Fehler? Against the DNA

Innovation ist inzwischen extrem en vogue – auch in der Anwaltschaft und Beratungswelt. Innovation erfordert Kreativität und damit einhergehend in der Regel auch den Mut zum Revidieren und Fehlermachen und vor allem auch das Eingestehen der Fehler. Das mag der Anwalt und Berater per se nicht so gern. Denn er wird in Studium und Ausbildung hart darauf geeicht, die Fehler der anderen zu erkennen und zu seinen bzw. zum Vorteil der Mandanten zu nutzen. Und wenn er selbst einen Fehler macht, gesteht er diesen nur ungern ein – schon gar nicht vor seinen Kollegen oder dem eigenen Team. Andererseits ist es vielen Anwälten und auch Steuerberatern mittlerweile klar, dass die juristische und steuerliche Beratungsarbeit in manchen Dimensionen extrem im Wandel ist, viele Dinge automatisiert und somit nicht von den als sich unfehlbaren einschätzenden Rechtsberatern geliefert werden wird. Also, was tun? Quo vadis Fehlerkultur? Soll jeder Anwalt eine sogenannte Fuck-up night besucht haben, sich mit unternehmerischen Achterbahnfahrten beschäftigen und jeden Tag einen schönen Fehler machen – quasi um zu Üben? Naja, dies fänden die Mandanten wahrscheinlich nicht so witzig.

Eine Idee ist, bei interner Managementarbeit anfangen. Dort kann man schön die 80/20 Regel anwenden, d.h. mit 20% Einsatz bekommt man in der Regel die nötigen 80 % Output inkl. möglicher Fehler. Das ist nicht unbedingt ein Beinbruch. Schlimmer kann es sein, gar nichts zu tun – zumindest auf Dauer. Und auch bei Beratungsprodukten auf technischer Grundlage geht es sicher nicht anders, als dass auch der Anwalt lernt, klein anzufangen, es mit dem Kunden/Mandanten als MVP auszuprobieren und notfalls „wieder zurück über Los zu gehen“ und eine Extrarunde zu drehen, um ein besseres Produkt zu erhalten. Letztendlich war dies bei langen Schriftsätzen früher auch nicht wirklich anders, zumindest wenn es ein gutes Mandatsverhältnis war. Co-Creation gab es also schon lange.

Zum Spagat zwischen Fehlervermeidung und Vorwärtskommen ist der richtige Ansatz wohl „in Bewegung sein und doch in Balance“. Das heißt konkret: Viele Anwälte werden keine Risiko Unternehmer, aber es schließt sich auch nicht aus, dass sie auf dem Weg zum richtigen Ergebnis einen Fehler machen und diesen auch eingestehen.

 

 

Claudia Bonacker ist Rechtsanwältin und Kulturmanagerin und hat über 15 Jahre Erfahrung in der legal industry und Consulting, sowohl in internen Rollen als auch als selbstständige Beraterin und Moderatorin. Im Moment arbeitet sie part time bei PwC als operations manager und beschäftigt sich mit internen change Prozessen zum Thema collaboration.

 

 

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren: