Hey Lawyer, was geht? Gastbeitrag von Liane Allmann

Die Gründerszene boomt. Immer mehr Startups drängen auf den Markt und ändern auch Kommunikation und Kommunikations-Strukturen. Die Herausforderung für die Kommunikation zwischen Anwälten und Gründern besteht zunächst darin, dass Startups oft weniger erfahren sind, wenn es um Rechtsfragen geht. Startups sind mutiger und entscheidungsfreudiger und gerade wegen der Dynamik manchmal auch chaotischer. Die Kommunikation mit Startups bedarf einer besonderen Achtsamkeit der Anwälte. Eine Imitation jugendlich anmutender Sprache ist nicht notwendig.

Mandant im Mittelpunkt
Nicht die Präsentation der anwaltlichen Expertise muss in der Kommunikation in Richtung Mandant im Vordergrund stehen, sondern der Bedarf des Mandanten. Was sich so leicht liest, wird von Anwälten regelmäßig verdrängt. Wenn sie erste Begegnungen mit Gründern haben, versuchen Anwälte nicht selten sofort ihre Beratungsfelder zu platzieren, die dem Startup klarmachen sollen: So trivial ist das nicht. Aus Sicht des Anwalts ein natürlicher Reflex – perspektivisch möglichst viel Leistung zu verkaufen. Gerade für Jungunternehmer allerdings in erster Linie eines: Frustrierend.

Startups sind schnell
Startups sind schnell – müssen in vieler Hinsicht flexibel sein. Das erwarten sie auch von ihrem Anwalt. Was sie noch erwarten, ist die Möglichkeit, Entscheidungen schnell treffen zu können. Dafür benötigen sie eine besonders schnörkellose Korrespondenz, die rasch auf den Punkt kommt, die sie schnell erfassen können und die auf die Beleuchtung jeder juristischen Eventualität verzichtet. Knackige Informationen, zügig formuliert. Das nicht nur im E-Mail-Verkehr, sondern auch bei Mandantengesprächen. Für das Gegenüber sollte direkt klar werden, was möglich ist und was nicht.

Goldene Regeln zur Kommunikation mit Startups
Ein Anwalt sollte sich jederzeit bewusst sein, dass er eine vertrauensbasierte Dienstleistung verkauft. Deshalb muss er sich auch mit Vertrauensbildung auseinandersetzen. Und Vertrauen bildet sich sehr schnell bei Startups oder eben sehr schnell nicht. Grundsätzlich sollte folgendes beachtet werden:

  1. Wählen Sie eine leichte Sprache und kurze Sätze.
  2. Schreiben Sie im Aktiv – Sie formulieren so verbindlicher.
  3. Erklären Sie juristische Fachbegriffe und vermeiden Sie typisch juristische Füllworte und Floskeln.
  4. Vermeiden Sie Adjektive und Substantivierungen.
  5. Zeigen Sie klar Richtungen auf und bieten Sie echte Entscheidungsgrundlagen.
  6. Lassen Sie menschliche Nähe zu. Versuchen Sie sich in die Situation Ihres Mandanten hineinzuversetzen und bringen Sie ein ehrliches Interesse und im besten Falle Begeisterung für seine Idee auf.

Startups sind Startups sind Startups
Wichtiger Punkt in der Kommunikation mit Startups ist das Gespräch über Geld. Nichts frustriert den Anwalt so sehr, als wenn seine Rechnung nicht gezahlt wird. Da Startups regelmäßig einen nicht ansatzweise ausreichenden Betrag für anwaltliche Beratung in ihrem Business-Plan vorgesehen haben, sind sie zunächst kein attraktiver Mandant im klassischen Sinne. Das muss der Anwalt wissen und sollte sich genau überlegen, ob er – um dieses Risiko wissend – das Mandat annimmt. Auch hier kann man Regelungen treffen, die auch die Anwaltsmotivation hochhalten können, aber man muss eben sehr offen darüber reden und sehr klare Vereinbarungen treffen.

Ergebnis
Ich empfehle jedem Anwalt, Startups als Mandanten ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe und wertschätzend zu begegnen. Alter, Kleidung, Coworking-Space oder unorthodoxer Lebensrhythmus dürfen nicht verwundern. Startups sind oft anders – na und? Eine Bewertung ist nicht notwendig. Wichtig ist, dass man ein Gefühl für das Bedürfnis der oft sehr jungen Mandanten entwickelt und darauf professionell, aber angepasst eingeht. Startups wollen im Anwalt einen Partner erkennen können, der an sie glaubt und ihnen hilft. Gerade deshalb ist es notwendig, Kommunikationsformen und den Stil achtsam anzupassen. Das kann auch bedeuten, Startups zu disziplinieren, wenn es um das Bedürfnis nach Erreichbarkeit und Reaktionszeiten geht. Und es kann auch bedeuten, die Beratung von Startups in der Kanzlei jungen Anwältinnen und Anwälten zu überlassen, weil sie näher dran sind – am Alter, am Lifestyle und an allgemeinen Wertewelten.

Infobrief für junge Juristen – neue Ausgabe

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die neue Ausgabe des MkG-Infobriefs ist da: Erfahrene Praktiker geben darin neue und wichtige Tipps für junge Juristen. In dieser Ausgabe lesen Sie:

Prof. Dr. Dieter Müller: Das autonome Fahren – der Schlüssel für alle Probleme des Verkehrsrechts?
Dr. Christoph Kurzböck (L.L.M.): Das Entgeldtransparenzgesetz: Harte Konsequenz oder zahnloser Tiger?
Detlef Burhoff: Der Vorschuss auf eine Pauschgebühr – Voraussetzungen und Verfahren
Benjamin Schauß: Verjährungshemmung durch das Mahnverfahren – was ist zu beachten?
Karla Schlaepfer: Legal Tech starten mit Design Thinking
Video mit Kabarettist Dr. Dominik Herzog (RA): Über Volljuristen, Gott und Staatsanwältinnen
GratisFormular: Vergleich im Kündigungsprozess (aus Arbeitnehmersicht)

Eine interessante Lektüre wünscht mit besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Jetzt neu bei der BeckAkademie Seminare: Gratis-e-Learning „Mandantenakquise“!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Kennen Sie eigentlich den Bereich e-Learning der BeckAkademie Seminare? Wenn nicht, haben Sie jetzt die Gelegenheit, einen Einblick in dieses innovative Produkt zu erhalten.

Loggen Sie sich einfach unter https://elearning.beck-seminare.de/gratis mit folgenden Daten ein:

E-Mail-Adresse: elearning@beck.de
Passwort: beck

„Akquise kann man nicht lernen“ – das hört man häufig. Handelt es sich hierbei um die Wahrheit, oder stellt sich das Ganze als „hemmender Glaubenssatz“ heraus? Auf diese und viele weiteren Fragen gibt Ihnen Expertin Carmen Schön in diesem e-Learning Antworten. Sie erhalten wertvolles Praxiswissen, wie Sie eine solide Basis für Ihre Mandantenakquise schaffen und die Kundengewinnung strukturiert angehen.

Nutzen Sie dieses kostenlose e-Learning und lernen Sie die Vorteile der Online-Fortbildung kennen:

  • Bei unseren e-Learnings haben Sie keinen festen Termin. Absolvieren Sie Ihr e-Learning zu dem für Sie passenden Zeitpunkt.
  • Unterbrechen Sie das e-Learning jederzeit. Unsere webbasierte Lernplattform speichert Ihren Lernfortschritt. Machen Sie dort weiter, wo Sie aufgehört haben.
  • Selbstverständlich ist unser e-Learning nicht nur an Ihrem PC-Arbeitsplatz verfügbar, sondern auch auf Tablets und Smartphones abspielbar.

Sie sind überzeugt? Hier finden Sie das gesamte Programm der BeckAkademie Seminare e-Learning in den unterschiedlichsten Rechtsgebieten.

Mit den besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Richterscore.de – Ein Interview mit dem Geschäftsführer Justus Perlwitz

Guten Tag Herr Perlwitz! Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen.

Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Sie sind Gründer der Bewertungsplattform „Richterscore“. Könnten Sie uns schildern, wie Sie auf die Idee kamen, Richter zu bewerten?

Das stimmt nicht ganz. Ich bin nur Mit-Gründer der Bewertungsplattform und gegenwärtig auch Geschäftsführer. Mein Geschäftspartner ist Rechtsanwalt, der auch die Idee und das Konzept für Richterscore.de erarbeitet hat. Gemeinsam haben wir dann das Vorhaben im Mai 2016 verwirklicht. Dabei hat mein Kollege die Produktgestaltung vorangetrieben und ich habe diese im Wesentlichen technisch umgesetzt.

Uns geht es bei Richterscore.de maßgeblich um die Lösung eines Problems im Anwaltsalltag: Die fehlende Prognostizierbarkeit des Ausgangs eines Gerichtsprozesses – dies jedenfalls insoweit als es zum Teil bei der Entscheidungsfindung auf Faktoren ankommt, die nicht in der reinen Rechtsanwendung unterliegen. Die Rechtsprechung bestimmt maßgeblich auch die anwaltliche Beratungspraxis dann, wenn es darauf ankommt, ob man einem Mandanten gerichtliche Schritte anrät oder nicht. Hierbei kommt es nicht immer nur auf das objektive Recht an. Maßgebend sind auch beispielsweise Faktoren wie die Geschwindigkeit eines Gerichtsprozesses oder die eventuell vorhandenen Entscheidungstendenzen bei „Spielräumen“ in den Normen.

Richterscore.de will dabei langfristig das Tool sein, mit dem der Ausgang eines Gerichtsprozesses prognostiziert werden kann. Das ist zwar noch Zukunftsmusik und die derzeitigen Bewertungs- und Kommentierungsmöglichkeiten sind bloß die Grundlagen für weitere Schritte, an denen wir schon intern arbeiten.

An welche Zielgruppe wendet sich „Richterscore“ schwerpunktmässig?

Richterscore.de ist zurzeit ausschließlich an Rechtsanwälte gerichtet. Wir wollen keine „Beschwerdeplattform“ für Bürger oder sonstige Prozessbeteiligte schaffen. Es geht uns nur darum, dass den Rechtsanwälten im Arbeitsalltag geholfen wird.

Welchen praktischen Nutzen sehen Sie für Ihre Nutzer?

Der Nutzen von Richterscore.de beginnt bereits bei dem Lesen des ersten Kommentars über einen Richter, den man in seiner mündlichen Verhandlung haben wird. Hier dürften gerade Juristen an die Prüfungsprotokolle vor den Examina erinnert sein. Dabei konnte man sich den Prüfer genauso wenig aussuchen wie einen Richter, gleichwohl war jede Information über die Person, der man Rede und Antwort stehen muss, wertvoll. Richterscore.de zentralisiert vorhandenes Wissen der Anwälte und verteilt es. Zuvor gab es dazu nichts.

Mittelfristig werden wir in der Lage sein, so viele Informationen zu einem Gericht, einem Spruchkörper oder einem Richter zur Verfügung zu stellen, dass ein Rechtsanwalt in die Lage versetzt wird, die Beratungspraxis sowie eine eventuelle Prozessstrategie zu optimieren. Bei Gerichtsstandsvereinbarungen wird Richterscore.de eine Entscheidungsgrundlage für das für den Mandanten beste Gericht liefern können. Dasselbe gilt bei der Wahl zwischen mehreren Gerichtsständen. Im gewerblichen Rechtsschutz ist es ja schon Recht üblich, bei einer gewünschten medienfeindlichen Entscheidung in Hamburg zu klagen. Ähnliche Entscheidungstendenzen gibt es in anderen Rechtsgebieten und Regionen. Genau solche Informationen sammeln wir in strukturierter Form und können sie den Anwälten zur Verfügung stehen.

Langfristig werden wir Gerichtsurteile softwarebasiert auswerten und den jeweiligen Richtern zuordnen, so dass eine weitere Grundlage zur Entscheidungsfindung hinzukommt.

Wird die Plattform gut angenommen?

Ja. Wir haben bislang keine Werbung gemacht und auch keine direkte Presseansprache vorgenommen. Gleichwohl sind wir mittlerweile sehr bekannt und die Nutzerzahlen steigen stetig. Das ist wirklich eine komfortable Position und wir sind sehr dankbar darüber, dass wir offenbar einen echten Nerv getroffen haben.

Gibt es Rechtsgebiete, die auffällig häufig nachgefragt werden? Wir könnten uns vorstellen, dass die Einschätzung von Strafrichtern vielleicht interessanter ist als die eines Zivilrichters?

Zurzeit beschränken wir uns auf die Zivilgerichtsbarkeit und dort auch nur auf die Landgerichte und Oberlandesgerichte. Gleichwohl werden wir alsbald auch weitere Gerichte zur Verfügung stellen, so dass ein flächendenkender Austausch stattfinden kann. Die Nachfrage nach Strafrichtern oder auch Sozialgerichten ist recht hoch. Sicherlich wird der Nutzen auch im Strafrecht besonders hoch sein, da auch dort häufig eine gewisse subjektive Einschätzung und Positionierung der Spruchkörper relevant sein kann. Das wird auch bald kommen.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Schmähbewertungen? Greifen Sie hier evtl. korrigierend ein und wenn ja, nach welchen Kriterien?

Schmähbewertungen gab es bislang nicht. Wir haben Ende 2016 alle vorhandenen Kommentare und Bewertungen einmal ausgewertet und konnten – auch zu unserer Überraschung – feststellen, dass die überwiegende Anzahl der Meinungen positiv war. Sicherlich gab es die einen oder anderen Negativbewertungen. Diese sind aber nicht per se Schmähungen sondern schlichtweg negative Bewertungen. Ganz besonders deutlich wurde dies bei mehrfachen unabhängigen negativen Bewertungen, die auch Missstände aufdecken können.

Bei der Abgabe von Bewertungen und Kommentaren appellieren wir mehrfach an die Nutzer, sich sachlich und objektiv auszutauschen. Zugleich haben wir eine Filterfunktion für bestimmte schmähende Stichworte vorgesehen und greifen bei Beschwerden auch ein.

Im Raum stehen nach unseren Recherchen noch rechtliche Fragen.  Die Unabhängigkeit der Justiz ist verfassungsrechtlich garantiert. Darauf wird durch solche Bewertungsportale Einfluss genommen. Dagegen stehen Art. 2 Abs. 1 und Art 12 Abs. 1 GG. Man muss dann abwägen, ob der Staat hier eingreifen muss. Wie sehen diese Problematik? Gibt es neue Entwicklungen, die wie vielleicht noch nicht kennen?

Mit der rechtlichen Machbarkeit unseres Portals haben wir uns sehr intensiv auseinandergesetzt und dies auch entsprechend prüfen lassen. Richterscore.de ist ein rechtmäßiges Vorhaben und leistet zudem aus unserer Sicht einen Beitrag zur rechtsstaatlich notwendigen Transparenz, die ja wiederum ihrerseits verfassungsrechtlich verankert ist.

Gerade mit der Frage der richterlichen Unabhängigkeit haben wir uns auseinandergesetzt. Dabei ist juristisch zu berücksichtigen, dass die verfassungsrechtlich verankerte Unabhängigkeit der Justiz primär ein Abwehrrecht gegenüber unzulässigen Eingriffen des Staates ist und daher in der Schutzrichtung bereits nicht die – insoweit auch völlig eingriffslose – private Bewertung von staatlichem Handeln umfasst. Die Rechtsprechung hat ja des Weiteren auch höchstrichterlich die Bewertung von staatlichem Personal wie Lehrern oder Professoren erlaubt. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass Gerichte unmittelbares staatliches Handeln ausüben und die Transparenz in der Justiz gerade deshalb einmal mehr hervorzuheben ist, weil es schließlich – anders als bei dem Handeln von Lehrern oder Professoren – hier den Öffentlichkeitsgrundsatz gibt. Auch das Bundesverfassungsgericht hat bereits mehrfach entschieden, dass gerade Richter infolge ihres öffentlichen Amtes im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und daher nicht in gleichem Ausmaße einen Anspruch auf Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte haben.

Seitdem wir Richterscore.de betreiben, merken wir sicherlich, dass die an sich gebotene Transparenz in der Justiz „unerwünscht“ ist. Dies merken wir zum Beispiel daran, dass nicht einmal alle Geschäftsverteilungspläne auf Nachfrage verfügbar sind. Gleichwohl sind wir der Auffassung, dass ein Rechtsstaat solche Vorhaben aushalten muss – wenn sie nicht sogar geboten sind.

Was ist der unglaublichste Fall einer Richterbewertung, die Ihnen bekannt geworden ist? Vielleicht haben Sie zum Abschluss ein besonderes Beispiel für unsere Leser?

Es gab einen Kommentar, der hatte uns zum Schmunzeln gebracht, da er sinngemäß sagte, die Richterin benehme sich wie eine „Queen des Landgerichts“. Es folgte dann eine amüsante Beschreibung, die jeder Anwalt verstehen würde. Interessant sind Kommentare, die bestimmte Verhaltensweisen verdeutlichen. So werden zum Beispiel bei einigen Bauprozessen offenbar derart bewusst in die Länge gezogen, damit bloß kein Urteil geschrieben werden muss und sich die Parteien irgendwann vergleichen. Solche Informationen sind sehr wertvoll, weil man dann gleich seine Prozessstrategie danach ausrichten kann.

Herr Perlwitz, wir danken Ihnen für das Gespräch.