Brauchen Anwälte einen eigenen Blog? Anmerkungen von Silvio Fricke Teil 1

Sie kennen die typische Antwort unter Juristen: Das kommt drauf an! Inzwischen sind bei der Blog-Plattform jurablogs.com über 1000 juristische Blogs registriert – und das sind nur die Blogs, die sich registriert haben! Irgendetwas muss also an diesem Format der inhaltlichen Informationsaufbereitung durch Juristen dran sein. Die Frage ist nur, für wen?

Was ist ein Blog?

Ein (das oder der) Blog ist per Definition „ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt.“(Wikipedia) Das hört sich zunächst aus Sicht eines marketingtreibenden Anwalts oder einer Kanzlei nicht wirklich spannend an. Vielleicht wird der Mehrwert mit einer anderen Definition schon klarer:  Ein Blog gibt die Möglichkeit, die eigene Sicht (eines Anwalts) auf bestimmte Themen (die inhaltlich zur Beratungsleistung des jeweiligen Anwalts freilich passen sollten) mit – theoretisch – Millionen von Menschen (= potentiellen Mandanten) zu teilen.

Ein juristischer Blog: Die Idee passt!

Dass Juristen gerne schreiben, diskutieren, bewerten und (manchmal auch länger) erklären, ist hinreichend bekannt. Dass zudem Themen gerade in der Juristerei (Gesetzgebung, Rechtsprechung)  fast täglich entstehen – und es somit auch Dinge gibt, über die es sich als Jurist zu schreiben lohnt – ist ebenfalls eine Tatsache. Insofern kann grundsätzlich ein Blog, der in einem modernen technischen Format alle Möglichkeiten der Themendarstellung und damit der Kompetenzvermittlung gibt, ein interessantes Instrument im Marketingmix einer Kanzlei bzw. eines Anwalts sein. Um das zu erreichen, müssen allerdings – dabei lassen wir hier die technischen Voraussetzungen der Umsetzung einmal außen vor –  einige Fragen VOR der Begründung eines Blogs abschliessend beantwortet und aus Sicht des künftigen Blogbetreibers für eine erfolgreiche Umsetzung (positiv) bewertet werden.

Was will ich mit dem Blog erreichen?

Natürlich sollten Sie Erwartungen an Ihren Blog im Hinblick auf Ihre Geschäftsentwicklung haben. Dass allerdings nach ein oder zwei Einträgen das Telefon klingelt und eine Mandatierung erfolgt – das wird in der Regel nicht passieren. Ein Blog kann nur das weitere Angebot im Marketing-Mix einer Kanzlei oder eines Anwalts ergänzen. Falls gut gemacht, kann das Format mehr oder weniger die Marktkommunikation ergänzen, im besten Fall vollständig tragen.

Habe ich ein Thema, das interessiert?

Es gehen beide Ansätze: breit oder speziell. Nur muss ein durchdachter Ansatz erkennbar sein. In beiden Fällen muss – jedenfalls theoretisch – eine Zielgruppe identifizierbar sein, die Sie mit Ihren Texten und Themen ansprechen (wollen). Auch hilft sicherlich eine Recherche dazu, ob es zu Ihrem Wunschthema bereits einen Blog oder mehrere Angebote dieser Art gibt. Falls ja, sollten Sie sich die Inhalte dort genau anschauen und überlegen, in welcher Art und Weise Sie – wenn es die gleichen Inhalte sind – noch eine abweichende Darstellung hinbekommen könnten. Sich abzugrenzen zählt auch hier.

Habe ich genügend Ausdauer (Kapazitäten)?

Vor dem ersten Beitrag in einem Blog sollten weitere Beiträge bereits fertig sein, damit Sie „nachlegen“ können. Eine gewisse Frequenz an Veröffentlichungen ist wichtig, nicht nur um gerade zu Beginn die Ernsthaftigkeit Ihres Blogs zu verdeutlichen. Auch führt eine gewisse Häufigkeit dazu, Ihre Zielgruppe mit Ihrem Informationsangebot zu durchdringen. Empfehlenswert ist ein echter Redaktionsplan, an dessen Veröffentlichungstermine sich streng zu halten ist und der im besten Fall mehrere Wochen im Voraus geplant ist.

Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen …

Der Blog steht, Redaktionsplan auch – die ersten Texte sind online, aber die Zugriffszahlen sind überschaubar: null Reaktionen. Ein oft zu beobachtender Fehler ist, dass die Kommunikation zu Blogeinträgen – insbesondere auf möglichst allen business-relevanten Social-Media Kanälen, aber auch innerhalb einer Kanzlei und unter Kolleginnen und Kollegen – und deren Planung ebenfalls im Vorfeld bereits zu bedenken ist! Das betrifft Kapazitäten, welche diese Kommunikation regelmäßig übernehmen, genauso wie überhaupt erst einmal die Anlage und Pflege von Social-Media Profilen – egal ob von der gesamten Kanzlei, einem Anwalt oder einem Anwaltsteam.

Fazit

Die Idee, einen juristischen Blog aufzulegen, ist schnell da. Die damit einhergehenden Fragen sind nicht immer präsent, müssen aber vor der Umsetzung betrachtet und beantwortet werden. Wichtige dieser Fragen sind hier aufgeführt; ein Folgebeitrag wird in gleicher Kürze weitere Umsetzungshinweise geben.

Autor: Silvio Fricke, Geschäftsführer Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen e.V. – BVAU; zuvor mehr als zehn Jahre Business Development Manager in diversen Großkanzleien

2 Antworten
  1. Jens Lehmann
    Jens Lehmann says:

    Von den derzeit 1029 bei Jurablogs gelisteten Blogs erfüllen nur ca. 280 die Voraussetzung (für die Aufnahme ins Ranking), insgesamt mindestens 10 Beiträge – davon einen in den letzten 2 Monaten – eingestellt zu haben. Ist also vielleicht doch nicht alles so toll.

    Antworten
    • Silvio Fricke
      Silvio Fricke says:

      Hallo Herr Lehmann,

      genau deswegen auch die Fragen dazu, was ich eigentlich erreichen will und ob ich die ausreichenden Kapazitäten (langfristig) habe (s.o.) vorab stellen und ehrlich beantworten.

      Viele Grüße
      Silvio Fricke

      Antworten

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