Nach beA-Pannen: Ab 4. Juli soll der Neustart beginnen – was Sie jetzt wissen müssen

Neustart beim besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA)! Ab dem 04. Juli 2018 soll der nächste – diesmal pannenfreie – Versuch beginnen. Das empfiehlt zumindest BRAK-Präsident Ekkehart Schäfer. Die Präsidentenkonferenz soll den Vorschlag auf einer außerordentlichen Präsidentenkonferenz am 27. Juni 2018. absegnen.

Die Etappenziele stehen bereits fest. Zunächst soll die Client Security zum Download und zur Installation bereitgestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt soll auch die Erstregistrierung möglich sein. Für jene Anwälte, die sich noch nicht registriert haben. Das erklärt die BRAK in einer Pressemitteilung von Mittwochabend.

„Verschlüsselungskonzept bietet hinreichenden Schutz“

Die Postfächer sollen ab dem 03. September 2018 wieder freigegeben werden. Damit würde die passive Nutzungspflicht des beA beginnen. (Ausführliches zum beA-Fahrplan finden Sie hier.)

Grundlage für die Entscheidung der BRAK ist das Abschlussgutachten der Firma secunet Security Networks AG.

Im 90-seitigen Dokument heißt es unter anderem:

„Grundsätzlich ist das beA ein geeignetes System zur vertraulichen Kommunikation im elektronischen Rechtsverkehr. Das Verschlüsselungskonzept bietet technisch gesehen einen hinreichenden Schutz für die Vertraulichkeit der vom beA übermittelten Nachrichten. Nicht tragbare Risiken, die noch bestehen, können beseitigt werden und sind teilweise auch schon beseitigt worden. Die erneute Inbetriebnahme ist bei Beachtung der folgenden Empfehlungen aus sicherheitstechnischer Sicht möglich.“

Die Gutachter listen über 50 Schwachstellen auf. Sie bewerten sogar über ein Dutzend dieser Punkte als „betriebsbehindernd“. Allerdings: Diese Schwachstellen sollen bis zur Wiederinbetriebnahme beseitigt werden, verspricht BRAK-Präsident Schäfer.

Das ausführliche Gutachten können Sie hier herunterladen.

Abschlussgutachten downloaden

 

Mehr zur Zukunft des elektronischen Rechtsverkehrs lesen Sie übrigens in diesem Kanzleiforum-Beitrag.

Kanzleigründung I: Lohnt sich das überhaupt noch?

165.000 Anwälte sind aktuell in Deutschland zugelassen. Die Zahl der Anwaltszulassungen hat sich damit seit 1990 verdreifacht. Kamen 1950 noch circa fünftausend Einwohner auf einen Anwalt, sind es heute nur noch circa fünfhundert. Angesichts dieser Zahlen drängt sich die Frage auf, ob sich eine Kanzleigründung heute überhaupt noch lohnt.

Dr. Geertje Tutschka, Anwältin und Autorin des Buches Kanzleigründung und Kanzleimanagement hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und beantwortet sie nach wie vor mit einem beherzten „Ja“. Welche Gründe sie zu dieser Einschätzung bewogen haben, wollten wir von ihr selbst wissen und haben sie beim Deutschen Anwalttag getroffen.

Geertje Tutschka im Interview

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Erbrecht 2.0: Diese Checkliste sollten Anwälte für die Beratung kennen

Die Digitalisierung der Gesellschaft nimmt rasant zu. Das hat natürlich nicht nur Auswirkungen für die Zukunft der Anwaltschaft – sondern auch für die einzelnen Rechtsgebiete. Konkret auch für das Erbrecht.

„Spätestens seit dem Urteil des Kammergerichts vom 31.5.2017,3 wonach den Erben grundsätzlich kein Anspruch auf Zugang zu einem Facebook-Account des Erblassers zustehe, sollte dem digitalen Nachlass im Rahmen der Nachfolgeplanung (…) erhöhte Aufmerksamkeit zukommen.“ Das schreibt Rechtsanwalt Biermann in der neuen Auflage vom Münchener Anwaltshandbuch Erbrecht (C.H.BECK).

Erbrecht 2.0: Regelungen für digitalen Nachlass treffen

Doch es geht hier längst nicht nur um soziale Netzwerke wie Facebook & Co. Biermann betont völlig zu Recht, dass in der heutigen Zeit Geschäftsbeziehungen teilweise ausschließlich elektronisch geführt werden. Manche Vertragsdokumente wie auch Rechnungen werden häufig nur noch per E-Mail versandt. Daher käme der „zeitnahen Konstituierung des digitalen Nachlasses eine erhebliche Bedeutung zu“, bilanziert Biermann.

Hier finden Sie eine kostenlose Checkliste zum Umgang mit dem Erbrecht in der Beratung:

Eine ausführliche Darstellung des zunehmend wichtigen Themas finden Sie im MAH Erbrecht (5. Auflage, 2018).

 

Münchener Anwaltshandbuch Erbrecht
2018, LIX, 2412 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-70864-0,
Preis 199,00 € inkl. MwSt.

LateralCareer – die neue Matching-Plattform für erfahrene Wirtschaftsjuristen

LateralCareer ist eine neue, automatisierte Matching-Plattform, die spezialisiert ist auf die Vermittlung von Wirtschaftsanwälten/innen und Unternehmensjuristen/innen mit Berufserfahrung (sog. Laterals). Großer Wert wird dabei auf bestmögliche gegenseitige Transparenz hinsichtlich der Bedingungen der angebotenen Position einerseits und der Erfahrungen und Stärken der Kandidaten andererseits gelegt. Die Kandidaten bleiben zunächst vollständig anonym und können nach Erhalt aller entscheidungserheblichen Job-Daten entscheiden, ob der interessierte Arbeitgeber Ihre Identität sehen soll.

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Büro

Weshalb Anwälte verbindliche Ziele fürchten

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Anwälte agieren auch heute noch im Führungsbereich ständisch. Sinnreiche und vielfach erfolgreich erprobte Managementansätze treffen oft auf Vertreter eines Berufs, die in Kategorien von

  • individuellen Privilegien,
  • einer falsch verstandenen Selbstbestimmung („Wir sind alle Individualisten“) und einem
  • durch universitäre Ausbildung geförderten Primadonnentum

denken und handeln.

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Kanzleiforum auf dem Deutschen Anwaltstag

Der Deutsche Anwaltstag fand in der 69. Auflage dieses Jahr vom 6. bis 8. Juni in Mannheim statt. Auch wir waren vor Ort und haben uns über das Thema „Fehlerkultur in der Rechtspflege“ informiert.

Besonders eindrucksvoll war der Vortrag von Flugkapitän Robert Schröder zur Fehlerkultur in der Luftfahrt – insbesondere die Erkenntnis, dass nur die ausgeprägte Fehlerkultur in der Branche die Luftfahrt so sicher macht. Denn „bei jedem einzelnen Flug passiert ein Fehler“, so der Referent, und nur die genaue Aufarbeitung garantiert das hohe Sicherheitsniveau. Wir finden, auch Kanzleien könnten sich von dieser Idee inspirieren lassen.

Ein weiteres Highlight war die Abendveranstaltung in der neuen Kunsthalle, die übrigens auch ohne Anwaltstag einen Besuch in Mannheim rechtfertigt!

 

 

Und auch der C.H.BECK-Stand war einen Besuch wert.

 

 

 

 

 

 

 

Mit den besten Grüßen nun wieder aus München

RA Katharina Nitsch

P.S.: Der nächste Anwaltstag findet übrigens vom 15. – 17. Mai 2019 in Leipzig statt.

 

Gratis-eMagazin mit Tipps zu DS-GVO, Projektmanagement und SEO

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die zweite Ausgabe des eMaganzins beleuchtet Kanzleimarketing erneut in seinen ganz unterschiedlichen Aspekten: Wessen Kanzleihomepage noch nicht DSGVO-konform ist, liest im Beitrag von IT-Rechtler Sebastian Dramburg die wichtigsten To-dos. Im Artikel von Anna Leitner geht es um etwas, das immer da ist, aber selten zur Sprache kommt: Lichtverhältnisse in Kanzleiräumen. Darüber hinaus bietet das neue eMagazin auch Tipps zu zwei wichtigen Marketing-Instrumenten: professionelles Texten und Projektmanagement.

 

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Kanzlei

Warum ein Kanzleiziel so wichtig ist!

Ziele sind in Anwaltskanzleien Mangelware. Was dort als „Ziel“ bezeichnet wird, ist fast immer nur ein modisch verkleideter, frommer Wunsch in der fragwürdigen Qualität von „Wir wollen den Mittelstand als Mandanten gewinnen“.

Ziele werden häufig verwechselt mit Wünschen oder Visionen und haben eher den Charakter diffuser Sehnsüchte. Wünsche und Visionen sind folgenlos und unverbindlich, solange sie nicht in Ziele umgewandelt werden.

Wünsche sind austauschbar

Das Kind, das sich dringend Marzipanbrote zum Nikolaus wünscht, ist zügig durch den Griff in die Schokoabteilung getröstet, falls das Marzipanbrot in diesem Jahr ausfällt. Weiterlesen

Gute Ausbildung – Gute Fachkräfte!

Der bundesweit herrschende Fachkräftemangel macht auch vor Anwaltskanzleien keinen Halt und ist zu einem ernstzunehmenden unternehmerischen Problem geworden. So kostet der Fachkräftemangel den Kanzleien nicht nur Geld und Zeit, sondern bedroht schlussendlich auch die Wettbewerbsfähigkeit. Schuld, wenn man von Schuld sprechen kann, ist sicher auch der demografische Wandel und damit einhergehend, dass der Arbeitswelt immer weniger junge Menschen zur Verfügung stehen. Ein Baustein auf dem Weg zur Lösung des Problems Fachkräftemangel ist die Investition in den beruflichen Nachwuchs durch eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung.  Weiterlesen

Land ohne Anwälte?

Die Zahl der niedergelassenen Anwältinnen und Anwälte geht zurück. Hat der Berufsstand Nachwuchssorgen? Zumindest für Kanzleien in ländlichen Regionen wird es zunehmend schwer, junge Juristen zu finden. Ist der Anwalt auf dem Land ein Auslaufmodell?

Statistiken bestätigen das Phänomen: Menschen drängen in die Städte, ganze Landstriche veröden. Mit der Urbanisierung verschwindet auch die Infrastruktur in der Fläche. Läden, Schulen und Arztpraxen schließen. Um die medizinische Versorgung in der Provinz aufrechtzuerhalten, gibt es bereits Förderprogramme für Landärzte.

Bei den Anwälten sieht es offenbar nicht viel besser aus. Das ist jedenfalls der Befund von Rechtsanwalt und Notar Eghard Teichmann aus Achim in Niedersachsen, den er auf einer Konferenz der Bundesrechtsanwaltskammer auch mit Zahlen belegte. Seine Kanzlei liegt im Bezirk des OLG Celle. Gut 5900 Rechtsanwälte sind dort zugelassen, davon mehr als 2500 in Hannover. In der Landeshauptstadt wächst die Anwaltschaft, andernorts ist die Entwicklung gegenläufig. Im Bereich des OLG Celle sind in 25 von 41 Amtsgerichtsbezirken die Anwaltszahlen seit 2014 zurückgegangen. In 15 weiteren AG-Bezirken sind eine Stagnation oder minimale Zuwächse zu verzeichnen. Der einzige AG-Bezirk mit deutlichem Wachstum ist – natürlich – Hannover.

Bessere Startchancen auf dem Land

Eghard Teichmann weiß, warum es die jungen Leute bevorzugt in die großen Städte zieht. Aus unternehmerischer Sicht hätten aber gerade die ländlichen Regionen einige Vorteile für die Junganwälte. Die Verdienstchancen seien in spezialisierten kleinen Kanzleien auf dem Land oft besser als in den Ballungsgebieten. Und weil der Wettbewerb geringer sei, ließe sich dort auch leichter eigenes Geschäft entwickeln.

Letzteres ist aber nur für selbstständige Anwälte ein maßgebliches Kriterium. Und die Junganwälte bevorzugen heute klar das Angestelltendasein. Teichmann berichtete von der Ausschreibung einer freien Mitarbeiterstelle, auf die sich zunächst nur drei Bewerber meldeten. Nachdem die Stelle im Angestelltenverhältnis angeboten worden war, verzehnfachte sich die Zahl der Interessenten. Auch diese Entwicklung fördert aus Sicht von Teichmann das Aussterben der „Landanwälte“. Irgendwann müssten zwangsläufig die jüngeren Anwälte die unternehmerische Verantwortung übernehmen. Denn ohne Kanzleiinhaber gebe es naturgemäß auch keine angestellten Anwälte.

Auch der Staat zieht sich aus der Fläche zurück

Wie kann dieser Entwicklung begegnet werden? Während der Staat intensiv über Maßnahmen nachdenkt, mit denen er die medizinische Versorgung sicherstellen kann, macht er bei der Rechtspflege oft das Gegenteil. Manchen Amtsgerichten in Niedersachsen drohte aus rein wirtschaftlichen Überlegungen die Schließung, kritisierte Teichmann. In anderen Bundesländern habe man die AG-Bezirke schon durch Zusammenlegungen und Schließungen deutlich ausgedünnt. Dadurch werde nicht nur den Bürgern der Zugang zum Recht erschwert, sondern auch die Anwaltstätigkeit vor Ort.

Da man also auf den Staat nicht zählen könne, wurde auf der BRAK-Tagung auch diskutiert, was die Anwaltschaft selbst tun könne. Dabei kam man aber letztlich zu dem Ergebnis, dass die Möglichkeiten begrenzt seien. Auch der ernsthaft in den Raum gestellte Vorschlag eines Mindestlohns für „Landanwälte“ konnte nicht überzeugen. Eghard Teichmann, der auch im Vorstand der Rechtsanwaltskammer Celle sitzt und Mitglied im Ausschuss Berufsrecht des DAV ist, wollte am Ende der Debatte nicht dramatisieren. Dennoch lautete sein Fazit: Die Spezies der Anwälte auf dem platten Land ist vom Aussterben bedroht.

Mangel an Rechtsanwaltsfachangestellten

Noch viel größer als bei den „Landanwälten“ sind die Nachwuchssorgen bei den Rechtsanwaltsfachangestellten. Die Zahl der Ausbildungsplätze für diesen Beruf hat sich in der letzten Dekade halbiert. Die Anwälte bekannten auf der BRAK-Konferenz selbstkritisch, dass Arbeitsbedingungen und Bezahlung der so genannten Refas zu Recht in einem schlechten Ruf stünden. Eine freiwillig gewährte bessere Vergütung auch während der Ausbildung sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie gute Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten könnten Anreize für den Berufsweg sein. Ansonsten würden junge Menschen attraktivere Tätigkeiten in der Justiz oder in Unternehmen bevorzugen. Wie bei den „Landanwälten“ stand auch bei den Rechtsanwaltsfachangestellten am Ende die Befürchtung im Raum, dass es sich um eine aussterbende Spezies handelt. •

 

Rechtsanwalt Tobias Freudenberg ist Schriftleiter der NJW, der Beitrag stammt aus der NJW 20/2018

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