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Es muss nicht immer der Hammer sein: Agiles Vorgehen in der Kanzlei

Agile Vorgehensweisen zählen mittlerweile zum Standardrepertoire des Unternehmensmanagements. Sie halten Einzug in so traditionelle Branchen wie den Finanzdienstleistungsbereich und werden zu Vorzeigeformaten führender Versicherer. Entsprechend haben es sich die rund 220 Besucher(innen) des diesjährigen Anwaltszukunftskongresses von Soldan und Wolters Kluwer Deutschland am 13. und 14. September 2018 in Düsseldorf nicht nehmen lassen, das Thema an mehreren Stellen aufzugreifen.

Im Plenum ging es dabei unter anderem um Legal Design Thinking. Insoweit ging Margaret Hagan als Direktorin des renommierten Stanford Legal Design Lab in einer Keynote der Frage nach, wie die einschlägigen Erfolgsmethoden des Silicon Valley auf juristische Projekte angewandt werden können. Anders als „Design“ auf den ersten Blick vermuten lässt, geht es dabei nicht nur um Visualisierung. Stattdessen handelt es sich bei dieser Vorgehensweise insgesamt um einen interdisziplinären, rückkopplungsbasierten Denkansatz. Entlang bestimmter Leitpunkte, namentlich: Discover, Synthesize, Build, Test, Evolve schreitet man in Schleifen voran. Dabei meint „Design“ in Anlehnung an den englischen Sprachgebrauch nicht nur formgebende, sondern auch konzeptionelle (und technische) Aspekte. In der Praxis würden dagegen von Juristen immer wieder drei Standardfehler begangen: #1: „Anticipate wrongly what’s useful“ und #3: „Jump straight into first solution“, will heißen: falsche Annahmen zum Mandantennutzen und voreilige Festlegung auf die erstbeste Lösung. Vor allem aber beklagte Hagan #2: „Get stuck in planning“, das berüchtigte „Innovationstheater“.

Um der Falle der Nichtinnovation in der Praxis zu entgehen, unterzogen die beiden Berater Dr. Sascha Theißen, Düsseldorf, und Robert Misch, München, die etwa zwölf Teilnehmer(innen) des agilen Workshops weiterführenden Übungen. Wussten Sie beispielsweise, dass in halbwegs homogenen Gruppen die meisten Befragten dasselbe Werkzeug (Hammer), die beiden gleichen Farben (rot, blau) und dieselbe Blume (Rose) nennen, wenn sie sich spontan dazu äußern sollen? Dem entgehen Sie nur, wenn Sie die Beteiligten möglichst weiträumig mischen. Darüber hinaus ist die Erfüllung jedes Bedürfnisses nur so gelungen, wie der Kontext passt. Der Mandant wünscht sich das ultimative Konzerterlebnis? Dann nützt ihm der juristische Prime-Kopfhörer trotzdem nur dann etwas, wenn er keine Party plant. Um auch in komplizierteren Fällen nicht die Übersicht zu verlieren, fanden sich Boards und Klebezettel ebenso wie gefaltete Blätter, mit deren Hilfe die Probanden Alternativlösungen entwickeln und vorantreiben konnten. Insgesamt wurde aus den agilen Übungen dadurch in jeder Beziehung eine runde Sache.

Dass sich der juristische Berufsstand als solcher im digitalen Wandel befindet, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Die agilen Denkanstöße aber weisen weit darüber hinaus: Sie zeugen von einem kulturellen juristischen Transformationsprozess. In einem Arbeitsumfeld, in dem andere Key Player von Mandanten über Multiplikatoren bis hin zu Millenials oft schon viel weiter sind, ist dessen Bewältigung ebenso spannend wie unverzichtbar.

Dr. Anette Schunder Hartung, aHa Strategische Kanzleientwicklung, Frankfurt am Main

 

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