Nachhaltiges Engagement lohnt sich – auch in Kanzleien!

Kanzleien engagieren sich vielerorts für Soziales, Bildung und Kultur. Aber sind sie damit schon „nachhaltig“? Kanzleien können mit diesem Begriff oft wenig anfangen. Zeit, dass sich dies ändert, denn nachhaltiges Engagement birgt viele Vorteile. Diese erläutert Claudia Schieblon.

Was versteht man eigentlich unter Nachhaltigkeit?

Der Begriff geht auf die 1972 veröffentlichte Studie “Grenzen des Wachstums“ zurück, die im Auftrag des „Club of Rome“ entstand. Die wichtigste Schlussfolgerung war, dass, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht sein wird. Diese Studie war einer der wesentlichen Vorläufer für viele nationale und internationale Studien, Initiativen und Abkommen.

Heute wird unter Nachhaltigkeit der schonende Umgang mit Ressourcen verstanden. Er umfasst drei Bereiche – Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Wieso engagieren sich Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit?

Nicht nur Konzerne und die öffentliche Hand, auch Mittelständler und kleinere Unternehmen haben sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Zum Teil fallen sie unter die EU-Richtlinie, die seit 2014 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sowie börsennotierte Unternehmen verpflichtet, ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit offen zu legen. Andere obliegen nicht dieser Verpflichtung, engagieren sich aber aus Überzeugung und wegen der vielen Vorteile, die diese mit sich bringt. Diese Unternehmen erwarten auch von ihren Dienstleistern ein Bewusstsein für verantwortliches Ressourcenmanagement. Deutlich wird dies bei Pitches, in denen nachhaltiges Engagement ein Entscheidungskriterium bei der Auswahlwahl der Kanzlei ist.

Gibt es weitere Vorteile?

Nachhaltiges Engagement hat sehr positive Auswirkungen auf den eigenen Brand, insbesondere auf den Arbeitgeber-Brand. Der jungen Generation ist heute ein sinnstiftenden Arbeitsplatz sehr wichtig. Sie setzen weniger auf hohe Gehälter, Statussymbole und Karriere, sondern erwarten ein gutes Team und Freiräume für die persönliche Entwicklung. Engagieren sich die Arbeitgeber zudem für Umwelt und Soziales, ist dies ein echter Pluspunkt.

Nachhaltiges Wirtschaften ist sicherlich ein Thema für rohstoffintensive Industrieunternehmen, aber doch nicht für Kanzleien, oder?

Kanzleien haben weniger Einsatz von Rohstoff und Energie als produzierende Unternehmen, können aber dennoch Ressourcenbewußtsein zeigen, beispielsweise durch die Reduzierung des Papier- und Stromverbrauchs, von Reisetätigkeiten und vielem mehr. Linklaters setzte bereits vor einigen Jahren im Rahmen der Kampagne „Re:Tree“ das Projekt „One Pitch One Tree“ auf, die Idee: Nach jedem Pitch wird ein neuer Baum gespendet – als Ausgleich für den dafür eingesetzten Papierverbrauch.

Bei Rödl & Partner gibt es ein umfangreiches Angebot zum Thema Umweltschutz, unter anderem das des Dienstrad-Leasings für alle Mitarbeiter. Der geldwerte Vorteil hierbei muß übrigens nicht versteuert werden, zudem spart das der Kanzlei die Vorhaltung vieler Parkplätze. Überhaupt, viele solcher Initiativen ziehen auch eine Kostenersparnis für die Kanzleien nach sich. Eine echte Win-Win-Situation.

Welche weiteren Möglichkeiten und Beispiele gibt es?

Es gibt eine große Bandbreite an Engagement in Kanzleien: Im sozialen Bereich, wie die WTS-Stiftung, die sich für Flüchtlinge in Deutschland engagiert. Oder das Noerr Kindercamp, das es seit bedürftigen Kindern und Jugendlichen ermöglicht in einem eigenen Feriencamp am Fuchlsee Urlaub zu machen. Oder bei der Pro-Bono-Arbeit, die ja in vielen Kanzleien als fester Bestandteil bereits verankert ist.

Die meisten dieser Aktivitäten sind jedoch punktuell, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie ist bislang selten in der Kanzleibranche. Anders bei Rödl & Partner, die ihr umfassendes Engagement in einem Nachhaltigkeitsbericht dargelegt haben.

Wie und in welchen Bereichen geht man Nachhaltigkeit am besten an?

Egal in welchem Bereich man ansetzt, ist es wichtig, nicht auf kurzfristige Marketingeffekte zu setzen, sondern Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur zu verankern. Das heißt auch, langfristige Initiativen anzustoßen und diese im Partnerkreis, im Kanzleimanagement und mit allen Mitarbeitern gemeinsam umzusetzen.

Beim diesjährigen PMN Management Award werden auch nachhaltige Projekte von Kanzleien ausgezeichnet. Was kann eingereicht werden?

Es können innovative Konzepte und Projekte von Kanzleien im Bereich Nachhaltigkeit vorgestellt werden. Deren Idee, Zielsetzung, Umsetzung und Erfolge sollten in eine Projektbeschreibung gefasst und bis zum 14. Mai 2019 eingereicht werden. Eine Jury sichtet diese Projekte und spricht die Nominierungen aus. Bei der PMN Award Gala im September werden dann die Projekte vorgestellt und die Auszeichnungen verliehen werden. Ich hoffe, es sind viele spannende Initiativen dabei.

 

Claudia Schieblon ist Gründerin und Leiterin des Professional Management Network (PMN), ein Netzwerk von führenden Wirtschaftskanzleien und WP-Gesellschaften in Deutschland. Das PMN bietet Fortbildung, fachlichen Austausch und Business Networking in den verschiedenen Kreisen. Seit 2009 werden mit den PMN Management Awards innovative Projekte aus dem Management und Business-Service-Bereichen von Kanzleien ausgezeichnet. Claudia Schieblon erhebt und veröffentlicht Benchmark-Studien zum Anwaltsmarkt. Ihre Bücher „Kanzleimanagement in der Praxis“ und „Marketing für Kanzleien und Wirtschaftsprüfer“ sind Ende 2018 in 4. Auflage erschienen.

 

 

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