Legal Tech: Diese 8 Fragen sollte sich jeder Anwalt stellen

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Kein Jurist kommt in diesen Tagen an dem Wort Legal Tech vorbei. Manch einer behauptet: „Ach, das ist nur so ein schickes Buzzword. Betrifft mich eh nicht.“

Wer das sagt, irrt – findet etwa Professor Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts,  jüngst in der NJW.  „Diejenigen, die das Thema Legal Tech als ‚Hype‘ ansehen und eine intensive Auseinandersetzung mit ihm deshalb als überflüssig erachten, verkennen, dass bereits in der Vergangenheit technische Fortschritte das juristische Arbeiten wiederholt stark verändert haben.“

Aber wen betrifft Legal Tech denn nun eigentlich? Uns alle, weil sich keiner der Digitalisierung entziehen kann? Oder ist Legal Tech nur ein Thema für Großkanzleien?

Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigt sich das neue Buch „Legal Tech“ (C.H.BECK). Einer der Autoren ist Legal-Tech-Experte Marco Klock, CEO von rightmart und edicted.

Legal Tech: Sind Sie von den Entwicklungen betroffen?

Seine Haltung: „Die subsumierte ‚Light-Version‘ von Legal Tech (Mindset) lässt sich viel leichter mit dem alltäglichen Geschäft von kleineren oder mittleren Kanzleien vereinbaren.“

Doch nicht jeder sei von den Entwicklungen des Legal Tech-Zeitalters gleich betroffen.

Daher stellt Klock im Buch ein paar Kernfragen, damit Leser die Dringlichkeit des sogenannten „Legal Tech Mindsets“ einstufen können:

  1. Gibt es für einen Großteil Ihrer Mandate nur wenige Kollegen, die diese Spezialisierung aufweisen und deshalb mit Ihnen konkurrieren (das Gegenteil ist ein hoher Anteil von Mandanten repetitiver Natur)?
  2. Haben Sie einen exklusiven Marktzugang, der für andere eine höhere Markteintrittsbarriere darstellt (das Gegenteil ist eine Mandatsakquise ausschließlich aus Quellen, die jedermann auch ohne großartiges Know-how offenstehen)?
  3. Besteht die Möglichkeit, die Dienstleistung(en) Ihrer Kanzlei in konkrete Produkte zu verpacken? Oder anders gefragt: Ist Ihre Kanzlei spezifischer ausgerichtet als ein Rechtsgebiet (das Gegenteil ist eine große thematische Brandbreite bei den Mandaten Ihrer Kanzlei)? Ist Ihre Kanzlei spezifisch auf ein Rechtsgebiet ausgerichtet?
  4. Betreiben Sie aktives Marketing (oder aktive Vertriebsmaßnahmen) für Ihre Kanzlei?
  5. Haben Sie sich bereits mit Online-Marketing auseinandergesetzt?
  6. Kennen Sie die Akquisitionskosten Ihrer Mandate?
  7. Kennen Sie die Bearbeitungskosten Ihrer Mandate?
  8. Trägt Ihre Kanzlei einen Namen, der allgemeingültig als Marke durchgehen könnte? (Hinweis: Nachnamen gehen nur dann als Marke durch, wenn Ihre Kanzlei Skadden heißt)

Klock erklärt: „Diejenigen unter Ihnen, die vergleichsweise häufig mit Ja geantwortet haben, werden in den nächsten zehn Jahren zu den Gewinnern des Marktes zählen.“

Dafür müsse man „kein Genie“ sein, schreibt Klock. „Sie müssen einfach nur besser sein als der Durchschnitt am Markt, um exponentielle Vorteile für sich zu realisieren.“

Und was, wenn Sie größtenteils mit Nein geantwortet haben? „Dann wird Ihre Kanzlei mit großer Wahrscheinlichkeit stark von den Veränderungen am Markt betroffen sein“, resümiert Klock.

Welche Maßnahmen Sie jetzt ergreifen müssen? Und was Sie unabhängig von der Beantwortung der Fragen über Veränderungen, Tools oder Prozesse wissen müssen, erfahren Sie im Buch „Legal Tech“.

1 Antwort
  1. Dr. Anette Schunder-Hartung
    Dr. Anette Schunder-Hartung says:

    Nach zahlreichen Diskussionen, Moderationen usw. der letzten Monate scheinen mir persönlich folgende sieben Sachen zentral:
    1. Die kleineren Kanzleien müssen sich spezialisieren.
    2. Die Mittelständler müssen auf die Standardisierungsvorsprünge der größeren Kanzleien reagieren und versuchen, mit ihrer besonderen Wendigkeit zu punkten.
    3. Die großen Einheiten müssen verstärkt auf ihre Kostenstrukturen achten, sich von unrentablen Praxisgruppen trennen und verstärkt neue Vergütungsmodelle anbieten.
    4. Alle Sozietäten sollten sich stärker als bisher als Dienstleister begreifen. Alles andere ist Hybris! Wer das nicht glaubt, der sei der LexisNexis-Jahresreport 2016 empfohlen: „The Riddle of Perception“.
    5. Das hat nicht nur Folgen für Ihre Produktpalette, sondern erfordert auch fluidere Prozesse als die bisher gewohnten.
    6. Alle Beteiligten müssen ihre USPs stärken – und zwar gerade auch im gerne belächelten Soft Skill-Bereich, denn dort bewegen Sie sich auf einem Terrain, das auch komplexen Wenn-Dann-Subsumtionen künstlicher Intelligenzen nur schwer zugänglich ist.
    7. Am Ende der Entwicklungskette steht dann die optimale Außendarstellung von Homepage über Youtube-Channel bis hin zu kontinuierlichem soliden aktiven Medienkontakt.
    Bitte denken Sie immer daran: A fool with a tool is just a fool. Ohne Legal Tech ist alles nichts … aber die dadurch ausgelösten Veränderungsprozesse gehen weit über die technische Seite hinaus.

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