Medientraining

Warum ein Medientraining für Juristen wichtig ist

Sprechen kann jeder. Wer allerdings erfolgreich über die Medien kommunizieren möchte, braucht mehr. Mit dem Workbook Medientraining vermitteln die Autoren Katrin Prüfig, Stefan Klager und Kathrin Adamski viel Hintergrundwissen und geben konkrete Tipps, wie man den persönlichen Auftritt erfolgreich gestaltet. Erfahren Sie mehr dazu im folgenden Interview:

Warum wird es besonders für Juristen immer wichtiger, sicher im Umgang mit Medien zu sein?

Die öffentliche Kommunikation wird auch für Juristen wichtiger: Egal, ob als Jurist in einem Unternehmen, als Anwalt in einer Kanzlei, als Richter oder Staatsanwalt. Alle haben im Laufe ihrer Karriere irgendwann mal „das Wort“ gegenüber Medien und damit auch die Chance, ihr Gesicht zu verlieren, wenn ein solcher Auftritt misslingt. Wo früher hauptsächlich die schreibende Zunft im Gerichtssaal saß und berichtet hat, stehen heute TV-Teams parat, um in bewegten Bildern über den Prozess zu berichten und die beteiligten Parteien zu Wort kommen zu lassen. Grundsätzlich ist es aber nicht nur für Juristen wichtig, sicher im Umgang mit Medien und Medienvertretern zu sein. Jeder, der ein Unternehmen, eine Institution oder eine Behörde vertritt und in der Öffentlichkeit kommuniziert, ist heute gut beraten, sich für solche Auftritte fit zu machen.

Nun dürfen TV-Teams aber nicht während eines Prozesses im Gerichtssaal drehen. Derzeit sind Kameraaufzeichnungen nur bei der Urteilsverkündung der fünf Bundesgerichte zugelassen. Aufzeichnungen während der Verhandlung sind noch tabu.

Richtig, und das erhöht ja gerade das Interesse der Medien an der Berichterstattung im Prozessumfeld. Journalisten und Kamerateams dürfen natürlich mit den Prozessbeteiligten sprechen. Ob als Vertreter der Anklage, als Verteidiger, als Richter oder als Staatsanwalt – sie alle sind als so genannte O-Ton-Geber interessant. Denn sie machen einen Beitrag erst werthaltig, glaubhaft und sehenswert. Und darin liegt auch die große Herausforderung für die, die interviewt werden. Wo früher nur die öffentlich-rechtlichen Sender und einige wenige Private ihre Teams zu Prozessen geschickt haben, gibt es heute unzählige Klein- und Kleinstsender, für die Gerichtsprozesse spannend sind. Und nicht selten ist die Sensationsfreude bei der Berichterstattung größer als der Inhalt des Prozesses es eigentlich hergibt. Da werden schnell mal Themen größer gemacht als sie in Wirklichkeit sind und so manche Wahrheit für die Quote „getunt“. Außerdem haben viele Redakteure der Lokal- und Regionalredaktionen keine fundierte journalistische Ausbildung und oft auch wenig Erfahrung in der Prozessberichterstattung. Das macht es für die O-Ton-Geber zusätzlich schwer.

Was sind denn die größten Fallen, in die vor allem Experten aus dem juristischen Bereich in den Medien tappen können?

In drei große Fallen tappen sie aus unserer Erfahrung immer wieder:

Falle Nummer 1 ist, als Interviewpartner  davon auszugehen, dass der Journalist sich mit dem Prozess bis ins letzte Detail auskennt. Mitnichten ist das so. Wer bei einer Antwort also viel Wissen voraussetzt, wird nicht oder ggf.  falsch verstanden.

Falle Nummer 2: Juristendeutsch sprechen. Gerade in der Juristerei ist es üblich, Texte mit komplexem Satzbau zu kreieren und einen Sachverhalt mit unzähligen Nebensätzen darzustellen. Lange komplexe Schachtelsätze erschweren aber das Verstehen , und genau das führt auf Seiten der Journalisten wiederum zu Missverständnissen. Alltags- und Umgangsdeutsch ist hier gefragt, nicht sprechen wie gedruckt.

Und Falle Nummer 3: Romane erzählen. In den Medien haben Sie nur 30 Sekunden. In dieser kurzen Zeit, sollten auch Juristen in der Lage sein, sich zu einem Thema zu äußern. Anders als bei einem Plädoyer, das durchaus mal 30 Minuten dauern kann, setzen die Medienmacher nach 30 Sekunden einen harten Schnitt. Was bis dahin nicht gesagt ist, wird auch nicht gesendet. Heißt also: in der Kürze liegt die Würze.

In Ihrem Buch geht’s auf knapp 300 Seiten um das Thema Medienauftritt. Was genau wird darin vermittelt?

Im Workbook Medientraining geht es um die Regeln guter Kommunikation im Allgemeinen und im Speziellen um die Besonderheiten bei Medienauftritten. Wir erklären dabei, warum Dinge in den Medien wie wirken. Wir geben Tipps, wie sich Gesprächspartner gezielt auf einen Medienauftritt vorbereiten können und zeigen Beispiele von gelungenen, aber auch verpatzen Medienauftritten. Außerdem gibt es zahlreiche praktische Übungen, die jeder auch zu Hause machen kann, kompakte Checklisten und eine Online-Plattform mit Videobeispielen.

Nun sagen Sie ja, dass man für gelungene Medienauftritte nicht nur die graue Theorie braucht, sondern vor allem viel Übung. Wie kriegt man die denn mit einem Buch?

Berechtigte Frage! Unser Workbook enthält ja bereits viele praktische Übungen und Checklisten für den Transfer in den Alltag. Und trotzdem ist es wie beim Tennis: Das wirkliche Spiel findet auf dem Platz statt. Das heißt: Wer das Buch liest, an sich und seiner Kommunikation für sich arbeitet, wird dann rausgehen und die vermittelten Techniken bewusst anwenden. Und das ist die Routine, die durch unser Workbook angestoßen wird: die Lust, im Alltag seine Fähigkeiten auszubauen. Das ist ja nicht nur beim eher seltenen Auftritt im Fernsehen möglich, nein, jeder kann mehrmals am Tag an seiner Kommunikation arbeiten: in Gesprächen mit Mandanten, Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern, bei Reden in der Öffentlichkeit oder im Gerichtssaal. Die sog. „Fallschirme für schwierige Gespräche“ lassen sich sogar in der privaten Kommunikation nutzen. Es geht ja immer darum, die eigene Kommunikation klarer und verständlicher zu machen. Das ist für alle Lebensbereiche wichtig – zu jeder Zeit und in jeder Situation.

„Workbook Medientraining“ – das klingt nach Arbeit…

Wir haben das Buch absichtlich „Workbook“ genannt, weil wir klarmachen wollen, dass es nicht reicht, sich schlau zu lesen. Wir animieren und motivieren den Leser, seine Kommunikation selbst in die Hand zu nehmen und an sich, ja, zu arbeiten. Das unterscheidet unser Buch auch von anderen, die auf dem Markt sind. Unsere Idee: Im Buch die Aha-Erlebnisse finden und diese dann in der tagtäglichen Kommunikation umsetzen. Wer merkt, wie schnell und einfach sich viele Tipps unmittelbar anwenden lassen, wird spüren, dass er erfolgreicher kommuniziert. Das wiederum motiviert. Mit „Arbeit“ verbindet das dann keiner mehr.

Wenn man Ihr Buch durchgelesen oder -gearbeitet hat, dann weiß man also, wie Medienauftritte funktionieren, aber besteht nicht die Gefahr, dass nachher jeder gleich kommuniziert?

Nein, keineswegs. Ein guter Medien- und Kommunikationstrainer bläut niemandem nach Schema F standardisierte Verhaltensmuster ein. Im Gegenteil. Jeder Leser wird nach der Lektüre bewusster kommunizieren, aber nicht exakt wie ein anderer. Unser Credo lautet: Das Individuelle erhalten. Wir betonen in unseren Trainings und auch in diesem Buch, dass keiner sich etwas antrainieren darf, nur weil sie oder er gelesen hat, dass das empfohlen wird. Ein Beispiel: Mit Gestik und Mimik zu kommunizieren oder auch auf die Sprechdynamik zu achten, ist eine relativ allgemeine Empfehlung. Die allerdings wird jeder individuell mit seiner Persönlichkeit füllen. Und dies gilt für alle Inhalte, die wir vermitteln. Jeder sollte die Techniken nutzen und die Spielregeln kennen, um seine Stärken zu stärken. Erst wenn Kommunikation eine persönliche Note bekommt, dann ist sie authentisch, glaubwürdig – und somit erfolgreich.

Welche Expertise und Erfahrung steckt denn in dem Buch?

Wir drei Autoren bringen es in Summe auf mehr als 80 Jahre Erfahrung im Journalismus und auf mehr als 45 Jahre Erfahrung als Trainer. Das heißt, wir kennen beide Seiten – die der Medien und die der Befragten. Und da wir uns beruflich schon so lange mit Kommunikation beschäftigen, haben wir auch unsere eigenen Werkzeuge und viele wertvolle Tipps und Tricks entwickelt, wie z.B. die Fallschirme für schwierige Gespräche ® und den BotschaftenBaum®. Sehr hilfreich für alle, die stark und gut sortiert kommunizieren möchten.

Welche Kapitel sind denn für Juristen in Ihrem Buch besonders interessant?

Eine der größten Herausforderungen für Juristen ist vermutlich die gebotene Kürze, wenn sie es mit Journalisten zu tun bekommen. Nur im Hintergrundgespräch kann man auch mal weiter ausholen, ansonsten geht es darum, in 30 Sekunden die Welt zu erklären. Das Kapitel ist also besonders wertvoll. Darüber hinaus: Kapitel 9 – warum Fremdworte zu Stolperfallen werden. Und natürlich die Kapitel im praktischen Teil, in denen es um konkrete Mediensituationen geht, das Radio-Interview, das TV-Interview usw.

Über den reinen Medienauftritt hinaus – nämlich konkret für den Gerichtssaal oder längere Gespräche – ist sicher auch Kapitel 25 interessant: Dort geht es um Atmung, Stimme und Artikulation mit ergänzenden Videos im Online Bereich. Denn wer viel spricht, sollte sein Sprech-„Instrument“ auch richtig vorbereiten und optimal einsetzen.

Und zum Schluss noch ein ganz exklusiver Tipp: Was sollten Juristen in den Medien niemals tun?

Dozieren. Die Berichterstattung kritisieren. Wichtig tun. Im besten Fall sind sie „Übersetzer“ einer komplexen, rechtlichen Materie – wie es der ZEIT-Autor Martin Spiewak vormacht. Er vergleicht die Schwere der Verstöße in den Doktorarbeiten von zu Guttenberg, Schavan und von der Leyen wie folgt: „Zur Illustration der drei Arbeiten kann man einen Vergleich aus dem Straßenverkehr heranziehen: Während Guttenberg im volltrunkenen Zustand Dutzende rote Ampeln überfuhr und Schavan ein paar Stopp- und Einbahnstraßenschilder ignorierte, hat Ursula von der Leyen zweimal im absoluten Halteverbot geparkt. Ob sie den Verstoß gegen die geltende Ordnung überhaupt bemerkt hat, ist durchaus offen.“

 

Autoren

Katrin Prüfig, Stefan Klager und Kathrin Adamski (von links) sind ein Autorenteam, das in Summe auf mehr als 80 Jahre Erfahrung im Journalismus und auf mehr als 45 Jahre Erfahrung als Trainer zurückgreifen kann.

Katrin Prüfig ist deutsche Fernsehmoderatorin, Journalistin, Reporterin und Medientrainerin. Stefan Klager arbeitet als Produzent, Regisseur, Autor und als Medientrainer und Coach für Unternehmen, Konzerne und Verbände. Kathrin Adamski ist freie Medientrainerin, Moderatorin und Redakteurin.

Medientraining

 

Adamski, Prüfig, Klager

Workbook Medientraining

2018, 250 S., Schäffer-Poeschel ISBN 978-3-7910-4155-1,

Preis 39,95 € inkl. MwSt.

 

 

 

 

Mehr Hintergrundwissen und konkrete Tipps erhalten Sie auf workbook-medientraining.de. 

 

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