Kommunikation, Themen besetzen = Thought Leadership, Antworten bekommen, Reichweite vergrößern, Glaubwürdigkeit steigern. Die Liste ist unendlich. Ihre Mandanten sind online und deshalb müssen Sie das auch sein. Wer nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit geht.

III. Artificial Intelligence

Ist der Rechtsanwalt von morgen ein Roboter? Und wenn schon nicht so extrem, wie wird Augmented Intelligence die Arbeit der Anwaltskanzleien verändern? AI wird bereits von zahlreiche Kanzleien, wie z.B. von Denton, Linklaters, Clifford Chance, Briesen & Roper geprüft bzw. schon erfolgreich eingesetzt. In Entscheidungen kommen zunehmend mehr Algorithmen zum Einsatz. Sie sortieren Suchresultate nach Relevanz und erstellen Datenvisualisierungen. Als unsichtbare digitale Helfer sind sie schon weit verbreitet. Im Vergleich zu Menschen haben Algorithmen kein Problem mit einer großen Informationsmenge umzugehen. AI sollte man also im Auge behalten.

IV. Rechtsdienstleistungsindustrien

Rechtsanwälte haben kein Monopol mehr. Der legale Marktplatz ändert sich und Mandanten können Rechtshilfe von einer wachsenden Zahl von „Rechtsdienstleistern“ wie Smartlaw, LegalBase, Flightright.de, Geblitzt.de, Guider CH online in Anspruch nehmen. Mit Hilfe von zahlungskräftigen Venture Kapitalisten nutzen die Start-Up’s die technologischen Entwicklungen und im Moment sieht es so aus, als ob sich eine neue Industrie für Rechtsdienstleistungen diesen Markt sichert. Diese neuen Optionen ermöglichen es, bezahlbare juristische Dienstleistungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu schaffen und die Bürger in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Rechtsangelegenheiten online zu regeln. Die Anwälte könnten das Nachsehen haben.

V. Blockchain

Die Technologie hinter Bitcoin. Sie wird zurzeit von zahlreichen Banken, Versicherungen & Anwaltsfirmen getestet und wird erheblichen Einfluss auf die gesamte Branche haben. Blockchain ist im Grunde eine dynamische Datei, die konstant auf den aktuellsten Stand gebracht wird. Aufgrund ihrer Eigenschaften kann die Blockchain Vertrauen, das vormals von Intermediären als Dienstleistung angeboten wurde, technisch herstellen. Das ist wichtig, wenn Personen, die einander nicht kennen, miteinander ins Geschäft kommen möchten. Blockchain kommt zur richtigen Zeit, denn das Vertrauen in die traditionellen Institutionen des Staates, der Wirtschaft und des Finanzmarktes ist deutlich geringer geworden.

VI. Geänderte Strukturen

Weniger Partner, mehr Angestellte und „ewige Associates“.

VII. „Nicht Berufsträger“

Mehr „Nicht-Berufsträger“ wie IT- und Marketing-Spezialisten. Der Beruf „Legal Engineerer“ wird sich etablieren.

Die Autorin Dr. Petra Arends-Paltzer studierte Jura in Bonn, Lausanne sowie Würzburg und hat als Beamtin, Anwältin, Syndicusanwältin, Bankerin und Projektmanagerin vornehmlich im Rechts-/Finanzumfeld gearbeitet. Seit einigen Jahren berät sie Anwälte beim Aufbau ihrer digitalen Onlinepräsenz und steuert deren Marketingkampagnen.

www.lawyer-marketing.net    p.arends-paltzer@bluewin.ch

Innovation in Kanzleien. Gastbeitrag von Claudia Schieblon

Claudia Schieblon

„Stillstand ist Rückschritt.“ Dies gilt auch für die Kanzleibranche – gerade in Zeiten, in denen sich so viel für Kanzleien verändert wie aktuell. Natürlich kann man abwarten, was die anderen tun und irgendwann nachziehen, doch langfristig erfolgreich sind auf Dauer diejenigen, die ihre eigene Zukunft aktiv gestalten.

Man könnte hier namhafte Denker vom Altertum bis Heute zitieren, doch besonders eingängig wird der Sinn des Vorausdenkens durch die Übertragung auf den Sport:

„Ein erfolgreicher Fußballer darf auf dem Spielfeld nicht ständig dorthin laufen, wohin der Ball gerade fliegt. Er muss ahnen, wo der Ball ankommen wird, und im richtigen Moment am richtigen Ort sein.“
Franz Beckenbauer

Viele Anwälte beobachten die Entwicklungen und Einflüsse auf den Kanzleimarkt intensiv und haben durch ihre Erfahrungen ein feines Gespür für Markt und Mandanten. Doch um daraus Ideen für Morgen zu entwickeln bedarf es der Bereitschaft für Veränderung. Dies ist gerade in größeren Kanzleien, in der alle an einem Strang ziehen sollen, nicht einfach. Doch es lohnt sich, gemeinsam mal scheinbar Utopisches zu formulieren und zu diskutieren. Meist braucht man gar nichts Neues zu erfinden, denn in anderen Branchen findet man genügend Ansätze, die für die eigene Kanzlei interessante Anstösse bieten. Schauen Sie doch einmal auf die Websites von Unternehmensberatungen oder seriösen Beratern, auf denen man Spannendes findet: Gut gemachte Unternehmensdarstellungen in Form kurzer Filme, Infos zu aktuellen Themen als Anreiz zur Kontaktaufnahmen, ansprechende optische Aufmachungen und vieles mehr.

Innovationen in Kanzleien passieren nicht von heute auf morgen. Voraussetzung dafür ist die Einrichtung eines internen Forums, in dem man kritikfrei Ideen vorstellen kann, sich auf die Denkweise anderer einlässt und Neues wagen darf. Es erfordert Mut für eine Kanzlei, andere Wege zu gehen als die Wettbewerber, denn die Möglichkeit des Scheiterns und das „Sich-Lächerlich-Machen“ scheint groß. Doch viele Erfolgsgeschichten belegen, daß diese Gefahr weit geringer ist als gedacht und es sich wirklich lohnt.

Bei den PMN Management Awards werden seit acht Jahren innovative Projekte aus dem Management von Kanzleien in fünf Kategorien ausgezeichnet. Kanzleien reichen ihre Beschreibungen innovativer Projekte ein, die von einer unabhängigen, namhaften Jury nominiert und ausgezeichnet werden. Unter den Ausgezeichneten finden sich große wie kleine Kanzleien, Start-ups, multidisziplinäre Kanzleien und WP-Gesellschaften.

Viele Projekte sind aufmerksamen Beobachtern des Marktes sicherlich bekannt und nicht nur den Besuchern der PMN Award Gala, bei der die nominierten Projekte vorgestellt und die Auszeichnungen vergeben werden.

So erhielt 2016 Linklaters den 1. Preis in der Kategorie „Personalmarketing“ für ihren bei Jura-Studenten sehr beliebten You-Tube-Kanal mit sowohl informativen und unterhaltsamen Filmen. Dort finden Sie Filme mit Bewerbungstipps, der Büroeröffnung in Frankfurter, der Linklaters-Ski-Freizeit und vieles mehr.

Schon mehrfach prämiert wurde Glade Michel Wirtz, die mit ihrer einzigartigen Kommunikationskampagne, die die Partner als humorvoll gezeichneten Karikaturen abbilden, im Markt schnell bekannt wurden.

In der Kategorie „Geschäftsentwicklung“ gibt es immer interessante Initiativen. So gingen in 2016 zwei Auszeichnungen an Kanzleien (CMS Hasche Sigle und Wolf Theiss) für Initiativen der automatisierten Online-Rechtsberatung. Und ein Preis an Graf von Westphalen, die ein Projekt mit anderen Professionen im Bereich des Baurechts erfolgreich durchführen.

Es lohnt sich für eine Kanzlei, egal welcher Größe, innovativ zu sein – sei dies nun durch einen Preis bestätigt oder nicht. Kaum ein Mandant aus der Wirtschaft, der bei Kanzleien Rechtsberatung nachfragt, könnte es sich leisten, nicht innovativ zu sein – der Kleinunternehmer nicht weniger als internationale Konzerne. Man muß nur vertraute Wege verlassen und Neues wagen.

Nur Mut!

Autorin: Claudia Schieblon, Leitung Professional Management Network (PMN)

Wozu brauchen wir eine Kanzleistrategie? Interview mit Christoph H. Vaagt

Guten Tag Herr Vaagt. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen.

Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Ihr neues Werk befasst sich mit dem Kanzleimarkt in Deutschland. Richtet sich dieses in erster Linie nur an große Wirtschaftskanzleien oder können auch kleine und mittlere Kanzleien davon profitieren?

Das Buch wurde für alle Anwälte im gesamten Markt geschrieben, sowie alle anderen, die Interesse an diesem Markt haben, sei es weil sie hier Produkte hinein verkaufen, sei es als Journalisten, etc. Alle Kanzleien, vom Einzelanwalt, über die kleine lokale Sozietät, die große Mittelstandskanzlei oder die Top-Kanzlei profitieren davon, weil sie ihre eigene unternehmerische Aktivität besser einstufen, die Ergebnisse besser vergleichen und Handlungsoptionen für die Zukunft erhalten. Denn es wurden die Daten des gesamten Kanzleimarktes wie von dem Bundesamt für Statistik zur Verfügung gestellt aufgearbeitet, nicht nur die einzelner Kanzleitypen.  

Welche Trends und Entwicklungen werden den Kanzleimarkt in den nächsten Jahren prägen?

Der wichtigste Trend in allen Kanzleisegmenten, den es schon seit ein paar Jahren gibt, ist der des Verdrängungswettbewerbs. Wenn der Mandat nicht zu einer Kanzlei kommt, weil eine andere  besser, leichter auffindbar, stärker spezialisiert ist als die eigene, dann geht es eben dorthin. Und es entscheidet also nicht so sehr, was der einzelne Anwalt kann oder glaubt zu können, sondern was die Kanzlei, der er angehört, im Markt repräsentiert, was sie kann, wie gut sie auf Bedürfnisse (im Gegensatz zu rechtlichen Fragestellungen) spezialisiert ist.

Was muss ein Rechtsanwalt beachten, um in diesem stark umkämpften Markt auch in Zukunft erfolgreich zu sein?

Die Fähigkeit, spezifische Zielgruppen anzusprechen, ist entscheidend. Großkanzleien arbeiten vor allem für Wirtschaftsunternehmen, und kennen deren Bedürfnisse besser als solche Kanzleien, die Scheidung/Baurecht/Verkehrsrecht bearbeiten, also typische Fragestellungen der Privatmandanten. Und ein Anwalt, der Pferde liebt und selber reitet, kennt Pferdeliebhaber eben besser als ein Allgemeinanwalt, versteht, welche Sorgen diese haben, vom Kauf eines Pferdes über deren Unterbringung, Turniere, Pferdeställe, deren Sorgen hinsichtlich Nachfolge etc. Ein Anwalt, der seine „Lieblingszielgruppe“ gefunden hat, weiß, wo er diese trifft, wie er sie anspricht, welche Probleme sie hat, ist mithin jedem anderen Anwalt, der nur juristische Kenntnisse einbringen kann, weit überlegen. Denn seine Problemlösungen sind besser als die anderer Anwälte. Dazu muss er sich allerdings manchmal auch von der alten Kanzlei lösen und in eine Umgebung wechseln, die  ihm das ermöglicht, also etwa in  Kanzleien, die ähnliche Spezialisierungen oder komplementäre Kompetenzen haben.

 Gibt es allgemeingültige Tipps, die Sie insbesondere an kleine und mittlere Kanzleien geben können?

Kanzleien sollten sich unternehmerisch stärker mit Kanzleistrategien, Wirtschaftlichkeit etc. auseinander setzen. Sich hinter seinen Fällen zu verbergen, hilft nicht unbedingt, um im Wettbewerb zu bestehen.  Hierzu haben wir ja gerade unser Buch geschrieben, das zusammen mit den Kanzleimanagementformularen, die im Kanzleiformularbuch des Verlages C.H.BECK veröffentlicht wurden,  als gutes Instrumentarium genutzt werden kann, um die eigene Standortbestimmung und Zukunftsstrategie zu entwickeln.

Lohnen sich aus Ihrer Sicht Strategieberatungen auch für kleine und mittlere Kanzleien?

Nicht jede Kanzlei braucht eine Strategieberatung; aber für eine Kanzlei jeder Größe lohnt es sich, sich zumindest einmal im Jahr mit einem Außenstehenden, der etwas von Markt versteht, zusammen zu setzen, anstatt immer nur Mehr desselben zu diskutieren, immer wieder die gleichen Fehler zu machen, immer wieder die gleichen Entscheidungen zu treffen. Die blinden Flecken in der eigenen Wahrnehmung aufzuhellen geht nur, wenn ein Externer dazu kommt. Je mehr ein Externer etwas vom Kanzleimarkt versteht, umso besser.

Welche persönlichen Schlüsselkompetenzen sollte ein Anwalt trainieren um weiterhin erfolgreich im Markt tätig zu sein?

Ein Rechtsanwalt muss sich vor allem außerhalb seiner Fachlichkeit fortbilden. Nicht nur Mediation, sondern auch Moderation, Visualisierung, Coaching etc. sollte er oder sie lernen, damit sie Mandanten besser zuhören lernen und besser deren Bedürfnisse verstehen. Außerdem hilft es ihnen, sich mit Kollegen auseinander zu setzen; denn die Reduktion eines jeden Sachverhaltes auf juristisches Klein-Klein hilft nicht, um zukunftsgerichtete Lösungen zu erarbeiten.

 

Christoph H. Vaagt war Referent bei unserer kostenlosen Kundenveranstaltung „Perspektiven für Kanzleien“ am 16.3.2017.

 

 

 

Stil ist nicht diskutabel – oder doch? Gastbeitrag von Dr. Frank Lang

Stil ist nicht diskutabel – oder doch?

Stil sei nicht diskutabel, ist eine landläufige Ansicht. Entweder man habe ihn oder eben nicht. Lernen könne man das alles als Erwachsener ohnehin nicht mehr. Soweit diejenigen, welche sich aus dem lebenslangen Lernprozess schon verabschiedet haben, weil er zu mühevoll erscheint.

Was aber ist Stil nun eigentlich?

Der Kolumnist einer renommierten britischen Tageszeitung schrieb vor einigen Jahren, Stil sei die Art und Weise, wie man mit dem Unbill umgehe, welches einem täglich von seinen Mitmenschen angetragen werde. Damit können wir uns der Sache doch ein wenig nähern:

Vorbilder

Hochachtungsvoll bewundere ich immer wieder Menschen, die völlig gelassen bleiben angesichts von Provokationen, Beleidigungen, groben Regelverletzungen und den anderen netten Dingen, welche uns den Alltag und das Zusammenleben so regelmäßig vermiesen. Jedes Mal, wenn ich das Vergnügen habe, solcherlei als Zeuge zu erleben, frage ich mich ehrfürchtig (und ja: ein wenig neidisch): Wie schaffen die das? Den aufsteigenden Ärger reaktionslos scheinbar „durchzuleiten“ und am Ende sogar noch eine spontane, höfliche Entgegnung parat zu haben. Während üblicherweise der Reiz den Schalter trifft und die Abwehr auf Angriff umschaltet.

Praxis

In meiner ländlich geprägten Heimat gibt es eine klare Regel: Mit den Schweinen steigt man nicht in den Ring, denn man macht sich nur schmutzig und die Schweine haben noch ihren Spaß dabei (frei nach Regina Barreca). Das Beste scheint also zu sein, präventiv jede unnötige Form von Konfrontation zu vermeiden.

In der „klinischen Situation“ (Gerichts-) Verhandlung, Besprechung (vulgo Business-Meeting) oder auch Personalgespräch lässt sich das aber nicht zuverlässig verhindern. Es muss also ein Rezept für eine innere Distanzierung zu geben, welches die gleichmütige Resilienz gegenüber dem gemeinen Wadenbeißer ermöglicht. Wer sich aufregt, nimmt die Sache meist viel zu ernst. Denn das ist einer der größten Irrtümer: es gehe in solchen Zusammenkünften um irgendeine Sache. Nein, der Gegenstand des Interesses ist fast immer schon vorher alleine oder in kleineren, informellen Runden auf der Grundlage von Vorurteilen beschlossen und es geht nun nur noch darum, die vorgefasste Entscheidung hierarchiegerecht förmlich zu gebären und damit quasi rituell in die Welt zu setzen. Wer seinen Platz im Stall der Alphatierchen noch nicht gefunden hat oder sich dessen nicht sicher ist, muss also: kämpfen. Wer sich hingegen entspannt zurücklehnt und den anderen bei der Drecksarbeit zuschauen kann, scheint der „Ober“ zu sein.

Diejenigen, welche wirklich etwas zu sagen haben, schweigen ohnehin und die übrigen muss man gewöhnlich mit aller Gewalt vom Reden abhalten. Es hört Ihnen ja doch niemand zu: „Des Menschen Wort ist wie eine gesprungene Pauke, auf der wir eine Melodie heraustrommeln, nach der kaum ein Bär tanzt, während wir die Sterne bewegen möchten.“ (Gustave Flaubert (1, 234), Madame Bovary).

Ein Beispiel gefällig?

Wer regelmäßig das verfolgt, was im Fernsehen gerne als politische Debatte (neudeutsch Polit-Talk) verkauft wird, weiß: Dort diskutieren Menschen völlig befreit von jeder Sachkenntnis zum gewählten Thema, ohne profunde Tatsachengrundlage und unfähig, differenzierte Lösungsvorschläge zu präsentieren (als „postfaktisch“ wurde das neuerdings entlarvt). Die Moderatoren scheinen die Aufgabe zu haben, eine schlagzeilenfähige Bemerkung zu provozieren, um dem Ganzen auch in den folgenden Tagen noch ausreichend mediale Aufmerksamkeit zu garantieren (der Prototyp eines selbstreferenziellen Systems).

Wir grüßen also höflich die Diskutanten, danken für die zahlreichen Wortbeiträge, wenden uns mit dem Hinweis auf dringende familiäre Verpflichtungen ab und zahlen den Rundfunkbeitrag künftig fürs Nichtsehen. Wäre das guter Stil?

Die erste Lektion

für guten Stil scheint also zu sein, schweigen zu lernen. Om. Bitte mit einem Lächeln, denn wir wollen ja bella figura machen mit unserer seit Neuestem immer korrekt gebundenen Krawatte.

Dr. Frank Lang, Lektor, Verlag C.H.BECK oHG

Mitarbeiterbindung und -motivation – Was ist neben dem Gehalt noch wichtig? Anmerkungen aus Sicht einer Rechtsfachwirtin

Ja, Sie haben richtig gelesen: „neben“ dem Gehalt sind viele andere Faktoren notwendig, um Mitarbeiter dauerhaft an die Kanzlei zu binden und zu motivieren. Tatsächlich ist es so, dass eine angemessene Vergütung nur bis zu einem gewissen Grad als Motivator für gute Arbeitsleistungen wirkt. Danach verpufft der Effekt einer Gehaltserhöhung und die Mitarbeiter sind über diese „Stellschraube“ nicht mehr zu erreichen. Kommen zu einer Unzufriedenheit über die Bezahlung auch noch weitere Punkte hinzu, die einen Mitarbeiter in seinem Arbeitsverhältnis stören und ihn unzufrieden machen, wächst der Abwanderungsgedanke und im schlimmsten Fall verlässt der Mitarbeiter die Kanzlei. Soweit sollte es erst gar nicht kommen!

Viele Umfragen und Studien der letzten Jahre haben ergeben, dass die größten Motivatoren ein kollegiales, wertschätzendes Arbeitsumfeld, ausfüllende Tätigkeiten und authentische Führungskräfte sind. Dies lässt sich in einer Kanzlei am besten einbringen, wenn im Team (Kanzleiführung und Mitarbeiter) gemeinsam Kommunikations- und Feedbackregeln erarbeitet werden, an die sich dann auch alle halten müssen.

Viele Mitarbeiter schätzen es darüber hinaus, wenn der Arbeitgeber sich um weitere Aspekte kümmert, die erkennen lassen, dass nicht nur die Arbeitsleistung als solche geschätzt und „gepflegt“ werden soll, sondern auch der Arbeitnehmer als Mensch in den Vordergrund gerückt wird. Dies erreichen Arbeitgeber z. B. dadurch, dass sie ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) einführen, Kinderbetreuung selbst anbieten oder bezuschussen, Altersvorsorgekonzepte oder flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Der klassische Firmenwagen wird in diesen Tagen – gerade auch in Großstädten – vielfach von unternehmensgesponserten E-Bikes abgelöst.

Aber auch scheinbar kleine, einfach umzusetzende Maßnahmen können Mitarbeiter motivieren. Ein heller, freundlich und ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz gehört genauso dazu, wie das Angebot einer gesunden Mittagsverpflegung oder kostenlose Getränke am Arbeitsplatz.

Wichtig: Damit gut gemeinte Leistungen des Arbeitgebers nicht ins Leere gehen, kann eine Mitarbeiterbefragung (die z. B. auch von externen Beratern als neutrale Personen durchgeführt werden könnte) deutlich aufzeigen, wo die dringendsten Wünsche liegen. Hiernach lassen sich dann am besten geeignete Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeiterbindung und -motivation ergreifen – und die Mitarbeiter fühlen sich schon in diesem frühen Stadium eingebunden, was die Wertschätzung erhöht.

Von Viviane Schrader, zert. Personalmanagerin (DAM), Rechtsfachwirtin, Gesellschafterin der Tietje & Jäger oHG, Achim, www.tietje-jaeger.de

Infobrief für junge Juristen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die neue Ausgabe des Infobriefs ist da!

Erfahrene Praktiker geben neue und wichtige Tipps für junge Juristen.

Zum Inhalt:

  • Sabine Jungbauer: Was Anwälte zum beA wissen müssen: Vom Umgang mit den beA-Karten
  • Exklusiv-Umfrage zum beA
  • Carmen Schön: Wie kann man den Doktortitel (oder ähnliche Abschlüsse) neben dem Beruf erlangen?
  • Betlef Burhoff: Der Vorschuss aus der Staatskasse – Voraussetzungen?
  • Hans-Günther Gilgan: Vorteile des Factorings
  • Pia Löffler: Kanzleiblog: wieso, weshalb, warum?
  • Fabian Nowak: Abmahnungen in der anwaltlichen Praxis
  • Literaturtipps zum Download: Kurz, gut, gratis!
  • Gratis-Formular: Musterformular zur Prozesskostenhilfe

Der Infobrief ist gemacht für junge Juristen, geschrieben von erfahrenen Autoren und bietet interessante Lektüre!
Mit den besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Tachoumfrage zum beA

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

haben Sie sich schon mit dem beA befasst und Erfahrungen sammeln können?

Hier finden Sie eine Tachoumfrage zu der Frage „Halten Sie das beA für eine gute Sache?“ Bei Interesse können Sie sich gerne beteiligen.

Es grüßt Sie im Namen des Kanzleiforum-Teams

RA Katharina Nitsch

Was muss ich bei der Umsetzung eines juristischen Blogs beachten? Anmerkungen von Silvio Fricke Teil 2

Sie bleiben also dabei: es wird ein Blog. Nun stellen sich konkrete Umsetzungsfragen. Einige davon sowie darüber hinausgehende Hinweise – insbesondere das Marketing eines Blog aus Anwaltssicht – werden hier kurz zusammengefasst. Technische Feinheiten zur Umsetzung werden dabei ausgeklammert, da diese einen eigenen Themenkomplex bilden.

Aufstellung des Blogs

Zu entscheiden ist, ob der Blog ein Teil im Rahmen des ohnehin schon existierenden Webauftritts einer Kanzlei oder eines Anwalts wird oder ob der Blog eine völlig eigenständige und alleinstehende Webseite werden soll. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Folgefragen, wie die Gestaltung von Impressum, Datenschutz und Webseitenstruktur. Auch sollte bereits jetzt schon bedacht werden, wie die spätere Kommunikation zu den Bloginhalten und mit welchem Ziel sie erfolgen soll: Soll der Leser sich im Umfeld der Kanzleiwebseite (mit allen Vor- und Nachteilen) gleich bewegen oder nicht? Erlaubt die bisherige Webseite die – einfache – Einbindung eines Blogs einschließlich aller dazugehörigen Features? Aus Marketingsicht ist also die Frage zu beantworten, ob der Blog eine eigenständige (Kommunikations-)Marke darstellen soll (bedeutet eigene Domain etc.) oder ein Informationsangebot, welches den bereits bestehenden Auftritt im Netz verlängert. Für beide Ansätze gibt es Für und Wider.

Struktur und Bedienbarkeit

Unabhängig von den technischen Fragen bei diesen Themen sollte ein Blog einfach bedienbar sein. Es geht hier nicht um die Strukturierung einer weiteren, ausführlichen Webseite. Der Fokus sollte auf den inhaltlichen Darstellungen liegen, nicht auf dem Thema „Über Uns“. Anbindungen und Schnittstellen zu den sozialen Medien insbesondere bei den einzelnen Beiträgen sollten eingeplant werden, sodass neuer content schnell und einfach weiterempfohlen werden kann. Die Bildung inhaltlicher Rubriken kann sinnvoll sein, gerade im Bereich Recht. Aber: diese Rubriken sind dann auch zu füllen!

Content, content, content …

Spätestens wenn die technische Umsetzung beginnt, sollten auch erste Beiträge – mindestens als Test – einmal verfügbar und Themen – im besten Fall schon Termine – für Folgebeiträge vorhanden sein. Sozusagen die Generalprobe zur Frage, was kann und will ich wie schreiben. Auch zu überlegen: Ist es sinnvoll, dass alle (künftigen) Beiträge im Blog einem stets gleichen Aufbau und Format folgen (Struktur, Umfang, Aussage) und wenn ja, wie sieht diese Formatvorlage aus? Welche weiteren Aspekte sind beim Schreiben zu berücksichtigen und wissen das alle Autoren? So ist zB. der Umgang und die Verwendung von Verlinkungen etc. ein Aspekt, den Blogtexte berücksichtigen sollten.

Vermarktung des Blogs

Nicht zu unterschätzen: Wo mache ich (wann) auf einen neuen Blog aufmerksam? Kann/sollte dieser auf allen Kanzleiunterlagen – von Visitenkarte bis Präsentationsvorlage – auftauchen und wenn ja, wie? Welche Effekte kann ich über die Registrierung eines Blogs in entsprechenden Verzeichnissen erreichen? Sind Kanzlei und/oder Autor(en) auf die Kommunikation der Beiträge im Blog, in den sozialen Netzwerken vorbereitet und sind diese technisch in der Lage, diese Kommunikation auch vorzunehmen?

Fazit

Mit Sicherheit sind diese Umsetzungsfragen nicht abschließend. Klar ist: Für die erfolgreiche Umsetzung eines (juristischen) Blogs ist mehr nötig als die fixe Idee. Sich mit der Sinnhaftigkeit eines Blogs auseinanderzusetzen, gerade zur Darstellung der eigenen juristischen Fachkompetenz, wird bei genauer Marktbeobachtung immer wahrscheinlicher.

 

Autor: Silvio Fricke, Geschäftsführer Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen e.V. – BVAU; zuvor mehr als zehn Jahre Business Development Manager in diversen Großkanzleien

Brauchen Anwälte einen eigenen Blog? Anmerkungen von Silvio Fricke Teil 1

Sie kennen die typische Antwort unter Juristen: Das kommt drauf an! Inzwischen sind bei der Blog-Plattform jurablogs.com über 1000 juristische Blogs registriert – und das sind nur die Blogs, die sich registriert haben! Irgendetwas muss also an diesem Format der inhaltlichen Informationsaufbereitung durch Juristen dran sein. Die Frage ist nur, für wen?

Was ist ein Blog?

Ein (das oder der) Blog ist per Definition „ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt.“(Wikipedia) Das hört sich zunächst aus Sicht eines marketingtreibenden Anwalts oder einer Kanzlei nicht wirklich spannend an. Vielleicht wird der Mehrwert mit einer anderen Definition schon klarer:  Ein Blog gibt die Möglichkeit, die eigene Sicht (eines Anwalts) auf bestimmte Themen (die inhaltlich zur Beratungsleistung des jeweiligen Anwalts freilich passen sollten) mit – theoretisch – Millionen von Menschen (= potentiellen Mandanten) zu teilen.

Ein juristischer Blog: Die Idee passt!

Dass Juristen gerne schreiben, diskutieren, bewerten und (manchmal auch länger) erklären, ist hinreichend bekannt. Dass zudem Themen gerade in der Juristerei (Gesetzgebung, Rechtsprechung)  fast täglich entstehen – und es somit auch Dinge gibt, über die es sich als Jurist zu schreiben lohnt – ist ebenfalls eine Tatsache. Insofern kann grundsätzlich ein Blog, der in einem modernen technischen Format alle Möglichkeiten der Themendarstellung und damit der Kompetenzvermittlung gibt, ein interessantes Instrument im Marketingmix einer Kanzlei bzw. eines Anwalts sein. Um das zu erreichen, müssen allerdings – dabei lassen wir hier die technischen Voraussetzungen der Umsetzung einmal außen vor –  einige Fragen VOR der Begründung eines Blogs abschliessend beantwortet und aus Sicht des künftigen Blogbetreibers für eine erfolgreiche Umsetzung (positiv) bewertet werden.

Was will ich mit dem Blog erreichen?

Natürlich sollten Sie Erwartungen an Ihren Blog im Hinblick auf Ihre Geschäftsentwicklung haben. Dass allerdings nach ein oder zwei Einträgen das Telefon klingelt und eine Mandatierung erfolgt – das wird in der Regel nicht passieren. Ein Blog kann nur das weitere Angebot im Marketing-Mix einer Kanzlei oder eines Anwalts ergänzen. Falls gut gemacht, kann das Format mehr oder weniger die Marktkommunikation ergänzen, im besten Fall vollständig tragen.

Habe ich ein Thema, das interessiert?

Es gehen beide Ansätze: breit oder speziell. Nur muss ein durchdachter Ansatz erkennbar sein. In beiden Fällen muss – jedenfalls theoretisch – eine Zielgruppe identifizierbar sein, die Sie mit Ihren Texten und Themen ansprechen (wollen). Auch hilft sicherlich eine Recherche dazu, ob es zu Ihrem Wunschthema bereits einen Blog oder mehrere Angebote dieser Art gibt. Falls ja, sollten Sie sich die Inhalte dort genau anschauen und überlegen, in welcher Art und Weise Sie – wenn es die gleichen Inhalte sind – noch eine abweichende Darstellung hinbekommen könnten. Sich abzugrenzen zählt auch hier.

Habe ich genügend Ausdauer (Kapazitäten)?

Vor dem ersten Beitrag in einem Blog sollten weitere Beiträge bereits fertig sein, damit Sie „nachlegen“ können. Eine gewisse Frequenz an Veröffentlichungen ist wichtig, nicht nur um gerade zu Beginn die Ernsthaftigkeit Ihres Blogs zu verdeutlichen. Auch führt eine gewisse Häufigkeit dazu, Ihre Zielgruppe mit Ihrem Informationsangebot zu durchdringen. Empfehlenswert ist ein echter Redaktionsplan, an dessen Veröffentlichungstermine sich streng zu halten ist und der im besten Fall mehrere Wochen im Voraus geplant ist.

Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen …

Der Blog steht, Redaktionsplan auch – die ersten Texte sind online, aber die Zugriffszahlen sind überschaubar: null Reaktionen. Ein oft zu beobachtender Fehler ist, dass die Kommunikation zu Blogeinträgen – insbesondere auf möglichst allen business-relevanten Social-Media Kanälen, aber auch innerhalb einer Kanzlei und unter Kolleginnen und Kollegen – und deren Planung ebenfalls im Vorfeld bereits zu bedenken ist! Das betrifft Kapazitäten, welche diese Kommunikation regelmäßig übernehmen, genauso wie überhaupt erst einmal die Anlage und Pflege von Social-Media Profilen – egal ob von der gesamten Kanzlei, einem Anwalt oder einem Anwaltsteam.

Fazit

Die Idee, einen juristischen Blog aufzulegen, ist schnell da. Die damit einhergehenden Fragen sind nicht immer präsent, müssen aber vor der Umsetzung betrachtet und beantwortet werden. Wichtige dieser Fragen sind hier aufgeführt; ein Folgebeitrag wird in gleicher Kürze weitere Umsetzungshinweise geben.

Autor: Silvio Fricke, Geschäftsführer Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen e.V. – BVAU; zuvor mehr als zehn Jahre Business Development Manager in diversen Großkanzleien