Neues zur ReNo-Ausbildung – Interview mit Ronja Tietje und Sabine Jungbauer

Guten Tag Frau Tietje, guten Tag Frau Jungbauer, wir freuen uns, dass Sie uns als Herausgeberinnen für ein Interview für den Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: In den Büchern der neuen Reihe „RENO-Ausbildung: Fallakten“ widmen Sie sich der praktischen Ausbildung der ReNo anhand von realen Fällen. Erzählen Sie uns doch bitte, warum Sie diesen Ansatz gewählt haben. Gab es so etwas noch nicht auf dem Markt?

Durch die neue ReNoPat-Ausbildungsverordnung, die seit dem 01.08.2015 zur Anwendung kommt, ist die handlungsorientierte Wissensvermittlung sehr stark in den Fokus der Ausbildung gerückt. Dabei ist aber auch gleichzeitig zu beobachten, dass aufgrund zunehmender Spezialisierungen in den Anwaltskanzleien die Auszubildenden oft mit „normalen Zivilrechtsfällen“ kaum noch in Kontakt kommen. Wir halten gerade diese Fälle allerdings für eine gute Grundlage zur Erlangung des Basiswissens und wollten daher mit den Fallakten den Auszubildenden helfen, Zusammenhänge besser erkennen und beurteilen zu können.

Ist das Ausbildungswerk ReNO 2015, das ebenfalls von Ihnen, Frau Jungbauer, herausgegeben wird eine sinnvolle Ergänzung?

Die Reihe ReNo 2015 orientiert sich ebenfalls an der neuen Ausbildungsverordnung. Hierbei handelt es sich um eine Buchreihe, die seit vielen Jahren am Markt etabliert ist. Der Fokus bei dieser Buchreihe liegt auf der Abschlussprüfung. Es handelt sich nicht um Lehrbücher oder ausbildungsbegleitende Arbeitshefte wie die Fallakten, sondern um Zusammenfassungen von Schwerpunktthemen mit entsprechenden Übungsaufgaben, die sich an der Abschlussprüfung orientieren. Diese Bücher, die sämtlichst auf den prüfungsrelevanten Themen basieren, sind hervorragend geeignet, sich auf die schriftliche Abschlussprüfung vorzubereiten.

Welche Ergänzungen oder Verbesserungen würden Sie in der ReNo-Ausbildung für sinnvoll halten?

Mit der neuen ReNoPat-Ausbildungsverordnung sind die Weichen für die Zukunft schon gestellt worden. Hier waren insbesondere auch zwei Vorstandsmitglieder des ReNo-Bundesverbandes im Verordnungsverfahren aktiv eingebunden. Verkrustete alte Strukturen wurden aufgebrochen, Themen wie der elektronische Rechtsverkehr oder auch Europarecht, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, aber auch die Vermittlung von Sozialkompetenzen, wurden aufgenommen. Nun ist die nächste Herausforderung, diese Vorgaben im Berufsschul- und Kanzleialltag umzusetzen. Berufschulen und Kanzleien sind als gleichberechtigte Partner im dualen Ausbildungssystem hier gleichermaßen hoch gefordert. Zudem heißt es, die Augen weiterhin am Markt offen zu halten, um zeitnah auf künftige Entwicklungen zu reagieren.

Was halten Sie für Schlüsselkompetenzen einer/eines ReNo?

Nach wie vor stellt auch die neue Verordnung hohe Anforderungen an ein vertieftes Wissen in den Bereichen der Fristenverwaltung, des Kanzleimanagements aber auch des Vollstreckungs- und Kostenrechts sowie im notariellen Bereich z. B. des Liegenschaftsrechts. Hier können die Fachangestellten die Anwälte in ihrer Arbeit sehr gut unterstützen und selbständig ihnen zugeteilte Aufgaben erledigen. Von ReNos wird heute aber auch eine hohe Sozial- und Handlungskompetenz gefordert. Das fachliche Arbeiten – insbesondere im Team – aber auch der Umgang mit den verschiedenen Medien unter effizienter Einbeziehung der Soft- und Hardware sind wichtige Instrumente im täglichen Arbeitsalltag. Die dafür wichtigen Schlüsselkompetenzen wie z. B. Teamfähigkeit, ergebnisorientiertes Handeln und Organisationsfähigkeit, sind es, die ReNos heutzutage mitbringen müssen.

Wie kann man diese Kompetenzen praktisch einüben? Haben Sie hier eine Idee für unsere Leser, wann man dies auch im Alltag üben kann?

Nehmen wir das Beispiel elektronischer Rechtsverkehr. Gerade junge Menschen bewegen sich heute in der digitalen Welt in einer Selbstverständlichkeit, die bereits große Vorteile für das Erlernen des Berufs der ReNo mit sich bringt. Wenn man aufgeschlossen ist und/oder in der Lage ist, sich hierfür zu öffnen, bringt einen das auch im Berufsleben schon ein gutes Stück weiter. Alles rund um die „digitale Anwaltskanzlei“ lässt sich leichter erlernen, wenn man auch im Umgang mit MS Office-Produkten bereits im Alltag geübt ist. Die elektronische Archivierung von Fotos und Dokumenten betreibt fast jeder auch heutzutage im privaten Bereich. Mit den rechtlichen Hintergrundkenntnissen zu Aufbewahrungspflichten, rechtssicherem ersetzenden Scannen oder dem Einsatz von professionellen Dokumenten-Management-Systemen baut man auf diese Kenntnisse dann am Ende letztendlich noch auf.

Welche weiteren Fähigkeiten sollte eine ReNo auf jeden Fall mitbringen, um wirklich in dem Beruf erfolgreich zu sein?

Eine ReNo sollte wie jeder Mensch im Beruf zielstrebig sein. Das ist sicher eine Grundvoraussetzung, um im Berufsleben erfolgreich zu sein. Daneben ist es wichtig, dass eine Reno bei den sich ständig ändernden Gesetzesgrundlagen und Reformen gewillt ist, sich immer „up to date“ zu halten, also sich weiterbildet. Sei es durch Präsenzseminare oder Webinare zu bestimmten Fachgebieten, oder die komplexe Weiterbildungsmöglichkeit zum geprüften Rechtsfachwirt, und/oder zum Notarfachwirt. Denn eines ist im ReNo-Beruf sicher: Die Berufsinhalte stehen nie still.

Würden Sie Ihrer Tochter/Sohn empfehlen, eine Berufsausbildung zur ReNO anzustreben?

Ja, wir denken schon. Trotz vieler Punkte, die dagegen sprechen könnten. Wie z. B. die geringe Vergütung in der Ausbildung, oder später – je nach Region – im Beruf als Fachangestellte/r. Aber zum einen ändern sich die Zeiten. Auch im Gehaltsgefüge der Fachangestellte ist im Augenblick viel Bewegung. Und zum anderen ist der Beruf der ReNo ein hoch qualifizierter Beruf, in dem man oft sehr selbständig arbeiten und sein Rechtswissen einbringen kann. Und selbst wenn man sich nach der Ausbildung entscheidet, dass der Job in einer Anwaltskanzlei nichts für einen ist, dann stehen einem die Türen in der Wirtschaft und in der Justiz sehr weit offen, gerade weil man in der Ausbildung ein sehr breit angelegtes Officemanagementwissen gekoppelt mit einem großen Schwung an Rechtskenntnissen erhält und daher in der Justiz oder der Wirtschaft gut einsetzbar ist. Arbeitslosigkeit muss in diesem Beruf eigentlich kein/e Fachangestellte/r fürchten.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jungbauer / Tietje (Hrsg.)
Das Aufforderungsschreiben
2017, 80 S., ZAP-Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, ISBN 978-3-89655-858-9,
Preis 19,90 € inkl. MwSt.
Jungbauer / Tietje (Hrsg.)
Die Zivilklage
2017, 80 S., ZAP-Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, ISBN 978-3-89655-860-2,
Preis 19,90 € inkl. MwSt.
Dives / Jungbauer (Hrsg.)
ReNo 2015
2015, 1200 S., C.F. Müller, ISBN 978-3-8114-4628-1,
Preis 94,99 € inkl. MwSt.

 

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