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Click4Legal – Reflexionen über den Rechtsmarkt von Markus Hartung

Sachen gibt’s: Ein großes Finanzinstitut braucht rechtliche Unterstützung und schreibt die Leistungen aus. Es gibt sehr penibel vor, in welchem Format die Angebote der Anwälte einzugehen haben, überhaupt geht es alles nur online über Eingabemasken; Fax, E-Mail oder gar Post sind tabu.

Die Anforderungen sind so genau vorgeschrieben, dass die Kanzlei nur noch Felder anklicken und in einigen Feldern Beträge eintragen muss. Informationen über die Kanzlei sind nicht nötig, denn das Unternehmen lädt nur bestimmte vorher ausgewählte Kanzleien ein, sich um ein Mandat zu bewerben. Nachdem alle Clicks gesetzt und Beträge eingegeben sind, wird der Vorgang abgeschlossen. Noch Fragen? Don’t call us, we call you.

Nach Ende der Subskription erhält die aus Sicht eines „bewertenden Algorithmus“ ausgewählte Kanzlei eine Nachricht und kann loslegen. Die „unterlegenen“ Kanzleien (man scheut vor dem Wort Verlierer zurück) bekommen ebenfalls eine Nachricht mit genauer Erläuterung, um wie viel teurer sie als die „Gewinnerkanzlei“ waren. Vielleicht soll das für das nächste Mal motivieren. Die Abrechnung erfolgt über eben diese Plattform, wenn das Mandat beendet ist.

Wo geht die Reise hin?

Das ist alles keine Zukunftsmusik, im Gegenteil: Wir haben bei Bucerius schon im Jahr 2011, also digitalisierungsmäßig vor 70 Jahren, eine Fallstudie über das damals von einer sehr großen deutschen Bank überwiegend in den USA verwendete Online-Bidding-Verfahren geschrieben. Es hat sich dann nicht so durchgesetzt, aber das lag nicht daran, dass plötzlich alle wieder den Wert des zwischenmenschlichen Vertrauens entdeckt hätten, sondern weil sich die Technik in Windes­eile entwickelte und das verwendete System ganz schnell ganz alt ­aussah. Inzwischen gibt es einerseits innovativere Softwaresysteme, mit denen man Ausschreibungsprozesse durchführen kann, und andererseits hundsgemeine Wettbewerbe, wo Kanzleien in so genannte ­reverse auctions geschickt werden, um sich gegenseitig zu unter­bieten. Irgendwann wird es Russian Roulette- und Texas Shoot Out-­Verfahren bei der Mandatsvergabe geben, und wenn Sie nicht wissen, was das ist, dann seien Sie froh.

Glaube niemand, dass sich an diesen Auktionsverfahren keine namhafte Kanzlei beteiligen würde, im Gegenteil. Kanzleien tun viel, um die Mannschaft beschäftigt zu halten. Zu dem Druck auf die Honorare treten neuerdings Bewertungssysteme, mit denen die Qualität der ­anwaltlichen Arbeit bewertet wird. Bekanntlich beklagen Mandanten bei Wirtschaftskanzleien nicht die juristische Qualität der Arbeits­ergebnisse, sondern eher intransparente Preise und die Servicequalität (Erreichbarkeit, Verständlichkeit, zuhören können usw. – alles das, wozu man kein Jurastudium braucht). Über Bewertungssysteme durch Sterne wurde hier bereits berichtet (Ad astra, NJW-aktuell H. 14/2017, 7). Das betraf verbraucherberatende Kanzleien. Jetzt erreicht es die wirtschaftsberatenden Kanzleien, die sich unter hohem Druck modernisieren müssen. Dazu demnächst mehr.

Der Beitrag ist in der NJW 33/2018 erschienen. Ein kostenloses Probeabo können Sie auf beck-shop.de bestellen.

Markus Hartung

 

 

Markus Hartung ist Rechtsanwalt und Mediator in Berlin, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession und Vorsitzender des Berufsrechtsausschusses des DAV

 

 

 

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