Digitalisierung gestalten – Freiräume gewinnen

Die digitale Transformation verändert die Arbeitswelt rasant. Wandlungswillige Unternehmen stellen sich darauf ein. So wie die Kanzlei für Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung Kammers & Partner in Herzbolzheim bei Freiburg im Breisgau. Dr. Heinz Kammers, Gründer und Personalverantwortlicher, erklärt im Gespräch mit Susanne Kleiner, wie sein Team die Herausforderungen der Digitalisierung versteht. Und er geht darauf ein, wie eine Unternehmenskultur Raum greift, die Mandanten, Mitarbeitern und der Kanzleiführung gerecht wird. Impulse aus der Praxis für die Praxis.              

Ihr Unternehmen besteht seit über fünfundzwanzig Jahren. Welche Reaktionen haben die ersten Schritte der Digitalisierung bei Ihren Mitarbeitern ausgelöst?  

Der Begriff Digitalisierung war zunächst angstbesetzt. Ich erinnere mich gut an einen Mitarbeiter, der von einem Seminar zurückkam und das, was er dort gehört hatte, im Teammeeting aussprach: „In zehn Jahren gibt es den Bilanzbuchhalter nicht mehr.“ Das saß. Also war es wichtig, über das Phantom „Digitalisierung“ zu sprechen – und zwar in Ruhe. Erstens: Alle haben berichtet, was sie beschäftigt. Zweitens: Wir haben uns gefragt: Was heißt Digitalisierung im Kern? Drittens ging es darum: Wo setzen wir an, um uns so zu verändern, dass wir alle unsere Arbeit zukunftsbejahend begreifen? Dieses gemeinsame Verständnis entsteht natürlich nicht an einem Tag. Vielmehr bewegen wir uns in einem fortlaufenden Prozess, der ein neues Selbstverständnis begründet.

Und was ist in diesem kontinuierlichen Prozess konkret passiert?

Wir sind zu dem so einleuchtenden wie beruhigenden Ergebnis gekommen: Digitalisierung bedeutet Automation an vielen Stellen. Es geht darum, Abläufe zu verschlanken, Streuverluste auszuschließen und unsere Software, die wir bereits nutzen, noch effizienter einzusetzen – kurzum: die Arbeit des Menschen zu erleichtern. Gleichzeitig werden einfache Arbeiten wegrationalisiert und Stellenprofile ändern sich. Das heißt: Menschen werden nicht überflüssig. Viel mehr zeichnet sich ein Trend zu qualifizierten Fachkräften ab. Gute Beratung ist also wichtiger denn je. Hinzu kommt, dass viele Mandanten gerade jetzt Wert auf persönliche Betreuung legen. Also gilt es, die Veränderung anzunehmen, auch mit Weiterbildungen rund um das Thema Digitalisierung – und zwar konsequent für alle: von der Sekretärin bis zum Kanzleiinhaber. Denn Wissen baut Vorbehalte ab. Wir haben gemeinsam Handlungsfelder identifiziert und sogenannte Fachinseln ins Leben gerufen. Die „Insulaner“ engagieren sich eigeninitiativ für ihr Gebiet. Und wir halten dieses Engagement in unseren Besprechungen wach: vom Wissensmanagement und Wissenstransfer über digitale Mandantenkommunikation und persönliche Präsenz bei Mandanten bis hin zu neuen Geschäftsfeldern, die wir im Zuge des Wandels erschließen. Es ist viel Bewegung in unseren Betrieb gekommen.

Sie haben Ihr neues Selbstverständnis erwähnt. Wofür stehen Sie heute?

Wir begreifen uns als ein attraktives Beratungsunternehmen in einer mittelstandsstarken Region, das mit über zwanzig Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Partnern die Dynamik unserer Zeit positiv annimmt. Alle bringen sich aktiv ein. Transparenz hat einen hohen Stellenwert. Jeder und jedem steht es offen, die Agenda mitzubestimmen, Informationsbedarf anzumelden und eigenen Input einzubringen; sei es im Plenum bei dem monatlichen Runden Tisch, bei den Fachinseln oder in den Berufsträgerrunden für unsere Steuerberater. In diesem Kontext haben wir uns unseren Werten und damit auch den menschlichen Bedürfnissen zugewandt.

Was heißt das, sich Werten und menschlichen Bedürfnissen zuzuwenden?

Das heißt etwa, dass wir das Thema Gesundheit in den Fokus rücken. So geben Vorträge oder Workshops wertvolle Impulse. Beispiele sind Augenschulung oder gesunde Ernährung. Einmal pro Quartal arbeitet ein Physiocoach mit uns. Und wir setzen uns einmal im Jahr bei unserem Reflexionstag mit Nicht-Fachlichem auseinander. Dort haben Gedanken Platz, die uns persönlich bewegen – unabhängig vom Tagesgeschäft. Diese offene Kommunikation lädt jeden ein, sich aktiv einzubringen und groß zu denken. So haben wir gemeinsam das Ziel erarbeitet, auch weiterhin eine überdurchschnittliche und gleichberechtigte Bezahlung sicherzustellen. Das ist Anspruch und Motivation zugleich. Nicht zu vergessen: Wir feiern gerne zusammen – im Kleinen wie im Großen. Das gehört auch zu uns. Alles in allem stelle ich fest: Die Chance des Wandels liegt darin, dank der Digitalisierung Raum zu schaffen für ein gutes Miteinander von Mensch zu Mensch. Das ist doch letztlich auch der Sinn des zukunftsfähigen Wirtschaftens.

Vielen Dank für das Gespräch.

 Dr. Heinz Kammers, Diplom-Kaufmann, ist selbstständiger Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Herbolzheim bei Freiburg im Breisgau. In der Beratung setzt der Mediator und Coach/ Berater (AfW) seine Schwerpunkte auf Unternehmens- und Vermögensnachfolge, Stiftungen und Coaching für Geschäftsführer.

Susanne Kleiner ist freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin und Mediatorin in München und kooperiert mit Beratern als Expertin für Litigation-PR. Außerdem berät sie in allen Fragen rund um die Kanzlei-PR und Markenstrategie und entwickelt Image- und Werbetexte für Online- und Printmedien. Als Trainerin (dvct) und Coach (dvct) vermittelt sie mediale und persönliche Kommunikationskompetenz für Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

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