Benchmarking in der Steuerkanzlei: Wissensvorsprung für die Zukunft

Warum ist das Thema Benchmarking für Steuerkanzleien so aktuell?

Benchmarking als Werkzeug zur kontinuierlichen Verbesserung aller Abläufe und Prozesse in der unternehmerischen Praxis hat eine große Bedeutung für die Entwicklung jeder Steuerkanzlei. Aktuell sieht sich die Steuerberatungsbranche in den kommenden Jahren einem tiefgreifenden Wandel gegenüber, der zu einer Marktbereinigung führen wird. Im Hinblick auf Digitalisierung und Automatisierung, der möglichen Öffnung des deutschen Steuerberatungsmarktes für ausländische Berater und Deregulierungstendenzen aus der EU etc. sind Kanzleiinhaber gut beraten, zukunftsorientiert zu denken und Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Wie kann Benchmarking Kanzleiinhaber unterstützen?

Durch den branchenweiten Fremdvergleich von Geschäftszahlen werden Organisationsprozesse analysiert und aktuelle als auch wiederkehrende Themen fachlich diskutiert. Alle Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien sind zudem massiv von der Digitalisierung betroffen. Und tatsächlich berührt im Benchmarking fast jedes Thema den Bereich Digitalisierung/Automatisierung, der damit entscheidend für das Vorankommen einer Kanzlei geworden ist. Insbesondere im Hinblick auf den schnellen technischen Fortschritt bedeutet das, gemeinsam einen Wissensvorsprung zu erarbeiten, zielgerichtet zu entscheiden und unnötige Fehler zu vermeiden.

Warum haben Sie die Benchmarking-Zirkel ins Leben gerufen?

Auf einer Veranstaltung für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer stellte Firmengründer Josef Weigert fest, dass sich die 30 teilnehmenden Kanzleiinhaber und Partner zum Thema Kanzleistrategie, -führung, -struktur, -organisation und –prozesse nur wenig zu sagen hatten. Sie diskutierten aneinander vorbei. Die Analyse des Workshops ergab: Die Gruppe war nicht homogen! Vom Einzelkämpfer mit drei Mitarbeitern bis zu hin zur partnerschaftlich geführten Kanzlei mit 30 Mitarbeitern war alles vertreten. Den jungen Kollegen mit drei Mitarbeitern beschäftigten Themen, die für den Kollegen mit 30 Mitarbeitern nicht oder nicht mehr relevant waren. Auch Einzelkämpfer und Partner zu kombinieren war schwierig. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand die Idee „Benchmarking für Steuerkanzleien“. In homogenen Gruppen und mit der Bereitschaft, zu „geben und zu teilen“, zeigen beim Benchmarking die Kanzleien ihre Produkte, Prozesse, Strukturen und Strategien auf. Diese Offenheit schafft die Grundlage zu Vergleich, Austausch und zum Lernen von den Besten.

Kann jede Kanzlei am Benchmarking teilnehmen?

Natürlich. Benchmarking ist für alle unternehmerisch handelnden Steuerberater geschaffen, die zielgerichtet ihre Kanzleien weiterentwickeln möchten.

Die Orientierung an den Besten gibt die richtigen Impulse und wichtige Anregungen.

Jeder Kanzleiinhaber sucht dabei die für ihn wichtigsten Themen und das für ihn geeignete Umsetzungstempo heraus. Dabei verpflichtet sich jeder Teilnehmer, eigene Fragestellungen in die Workshops einzubringen, wodurch der Praxisbezug gewährleistet ist. Dazu sollten sie die Benchmarking-Prinzipien akzeptieren, offen für positive Veränderungen sein und vorbehaltlos Wissen und Erfahrungen weitergeben wollen.

Welchen Aufwand sollte ein Kanzleiinhaber kalkulieren?

Es ist sinnvoll, sich innerhalb der Benchmarking-Gruppe regelmäßig vierteljährlich zu treffen. Dadurch wird die Kanzleistrategie zu einer festen Größe im Geschäftsjahr. Abseits vom Alltag steht einen Tag lang Ihr wichtigster Kunde – nämlich Ihre eigene Kanzlei – im Mittelpunkt. Bei aller Motivation gilt für die erfolgreiche Umsetzung der To-dos, die Sie mit nach Hause nehmen: Weniger ist mehr! Nehmen Sie lediglich zwei bis drei Themen mit und setzen Sie diese aber konsequent im nächsten Quartal um. Zum nachhaltigen Erfolg muss jede Stufe einzeln genommen werden. Das ist nur mit Fleiß, Training und großer Disziplin möglich. Benchmarking ist jedoch konsequentes Training, das Freude bereitet, denn der Erfolg ist messbar!

Wie sieht das Fazit Ihrer Teilnehmer aus?

„Völlige Transparenz und der Austausch unter den Kanzleien liefern beim Benchmarking Informationen, die anders auf keine Weise zu beschaffen wären. Daraus entsteht ein unglaublicher Mehrwert für alle Teilnehmer, wenn man den Grundsatz ‚geben und nehmen‘ beherzigt.“

„Ich betrachte meine Kanzlei aus einer ganz anderen Perspektive. Das bringt mich weiter. Außerdem bewegen uns alle ähnliche Fragen und Probleme. Ich kann zum Telefonhörer greifen, einen Kollegen anrufen und fragen: ‚Wie machst du das? Wie läuft das bei euch?‘“

„Gerade für die jungen Kollegen ist das Benchmarking unglaublich hilfreich. Sie können viel an Erfahrung mitnehmen und müssen das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Andersherum besteht mit zunehmendem Alter die Gefahr, stehen zu bleiben. Der Blick geht nicht mehr über den Tellerrand hinaus. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, dass sich die Gruppe weiterentwickelt und junge Kolleginnen und Kollegen integriert werden.“

 

 

 

Luzius / Kunde / Weigert
Digitalisierung und Benchmarking in Steuerkanzleien
Fachbuch
2019. Buch. 144 Seiten
Softcover ca. € 39,95
Schäffer-Poeschel Verlag ISBN 978-3-7910-4672-3

 

 

 

 

Petra Kunde (l.), Dipl.-Finanzwirtin (FH) und Steuerberaterin, und Sandra Weigert (r.), MBA, sind auf die Beratung von Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien spezialisiert. Mit Benchmarking führen sie ein seit 1998 bewährtes Workshop-System fort, das Josef Weigert speziell für diese Branche entwickelt und aufgebaut hat.

In homogenen Gruppen mit bis zu 15 Kanzleien gleicher Größenordnung tauschen sich Kanzleiinhaber regelmäßig über aktuelle Themen des Alltags, strategische Fragen und vor allem Best Practices aus. Praxisnähe, Erfahrungsaustausch und nachhaltige Ergebnisse erzielen – das ist, was die Teilnehmer seit langem überzeugt.