Gute Ausbildung – Gute Fachkräfte!

Der bundesweit herrschende Fachkräftemangel macht auch vor Anwaltskanzleien keinen Halt und ist zu einem ernstzunehmenden unternehmerischen Problem geworden. So kostet der Fachkräftemangel den Kanzleien nicht nur Geld und Zeit, sondern bedroht schlussendlich auch die Wettbewerbsfähigkeit. Schuld, wenn man von Schuld sprechen kann, ist sicher auch der demografische Wandel und damit einhergehend, dass der Arbeitswelt immer weniger junge Menschen zur Verfügung stehen. Ein Baustein auf dem Weg zur Lösung des Problems Fachkräftemangel ist die Investition in den beruflichen Nachwuchs durch eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung. 

Duale Ausbildung = schlechtes Image?

Ist eine Kanzlei bereit diesen Lösungsweg zu gehen, steht sie oftmals vor der nächsten Hürde, denn es ist nicht mehr so leicht geeignete Interessenten für einen offenen Ausbildungsplatz zu finden. Ursache dafür ist u. a. der sog. Skills Mismatch – also das Missverhältnis zwischen Qualifikationsangebot und –nachfrage. So klagen Kanzleien oftmals, dass sie bei jungen Menschen, die sich um eine Ausbildungsstelle bewerben, nicht die Kompetenzen vorfinden, die für das Erlernen dieses hoch qualifizierten Ausbildungsberufes notwendig sind. Das liegt zum Teil auch daran, dass vor allem leistungsstarke junge Menschen immer öfter den akademischen Berufsweg anstreben und nicht die duale Ausbildung als berufliche Perspektive sehen. Dieses Imageproblem hat ihre Ursache darin, dass im Vergleich zur dualen Ausbildung andere Bildungswege gesellschaftlich höher bewertet und dementsprechend bevorzugt werden.

Wenn Sie den richtigen Azubi gefunden haben…

Den jungen Menschen, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden, gilt es zum einen eine gute Ausbildungszeit und für die Zukunft eine berufliche Perspektive zu bieten. Wie vorstehend bereits beschrieben konkurrieren Anwaltskanzleien mit anderen Unternehmen, die eine duale Ausbildung anbieten, um immer weniger junge Menschen. Da wird es künftig absolut wichtig sein, dem Beruf ein positives und modernes Image mit guter Zukunftsperspektive zu verleihen. So sollte es also tabu sein, Auszubildende während ihrer Ausbildungszeit als „billige Arbeitskraft“ anzusehen, dauerhaft lediglich mit Routineaufgaben zu betrauen und sie durchgehend daneben für die Bewirtung der Mandanten einzusetzen. Denn was wäre die Folge? Nach der Ausbildung sind die dann in den Beruf startenden Fachangestellten mit der von ihnen geforderten Tätigkeit überfordert, können in der Regel nicht selbständig arbeiten und müssen von ihren Arbeitgebern über längere Zeit eingearbeitet bzw. intensiv nachgeschult werden.

Was bedeutet es , ein guter Ausbilder zu sein?

Ausbildung bedeutet insoweit auch, junge Menschen zu befähigen in der beruflichen Welt anzukommen. Es ist also wichtig, dass Kanzleien aktiv mit den vielfältigen Möglichkeiten werben, die eine duale Ausbildung zum/zur Rechtsanwalts- und/oder Notarfachangestellte/n mit sich bringt. Und daneben müssen Kanzleien Zeit in die Ausbildung investieren. Denn Ausbildung ist nicht automatisch erfolgreich, sondern Ausbilder müssen viel Engagement und Energie in die Arbeit mit den jungen Auszubildenden stecken. Mit Blick auf die gestiegenen Herausforderungen wird die richtige Herangehensweise an das Projekt Ausbildung immer mehr Bedeutung zukommen.

Was die kommenden Generationen sich wünschen

Dazu zählt auch, sich bewusst zu machen, was für die Generation, die nunmehr in Ausbildung startet, wichtig ist. Hier gibt es Veränderungen, die ausbildende Kanzleien berücksichtigen sollten. So ist es dieser Generation wichtig eine gute berufliche Perspektive zu haben, verbunden mit der Möglichkeit, später in einer Kanzlei zu arbeiten, die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, in der eine gute Arbeitsatmosphäre herrscht und sie sich als Teil des Teams eingebunden und wertgeschätzt fühlen. Darauf ausgerichtet und mit Blick auf die Inhalte der im Jahr 2015 neu geordneten ReNoPat-Ausbildungsverordnung  sollte die dreijährige Ausbildungszeit strukturiert und geplant sein.

Fazit:

Wenn das Gesamtkonzept Ausbildung von der Auswahl eines jungen Menschen über seine erfolgreiche Integration in die Kanzlei und der langfristigen Bindung zum Beruf funktioniert, wird die Anwaltschaft von der Investition in den beruflichen Nachwuchs nachhaltig profitieren. Und nur dann wird es gelingen, die Folgen des Fachkräftemangels abzumildern. Dies hat dann zur Folge, dass der Anwaltschaft auch künftig – wieder – ausreichend qualitativ gut ausgebildete Fachangestellte zur Verfügung stehen und die Kanzleien wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und auf einem hochwertigem Niveau ihre Dienstleistung anbieten können.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!

Ronja TietjeRonja Tietje, Gesellschafterin der Tietje & Schrader oHG Kanzlei-Consulting, Achim und langjährige Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses und des Prüfungsausschusses der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer Bremen.

 

 

 

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1 Antwort
  1. Barney
    Barney says:

    Was hier leider gar nicht erwähnt wird, dass gerade RAe (aber auch viele andere verkammerte Freiberufler) ihre Mitarbeiter eher unterdurchschnittlich bezahlen, sowohl in der Ausbildung als auch danach.
    Dass das auch ein Grund für den Mangel an Fachkräften ist, wird im Berufsstand leider selten thematisiert.

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