Manager Magazin kürt die 75 einflussreichsten Frauen in Deutschland – die Anwältin Alexandra Hagelüken im Interview

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Frau Hagelüken, Sie sind im Manager Magazin unter die Top 75 der einflussreichsten Frauen in Deutschland gewählt worden. Macht Sie das stolz?

Ja, das hat mich sehr gefreut. Es ist eine besondere Auszeichnung und auch eine große Anerkennung der Leistung meines kompletten Teams.

Sie stehen in der „Power Lady Liste“ gleichgestellt mit Unternehmerinnen, Managerinnen und Aufsichtsrätinnen. Worin meinen Sie besteht Ihr Einfluss als Partnerin einer internationalen Wirtschaftskanzlei?

Beruflich berate ich Unternehmer, Manager, Investoren und Finanzierer bei nationalen und grenzüberschreitenden Finanzierungsthemen, etwa für Akquisitionen, Restrukturierungen oder generellen Unternehmenskrediten. Ich unterstütze sie also dabei, ihre Unternehmen in anspruchsvollen Situationen optimal weiterzuentwickeln.

Intern hat unsere Kanzlei Latham & Watkins flache Hierarchien und wir pflegen auf allen Ebenen einen sehr offenen Austausch. Da gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen und das eigene Unternehmen aktiv weiterzuentwickeln.

Wie kommt man eigentlich dahin? Gibt es besondere Tipps, die Sie Frauen mit auf den Weg geben würden, die in einer männerdominierten Branche auf Augenhöhe mitspielen wollen?

Da könnte ich sehr viele Sachen aufzählen, aber um eine herauszugreifen: Ich halte es für wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben, das nicht zu niedrig gesteckt ist, es sich zutrauen, dieses Ziel zu erreichen und vor allem: Man sollte sich selbst nie zu früh aus dem Rennen nehmen.

Rechtsanwältinnen entscheiden sich häufiger als ihre männlichen Kollegen für die Beratung im Familienrecht, obwohl die Mandate wenig lukrativ sind. Welche Rechtsgebiete sehen Sie, die für Frauen geeignet sind? Würden Sie zu einer Spezialisierung raten?

Eine Spezialisierung ist im heutigen Umfeld sehr wichtig, um im Anwaltsberuf erfolgreich zu sein. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass die Eignung für ein Rechtsgebiet nicht vom Geschlecht abhängt. Letztendlich würde ich da jedem raten, sich für ein Gebiet zu entscheiden, für das er/sie eine gewisse Leidenschaft hat, mit einem Gegencheck, ob es ein Gebiet ist, auf dem man auch wirtschaftlich erfolgreich tätig sein kann.

Würden Sie einer Abiturientin heute dazu raten, Jura zu studieren mit der Zielsetzung, Partnerin in einer international tätigen Wirtschaftskanzlei zu werden?

Auf jeden Fall, denn ich sehe da großes Potenzial für die Zukunft und persönlich kann ich nur sagen, dass es eine hochinteressante und sehr erfüllende Karriere sein kann.

Wie sehen Sie persönlich das Thema Chancengleichheit? Meinen Sie, Chancengleichheit ist in Deutschland bereits erreicht oder besteht aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?

Vor dem Gesetz sind in Deutschland alle Menschen gleich, aber wenn man sich die Statistiken bei Führungspositionen ansieht, scheint es noch Verbesserungsbedarf zu geben.

Was halten Sie persönlich von der Frauenquote? Ein geeignetes Instrument zur Verbesserung der Chancengleichheit oder abzulehnen, da nur „Quotenfrauen“ den Vorzug erhalten?

Der Begriff „Quotenfrau“ ist für mich schon ein Ausdruck von Chancenungleichheit, da dadurch die Leistung von Frauen, die bestimmte Positionen erreichen, abgewertet wird. In der Praxis lassen sich Quoten aus meiner Sicht jedoch nur in wenigen Bereichen sinnvoll und handhabbar umsetzen. Ich bin aber trotzdem dafür, das Instrument selektiv einzusetzen, da allein schon die öffentliche Diskussion des Themas eine erhöhte Wahrnehmung für Chancenungleichheit schafft und dadurch hoffentlich hilft, sie zu verringern.

Nutzen Sie Ihren Einfluss auch außerhalb der Kanzlei, z.B. für Impulse zu gesellschaftspolitischen Veränderungen?

Da ich zwei Kinder habe und einen zeitintensiven  Beruf, blieb mir dafür in den letzten Jahren leider wenig Zeit. Es steht aber definitiv auf meiner Agenda für die Zukunft.

Frau Hagelüken, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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