Emotionale Kompetenz gewinnen – durch Stressmanagement!

Wünschen Sie sich auch manchmal trotz vermeintlich unfairer Richter, lästiger Mandanten und inkompetenter Kollegen ruhig und gelassen zu bleiben? Die Autoren des Buches Stressmanagement für Rechtsanwältinnen und Rechtswanwälte  Renate Georgy und Thomas Hohensee versprechen Ihnen mit Hilfe der Kognitiven Verhaltenstherapie ein Leben in geradezu stoischer Gelassenheit. Wir trafen die Autoren zum Interview.

Frau Georgy, Herr Hohensee, der Untertitel Ihres Buches „Stressmanagement für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte“ lautet „Emotionale Kompetenz gewinnen – souverän auftreten“. Was genau kann man sich darunter vorstellen? Was bedeutet „Emotionale Kompetenz“ in Bezug auf Stressmanagement?

Emotional kompetente Menschen wissen, woher ihre Gefühle kommen und wie sie diese auf gesunde Weise regulieren können. Sie sind außerdem in der Lage, konstruktiv auf die Emotionen anderer Menschen zu reagieren. Mit anderen Worten: Emotionale Kompetenz reduziert Stress ganz erheblich und ist damit eine Grundfertigkeit, die nicht nur ein erfolgreiches Berufsleben ermöglicht, sondern ebenso Voraussetzung für ein erfülltes Privatleben ist.

Lässt sich Stress überhaupt managen? Ist man hier nicht vielfach auch von außen gesteuert und damit eigentlich machtlos?

Vielen Dank für diese Frage, denn sie zielt exakt auf den Kern der Sache!

Die allermeisten Menschen – und da sind Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte keine Ausnahme – gehen davon aus, dass ihre Emotionen durch Ereignisse in der Außenwelt hervorgerufen werden. Da ist beispielsweise ein aggressiver Richter, der einen vermeintlich dazu bringt, sich ärgerlich oder hilflos zu fühlen und dementsprechend zu agieren. Tatsächlich löst nicht ein äußerer Reiz unsere Reaktion aus, sondern die eigene höchstpersönliche Bewertung dieses Reizes. Der aggressive Richter ist lediglich der Anlass, das eigene Kopfkino in Gang zu setzen, sich in Bewertungen, Fantasien und Erinnerungen zu ergehen. Man verstrickt sich in seine eigenen Denkmuster und wundert sich anschließend, dass man dort nur schwer wieder herauskommt.

Die Kognitive Verhaltenstherapie löst dieses Dilemma. Sie basiert u.a. auf der antiken griechischen Philosophie, insbesondere der Stoa. Ihre ebenso einfache wie tiefgründige Erkenntnis lautet: Wir fühlen so, wie wir denken. Wer diese Aussage wirklich begriffen und verinnerlicht hat, ist sich seiner inneren Freiheit bewusst und so von äußeren Umständen weitesgehend unabhängig.

Welche Stressfaktoren kann man selbst steuern?

Wie schon gesagt: Es gibt keine Stressfaktoren, auch wenn das immer wieder behauptet wird, sondern nur Stressgedanken und Stressgewohnheiten. Und diese lassen sich ändern, wenn man bereit ist, dazuzulernen und eigene Denkgewohnheiten infrage zu stellen.

Ein Kapitel Ihres Buches lautet: Stress in Sekunden auflösen. Wie kann dies gelingen?

Wir haben unser Buch bewusst knapp, prägnant und bodenständig gehalten. Das heißt aber nicht, dass die dort dargestellten Erkenntnisse, Methoden und Übungen sich in ein bis höchstens drei Sätzen zusammenfassen lassen. Man muss sich schon intensiv damit auseinandersetzen und vor allem die gewonnenen Aha-Erlebnisse in den eigenen Alltag integrieren und persönliche Erfahrungen damit machen. Wer dies jedoch tut, empfindet entweder überhaupt keinen Stress mehr oder kann ihn in Sekunden auflösen.

Sie beschäftigen sich in Ihrem Buch auch mit Zeitmanagement. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Zeitfresser?

Zeitknappheit entsteht im Kopf, ebenso wie Zeitfülle und Gelassenheit. Die allergrößten Zeitfresser sind die eigenen irrationalen Überzeugungen.

Reicht es aus, sich einfach vorzunehmen zielgerichteter zu arbeiten oder ist eine tiefergehende Umstellung der Arbeits- und Lebensweise notwendig?

Wir selbst haben vor langer Zeit die Erfahrung gemacht, dass durch die Anwendung der in unserem Buch beschriebenen Methoden unsere Welt nicht mehr dieselbe war wie vorher. Dasselbe erleben wir heute bei unseren Coaching-KlientInnen und Seminar-Teilnehmern. Es geht uns nicht um ein bisschen Wellness oder um das „Sahnehäubchen auf dem Alltagsstress“, sondern tatsächlich um eine tiefgreifende Veränderung des Denkens, Fühlens und Handelns.

Haben Sie einen Tipp, wie sich Verhandlungstage im Gericht besser nutzen lassen?

Statt danach zu streben, immer effizienter zu werden, raten wir dazu, Verhandlungstage zu nutzen, um die Achtsamkeit zu schulen. Sie sind eine exzellente Gelegenheit, beispielsweise immer mal wieder auf den eigenen Atem zu achten. Solche Mini-Interventionen sind enorm wirksam.

Viele Menschen trainieren ihre körperliche Fitness ganz selbstverständlich regelmäßig im Sportstudio. Niemand geht davon aus, für einen gesunden und leistungsfähigen Körper nichts tun zu müssen. Was dagegen die mentale Fitness angeht, sind die meisten weniger bereit zu investieren. Dabei lässt sich diese ebenso gut trainieren. Und das Beste ist: Im Gericht werden uns die erforderlichen Trainingseinheiten sozusagen kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir brauchen sie nur zu unserem Vorteil zu nutzen.

Beleuchten Sie in Ihrem Buch auch andere Lebensbereiche jenseits des Arbeitsalltags?

O ja, denn es geht uns nicht nur darum, dass unsere KollegInnen gute Arbeit leisten, sondern dass sie auch ein rundum erfülltes Leben leben.

Welche Expertise bringen Sie in das Buch ein?

Wir sind nicht nur beide VolljuristInnen und kennen den Arbeitsalltag von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten aus eigener Erfahrung, sondern wir sind auch Life Coaches und erleben deshalb täglich, wie hervorragend die kognitiven Methoden geeignet sind, um sich von emotionalen Überreaktionen, unrealistischen Erwartungen und allem, womit man sich das (Berufs)Leben sauer machen kann, zu befreien.

Bitte seien Sie so nett und fassen kurz zusammen, wodurch sich Ihr Buch von den anderen Büchern am Markt zum Thema „Stressmanagement“ unterscheidet.

Kaum jemand auf dem deutschen Buchmarkt beschreibt die geradezu revolutionären Erkenntnisse und wissenschaftlich vielfach belegten Wohltaten der kognitiven Methoden so konsequent wie wir und vermittelt diese gleichzeitig auf so praxisnahe und anwendbare Weise. Viel zu viele haben zwar schon einmal davon gehört, dass die eigenen Denkmuster nicht unwichtig sind, sind jedoch im nächsten Moment schon wieder dabei, von „Stressoren“, „inneren Schweinehunden“, „Eustress“ und „Disziplin“ zu reden. Oft wird auch lediglich zu einer Runde Yoga oder progressiver Muskelentspannung geraten, ohne den Stress tatsächlich an der Wurzel zu packen.

Frau Georgy, Herr Hohensee, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Hohensee/Georgy
Stressmanagement für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
2019, 110 Seiten
Hardcover € 39,00 inkl. MwSt.
Deutscher Anwaltverlag ISBN 978-3-8240-1599-3

 

 

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