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Psychologie für Juristen – Rezension von Dr. Anette Schunder-Hartung

Die Subsumtion ist die vornehmste Aufgabe des Juristen. Alles andere ist und bleibt „nice to have“. Wenn Sie das meinen, verschwendet Effer-Uhe/Mohnert bei Nomos erschienenes Paperback „Psychologie für Juristen“ Ihre Zeit. Sonst sollten Sie es kaufen und lesen – auch und gerade dann, wenn Sie nicht als Jugendrichterin oder Strafverteidiger ohnehin zu den Abnehmern einschlägiger Publikationen gehören.

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Experten-Interview: „Juristen müssen sich zu Smart Contracts eine Meinung bilden“

Die Liste der Buzzwörter wird immer länger: Legal Tech, Blockchain, FinTech – und jetzt Smart Contracts. Was steckt hinter diesen smarten Verträgen? Tom Braegelmann und Dr. Markus Kaulartz, Herausgeber des neuen „Rechtshandbuch Smart Contracts“ (C.H.BECK), blicken im Interview in die Zukunft – und erklären, warum inbesondere Juristen sich schon jetzt unbedingt mit dem Thema auseinandersetzen sollten.  

Sie legen das erste Rechtshandbuch zum Thema Smart Contracts im deutschsprachigen Raum vor. Was ist unter Smart Contracts zu verstehen und warum sollte sich jeder Jurist mit diesem Thema auseinandersetzen?

Braegelmann: Sehen wir den Begriff Smart Contracts als griffige Metapher, welche die Gehirne der Juristen – in Wissenschaft, Justiz und Praxis – ins produktive Grübeln über die Grundlagen des Zivilrechts bringt. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der digitalen Vertragsdurchführung – und zu diesem Thema müssen wir uns gerade als Juristen eine Meinung bilden, um mitreden zu können. Jetzt, in diesen Momenten, werden strukturelle Vorentscheidungen von seiten der IT-Entwickler und Blockchain-Vordenker und -Experten besprochen und gesetzt – entweder die Juristen bringen sich nun in die Diskussion ein und weisen auf schützenswerte Rechtsgüter und Verfahren hin, oder sie bleiben stumm und müssen die Smart-Contract-Architektur hinnehmen, welche ihnen IT-seitig vorgeschrieben wird.

„Verträge sollen leben, nicht totes Papier oder ein totes PDF sein.“

Was zeichnet Smart Contracts aus? Handelt es sich hier nur um das nächste gehypte Wort oder sind sie wirklich besser als „herkömmliche“ Verträge?

Kaulartz: Es ist doch klar, dass alles, was digitalisierbar ist, eines Tages digitalisiert werden wird, und so trifft es natürlich auch die Verträge. Dabei handelt es sich bei Smart Contracts eigentlich noch nicht einmal um Verträge, der Begriff beruht auf einem Missverständnis, hat sich aber etabliert. Gemeint ist in der Regel nur die Durchführung eines Vertrages, Smart Contracts sind also die programmierte Übersetzung von Leistungsbeziehungen. Verträge sollen leben, nicht totes Papier oder ein totes PDF sein. Sie sollen nicht mehr stumm ihr Dasein in Akten oder in Mailboxen fristen, bis sie mal ein Mensch durchliest.

Ein häufig geäußerter Wunsch ist, dass sich mit Smart Contracts Verträge selbst ausführen, vollziehen, durchsetzen und gar vollstrecken – ohne Anwälte, ohne Vertragsverstöße, ohne Gerichte. Klingt nach Science Fiction. Nach „Code is law“ und nach Juristen, die überflüssig werden. Ein Missverständnis?

Kaulartz: Ein großes Missverständnis. Juristen werden niemals völlig überflüssig werden, sie sind notwendig, um das Miteinander zu regeln, sei es im Privaten oder im Beruflichen. Smart Contracts können diese Regeln aber tatsächlich in gewisser Weise zementieren: Leistungen werden automatisiert erbracht, Vertragsverstöße erschwert, Verhalten dokumentiert. Natürlich führt das aber auch zu mehr Standards, und insoweit werden Juristen tatsächlich weniger wichtig.

„Es zeichnet sich ab, dass Smart Contracts technisch möglich sind.“

Blicken wir in die Zukunft. Was ist Ihre These?

Braegelmann: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat den Begriff Smart Contracts bereits so definiert, dass Juristen hellhörig werden. Juristen lieben Definitionen, denn sie geben Sicherheit, man kann sie kritisieren oder für sich ins Feld führen. Wenn eine so große, angesehene und mächtige Institution wie die BaFin also schon sagt, was nach ihrem Verwaltungsverständnis Smart Contracts sind, dann ist das für uns Juristen ein Knüller. Es zeichnet sich ab, dass Smart Contracts tatsächlich technisch möglich sind, weswegen die Erwartung steigt, dass sie bald massenhaft eingesetzt werden, sowohl freiwillig in der Privatwirtschaft als auch auf Anordnung des Gesetzgebers oder von Behörden.

Was ist der Anspruch Ihres Pionierwerks?

Kaulartz: Die Hintergründe von Smart Contracts zu verstehen ist nicht trivial. Die Herausforderung liegt darin, dass hier zwei verschiedene Disziplinen am Hochreck geturnt werden: Zum einen die Programmierung von Smart Contracts, eventuell auf einer Blockchain, zum anderen die rechtliche Qualifikation von Smart Contracts. Das Handbuch wurde mit dem Anspruch entworfen, hier eine Brücke zu schlagen und Handelnde dieser Disziplinen in ihrem jeweiligen Spielfeld abzuholen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Herausgeber vom „Rechtshandbuch Smart Contracts“ (C.H.BECK)

Tom Braegelmann ist Restrukturierungsexperte und für namhafte internationale Wirtschaftskanzleien in Deutschland tätig. Zuvor war er über drei Jahre als Anwalt für Insolvenz- und Urheberrecht in New York City tätig. 

Dr. Markus Kaulartz ist Rechtsanwalt bei einer großen internationalen Wirtschaftskanzlei im Bereich Technology, Media and Communications, davor viele Jahre Softwareentwickler.

Körpersprache von Juristen: Verräterische Gesten im Businessmeeting

Körpersprache von Juristen: Diese Gesten können verräterisch sein

Egal ob Business-Meeting oder Mandantengespräch – immer geht es neben dem Fachlichen auch um Kommunikation. Doch worauf müssen Anwälte beim Thema Körpersprache besonders achten? Wie können sie die eigene Kommunikation gezielter steuern ohne ein Schauspiel zu veranstalten? Caroline Krüll ist Expertin für Körpersprache, coacht Führungskräfte und schreibt Bücher zum Thema. Nachdem sie uns bereits die häufigsten Körpersprache-Fehler von Juristen vorgestellt hat, erfahren wir nun unter anderem, ob es einen perfekten Händedruck gibt und was es bedeuten kann, wenn Personen sich häufiger an die Nase fassen. 

 Auf welche Körpersprache achten wir bei unserem Gegenüber am meisten?

Caroline Krüll: Auf die Mimik im Gesicht. Sie ist ein wirkungsmächtiges Instrument. Nicht umsonst haben wir früher als Kind den Eltern zuliebe schon gelernt, unser Gesicht gut unter Kontrolle zu halten. Nach dem Motto: „Heute kommt Tante Erna. Ich weiß, dass du sie nicht magst, aber sei trotzdem lieb.“ Unser Gesicht hat 120 Muskeln, von denen wir rund 60 aktiv und bewusst ansteuern können. Bei Botox und Hyaluron gehen also sehr wichtige Informationen verloren.

Wie bewerten Sie es, wenn Sie einen Anwalt mit Händen in den Hosentaschen sehen? Ist das lässig-cool oder grauenhaft?
Krüll: Das kommt natürlich auf die Situation und auf die Umgebung an. Was auf einer Grillparty lässig cool aussieht, eignet sich dagegen überhaupt nicht im Job. Gerade vor älteren Menschen sollte man die Hände unbedingt aus den Taschen nehmen, da sie es als respektlos empfinden. Die linke Hand in den Taschen – ein Markenzeichen von Altkanzler Gerhard Schröder – steht für: Emotionen verstecken, da es sich um die Gefühlshand handelt. Die rechte Hand steht für Kopf, Fakten, Strategisches Denken, Ideen und wenn sie versteckt wird, verbirgt der Mensch vor Ihnen wichtige Informationen.

In Ihrem Buch widmen Sie viele Seiten der richtigen Begrüßung. Gibt es so etwas wie den perfekten Händedruck? Und wenn ja, kann man den lernen?
Krüll: Der Händedruck zur Begrüßung ist die persönliche Visitenkarte eines Menschen. Natürlich können wir unseren Handschlag verändern, dadurch sind wir aber nicht mehr authentisch. Insgesamt sollte die Hand gerade gehalten werden, um Augenhöhe zu signalisieren. Menschen mit erhöhtem Alphaanteil haben damit Schwierigkeiten und drücken die Hand ihres Gegenübers immer runter. Der Druck sollte weder zu hart noch zu weich sein. Geben Sie am besten die ganze Hand. Dabei sollten sich die Handinnenflächen treffen. Ansonsten suggeriert man immer den Eindruck, dass man nicht anpacken und umsetzen kann. Achten Sie als Mann bevorzugt bei Frauen darauf, nicht zu fest zuzudrücken. Gerade, wenn die Frauen Ringe tragen, kommt es oft zu schmerzhaften Begegnungen.

Auch im TV als Expertin zum Thema Körpersprache gefragt: Beck-Autorin Caroline Krüll

Klären wir noch kurz die Interpretation zweier „Körpersprache-Klassiker“. Erstens: Wie würden Sie es „übersetzen“, wenn sich Ihr Gegenüber häufiger an die Nase fasst?
Krüll:  Rümpfen der Nase ist negativ und zeigt Abwehrhaltung und Wiederwille. Nase mit Daumen und Zeigefinger an den Nasenlöchern: Mir stinkt‘s! Und wenn der Zeigefinger an den Nasenflügel gelegt wird, bedeutet das: Ich denke nach.

Und ein weiterer Klassiker: Was bedeutet das Anfassen des Ohrläppchens?
Krüll:  Die Person ist vermutlich nicht zu 100 Prozent mit dem Gesagten einverstanden.

Literatur zum Thema Körpersprache

Ausführliche Informationen dazu, wie Sie Ihre eigene Körpersprache beeinflussen und damit Ihre Wirkung deutlich verbessern, erhalten Sie u.a. im Werk „Körpersprache – Das Trainingsbuch“ von Dr. Christian Schmid-Egger und Caroline Krüll oder im Werk „Köpersprache. Wahrnehmen, erkennen, deuten“ von denselben Autoren.

Körpersprache

 

 

Krüll/Schmid-Egger
Körpersprache
2. Auflage 2019, 127 Seiten
€ 7,90
C.H.BECK. ISBN 978-3-406-73455-7

 

 

 

 

Körpersprache Trainingsbuch

 

Schmid-Egger/Krüll
Körpersprache
2. Auflage 2014, 283 Seiten
€ 19,80
C.H.BECK. ISBN 978-3-406-66552-3

 

 

 

Fehler? Against the DNA

Innovation ist inzwischen extrem en vogue – auch in der Anwaltschaft und Beratungswelt. Innovation erfordert Kreativität und damit einhergehend in der Regel auch den Mut zum Revidieren und Fehlermachen und vor allem auch das Eingestehen der Fehler. Das mag der Anwalt und Berater per se nicht so gern. Weiterlesen

Schmerzensgeldbeiträge

Kein Anspruch auf Schmerzensgeld wegen lebenserhaltender Maßnahmen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Oberlandesgericht hatte dem Sohn eines dementen Patienten, der jahrelang bis zu seinem Tod über eine Magensonde künstlich ernährt worden war, ein Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro wegen „unnötiger“ leidensverlängernder Maßnahmen zugesprochen. Der BGH hat dementgegen entschieden, dass das Leben – auch ein leidensbehaftetes Weiterleben – nicht als Schaden anzusehen ist. Die Zahlung eines Schmerzensgeldes sei somit nicht gerechtfertigt, so das Urteil.
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„Recht 2030“ – Rezension von Patrick Prior

Das neue Buch Recht 2030 hat sich alleine im Titel schon viel vorgenommen, soll doch der Rechtsmarkt über elf Jahre im Voraus skizziert werden. Der Untertitel „Legal Management in der digitalen Transformation“ macht allerdings klar, dass wir uns bereits tief in der digitalen Transformation, und teilweise auch in der Disruption, befinden.

Das umfangreiche Werk der beiden Herausgeber Dr. Anette Schunder-Hartung und Prof. Dr. Martin R. Schulz beinhaltet auf über 400 Seiten 31 sehr verschiedene Kapitel, die schon aus dem Inhaltsverzeichnis heraus Lust machen mehr über die Zukunft der juristischen Arbeit zu erfahren.

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Podcast oder Kanzleivideo? So präsentieren sich Kanzleien gekonnt in neuen Medienformaten

Die Beiträge der ersten Ausgabe des Magazins kanzleimarketing.de 2019 zeigen, dass auch beim Kanzleimarketing Medienformate, die Inhalte schnell, portioniert und verständlich vermitteln, eine immer größere Rolle spielen. So erklärt Autor und Video-Experte Phillip Senger, wann ein Kanzleivideo für Werbe- oder Recruiting-Zwecke Sinn macht und worauf zu achten ist. Neben dem Bewegtbild können sich Anwälte und Steuerberater aber auch auditiv, per Podcast, präsentieren, wie Kilian Springer, der selbst für seine Kanzlei einen Podcast betreibt, zeigt. Darüber hinaus gibt es in dieser Ausgabe auch nützliche Beiträge zum Thema PR, Personal Branding und SEO.

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