Mandantenakquise im Netz? Fünf Tipps zum Umgang mit Social Media. Beitrag von Rechtsanwältin Dr. Susanne Reinemann, Redakteurin der NJW

Beim Thema Internet und Technologie spaltet sich die Anwaltschaft – während die einen noch „klassisch“ arbeiten, setzen andere, vor allem Großkanzleien, schon auf Legal Tech. Gerade kleine und mittlere Kanzleien können sich aber häufig nicht – zumindest noch nicht – die Anfangsinvestitionen für Legal-Tech-Software leisten und verlieren dadurch (wahrscheinlich) entscheidende Wettbewerbsvorteile. Wie also an Mandanten kommen, wenn Rechtsberatung immer mehr ins Netz wandert?

Sich als Anwalt im Social Web zu bewegen, kann der Akquise von Mandanten nützen. Für viele Anwälte ist das Social Web daher schon lange kein „Neuland“ mehr. Wer sich gerne präsentiert, austauscht und schreibt, für den ist es eine gute Möglichkeit, sich zu positionieren. Dazu kommt, dass dies ohne hohe Anfangsinvestitionen möglich ist. Ganz kostenlos ist es allerdings nicht: Es kostet Zeit! Und wenn man Social Networks nutzt, bezahlt man mit seinen Daten.

Aber nicht jeder weiß, wie er die ersten Schritte im Netz tun soll. Oder ist bei der Nutzung von Social Media nicht so erfolgreich, wie er sich das wünschen würde. Hier mögen die folgenden Tipps helfen.

 Tipp 1: Blogs plus Social Networks nutzen

Blogs und Social Networks sind zwei wesentliche Säulen des Social Web, und wer sich als Anwalt im Social Web bewegen will, sollte beides nutzen. Das Blog ist der Ausgangspunkt, die „Heimat“ der Inhalte. Vorausgesetzt, es wird unter einer eigenen Domain gehostet (was sich empfiehlt! Zum Beispiel auf der Kanzleiwebsite), gehören alle Inhalte, die dort gepostet werden, ausschließlich dem Betreiber der Seite, also dem Anwalt oder der Kanzlei. Hinzu kommt, dass man nur hier im Design unabhängig ist, also anders als bei Social Networks keinen Vorgaben etwa für Textfelder oder Bildgrößen unterliegt. Jurablogs.com listet inzwischen über 1.000 Rechtsblogs – mit kontinuierlich steigender Tendenz. Gemessen an der Zahl der zugelassenen Anwältinnen und Anwälte mag das nicht viel erscheinen. Stellt man aber in Rechnung, dass Anwälte und Kanzleien nicht als übertrieben innovationsfreundlich gelten, ist dies durchaus beachtlich.

Social Networks wie Facebook, Twitter oder LinkedIn dienen dazu, die Inhalte des Blogs zu verteilen. Hier findet regelmäßig die Interaktion statt – ein „Gefällt mir“ oder ein „Retweet“ ist leichter geklickt als einen Kommentar in einem Blog zu hinterlassen. Auf ein Blog zu verzichten und sich nur auf Social Networks zu verlassen, ist aber unklug. Seiten können gelöscht, ganze Netzwerke können eingestellt werden (wer erinnert sich heute noch an Studi-VZ?). Welche Netzwerke man nutzt, ist (auch) eine Geschmacksfrage – Facebook wendet sich wegen der großen Nutzerzahlen an eine breite Öffentlichkeit. Twitter ist mit seiner Begrenzung auf 140 Zeichen häufig schneller, hier finden sich auch viele Journalisten einschlägiger Medien. LinkedIn gewinnt durch seine Blogfunktion zunehmend an Bedeutung.

 Tipp 2: Be social!

Der Begriff Social Networks ist mit „Soziale Medien“ nur unzureichend übersetzt. Denn „social“ in diesem Zusammenhang heißt vor allem „gesellig“ sein, „miteinander reden“. Dies ist auch schon der Schlüssel dazu, wie man sich am besten im Netz verhält – es geht darum, sich auszutauschen, Beziehungen aufzubauen und diese zu pflegen. Sam Glover, Gründer und Chefredakteur von lawyerist.com, bringt es in seinem Beitrag „Mistakes lawyers make with social media“ auf den Punkt: „Just be social. If you are forming relationships and extending existing ones, the clients will come.“ Im Social Web geht es also darum, ein guter Gesprächspartner zu sein, das heißt zuzuhören und Interessantes zu erzählen und so Nutzen zu schaffen. Hierzu gehört vor allem, Wissen zu teilen und Meinungen zu vertreten. Platte Werbebotschaften verbieten sich – besser als zu behaupten, dass man ein toller Anwalt, eine großartige Anwältin ist, ist, es zu zeigen.

Tipp 3: Zu Fehlern stehen

Wir alle machen Fehler, auch im Social Web. Dort kommt allerdings hinzu, dass das, was man falsch macht, im Zweifel eher mehr Menschen bekannt wird als offline. Was also tun? Entscheidend ist nicht, dass man keine Fehler macht, sondern wie man mit ihnen umgeht. Der erste Impuls – löschen – ist dabei oft der schlechteste. Denn was im Netz ist, bleibt im Netz, und im Zweifel hat jemand den Inhalt schon weitergeleitet oder in irgendeiner Form gesichert. Man kann also keinen Fehler ungeschehen machen. Daher ist es am besten, sich zu korrigieren, gegebenenfalls zu entschuldigen und wenn es möglich und nicht unangebracht ist, den Fehler mit Humor zu nehmen. Die taz hat vor einigen Jahren eine falsche Bildunterschrift im Print (zu sehen war ein Otter, darunter stand der Name eines Politikers der Piratenpartei) auf Twitter aufgenommen und das Bild aus der Zeitung mit der Bemerkung gepostet „Aufgrund zahlreicher Nachfragen stellen wir richtig: Der Otter heißt nicht Christopher Lauer.“ Wer könnte da noch böse sein?

Tipp 4: Keine Angst vor dem Shitstorm

Die Angst vor einem Shitstorm ist weit verbreitet, aber vielfach unbegründet. Unter einem Shitstorm versteht man eine Diskussion, die sich zumeist an einem wahren Kern entzündet, dann aber eine Eigendynamik entwickelt und zu einer häufig beleidigend geführten, kaum mehr zu beherrschenden Debatte einer breiten Öffentlichkeit im Netz führt. Die Angst hiervor rührt daher, dass eine solche Wutwelle erhebliche Probleme bereiten kann. Aber Shitstorms treffen nur wenige, meist große Unternehmen (die häufig tatsächlich auch eine Ursache für die Kritik gelegt haben, eben den Kern, an dem sich die Debatte aufhängt). Die Gefahr, dass man selber in einen solchen Empörungssturm gerät, ist also sehr gering. Unabhängig davon gibt es aber natürlich Anfeindungen im Social Web, Grobheiten, Kritik, Wut oder Häme, die oft deutlicher ausfallen, als im Leben „offline“. Hier hilft es immer Ruhe zu bewahren, und je nach Grund und Art der Kritik häufig auch die Anfeindungen zu ignorieren.

Tipp 5: An das Recht denken  

Das Social Web und das Recht sind auf den ersten Blick Gegensätze – das Internet entwickelt und verändert sich mit großer Geschwindigkeit, und die Rechtsordnungen kommen nicht hinterher. Hinzu kommt ein ganz unterschiedliches Verständnis von Nutzern des Web und „Offlinern“. So mögen Urheberrechtlern bei dem zentralen Gedanken des Social Web „If you have it, share it“ die Haare zu Berge stehen (oder die Augen leuchten, je nachdem). Neben den Urheberrechten, vor allem an Bildern, gilt es außerdem das anwaltliche Berufsrecht zu beachten, die Impressumspflicht, die Nutzungsbedingungen für Social Networks, das Datenschutz- und das Wettbewerbsrecht – das Social-Media-Recht ist eine Querschnittsmaterie. Ganz einfach ist das alles nicht, aber man findet Tipps bei Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Social-Media-Recht befassen im Netz. Und schließlich – wozu ist man Anwalt?

Natürlich gäbe es noch viel mehr zum Thema zu sagen, aber an dieser Stelle soll es mit diesen fünf Tipps sein Bewenden haben; obwohl …

… zum Schluss noch ein Bonus-Tipp : Use social media only, if you enjoy it!

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