Mandantengespräch

Tipps und Tricks für Vereinbarungen mit Mandanten

Eine gute Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Mandant braucht klare Absprachen, weiß unser heutiger Interviewpartner Rechtsanwalt Klaus Winkler. Bereits in 4. Auflage ist gerade aktuell das Werk Vereinbarungen mit Mandanten erschienen, bei dem er Co-Autor ist. Das Handbuch bietet Unterstützung bei Verhandlungsführung und Vereinbarungsgestaltung. Gibt es Fallstricke, die fast bei jeder Vereinbarung auftreten, auf die man sich sozusagen vorbereiten kann?

Die gesetzliche Regelung bietet schon einige Fallstricke, wenn die auch durch Neuformulierungen entschärft sind – inzwischen Schnee von gestern. So verlangten einige Gerichte früher, dass eine Vergütungsvereinbarung unbedingt genau so bezeichnet werden sollte. Zumindest die im Gesetz vorgeschriebene Form sollte strikt eingehalten werden, denn es ist für den Anwalt fatal, in einem Honorarprozess schon an der Form zu scheitern.

Versteht sich Ihr Werk als Mustervorlage oder soll es eher Ratgeber/Ideenpool sein?

Beides! Die theoretischen Grundlagen sind von der ersten Auflage an von Joachim Teubel sehr detailliert erarbeitet worden, nach seinem Ausscheiden habe ich diesen Teil nur leicht überarbeitet; aber auch Dirk Hinne setzt sich grundlegend mit der Vergütungsvereinbarung auseinander und bietet damit das Handwerkszeug, eigene Vereinbarungen zu entwerfen. Gleiches gilt für das Thema „Mandatsbedingungen“, das Hans Klees bearbeitet. Die zahlreichen, baukastenartigen Mustervorlagen aus meiner Hand sollen es dem Anwalt leichter machen, für seine konkrete Mandatssituation rasch eine Lösung zu finden.

RA Klaus Winkler

RA Klaus Winkler

Welche Vereinbarungen sind aus Ihrer Sicht besonders sensibel? Haben Sie hier praktische Tipps?

Ganz zweifellos Erfolgshonorarvereinbarungen. Vor dem Hintergrund der pressewirksamen Erfolgshonorarregelungen in den USA ist der Gesetzgeber erkennbar mit spitzen Fingern der Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts zur Regelung erfolgsorientierter Vergütungsregeln gefolgt. Und die Rechtsprechung hat dies auch beinahe schon naserümpfend aufgegriffen. Mein praktischer Tipp: Ich würde die Finger von Erfolgshonorarvereinbarungen lassen!

Insbesondere die Honorarvereinbarung gilt als unangenehm. Warum tun sich viele Anwälte so schwer damit? Haben Sie hier einen praktischen Tipp für unsere Leser?

In der Tat gibt es eine Scheu, über Geld zu reden. Woran liegt das? Bringe ich meinen Mantel in die Reinigung, dann weiß ich aus dem Preisaushang, wieviel das kostet – meistens muss sogar im Voraus gezahlt werden. Lasse ich die Wände in meinem Büro streichen, so frage ich zuvor nach dem Preis.

Bei Anwälten beginnt hier schon das Problem: Wie erkläre ich dem Mandanten, dass

  • die gesetzliche Vergütung streitwertabhängig ist,
  • im Verlaufe einer Auseinandersetzung sich der Streitwert erhöhen kann,
  • bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung das Gericht den Streitwert möglicherweise deutlich abweichend von den eigenen Vorstellungen festsetzt – und
  • dann auch noch im Verfahren unterschiedliche Gebühren anfallen können?

Und jetzt auch noch dem Mandanten so früh wie möglich verdeutlichen, dass er im Wege einer Vergütungsvereinbarung wohl mehr zahlen soll, als die gesetzlichen Gebühren benennen – Schwerarbeit. Und der Mandant denkt im Stillen: Eigentlich bin ich ja mit meiner Scheidung gekommen und der labert mich mit seinen Honorarvorstellungen voll …

Ich hatte eine ländliche Kanzlei und wenn Mandanten als erstes erklärten, sie seien noch nie „beim Anwalt“ gewesen, dann habe ich ihnen ganz freundlich und entspannt gesagt: „Dann wurde es ja jetzt höchste Zeit, denn: wovon soll ich sonst leben?“ Das funktionierte und man konnte die Honorierung gleich ansprechen.

Praktische Tipps für solche Verhandlungen hat Albrecht Müllerschön in unserem Buch gegeben.

Zu Vereinbarungen gehört ja die Verhandlungsführung – halten Sie „Verhandlungsführung“ für eine Schlüsselkompetenz eines Anwalts?

Unbedingt, bloß: wie so Vieles anderes lernt man das nicht im Studium oder im Referendariat. Da gibt es aber seit vierzig Jahren gute Fortbildungsveranstaltungen und Albrecht Müllerschön hat sich dieses Themas in unserem Buche angenommen.

Wie kann man diese Kompetenz praktisch einüben? Haben Sie hier eine Idee für unsere Leser, wann man dies auch im Alltag üben kann?

Na ja, zum einen – wie gesagt – natürlich auf Fortbildungsveranstaltungen. Und ein ganz nahegelegenes praktisches Übungsfeld ist die eigene Familie mit Kindern, man merkt das bloß gar nicht mehr, weil es ganz natürlich ist.

Wieviel Kompromissbereitschaft muss Anwalt mitbringen, um sinnvolle Vereinbarungen mit Mandanten zu treffen?

Schwierig, schwierig. Er muss im Hinterkopf haben, wann sich ein Mandat nicht mehr rechnet. Kann aber auch sein, dass es sich lohnt, seine eigene Untergrenze zu unterschreiten, wenn das Mandat aus anderen Gründen interessant ist – weil es z.B. lukrative Folgemandate bringt, weil es publikumswirksam ist.

Wann sollte man eine Vereinbarung ablehnen, also die Verhandlung abbrechen? Woran merkt man, dass nichts mehr geht und die Weiterführung sinnlos ist? Und wie bricht man – höflich – ab?

Zwischen Anwalt und Mandant muss ein Vertrauensverhältnis bestehen und wenn man schon bei einer Honorarverhandlung als Anwalt das Gefühl hat, über den Tisch gezogen zu werden, dann sollte man aussteigen, denn aus dem Mandat wird nichts mehr. Das kann und muss man ruhig rüberbringen. „Sehen Sie, wir finden bei meiner Honorierung schon keine Einigung, da befürchte ich, dass es auch bei der Bearbeitung Ihres Mandates klemmen und zu Uneinigkeiten kommt. Vielleicht kann Ihnen ein anderer Kollege eher helfen.“

Haben Sie eine „Lieblingsvereinbarung“? Haben Sie zum Abschluss eine Anekdote für unsere Leser?

Vereinbarungen, die keiner großen Erklärungen bedürfen, bevorzuge ich: die Verdoppelung des Gegenstandswertes lässt sich leicht erklären und begründen. Ein Zeithonorar ist für einen Mandanten plausibel, denn er ist es gewohnt, Dienstleistungen nach Zeitaufwand zu bezahlen.

Eine von mir betreute Wohnungseigentümergemeinschaft benötigte die Hilfe eines Fachanwaltes in einem wohnungseigentumsfremden Rechtsgebiet. Der Kollege schlug eine Vergütungsvereinbarung vor, ich stimmte zu und bat um Übermittlung eines Textentwurfes. „Ich schließe Vergütungsvereinbarungen nur mündlich und ich bin da noch nie enttäuscht worden.“ – Zur Nachahmung vielleicht nicht unbedingt zu empfehlen.

Herr Rechtsanwalt Winkler, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Vereinbarungen mit Mandaten

 

Hinne/Klees/Müllerschön/Winkler

Vereinbarungen mit Mandanten

2019, 279 S., Nomos, ISBN 978-3-8487-5007-8

Preis 49,00 € inkl. MwSt.

 

 

 

 

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