Fehlerquelle Mandantenaufklärung!

Die Kommunikation mit Mandanten kann fehleranfällig sein: Wurden die gesetzlichen Fristen beachtet? Sind alle verjährungshemmenden Maßnahmen bekannt? Vorformulierte Mandanteninformationen können hier ein Segen sein, sagt Rechtsanwalt Dr. Michael Sattler. Aktuell ist die Neuauflage seiner Formularsammlung Mandanteninformationen erschienen. Im Interview verrät er uns, warum jeder Anwalt diese Formulare in seiner Schublade haben sollte.

RA Dr. Michael Sattler

RA Dr. Michael Sattler

Herr Dr. Sattler, Sie sagen, dass die Mandatenaufklärung nicht nur mühsam ist, sondern auch Gefahren birgt. Welche denn?

Der Anwalt muss seinen Mandanten in die Lage versetzen, eine verantwortliche Entscheidung zu treffen. Dazu ist der Mandant nur in der Lage, wenn er umfassend, aber auch verständlich über seine Optionen aufgeklärt wird. Sieht sich der Anwalt dem Vorwurf eines Beratungsfehlers ausgesetzt, muss er Zeitpunkt und Inhalt seiner Aufklärung substantiiert darlegen. Gelingt ihm das nicht, haftet er.

Was ist Ihre Lösung dafür?

Die Aufklärung muss dokumentiert werden. Ich habe es mir zur Regel gemacht, meine Mandanten in Textform, vor allem per E-Mail, über Möglichkeiten und Risiken zu informieren und auch Besprechungsergebnisse auf diese Weise zusammen zu fassen.

Gab es für Sie ein Aha-Erlebnis, bei dem Sie gedacht haben: „Mensch, hätte ich diese Formulare doch schon früher gehabt“?

Ja, in einem Bauprozess verkündete der Gegner nach und nach drei weiteren Beteiligten den Streit. Ich habe dem Mandanten zwar erklärt, dass er mit einer Beteiligung an den Kosten der Streithelfer rechnen muss, wenn es zu einer Kostenquote kommen sollte. Als die Situation Jahre später eintrat, war er überrascht und konnte sich nicht mehr erinnern. Das passiert mir jetzt nicht mehr.

Wie verhindern Sie, dass durch die vorgefertigten Formulare die Individualität der Beratung nicht verloren geht?

In der aktuellen Auflage haben wir die Texte in zwei Varianten auf der CD untergebracht: einmal als Anschreiben und einmal als nicht personalisiertes Merkblatt. Ich bevorzuge die zweite Variante. Das Merkblatt füge ich einer E-Mail bei, verweise darauf und ergänze in dem Anschreiben, was es im aktuellen Fall zusätzlich zu sagen gibt bzw. wie sich die Ausführungen in dem Merkblatt konkret auswirken.

Wie haben die Mandanten reagiert? Oder anders gefragt: Haben die es überhaupt gemerkt oder wie AGBs verstanden? Nach dem Motto: Das Kleingedruckte muss man nicht lesen.  

Mein Eindruck ist, dass Mandanten die Merkblätter, die bei uns als mit Kanzleilogo versehene PDF-Dateien verwendet werden, als Ausdruck der Professionalität und Erfahrung ansehen. Sie erkennen, dass damit Standardsituationen beschrieben werden, die in der Kanzlei immer wieder vorkommen. Das wirkt beruhigend.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Rechtsgebiete ausgewählt, für die sie in ihrem Buch Mandanteninformationen anbieten?

Zunächst habe ich gemeinsam mit der Produktbetreuerin im Verlag überlegt, welche Rechtsgebiete neben den allgemeinen Themen sinnvoll erscheinen. Gemeinsames Merkmal ist, dass sie in den meisten Allgemeinkanzleien zum Tragen kommen. Gleichwohl sind die Formulare so gehalten, dass sie auch für Spezialisten auf dem jeweiligen Gebiet hilfreich sind.

Welche Änderungen bzw. Ergänzungen hat die Neuauflage Ihres Buches erfahren?

Wir haben die Formulare der aktuellen Gesetzeslage und der seitdem ergangenen Rechtsprechung angepasst, sie sprachlich und vom Aufbau optimiert und das Portfolio um etwa 10 % erweitert.

Herr Dr. Sattler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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