Wie Anwälte mit guten Texten Vertrauen gewinnen – Gastbeitrag von Susanne Kleiner

Ganz gleich, ob Juristen Briefe schreiben, Reden halten oder Broschüren herausgeben. Erfahrene Autoren und Speaker wissen: Erstens hauchen die richtigen Worte der Kanzleiseele Leben ein. Und zweitens sind gute Texte verständlich. Vertrauen gewinnt also, wer seine Adressaten dort abholt, wo sie stehen, und lebendig, klar und nahbar kommuniziert. Tipps und Tricks für die Praxis.

Formulieren Sie einfach, klar, eindeutig und verständlich

Eloquente Rechtsanwälte kommen auf den Punkt. Sie packen maximal siebzehn Wörter in einen Satz, online nur neun. Es ist durchaus üblich, manche Sätze zugunsten ihrer Stringenz nicht auszuformulieren. Ein Beispiel: „Beratung bewahrt sie vor unkontrollierbaren Risiken. Unsere Kompetenz. Ihr Wettbewerbsvorteil.“ Nahbare Texter setzen starke Verben ein, um zu informieren, zu unterhalten und ihre Leser zu überraschen, anstatt einem umständlichen Nominalstil zum Opfer zu fallen. Statt: „Die Optimierung unserer Arbeitsabläufe beschäftigt uns“, sagen sie besser: „Wir verbessern unsere Abläufe.“ Dabei gilt: aktiv statt passiv. Starke Texte leben davon, dass sie Ross und Reiter nennen und somit Aussagen Kraft verleihen, statt mit Passivgebilden Distanz zu schaffen. Wer „sich für Mandanten stark macht, weil gute Gründe dafür sprechen“, positioniert sich persönlich und ist glaubwürdiger als derjenige, der verlautbart: „Hier müsste etwas getan werden.“ Mandantennahe Anwälte lassen überdies Floskeln, Belangloses und Binsen weg und vermeiden Fachtermini und Juristendeutsch.

Machen Sie aus einem Satz lieber zwei

Versierte Schreiber arbeiten mit Doppelpunkten und verabschieden sich von Endlosbandwurmsätzen. Sie wissen: Ein Gedanke pro Satz. Sie punkten mit Hauptaussagen in Hauptsätzen und verzichten auf „dass“-Sätze. Statt: „Wenn wir die Entwicklung unseres Nachwuchses stärken, wird es uns gelingen, dass sich mehr Talente bei uns bewerben.“ Besser: „Wir investieren in unseren Berufsnachwuchs. Das Ergebnis: Mehr junge Talente bewerben sich bei uns.“ Und: Vergangenheit, Futur, Konditional, Konjunktiv und Passiv schwächen. Statt: „Unsere Mandanten werden kontaktiert, weil eine Veranstaltung in unseren neuen Kanzleiräumen stattfinden wird. Wir würden künftig gerne Geschäftsbeziehungen stärker beleben.“ Besser: „Wir heißen unsere Mandanten in unseren neuen Räumen willkommen. Gute Beziehungen sind uns wichtig.“ Auch Konjunktiv wie: „Wir würden gerne. Wir hätten sowieso …“ und Wenn-Dann-Sätze lassen Botschaften verblassen.

Verbalisieren Sie gute Stimmung und Optimismus

Positive Aussagen erzeugen angenehme Resonanz, während Verneinungen sperrig daher kommen und Energie ziehen, anstatt Lust auf mehr zu machen. „Wir setzen uns für den Umweltschutz ein“ schwingt wohlwollender als „wir engagieren uns für die Verhinderung von Luftverschmutzung.“ Wichtig ist es, wachsam zu sein. Denn unsere Sprachkultur kennt zahlreiche Negativwendungen, die bewusste Texter dank positiver Sprache in kraftvolle und begeisternde Botschaften verwandeln. Doch mit positivem Schreiben ist keineswegs Schönfärberei gemeint. Ist etwas wirklich schlecht, ist das glasklar zu benennen.

Beziehen Sie Ihre Sinne mit ein

Gute Texter visualisieren vor ihrem inneren Auge einen Gesprächspartner oder Empfänger ihrer Wahl, bestenfalls einen Traum- oder Lieblingsmandanten. Ihre Vorstellungskraft versetzt sie in die Lage, intuitiv die richtigen Worte zu finden. Dann gilt: Sie schreiben wie sie sprechen, und zwar bei einem entspannten Abendessen – nicht wie im Gerichtssaal; gleichzeitig verlautbaren sie kompetente Inhalte, die genau deshalb so gut ankommen, weil sie leicht verdaulich sind. Das fördert Vertrauen und schafft Nähe. Hinzu kommt: Wer seine Texte laut vorliest, fühlt sich sensibel in den Sprachrhythmus ein und erhöht die Chance, dass auch Leser und Zuhörer mit dem natürlichen Takt mitschwingen.

Susanne Kleiner ist freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin und Mediatorin in München und kooperiert mit Rechtsanwälten als Expertin für Litigation-PR. Als Trainerin (dvct) und Coach (dvct) vermittelt sie persönliche und mediale Kommunikationskompetenz. Einen Schwerpunkt legt sie dabei auf interne und externe Kommunikation in Krisen, Konflikten und Veränderungsprozessen. Außerdem berät sie in allen Fragen rund um die Kanzlei-PR und Markenstrategie und entwickelt Image- und Werbetexte für Online- und Printmedien. Weitere Informationen: www.susanne-kleiner.de  www.trainings-workshops-seminare.de

Buchvorstellung: Flume, Die Kunst der Kommunikation – Rezension von Anja Gans

Es ist schon klasse, dass man den referenzierten Beitrag von Amy Cuddy zum Power-Posing nicht erst umständlich auf youtube suchen muss, sondern mittels Scan direkt auf seinem Tablet oder smartphone abspielen kann. Oder den lustigen IKEA-Werbespot oder den Jaguar-Clip oder … Dies sind nur drei Beispiele von zahlreichen Video- oder Toneinspielungen, die das neu erschienene Buch Kommunikation von Peter Flume anschaulich und lebendig gestalten.

Flume
Die Kunst der Kommunikation
2017, 275 S., Haufe-Lexware, ISBN 978-3-648-09611-6,
Preis 19,95 € inkl. MwSt.

App „smARt Haufe“

Möglich macht dies „smARt Haufe“, eine Augmented-Reality-App für Smartphones und Tablets, deren Installation und Nutzung selbst für technische Laien problemlos möglich ist. Die zusätzlichen Beiträge sind inhaltlich in den Inhalt des Buches eingebunden und ermöglichen es so dem Autor, Wissen über das Medium Text hinaus zu vermitteln.

Inhalt

Dieses Buch liefert Informationen en masse – streng geordnet, so dass es sich auch hervorragend als Nachschlagewerk zur Vorbereitung auf eine Präsentation, Verhandlung oder Rede eignet. Es spannt einen weiten Bogen beginnend bei einer Personenanalyse über die Verhandlungsplanung, Gesprächsführung bis hin zu Vorträgen und Präsentationen. Zum Abschluss behandelt der Autor Körpersprache, Stimme und Lampenfieber.

Dass Peter Flume bereits seit längerer Zeit als Trainer arbeitet und sein Handwerk versteht, merkt man jeder Seite seines Buches und der Auswahl der Zusatzmaterialen an. Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte, optisch hervorgehoben sind zudem (Taktik-)Tipps. Excel- und word-Vorlagen, z.B. zum Performancecheck oder zur Vorbereitung einer Rede, kann sich der Leser per E-Mail auf seinen PC schicken lassen. Dass der Inhalt auf neuestem Stand ist, merkt man u.a auch den Bezügen zur Präsidentschaftswahl in Amerika an.

Nutznießer dieses Buches ist jeder, der im beruflichen Alltag kommuniziert, der andere von eigenen Anliegen, Ideen, Konzepte überzeugen möchte, denn er erhält Hilfestellungen für die optimale Gesprächsvorbereitung und Handwerkszeug für die Situation als solche.

Fazit

Die Zusatzkosten für den inhaltlichen Mehrwert gingen erfreulicherweise nicht zu Lasten des Buches an sich. Es ist durchgängig vierfarbig gehalten und optisch sehr ansprechend und modern gestaltet. Umso erstaunlicher ist der Kaufpreis von lediglich 19,95 €! Schon allein aus diesem Grund lohnt sich die Anschaffung allemal.

Kostenloses eMagazin zum Thema Legal Tech

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die erste Sonderausgabe des eMagazins kanzleimarketing.de widmet sich dem Thema Legal Tech – einem Trend, der die Rechtsbranche nachhaltig verändert und noch weiter verändern wird. Aber was heißt das genau? Statt sich dem Phänomen allgemein zu widmen, hauchen die Fachautoren ihm Leben ein: Anhand von konkreten Praxisbeispielen aus dem Kanzleialltag zeigen sie, wie Juristen Arbeitsprozesse, Marketing oder Mandantenbetreuung verbessern können. Was kann eine Vertragssoftware leisten? Welche Rolle spielt das Kanzleipersonal bei der Umstellung auf Legal Tech? Was sind Chatbots? Diese und noch weitere Fragen beantworten unsere Fachautoren in unserer Sonderausgabe.

Aus dem Inhalt

  • Stefan Morschheuser: Legal Tech und die Demokratisierung des Rechts
  • Marco Klock: Produktbasierter Marketing-Ansatz
  • Pia Löffler: Suchmaschinenoptimierung: Der Mensch im Fokus
  • Sabine Ecker: Vertragssoftware: Ist ein Vertrag nicht mehr als die Summe seiner Klauseln?
  • Susanne Pannenbäcker: Fit für Legal Tech: Auf die richtigen Mitarbeiter kommt es an!
  • Patrick Prior: Legal Chatbots und die Kommunikation mit Rechtsanwälten

Das Magazin finden Sie hier.

Eine interessante Lektüre wünscht mit besten Grüßen

RA Katharina Nitsch

Personalauswahl und strukturierte Bewerbergespräche – Gastbeitrag von Viviane Schrader

In Zeiten des Fachkräftemangels finden viele Kanzleien kaum noch geeignete Bewerber, um ihre offenen Stellen für Rechtsanwalts- oder Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte adäquat und zügig zu besetzen. Umso wichtiger ist es, aus der teilweise geringen Anzahl von Bewerbungen diejenigen Personen herauszufiltern, die fachlich und persönlich geeignet sind, die freie Position in der Kanzlei dauerhaft zu besetzen. Denn nicht nur die Nichtbesetzung einer Stelle kostet die Kanzlei viel Geld, sondern auch die Fehlbesetzung!

Letztendlich kann man keinem Bewerber hinter die Stirn schauen, aber man kann durch ein wohldurchdachtes Bewerberauswahlverfahren und ein strukturiertes Bewerbergespräch dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbesetzung deutlich reduziert wird.

Der Beginn jeder Bewerberauswahl liegt bereits im Erstellen eines Anforderungsprofils für die zu besetzende Stelle. Wenn nicht klar definiert ist, wer genau gesucht wird, kann es am Ende – für beide Seiten – zur großen Ernüchterung kommen. Es ist daher zwingend vorab zu klären, welche fachlichen und sozialen Kompetenzen der perfekte Bewerber haben sollte und wie der Tätigkeitsbereich der zu besetzenden Stelle realistischer Weise aussieht. Auf dieser Basis erstellt man dann die passende und aussagekräftige Stellenanzeige. Ist die Qualität der Stellenanzeige mangelhaft, so wird sich auch kaum ein geeigneter Bewerber finden, der optimal ins Anforderungsprofil passt und die geforderte Tätigkeit zufriedenstellend ausführen kann.

Gehen aufgrund der ansprechenden Stellenanzeige eine ausreichende Anzahl von Bewerbungen ein, so sollten diese zwingend zentral erfasst werden und ein kurzes Eingangsbestätigungsschreiben – am einfachsten per E-Mail – versendet werden. Für die Prüfung der einzelnen Bewerbungen eignet sich ein eigens hierfür erstelltes Formular, auf welchem man die zu prüfenden Aspekte notiert und dann eine Wertung vornimmt.

Die favorisierten Bewerber sollten zeitnah zu einem Gespräch eingeladen werden. Die weiteren Bewerber sollten eine Zwischennachricht bzw. die Absage erhalten. Das macht einen guten Eindruck und man vermeidet auch – ggfs. mehrfache – Nachfragen von Bewerbern.

Das Bewerbergespräch sollte zwingend ein sog. strukturiertes Gespräch sein. Dieses bedarf daher einer entsprechend sorgfältigen Vorbereitung. Im Vorfeld sollte geklärt werden, welche Personen neben dem Bewerber am Gespräch teilnehmen (z.B. Vertreter der Kanzleiführung sowie Büroleitung, Mitarbeiter aus dem Office etc.). Der Vorteil, wenn verschiedene Personen das Gespräch begleiten, ergibt sich aus den verschiedenen Blickwinkeln der Teilnehmer und aus dem sich daraus gebildeten besseren Bild. So haben z.B. Office-Mitarbeiter im Gespräch oft einen anderen Fokus als z.B. der Seniorpartner. Auch hieraus ergeben sich unterschiedliche Gesprächswahrnehmungen, die sich gegenseitig bereichern können.

Dann sollte ein Gesprächsbogen erstellt werden, aus dem sich der Verlauf des Gesprächs in Stichworten ergibt. So ist sichergestellt, dass alle Bewerbergespräche identisch verlaufen und entsprechend vergleichbar werden.

Nach einer Begrüßung sollte der Bewerber sich selbst vorstellen und seine maßgeblichen Fähigkeiten in eigenen Worten beschreiben. So kann man Redegewandheit, Umgang und soziale Kompetenzen prüfen. Kleine Fragen zum Privatleben, z.B. Hobbies, sind erlaubt und lassen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers zu.

Für die Überprüfung der fachlichen Kompetenz kann man z.B. reine Wissensabfragen (oder Allgemeinwissen) mit der Lösung von praxisorientierten Fallbeispielen kombinieren. Es ist Geschmackssache, ob man einen Bewerber im Sekretariat heutzutage noch zu einer Arbeitsprobe, z.B. beim Diktatschreiben, bittet. Aber auch in diesem Teil sollte der Bewerber viel Redezeit erhalten, um auch seine fachlichen Kompetenzen zu beschreiben („Erläutern Sie einen typischen Arbeitstag bei Ihrem vorherigen Arbeitgeber.“). Wichtig für das gesamte Gespräch ist, dass es sich um einen Dialog handelt, und nicht um einen Monolog eines Kanzleivertreters. Auch sollte für die Gespräche ein großzügiger Zeitrahmen gewählt werden. Bewerbergespräche unter Zeitdruck können nicht erfolgreich geführt werden!

Nach Abschluss aller Gespräche werden die Gesprächsbögen ausgewertet und derjenige Bewerber, der die meisten Kriterien erfüllt, sollte zu einem weiten Gespräch über die Verhandlung der Vertragsinhalte eingeladen werden.

Stellt sich heraus, dass kein Bewerber alle Kriterien oder wenigstens eine weit überwiegende Anzahl erfüllt, so darf (und sollte) die Konsequenz sein, dass die Bewerberauswahl an dieser Stelle gescheitert ist und eine erneute Suche beginnen sollte. Ein Bewerber, der nicht überzeugt, darf nicht aus purer Not und Zeitdruck, eine Stelle dringend zu besetzen, eingestellt werden. Der mittel- und langfristige Schaden, der sich u.U. für die Kanzlei ergibt, ist zu groß. Auch für einen Bewerber, der im Nachhinein die fachlichen Kompetenzen schlicht nicht liefern kann, kann es frustrierend werden. Hier sollte auch der Gesundheitsschutz des Arbeitnehmers beachtet werden. Denn ein überforderter Mitarbeiter kann schnell an Überlastungssymptomen leiden und erkranken.

Installieren Sie also für Ihre Kanzlei standardisierte Bewerberauswahlverfahren,strukturieren Sie die Bewerbergespräche und legen Sie damit den Grundstein für einen größtmöglichen Erfolg bei der Mitarbeitersuche!

Viviane Schrader, zert. Personalmanagerin (DAM), Rechtsfachwirtin, Gesellschafterin der Tietje & Jäger oHG, Kanzlei-Consulting, Achim, www.tietje-jaeger.de

Zeitschrift JUVE Steuermarkt – Interview mit dem Co-Redaktionsleiter René Bender

Guten Tag Herr Bender, herzlichen Dank dafür, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Seit Anfang 2017 gibt es die Zeitschrift JUVE Steuermarkt als Pendant zur Zeitschrift JUVE Rechtsmarkt. Was ist Ihre Zielsetzung?

Die Grundidee von JUVE Steuermarkt ist, mehr Transparenz in die Beratungsbranche zu bringen und Steuerexperten über die wesentlichen Entwicklungen in ihrem Arbeitsgebiet informieren. Und das in gewohnter JUVE-Qualität: analytisch, hintergründig, fair, investigativ. Der Zeitpunkt dafür ist in unseren Augen ideal, denn der Steuerberatungsmarkt verändert sich so stark wie nie zuvor: Dazu tragen die Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung ebenso bei wie die globalisierte Wirtschaftswelt und ein verstärkter Fokus auf Steuerthemen aufseiten der Gesetzgeber und Verwaltungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene.

Welche Leserschaft spricht JUVE Steuermarkt an?

Wir richten uns an Steuerexperten in Beratungsgesellschaften, Anwaltskanzleien und Unternehmen sowie in der Verwaltung und den Gerichten. Entsprechend groß ist das Spektrum der Adressaten – von den Big Four bis hin zu kleinen Einheiten, die wirtschaftsberatend tätig sind oder die Entwicklungen auf diesem Feld verfolgen. Mit unseren Analysen, Interviews, Kennzahlen und Rankings erreichen wir schon kurz nach unserem Start etwa 6.000 Steuerexperten an allen wichtigen Schaltstellen der Branche, davon alleine mehr als 3.000 in Unternehmen.

Entspricht das Konzept von JUVE Steuermarkt 1:1 dem Konzept von JUVE Rechtsmarkt oder gibt es signifikante Unterschiede?

Das Konzept ist in weiten Teilen angelehnt an das seit Langem bewährte Erfolgsmodell von JUVE Rechtsmarkt, aber es gibt auch einige Unterschiede. Identisch sind die schon angesprochenen Ziele. Wir möchten Transparenz in die Beratungsbranche bringen und die Experten über die wesentlichen Entwicklungen informieren. Vom Grunde her sehr vergleichbar ist deshalb auch das Themenspektrum. Wir lenken unseren Blick auf Managementtrends und die Menschen in Beratungsfirmen und Kanzleien sowie in Steuerabteilungen, in der Verwaltung und Gerichten und berichten über wichtige Transaktionen und Verfahren. Ein entscheidender Unterschied: Im JUVE Steuermarkt beleuchten wir in einer festen Rubrik auch die Ausbildungs- und Karrierethemen, über die wir im Rechtsberatungsmarkt nicht im JUVE Rechtsmarkt, sondern in der Publikation azur berichten. Zudem werden Sie im JUVE Steuermarkt ab dem kommenden Jahr auch detaillierte Rankings in rund zehn verschiedenen steuerlichen Disziplinen finden, angelehnt an die bekannten Rankings im JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien.

Neben Personalien greifen Sie auch Themen auf, die für Steuerberater allgemein von Interesse sind, wie z.B. Mitarbeitersuche oder Existenzgründung. Wie findet die Redaktion die Themen?

Wir finden die Themen vor allem durch den täglichen Austausch mit der Szene. In hunderten von Gesprächen, die jeder Redakteur jährlich führt – auch im Rahmen der Recherche für das JUVE-Handbuch, azur- oder die täglichen Nachrichten auf juve.de – nehmen wir auf, was unsere Gesprächspartner bewegt, interessiert und verbindet. Die Verbindung aller Produkte durch eine Zentralredaktion ist auch der Grund für die qualitative Stärke von JUVE Steuermarkt.

Aus welchen Mitgliedern setzt sich die Redaktion zusammen?

Sieben Redakteure bilden das Kernteam von JUVE Steuermarkt. Dies sind der Chefredakteur Jörn Poppelbaum und ich, die wir die Publikation gemeinsam leiten, sowie die Fachredakteure Catrin Behlau, Eva Flick, Daniel Lehman, Till Mansmann und Stephan Mittelhäuser. Um die Koordination der Informationen und die Datenerhebung kümmert sich Stephanie Riemann, die Schlussredaktion liegt bei Ulrike Sollbach und Sirka Laass. Regelmäßig wird das Team außerdem durch weitere der insgesamt 30 Redakteure unterstützt.

Werden Sie auch ein Handbuch für den Steuerberatungsmarkt herausgeben? Und planen Sie dann gegebenenfalls vergleichbare Veranstaltungen für Steuerberater wie den „JUVE Award für Kanzleien“?

Wie angedeutet, wird es bereits im kommenden Jahr auch ein auf den Steuerberatungsmarkt zugeschnittenes handbuchähnliches Produkt geben. Es wird dem Leser Beraterrankings in den wesentlichen Spezialdisziplinen liefern. Diese reichen vom Konzernsteuerrecht über transaktionsbezogenes Steuerrecht, Umsatzsteuerrecht und Verrechnungspreisen bis hin zur Nachfolge- und Vermögensberatung. Weitere Beispiele sind die derzeit besonders gefragten Felder Steuerstreit und Steuerstrafrecht sowie Compliance-Prävention und Untersuchungen. Dies auf die Beine zu stellen ist erst einmal Herausforderung genug. Ob wir auch eigene JUVE Awards für Steuerberater ausrichten, werden wir zu gegebener Zeit entscheiden. Bereits jetzt verleihen wir ja JUVE Awards in den beiden Kategorien „Kanzlei des Jahres für Steuerrecht“ und „Inhouse-Team des Jahres für Steuerrecht“.

Herr Bender wir danken Ihnen für das Gespräch.

Weitere Informationen zur neuen Zeitschrift JUVE Steuermarkt finden Sie hier.

Wie Anwälte mit guter Pressearbeit bekannter werden und sich als Experten positionieren – Gastbeitrag von Susanne Kleiner

Medienaffine Rechtsanwälte verstehen, wie Journalisten arbeiten, und kommunizieren mit Medienvertretern auf Augenhöhe. Mit attraktiven Themen gewinnen sie Aufmerksamkeit und schaffen es, sich dauerhaft als gefragte Interviewpartner einen Namen zu machen. Hier ein paar Tipps und Tricks für die Praxis.

Pressearbeit ist Aufbauarbeit

Informieren Sie regelmäßig aus Ihrer Kanzlei. Mit professionell verfassten Pressemitteilungen dokumentieren Sie, dass Sie die Recherche und Arbeitsweise der Redakteure unterstützen. Das heißt auch, dass Sie nur News mit echtem Nachrichtenwert anbieten, anstatt Adressaten mit Belanglosem zu vergraulen oder mit Lobhudelei über die eigene Kanzlei abzuschrecken. Und: Konzentrieren Sie sich auf eine Kernbotschaft Ihrer Presseinformation und formulieren Sie starke Headlines.

So sieht eine Pressemitteilung aus

Text auf Vorlage mit dem Kanzlei-Logo. Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5, serifenfreie und schnörkellose Schrift. Maximal zwölf Wörter pro Satz. Beantworten Sie die W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wie? Warum? Wo? Welche Quelle? Klare Sprache überzeugt: ein Satz, eine Aussage. Aktiv statt passiv formulieren. Und: Lebendig formulierte Zitate beleben den Text. Druckfähige Pressefotos vom Profi sind Pflicht. Verschicken Sie Pressemitteilungen als offene Word-Datei – und gleichzeitig als Fließtext direkt in der Mail. Kontaktdaten des Ansprechpartners sind ein Muss. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie nach einer Aussendung erreichbar sind.

Füttern Sie die Suchmaschinen und netzwerken Sie online

Pflegen Sie ein Presseportal auf Ihrer Website und verlinken Sie von Ihren Social- Media-Kanälen auf diese Meldungen. Teasern Sie Ihre Texte geschickt an. So machen Sie Lust auf mehr und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass andere Ihre Online-Beiträge teilen. Bedenken Sie auch: Social-Media-Aktivitäten sind ein Geben und Nehmen. Würdigen und multiplizieren Sie auch Artikel und Meldungen anderer Unternehmen oder Berater. So ernten Sie Sympathie und gewinnen Fürsprecher.

Medientraining hilft

Wenn Sie Radiointerviews geben oder Statements vor laufender Kamera verlautbaren lassen, gilt: Gute Botschaften fallen nicht vom Himmel. Versierte Sprecher bereiten sich im Medientraining für den Auftritt vor. So verhindern sie Spontanaussagen, die sie später bereuen. Und sie setzen sich weniger unkontrollierter Nervosität aus, die Stimme und Körpersprache schwächen. Alles in allem gilt: Setzen Sie Ihre Persönlichkeit und die Persönlichkeit Ihrer Kanzlei in den Medien in das richtige Licht. Eine gute Reputation braucht und verdient Multiplikation.

Geduld und Wertschätzung zahlen sich aus

Nicht jede Meldung wird sofort gedruckt. Doch Redakteure honorieren kontinuierliche, verlässliche und professionelle Kontakte irgendwann. Das heißt auch: Gehen Sie wohlwollend und wertschätzend mit Journalisten um und reagieren Sie schnell, wenn Presseanfragen ins Haus flattern. Ganz wichtig: Respektieren Sie das Hoheitsgebiet der Redaktionen. Verkneifen Sie sich die Bitte, Korrektur zu lesen. So outen Sie sich als Laie. Ausnahmen sind direkte Zitate und Ihre Interviews, die Sie selbstverständlich autorisieren.

 

Susanne Kleiner ist freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin und Mediatorin in München und kooperiert mit Rechtsanwälten als Expertin für Litigation-PR. Als Trainerin (dvct) und Coach (dvct) vermittelt sie persönliche und mediale Kommunikationskompetenz. Einen Schwerpunkt legt sie dabei auf interne und externe Kommunikation in Krisen und Konflikten. Außerdem berät sie in allen Fragen rund um die Kanzlei-PR und Markenstrategie und entwickelt Image- und Werbetexte für Online- und Printmedien.Weitere Informationen:  www.susanne-kleiner.de; www.trainings-workshops-seminare.de

 

Infobrief für junge Juristen – neue Ausgabe

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die neue Ausgabe des MkG-Infobriefs ist da. Erfahrene Praktiker geben neue und wichtige Tipps für junge Juristen.

In dieser Ausgabe lesen Sie:

► Sabine Jungbauer: beA-Serie Teil 3 – Haftungsfallen

Raik Brete: Beratung in der Krise
Dr. Astrid Auer-Reinsdorff: Datenschutzgrundverordnung – Countdown zum 25. Mai 2018
Norbert Schneider: Fiktive Terminsgebühr im einstweiligen Verfügungs- und Anordnungsverfahren

Petra Geißinger: Serie „Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben“ Teil1: SGB IX in der anwaltlichen Beratungspraxis“
Markus Hegelein: Erfahrungsbericht – Wie ist es, heute als Migrationsanwalt zu arbeiten?
Dr. Dominik Herzog: Kolumne – „Aus dem Leben eines Jungjuristen“: Möbel, Müsli und Mandate – alles online oder was?
GratisFormular: Musterformular Kündigung und Räumungsklage (Vermieter)

Umfrage: Sehen Sie Legal Tech als eine Chance oder eine Bedrohung?

Eine interessante Lektüre wünscht mit besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Neues zur ReNo-Ausbildung – Interview mit Ronja Tietje und Sabine Jungbauer

Guten Tag Frau Tietje, guten Tag Frau Jungbauer, wir freuen uns, dass Sie uns als Herausgeberinnen für ein Interview für den Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: In den Büchern der neuen Reihe „RENO-Ausbildung: Fallakten“ widmen Sie sich der praktischen Ausbildung der ReNo anhand von realen Fällen. Erzählen Sie uns doch bitte, warum Sie diesen Ansatz gewählt haben. Gab es so etwas noch nicht auf dem Markt?

Durch die neue ReNoPat-Ausbildungsverordnung, die seit dem 01.08.2015 zur Anwendung kommt, ist die handlungsorientierte Wissensvermittlung sehr stark in den Fokus der Ausbildung gerückt. Dabei ist aber auch gleichzeitig zu beobachten, dass aufgrund zunehmender Spezialisierungen in den Anwaltskanzleien die Auszubildenden oft mit „normalen Zivilrechtsfällen“ kaum noch in Kontakt kommen. Wir halten gerade diese Fälle allerdings für eine gute Grundlage zur Erlangung des Basiswissens und wollten daher mit den Fallakten den Auszubildenden helfen, Zusammenhänge besser erkennen und beurteilen zu können.

Ist das Ausbildungswerk ReNO 2015, das ebenfalls von Ihnen, Frau Jungbauer, herausgegeben wird eine sinnvolle Ergänzung?

Die Reihe ReNo 2015 orientiert sich ebenfalls an der neuen Ausbildungsverordnung. Hierbei handelt es sich um eine Buchreihe, die seit vielen Jahren am Markt etabliert ist. Der Fokus bei dieser Buchreihe liegt auf der Abschlussprüfung. Es handelt sich nicht um Lehrbücher oder ausbildungsbegleitende Arbeitshefte wie die Fallakten, sondern um Zusammenfassungen von Schwerpunktthemen mit entsprechenden Übungsaufgaben, die sich an der Abschlussprüfung orientieren. Diese Bücher, die sämtlichst auf den prüfungsrelevanten Themen basieren, sind hervorragend geeignet, sich auf die schriftliche Abschlussprüfung vorzubereiten.

Welche Ergänzungen oder Verbesserungen würden Sie in der ReNo-Ausbildung für sinnvoll halten?

Mit der neuen ReNoPat-Ausbildungsverordnung sind die Weichen für die Zukunft schon gestellt worden. Hier waren insbesondere auch zwei Vorstandsmitglieder des ReNo-Bundesverbandes im Verordnungsverfahren aktiv eingebunden. Verkrustete alte Strukturen wurden aufgebrochen, Themen wie der elektronische Rechtsverkehr oder auch Europarecht, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, aber auch die Vermittlung von Sozialkompetenzen, wurden aufgenommen. Nun ist die nächste Herausforderung, diese Vorgaben im Berufsschul- und Kanzleialltag umzusetzen. Berufschulen und Kanzleien sind als gleichberechtigte Partner im dualen Ausbildungssystem hier gleichermaßen hoch gefordert. Zudem heißt es, die Augen weiterhin am Markt offen zu halten, um zeitnah auf künftige Entwicklungen zu reagieren.

Was halten Sie für Schlüsselkompetenzen einer/eines ReNo?

Nach wie vor stellt auch die neue Verordnung hohe Anforderungen an ein vertieftes Wissen in den Bereichen der Fristenverwaltung, des Kanzleimanagements aber auch des Vollstreckungs- und Kostenrechts sowie im notariellen Bereich z. B. des Liegenschaftsrechts. Hier können die Fachangestellten die Anwälte in ihrer Arbeit sehr gut unterstützen und selbständig ihnen zugeteilte Aufgaben erledigen. Von ReNos wird heute aber auch eine hohe Sozial- und Handlungskompetenz gefordert. Das fachliche Arbeiten – insbesondere im Team – aber auch der Umgang mit den verschiedenen Medien unter effizienter Einbeziehung der Soft- und Hardware sind wichtige Instrumente im täglichen Arbeitsalltag. Die dafür wichtigen Schlüsselkompetenzen wie z. B. Teamfähigkeit, ergebnisorientiertes Handeln und Organisationsfähigkeit, sind es, die ReNos heutzutage mitbringen müssen.

Wie kann man diese Kompetenzen praktisch einüben? Haben Sie hier eine Idee für unsere Leser, wann man dies auch im Alltag üben kann?

Nehmen wir das Beispiel elektronischer Rechtsverkehr. Gerade junge Menschen bewegen sich heute in der digitalen Welt in einer Selbstverständlichkeit, die bereits große Vorteile für das Erlernen des Berufs der ReNo mit sich bringt. Wenn man aufgeschlossen ist und/oder in der Lage ist, sich hierfür zu öffnen, bringt einen das auch im Berufsleben schon ein gutes Stück weiter. Alles rund um die „digitale Anwaltskanzlei“ lässt sich leichter erlernen, wenn man auch im Umgang mit MS Office-Produkten bereits im Alltag geübt ist. Die elektronische Archivierung von Fotos und Dokumenten betreibt fast jeder auch heutzutage im privaten Bereich. Mit den rechtlichen Hintergrundkenntnissen zu Aufbewahrungspflichten, rechtssicherem ersetzenden Scannen oder dem Einsatz von professionellen Dokumenten-Management-Systemen baut man auf diese Kenntnisse dann am Ende letztendlich noch auf.

Welche weiteren Fähigkeiten sollte eine ReNo auf jeden Fall mitbringen, um wirklich in dem Beruf erfolgreich zu sein?

Eine ReNo sollte wie jeder Mensch im Beruf zielstrebig sein. Das ist sicher eine Grundvoraussetzung, um im Berufsleben erfolgreich zu sein. Daneben ist es wichtig, dass eine Reno bei den sich ständig ändernden Gesetzesgrundlagen und Reformen gewillt ist, sich immer „up to date“ zu halten, also sich weiterbildet. Sei es durch Präsenzseminare oder Webinare zu bestimmten Fachgebieten, oder die komplexe Weiterbildungsmöglichkeit zum geprüften Rechtsfachwirt, und/oder zum Notarfachwirt. Denn eines ist im ReNo-Beruf sicher: Die Berufsinhalte stehen nie still.

Würden Sie Ihrer Tochter/Sohn empfehlen, eine Berufsausbildung zur ReNO anzustreben?

Ja, wir denken schon. Trotz vieler Punkte, die dagegen sprechen könnten. Wie z. B. die geringe Vergütung in der Ausbildung, oder später – je nach Region – im Beruf als Fachangestellte/r. Aber zum einen ändern sich die Zeiten. Auch im Gehaltsgefüge der Fachangestellte ist im Augenblick viel Bewegung. Und zum anderen ist der Beruf der ReNo ein hoch qualifizierter Beruf, in dem man oft sehr selbständig arbeiten und sein Rechtswissen einbringen kann. Und selbst wenn man sich nach der Ausbildung entscheidet, dass der Job in einer Anwaltskanzlei nichts für einen ist, dann stehen einem die Türen in der Wirtschaft und in der Justiz sehr weit offen, gerade weil man in der Ausbildung ein sehr breit angelegtes Officemanagementwissen gekoppelt mit einem großen Schwung an Rechtskenntnissen erhält und daher in der Justiz oder der Wirtschaft gut einsetzbar ist. Arbeitslosigkeit muss in diesem Beruf eigentlich kein/e Fachangestellte/r fürchten.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jungbauer / Tietje (Hrsg.)
Das Aufforderungsschreiben
2017, 80 S., ZAP-Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, ISBN 978-3-89655-858-9,
Preis 19,90 € inkl. MwSt.
Jungbauer / Tietje (Hrsg.)
Die Zivilklage
2017, 80 S., ZAP-Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, ISBN 978-3-89655-860-2,
Preis 19,90 € inkl. MwSt.
Dives / Jungbauer (Hrsg.)
ReNo 2015
2015, 1200 S., C.F. Müller, ISBN 978-3-8114-4628-1,
Preis 94,99 € inkl. MwSt.

 

Gezeichnete oder animierte Kanzleivideos – Interview mit Michael Herrmann

Kanzleivideos sind eine hervorragende Möglichkeit, komplexe Inhalte z. B. auf einer Kanzleiwebsite anschaulich darzustellen. Was aber wenn man nicht gerne sein Gesicht in die Kamera hält? Gezeichnete oder animierte Kanzleivideos können dann die Lösung sein. Welche Vorteile diese Videos haben und wie sie entstehen, erklärt Video-Experte Michael Herrmann im Interview.

Mit den besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch für das gesamte Kanzleiforum-Team

Ich schaffe das! Wann Leistung in der Kanzlei befriedigt und Wachstum bringt und wann sie unglücklich und krank macht. Gastbeitrag von Rechtsanwältin und Anwalts-Coach Friederike Matheis

„Ich schaffe das!“ So klingt ein optimistischer, motivierender Satz, der positive Leistungsenergie bewirkt. Da ist eine neue Herausforderung, eine spannende Aufgabe, ein attraktives Ziel. Ein Ziel, bei dessen Erreichung die Belohnung der Anerkennung winkt.

Ein inneres Lächeln, Noradrenalin und Dopamin, die leistungsfördernden Hormone im Gehirn, treiben uns an unser Bestes zu geben. Zum Beispiel das Ziel einen überzeugenden Schriftsatz zu fertigen, der – wie beantragt – eine einstweilige Verfügung oder einen Prozessgewinn zur Folge hat. Ein zufriedener Mandant, eine umgehend bezahlte Honorarnote, eine  erfreuliche Weiterempfehlung an andere, neue Mandanten. Ein gutes Ansehen. Wertschätzung von Klienten und den Kollegen in der Kanzlei. Und nach diesen Erfolgen mit Lust weitermachen. So die Idealvorstellung.

Die Realität sieht oft anders aus. Von meinen Klienten und Coachées höre ich immer wieder diesen Dreiklang: „Ich muss es schaffen!“ – „Ich bin geschafft!“ – Ich schaffe es nicht mehr!“

Der Dauertiger hat wieder zugeschlagen

Was ist geschehen?

Da hat der „Dauertiger“ seine Beute gepackt und der berüchtigte Burnout ist da.

In neurowissenschaftlichen Erläuterungen zum Thema Burnout wird gerne das „Tiger-im-Urwald“-Beispiel herangezogen, um das Phänomen von Stress bildlich zu erklären: Das Gehirn des Menschen ist evolutionsbedingt so ausgestattet, dass wir in akuten Gefahrensituationen blitzschnell lebenserhaltend reagieren können. Begnen wir zum Beispiel einem hungrigen Tiger in freier Wildbahn, dann ist Stress die lebenserhaltende, biologisch gesunde Reaktion unseres Gehirns auf die akute Gefahr.

In Millisekunden-Geschwindigkeit werden alle Energien von der Erfüllung längerfristiger Aktivitäten im Körper abgezogen und der Handhabung der gegenwärtigen Gefahr in Form des bedrohlichen Tigers zur Verfügung gestellt. Wenn dieses gefährliche Tier plötzlich vor dir steht, rettet dir dieser Stress das Überleben: Verteidigung oder Flucht sind angesagt! Und zwar ohne lange nachzudenken, was du jetzt wohl am besten tun könntest.

Alles geht rasend schnell. Das Herz-Kreislaufsystem wird beeinflusst, das Herz schlägt schneller und der Atem beschleunigt sich, um vermehrt Sauerstoff ins Blut und dieses anschließend in die Muskeln von Armen und Beinen zu transportieren. Um zu kämpfen oder wegzulaufen, und zwar so schnell wie möglich.

Im mittleren Gehirn werden dabei gleichzeitig die Hormone Adrenalin und das Angst erzeugende Cortisol wirksam.  Dieser Vorgang verringert unter anderem die Funktion des Immunsystems, sodass man anfälliger für Infekte wird.

Dieser zeitlich begrenzte „Tiger-Stress“ ist an sich nicht schlecht und nicht schädlich. Aber wenn der Stress noch zunimmt und sich verstetigt – wenn der Tiger zum „Dauertiger“ wird – dann wird der entstehende Disstress ungesund. Der Dauertiger packt zu und wir verlieren mehr und mehr Kraft. Unsere Reserven werden angegriffen und wenn wir sie nicht mehr auftanken können, bricht unser System zusammen. Die Leistungslust verschwindet, die sozialen Beziehungen – zuhause wie im Büro – leiden. Ehen und Familien werden überbelastet und scheitern. Das ist keine Neuigkeit mehr: Depressionen und körperliche Krankheiten nehmen zu.

Die Freiheit des Rechtsanwaltsberufes

Aber was genau ist es, dass Kollegen und Mitarbeiter in Anwaltskanzleien zur Beute des Dauertigers werden? Es ist nicht die Arbeit an sich. Auch nicht die viele Arbeit. Es ist etwas anderes, aber sehr Wesentliches.

Rechtsanwälte sind Freiberufler. Das Berufsbild ist geprägt von Selbstbestimmung. Auf diese Freiheit und – oft idealisierte – Selbstgestaltungsmöglichkeiten im Berufsleben sind Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen stolz.

Aber wie groß ist die Freiheit und Selbstbestimmung wirklich?

In Anwaltskanzleien herrscht, wie in anderen Wirtschaftsunternehmen auch, ein Klima von wachsender Beschleunigung und von Leistungsoptimierungsprozessen. Besonders die „freien MitarbeiterInnen“ und angestellte Anwälte und Anwältinnen, aber auch die Partner in Anwaltskanzleien erleben enormen Druck. Aber nur teilweise ist dieser Druck von Terminen und Fristen, also von außen bestimmt. Ein ganz überwiegender Teil dieses Drucks ist hausgemacht. Kämpferische Wettbewerbshaltung untereinander, überzogene Umsatz-Zielvereinbarungen und Akquisitions-Vorgaben, eine unauthentische, oft verletzende Kommunikation innerhalb der Kanzlei und mangelnde Anerkennung und Wertschätzung kreieren ein ungesundes Kanzleiklima, in dem sich der Dauertiger bequem einrichten kann.

In diesem Klima erwächst die Leistung  nicht mehr aus dem selbstbestimmten und motivierenden „Ich schaffe das!“, sondern aus dem reaktiven und defensiven „Ich muss es schaffen, sonst…“. Sie verstehen schon: andauernde Angst ist Futter für den Dauertiger.

Leistung aus Freude und Motivation heraus ist befriedigend. Am Ende steht dann das : „Ich habe es getan und geschafft, weil ich es wollte – nicht weil ich es musste.“ Das gibt neue Energie. Dieser Erfolg motiviert.

Dieses Phänomen der Freiheit und Selbstbestimmtheit wird in sehr vielen Kanzleien nicht verstanden und daher missachtet. Führungskräfte tragen so dazu bei, dass wertvolles Leistungspotenzial verbrannt wird. Ein neues Kanzleiklima, eine fruchtbare Kanzleikultur tut Not und ist machbar. Mit Achtsamkeit, echter Empathie und Wertschätzung schaffen Sie Leistung, die glücklich macht.

Friederike Matheis, Rechtsanwältin und Anwalts-Coach in Hamburg, www.rechtsanwalt-coaching.de und www.beyourselfcoaching.de