Qualität

„Recht 2030“ – Rezension von Patrick Prior

Das neue Buch Recht 2030 hat sich alleine im Titel schon viel vorgenommen, soll doch der Rechtsmarkt über elf Jahre im Voraus skizziert werden. Der Untertitel „Legal Management in der digitalen Transformation“ macht allerdings klar, dass wir uns bereits tief in der digitalen Transformation, und teilweise auch in der Disruption, befinden.

Das umfangreiche Werk der beiden Herausgeber Dr. Anette Schunder-Hartung und Prof. Dr. Martin R. Schulz beinhaltet auf über 400 Seiten 31 sehr verschiedene Kapitel, die schon aus dem Inhaltsverzeichnis heraus Lust machen mehr über die Zukunft der juristischen Arbeit zu erfahren.

Ausgewählte Kapitel

Einige Kapitel sind dabei besonders gut gelungen. In Kapitel 3 wird beispielhaft ein M&A Fall besprochen, mit konkreten Tipps zur Findung einer passenden Softwarelösung.

Kapitel 7 betrifft die anwaltliche Akquise der Zukunft unter dem Motto „was der Mandant bei Google findet, darf nichts kosten“. Der Einsatz von KI und digitalen Tools sind dabei Verkaufsargumente und Kostensenker für bessere Angebote an die Mandanten.

In Kapitel 14 geht es um die Herausforderungen für Rechtsabteilungen durch Legal Tech mit Benennung konkreter Tipps. Neben Legal Tech sind die zentrale Rechtsabteilung, strategisches Insourcing und strategisches Kanzleimanagement die wichtigsten Entwicklungen.

In Kapitel 23 erfährt der Leser mehr über die digitale Transformation und das Innovationspotenzial bei Anwälten. Außerdem wird die Identifikation neuer Geschäftschancen und die Rolle der Kanzleiführung als Innovationsmanager thematisiert.

Ein weiteres, sehr ausführlich und anschauliches Kapitel, ist das vierundzwanzigste, mit dem Titel „Erfolgsfaktor Kanzleikommunikation“. Hier werden eingängig Probleme aus dem Kanzlei-Alltag, wie z.B. ein schlechter Umgang innerhalb der Kanzlei oder der Verlust teuer ausgebildeter Associates wegen interner Unstimmigkeiten, angesprochen.

Fazit

Recht 2030 ist kein weiteres Legal Tech Buch, sondern möchte über das bereits vielfach gehörte, und teilweise auch schon abgenutzte Buzzword „Legal Tech“ hinaus gehen. Dies gelingt den Autoren in vielen Kapiteln. Insgesamt ist es sehr weit schauend und sehr analytisch geschrieben. An vielen Stellen wird versucht die Zukunft des Rechtsmarkts und der Rechtstechnologie vorherzusehen. Die meisten Kapitel sind dabei sehr theoretisch geschrieben. Manche bieten aber auch praxisnahe Erfahrungen und konkrete Tipps. Generell spricht Recht 2030 eine sehr weitreichende Zahl von Juristen an. Speziell große und mittelgroße (Wirtschafts-)Kanzleien und Rechtsabteilungen sind aber wohl die hauptsächlich angepeilte Lesergruppe. Jeder, der sich für strategische Ausrichtungen, Legal Management und Chancen der Digitalisierung für Juristen in den nächsten zehn Jahren interessiert, sollte dieses Werk lesen.

 


Schulz / Schunder-Hartung
Recht 2030
Handbuch
2019, rund 900 Seiten
Hardcover ca. € 149,00
Deutscher Fachverlag GmbH, Fachmedien Recht und Wirtschaft
ISBN 978-3-8005-0001-7

 

Rezension von Patrik Prior.

Patrick Prior ist Jurist und Legal Tech Experte. Über seine Firma Advotisement® (https://advotisement.de/) entwickelt er Legal Tech Software und berät Kanzleien und Rechtsabteilungen zum Thema Digitalisierung & Automatisierung ihrer Arbeitsprozesse. Seit Anfang 2018 betreibt er das Legal Tech Verzeichnis (https://legal-tech-verzeichnis.de) in Kooperation mit Schweitzer Fachinformationen.

Dieser Beitrag könnten Sie auch interessieren: