Steuerbüro

Achtung Steuerberater: Diese Themen sollten Sie interessieren!

Bereits zum zwanzigsten Mal ist gerade aktuell das Referenzwerk des deutschen Anwaltsmarkts das JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien erschienen. Und zum ersten Mal publizierte JUVE kürzlich das JUVE Handbuch Steuern. Darüber, welche Themen den Steuerberatungsmarkt derzeit besonders beschäftigen, sprachen wir mit JUVE-Chefredakteur Jörn Poppelbaum.

Zunächst einmal besten Dank dafür, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen und herzlichen Glückwunsch zur ersten Ausgabe des Handbuchs. Durch die Zeitschrift JUVE Steuermarkt haben Sie die Steuerberaterpraxis genau im Blick. Welchen Herausforderungen müssen sich Ihrer Ansicht nach Steuerberater aktuell stellen?

Top-Beratungsthema für die Kanzleien jeder Größe und Couleur ist derzeit klar das Thema Implementierung von Tax Compliance Management Systemen (TCMS). Konkret geht es hier darum, Unternehmen dabei zu unterstützen, die Systeme steuerlicher Datenerhebung und des steuerlichen Berichtswesens rechtssicherer zu machen, um damit im ersten Schritt etwa bei Betriebsprüfungen weniger Angriffsfläche zu bieten. Wesentlicher ist es aber für den einzelnen Steuerabteilungsleiter oder Finanzvorstand, durch den Aufbau eines strukturierten TCMS, dem Vorwurf des Organisationsverschuldens zu entgehen und damit die persönliche straf- und zivilrechtliche Haftung im Falle des Eintritts von Steuerverstößen vermeiden zu können

Bei Rechtsanwälten gewinnt das Thema Legal Tech immer mehr an Bedeutung? Ergeht es den Steuerberater bei Fragen der Digitalisierung ebenso?

In der Steuerberatung ist die Digitalisierung der Branche schon deutlich weiter fortgeschritten als in der Rechtsberatung und damit auch wesentlich bedeutender. Neben der Implementierung von TCMS, die am Ende praktisch ausschließlich mit so genannten Tax Tech-Lösungen vollzogen wird, zeichnen sich auch gewisse Steuerdisziplinen durch einen sehr hohen Standardisierungsgrad aus, etwa Umsatzsteuern, Zoll oder Lohnsteuern. Diese Felder sind also sehr digitalisierungsaffin. Doch auch der Bereich Verrechnungspreise, der mit der so genannten BEPS-Initiative der OECD zur Eindämmung der Ausnutzung grenzüberschreitender Steuerstrukturen in aller Munde ist, ist ein Treiber der Digitalisierung, denn hier ist der Dokumentationsaufwand enorm gestiegen.

Welches Gewicht kommt internationalen Aspekten zu? Spielt der BREXIT bereits jetzt eine Rolle in der Beratung?

Internationale Aspekte sind im Steuerrecht zentral geworden, und zwar praktisch in jedem Feld. Insbesondere deutsche Unternehmen sind eben international tätig, so dass die steuerlichen Vorschriften des jeweiligen Auslandsmarktes, in dem sie sich bewegen, eine zentrale Rolle spielen, sei es bei den Sozialabgaben, den vor Ort gegebenenfalls abzuführenden Ertragssteuern und deren Verrechenbarkeit mit hiesigen Abgaben, um nur die absoluten Grundfragen zu nennen. Auch zum BREXIT beraten Steuerexperten schon rege, etwa britische Banken, die ihr Geschäft oder einen Teil ihres Geschäfts nach Deutschland verlagern wollen oder deutsche Unternehmen in Bezug auf ihre Aktivitäten in Großbritannien.

Beschäftigt das Thema Personalgewinnung und -entwicklung Steuerberater stark oder brauchen diese sich keine Sorgen um den Nachwuchs zu machen?

Die Personalgewinnung und -entwicklung ist wie im Anwaltsbereich eines der Schlüsselthemen, zumal der Bedarf bei Steuerberatungsgesellschaften deutlich vielschichtiger ist als im Anwaltsbereich. So buhlen sie um potenzielle künftige Steuerberater mittlerweile mindestens genau so stark wie um IT-Experten mit Steueraffinität bzw. Steuerexperten mit IT-Affinität. Auch daran sieht man, wie zentral das Thema Digitalisierung für die Branche ist.

JUVE Handbuch SteuernKommen wir nun zum Handbuch: Entspricht das Konzept 1:1 dem JUVE Handbuch oder gibt es signifikante Unterschiede?

Das Konzept ist grundsätzlich dasselbe. Wir analysieren den Markt bzw. die Marktentwicklung in einzelnen steuerlichen Beratungsfeldern und erstellen in diesen Feldern Rankings, in denen die wichtigsten Beratungshäuser vorkommen. Die Unterschiede liegen nicht im Grundkonzept des Buches, sondern darin, dass wir gewisse Besonderheiten des Marktes abbilden. So steht die Dauerbetreuung bei Steuerberatern im Fokus, bei Anwälten dagegen die Projektarbeit. Dies wirkt sich zum Beispiel auf die Zusammensetzung und Größe der Teams aus.

Was hat Sie bei den Recherchen für das JUVE Handbuch Steuern am meisten überrascht?

Wie leicht es Steuerberatern fällt, über Kennzahlen und Umsätze zu sprechen, und wie schwer sie sich damit tun, konkret den Inhalt ihrer Arbeit oder einzelner Mandate zu beschreiben – und zwar unabhängig davon, ob sie den Namen von Mandanten nennen oder nicht. Das ist bei Anwälten genau umgekehrt.

Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihrer Zeitschrift und dem Handbuch weiterhin viel Erfolg.

 

Weitere Informationen über das JUVE Handbuch Steuern: 

 

 

 

Chefredakteur Jörn Poppelbaum

 

Chefredakteur Jörn Poppelbaum. Seit 2002 im JUVE Verlag, Co-Leitung JUVE Steuermarkt. Rechtsgebiete: Nachfolge. Regionen: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.

 

 

 

 

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