Top oder Flop? Coaching auf der Legal Revolution 2018

Zu den praxisrelevanten Highlights der LEGAL ®EVOLUTION 2018 gehörten dieses Jahr Workshops und Einzelcoachings. Gut oder schlecht? Das Kanzleiforum unterhielt sich mit Dr. Geertje Tutschka über Ihre Eindrücke und Erfahrungen als Coach.

Bei der diesjährigen Legal Revolution gab es erstmals die Möglichkeit ein Coaching zu buchen. Wie kam es zu dieser Idee?

Tutschka: Mit CLP-Consulting for Legal Professionals sind wir mit der Legal Revolution bereits seit dem StartJahr 2017 im Gespräch. Wir begleiten regelmäßig Dienstleister für die Legal Branche. In unserer Kooperation ging es insbesondere auch darum, wie sich die Legal Revolution auf dem umkämpften Markt der Veranstaltungen für die Legal Branche mit frischen, modernen und innovativen Formaten positionieren kann. Als Präsidentin des internationalen Berufsverbandes für Coaches in Deutschland ICF  betreue ich seit 2016 federführend den Coachingtag, ein am Anwaltstag orientierter 2-Tages mehrspartiger Fachkongress mit Messe in deutsch/englisch mit  Mitgliederversammlung, Abend- und Begleitprogramm sowie Awardverleihung.

Die internationale Coachingbranche ist sehr mutig und experimentierfreudig in ihren Veranstaltungsformaten. Gleichzeitig ist diese Branche naturgemäß mehr als jede andere dafür geeignet, Kundenbedürfnisse zu erkennen und zu bedienen. Als feststand, dass die Legal Revolution in Darmstadt in diesem preisgekrönten Darmstadtium stattfinden wird, ergriffen wir die Chance, diese einzigartigen Räumlichkeiten auch mit einer Coaching Lounge auszufüllen.

Wurde der Service gut angenommen?

Tutschka: Zunächst waren wir davon ausgegangen, dass lediglich sporadisch Vorreservierungen erfolgen würden und sich die Besucher spontan zu einem Besuch der Coaching Lounge entschließen würden. Als die Slots der Coaching Sessions auf der Webseite relativ kurz vor der Veranstaltung ohne viel Werbung freigeschalten wurden, waren diese innerhalb kürzester Zeit ausreserviert und mit einer langen Warteliste belegt. Diese Resonanz war überwältigend.

Welches waren die häufigsten Themen, die besprochen wurden?

Tutschka: Wir hatten die Coachings bereits im Vorfeld drei Themenbereichen zugeordnet: „Leadership – Ihre Rolle als Führungskraft“, „Strategische Kanzleientwicklung“ und „Legal Coaching“. Alle drei Themenbereiche waren gleichermaßen gefragt und schnell voll gebucht. Überrascht hat, dass die Kollegen nicht nur ganz selbstverständlich dieses Coaching-Angebot für sich genutzt haben und es keinerlei Berührungsängste oder Erklärungsbedarf dazu mehr bestand, was Coaching ist. Die Teilnehmer sind ganz zielgerichtet einzeln oder mit ganzen Kanzleiteams gleich mit konkreten und ganz individuellen Fragestellungen in die Coachings auf die Legal Revolution gekommen.

Dies ist sicherlich einerseits auf das moderne, innovative Format der Legal Revolution zurückzuführen, welches ohne Zweifel dann eben auch entsprechendes Publikum anzieht. Dies entspricht aber auch unserer allgemeinen Marktbeobachtung, dass das Publikum heute individuelle Lösungen und den persönlichen Kontakt sucht und sich weniger in Frontalbeschallung im Großformat zu Mainstream-Themen wiederfindet.

Gibt es bestimmte Probleme, die man mit Coaching besonders gut lösen kann?

Tutschka: Coaching, wenn es professionell von ausgebildeten und zertifizierten Coaches ausgeübt wird, unterstützt effektiv und zielgerichtet Entscheidungs- und Orientierungsprozesse – ganz gleich, ob im Rahmen von Karrierefragen oder Kanzleiführungsfragen.  Dies sollte auch ganz klar von Mentoring und Beratung unterschieden werden. Für die Legal Branche haben wir zudem die Erfahrung gemacht, dass „Feldexpertise“, also einschlägige berufliche Erfahrung als Anwalt oder Jurist unbedingt erforderlich sind, um die Themen der Branche verstehen zu können. Deshalb haben wir bei CLP in unserer Qualitätsgarantie festgeschrieben, dass wir nur und ausschließlich mit Dualqualifikationen arbeiten, also mit Juristen, die zu professionellen Coaches/Trainern ausgebildet sind.

Lebenserfahrung und ein gewisses Standing spielen natürlich in der Königsdisziplin der „Berater-Berater“ auch eine gewisse Rolle.

Welche Themen sind aus Ihrer Sicht besonders sensibel? Haben Sie hier praktische Tipps?

Tutschka: Sensibel im Sinne von lebenswichtig für den Coachee ist sicherlich jedes Coachingthema. Deshalb ist absolute Diskretion auch oberstes Gebot. Im Moment kommen vermehrt „Zukunftsangst-Themen“: also welche Nische kann ich mit meinen Stärken für mich entdecken; muss ich ein Legal Tech Produkt entwickeln, um überleben zu können; was braucht meine Kanzlei, um mir morgen noch mein Auskommen zu sichern. Hier kann das Coaching unserer Experten helfen, sich in der Fülle der neuen Angebote wie einer Legal Coaching Ausbildung, Legal Design Thinking, Legal Project Management zu orientieren.

Lohnt sich ein Coaching für jeden?

Tutschka: Ein Coaching lohnt sich grundsätzlich für jeden, der einen gewissen Leidensdruck hat – sei es durch Zeitdruck, finanzielle Engpässe, private Lebenskrisen. Das Coaching erweitert mit Perspektivwechsel, den „richtigen“ Fragen, Verständnismodellen, aber vor allem der Vertrauensbeziehung zum Coach die Möglichkeiten – oder hilft, sich aus der Fülle der Möglichkeiten für die eine richtige Lösung zu entscheiden. In unserer schnelllebigen und oberflächlichen Zeit ist dieses echte „Ich-bin-nicht-allein“-Gefühl, welches die Beziehung zum Coach ausmacht, wohl das wertvollste Geschenk, was man sich selbst machen kann.

Sind Juristen schwierige Coachees? Im allgemeinen sagt man den Juristen ja nach, dass sie selber beratungsresistent sind.

Tutschka: Juristen sind dazu ausgebildet worden, alles besser zu wissen und dies jedem auch glaubhaft zu vermitteln. Das muss man als Coach wissen – und mögen. Gleichzeitig sollte sich der Coach intellektuell und kommunikativ auf demselben Level bewegen. Dies gehört bei jedem professionellen Coaching zum „Matching“ oder auch Chemiecheck zu Beginn eines Coachings und liegt im Verantwortungsbereich des Coaches. Hat dieser nicht oder schlecht stattgefunden oder hat sich der Coach bewußt darüber hinweggesetzt, um sich das Geschäft nicht entgehen zu lassen, verantwortet auch der Coach – und nur der – dass das Coaching nicht funktioniert. Das ist nicht anders als bei einem Anwalt, der sich auf „fremdem“ Rechtsgebiet probiert: auch dort sind nicht der Mandant und der Fall verkorkst, wenn der Fall verloren wird, auch wenn es gern so dargestellt wird.

 

Rechtsanwältin Dr. Geertje Tutschka ist Inhaberin und CEO von CLP – Consulting for Legal Professionals und Präsidentin des ICF Deutschland.

 

 

 

Kanzleigründung und Kanzleimanagement

 

Kanzleigründung und Kanzleimanagement

2018, XVIII, 325 S., De Gruyter, ISBN 978-3-11-051727-9,

Preis 59,95 € inkl. MwSt.

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