Professionelle Rechtskommunikation. Interview mit Rechtsanwalt Martin Wohlrabe

Guten Tag Herr Rechtsanwalt Wohlrabe. Herzlichen Dank, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Professor Joachim Jahn hat unlängst in seinem Beitrag „Der Anwalt und die Medien“ Rechtsanwälten Tipps für den Umgang mit Journalisten gegeben. Seiner Meinung nach ist die „Do it yourself“-Methode durchaus eine Option. Teilen Sie seine Ansicht?

Sie werden überrascht sein: Auch als PR-Berater teile ich diese Meinung. Schließlich steckt niemand besser in seinen Themen als der Anwalt selbst. Wichtig ist ein paar Punkte zu beachten. Und die hat Herr Jahn sehr gut aufgezählt: Gezieltes Anmailen, geduldig sein und sich ohne Ausschweife ausdrücken. Wer diese Punkte nicht unterschätzt, ist schon auf einem guten Wege.

Gibt es Situationen, in denen es Ihrer Erfahrung nach nicht mehr ausreicht, dass eine Kanzlei selbst den Kontakt zu Journalisten sucht?

Meist dann, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Häufig geht’s den Kollegen so, dass sie so intensiv in ihren Themen stecken, dass Ihnen die Außenperspektive abgeht. Und dann ist der Frust schnell groß, wenn man in Redaktionen mit den eigenen Themen nicht durchdringt.

Mit welchen Anliegen wenden sich in der Regel Kanzleien an Ihr Unternehmen? Sind Sie und Ihre Kollegen auf bestimmte Rechtsgebiete festgelegt?

Wir sind in zwei Bereichen unterwegs: Bei der Prozess-PR geht’s in aller Regel um Wirtschaftsstrafverfahren, wettbewerbsrechtliche Auseinandersetzungen und auch mal Kartellstreite. Hier steht ganz vorne den guten Ruf des Mandanten zu schützen. Unser zweiter Bereich ist die klassische Kanzlei-PR. Dabei kommen Kanzleien aus den verschiedensten Rechtsgebieten auf uns zu, um mit den für sie relevanten Themen an den entscheidenden Stellen in den Medien stattzufinden.

Wie müssen wir uns das vorstellen: Verfassen und versenden Sie z.B. Pressemitteilungen im Namen von CONSILIUM oder versendet Ihr Auftraggeber Ihre Vorlage an einen von Ihnen vorgeschlagenen Adressatenkreis?

Meist versenden wir selbst – teils im Namen unserer Kunden, teils auch im eigenen Namen mit Hinweis auf unsere Kunden. Dies hängt davon ab, wie wir im Einzelfall eine höhere Aufmerksamkeit erwarten.

Bietet sich auch für kleine und mittlere Kanzleien die Zusammenarbeit mit einer PR-Agentur an?

Wie sagen wir Juristen so schön? Es kommt darauf an: Je spezialisierter die Kanzlei aufgestellt ist, desto eher bietet sich für sie eine Zusammenarbeit mit einer PR-Agentur an. Denn überhaupt nur so hat sie eine wirkliche Chance zitiert zu werden. Und wir selbst vermitteln auch ausschließlich echte Experten auf ihrem jeweiligen Rechtsgebiet – sonst machen wir uns am Ende selbst gegenüber Redaktionen unseriös. Von daher ist weniger die Größe, als die Ausrichtung entscheidend.

Welchen Tipp würden Sie einer Kanzlei geben, die sich negativer Presse ausgesetzt sieht? Ist die No-comment-Strategie das Mittel erster Wahl in einer solchen Situation?

Finger weg von No-Comment. Journalisten brauchen Informationen, um einen Sachverhalt bewerten zu können. Und lieber spricht man mit den Entscheidungsträgern, als dass nur über einen gesprochen wird. Was man am Ende als Zitat rausgibt, steht dann nochmal auf einem anderen Blatt Papier. Aber erklärende Hintergrundgespräche sind das Mindestmaß einer professionellen Zusammenarbeit mit Rechercheuren.

Herr Rechtsanwalt Wohlrabe, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Rechtsanwalt Martin Wohlrabe, Geschäftsführer CONSILIUM Rechtskommunikation

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