Legal Tech-Übersicht 2020: Der Legal Tech-Markt auf einen Blick

Neue Anbieterübersicht informiert Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte über aktuelle Legal Tech-Angebote

Legal Tech schreitet kontinuierlich voran und zählt längst nicht mehr zur Kategorie „Nice-to-have“, sondern zur Kategorie „Must-have“. Doch woher wissen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, welche Tools und Software Lösungen es überhaupt gibt? Die Übersicht bietet Kanzleien einen Überblick über die zahlreichen Angebote, die aktuell verfügbar sind. Weiterlesen

Bußgelder nach der DSGVO

Hohes Bußgeld für British Airways

Während deutsche Behörden DSGVO-Verstöße noch relativ zurückhaltend ahnden, hat das britische ICO (Information Commissioner’s Office) im Juli 2019 das bisher höchste Bußgeld angekündigt. Nach dem Willen der Behörde soll die Fluggesellschaft British Airways als Folge von Datenschutzverstößen, die im September 2018 auftraten, ein Bußgeld in Höhe von rund 1,5% des weltweit erzielten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs zahlen – einen Betrag von 183,39 Millionen Pfund Sterling. British Airways kann nun beim ICO eine Stellungnahme zu den Vorwürfen und der angekündigten Sanktion einreichen.

Bei dem Vorfall haben Hacker Daten von rund 500.000 Kunden aufgrund einer Sicherheitslücke im Onlinebuchungssystem abgefangen. Neben Log-in-Daten wurden so vor allem Kreditkartendaten und Daten anderer Bezahlmethoden, Buchungsdetails, Namen und Adressen abgegriffen. British Airways hatte seit Bekanntwerden des Lecks mit dem ICO kooperiert und seine Sicherheitsstandards verschärft.

Bisher nur geringe Bußgelder in Deutschland

Der Fall steht im deutlichen Kontrast zur bisherigen Sanktionierung von DSGVO-Verstößen in Deutschland. Zwar gibt es keine offizielle Statistik, welche Verstöße und Bußgeldhöhen auflistet. Nach Medienberichten aus dem Mai 2019 wurden in Deutschland bisher an die 100 Bußgelder mit einem Gesamtvolumen von annähernd einer halben Millionen Euro verhängt. Im Vergleich zu dem angedrohten Bußgeld für British Airways liegen die Bußgelder in Deutschland also bislang deutlich niedriger – so lag der Durchschnittswert der in Nordrhein-Westfalen verhängten Bußgelder bei nur 433 Euro, während in Baden-Württemberg das höchste Bußgeld einen Wert von 80.000 Euro hatte und andere Länder teils noch keine Bußen verhängt haben.

Den ganzen Artikel finden Sie im Online-Magazin Deutscher Anwaltsspiegel 03/2020. 

Lesen Sie hier einen weiteren Beitrag zu den Umständen von Bußgeldern durch die DS-GVO.

Neue Literatur zur DS-GVO:

Verbraucher

Vom Anwalt zum Coach

Als CLP – Consulting for Legal Professionals 2018 dem Legal Revolution Team um Dr. Brandhoff das völlig neue Konzept einer Coaching-Lounge als Kontrapunkt zum klassischen Kongress- und Messeformat anbot, traf dies sofort auf Begeisterung. Trotz der konservativen Zielgruppe mußte der klassische Ansatz „Experten erklären Ihnen die Welt“ aufgegeben werden, um etwas zu bewegen. Statt „Frontalbeschallung“ und „Power-Point-Schlachten“ wurden moderne Formate erarbeitet, die gemeinsame Interaktion, unmittelbares individuelles Erleben und nichts weniger als Innovation, Kreativität und Vernetzung ermöglichen.

Was macht Coaching so erfolgreich?

Coaching ist heute überall präsent und der Markt wird mit Angeboten überschwemmt, die für „Coaching“ werben: Der Business-Coach konkurriert mit der KI des Online-Coaches, der Hausaufgaben-Coach mit dem Chef-Coach, der Cat-Coach mit dem Garten-Coach, der Style-Coach mit dem Vocal-Coach… Die Liste geht weiter. Coaching ist ein Schlagwort

Aber wer darf sich eigentlich coachen oder sich selbst als Coach bezeichnen?

Tatsächlich sind der Beruf und das Konzept des Coachings (noch) nicht geschützt: Der Gesetzgeber wird nur dann aktiv, wenn ein berechtigtes Interesse oder eine „Gefahr für Leib und Leben“ besteht. Das macht Sinn: Der Beruf des Rechtsanwalts oder Arztes ist irgendwann ein staatlich anerkannter und reglementierter Beruf geworden, im Gegensatz zum allgemeinen Beratungsberuf. Die Ausbildung und der Abschluss der staatlich anerkannten universitären Ausbildung, die staatliche Zertifizierung und Zulassung sowie der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung sollen den Verbraucher vor dem Schaden schützen.

Coaching vs. Beratung

Coaching hat sich vor über 50 Jahren als besondere Methode aus der damals noch recht jungen Psychologie entwickelt: mit speziellen Kommunikationswerkzeugen wie W-Fragen, Spiegelung und Feedback sowie Zielfindung. Der Coach soll den Coachee, den Klienten unterstützen und ihm bei seiner persönlichen Entwicklung helfen. Dabei ist es wichtig, das Coaching von anderen Formaten und Methoden, wie z.B. Training, Mentoring oder Beratung, unterschieden wird.

Warum ist Coaching in der Rechtsbranche heute so erfolgreich?

Das Geschäftsmodell der Rechtsberatung befindet sich in einem Dilemma: Kaum jemand kommt heute für den reinen Wissenstransfer und die Beratung in die Kanzlei. Dank der Globalisierung und dem Internet können Informationen zu jedem Thema und jeder Rechtsfrage jederzeit und überall kostenlos und verständlich aufbereitet und abgerufen werden. Die reine Beratung, die früher die Kernkompetenz der Anwälte war, tritt in den Hintergrund, stattdessen spielen Kompetenzen in den Bereichen Krisenmanagement, Konfliktlösung, Empathie, Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, strategisches und systemisches Verständnis eine immer wichtigere Rolle. Mit der Digitalisierung der Rechtsbranche gehen aber nicht nur Innovationen im Bereich der Rechtstechnik einher, die plötzlich ganze Geschäftsfelder der Anwaltschaft auflösen, sondern
auch die Notwendigkeit, Strukturen und Prozesse in den Kanzleien zu überarbeiten und neu zu definieren. Die Arbeitsweise der Anwälte hat sich grundlegend verändert. Vorbei sind die Zeiten der mit Papierkram gefüllten Schreibtische, der Chinesischen Mauer am Eingangsschalter, der beeindruckenden Kanzleibibliotheken und der repräsentativen Sitzungsräume – wohl nicht überall, aber doch. Heute ist der Anwalt zumindest per E-Mail direkt und jederzeit für jeden erreichbar und erreicht endlich die Augenhöhe des Klienten.

Der Anwalt von morgen ist mehr als Rechtsberater

Der Anwalt von morgen sollte in der Lage sein, die Krise des Klienten nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus menschlicher Sicht zu erfassen, ihr Stadium zu bestimmen und die geeigneten Methoden auszuwählen, um den Klienten aus der Krise zu führen. Dies sind nicht in erster Linie juristische Schritte, sondern eine Kommunikation, die das Sicherheitsbedürfnis des Klienten anspricht. Der Klient fühlt sich verstanden, und der Anwalt kann die Informationen des Klienten besser einordnen und verstehen, aber auch Strategie und Taktik sowie das Mandats-Management darauf abstimmen. Dies führt zu einer vertrauensvollen und nachhaltigen Klientenbeziehung, aber auch zur richtigen rechtlichen Lösung für den Klienten. Das Geschäft wird neu belebt. Die Coaching Lounge hat gezeigt, dass diese Unterstützung dankbar angenommen wird.


Dr. Geertje Tutschka mit Kollegen auf der Legal Revolution 2019

kanzlei

Leadership für Juristen: Führen Sie schon oder werden Sie noch geführt?

Leadership und Führung gehören zu den Dingen, die zu unserem Alltag als Jurist irgendwie dazugehören, ohne dass wir danach gefragt hätten. Mitarbeiterführung ebenso wie Mandatsführung, die Führung einer Abteilung oder einer Kanzlei. Wollen wir als Wirtschaftssektor ernst genommen werden, tun wir gut daran, in Zeiten, in denen sich Führung gerade neu erfindet, am Ball zu bleiben. Wollen wir als Jurist erfolgreich sein, sollten wir unserer Führungsverantwortung gerecht werden. Weiterlesen

Von der Großkanzlei bis hin zum Einzelanwalt – So geht Deutschlands Anwaltschaft heute mit Legal Tech um

Die Ergebnisse der großen Legal Tech-Umfrage im Überblick

Wie steht es um die Digitalisierung in Deutschlands Anwaltskanzleien?
Werden neue Lösungen und Arbeitsweisen genutzt?
Wo sehen Anwältinnen und Anwälte Herausforderungen und Chancen?

Diese und weitere Fragen haben rund 300 Juristinnen und Juristen in einer umfassenden Legal Tech-Umfrage, die vom FFI-Verlag in Kooperation mit dem Verlag Dr. Otto Schmidt, Sack Fachmedien und dem Anwalt-Suchservice durchgeführt wurde, beantwortet. Die Ergebnisse zeigen, dass es – unabhängig von Alter und Kanzleigröße – einen zentralen Treiber hinter der Digitalisierung gibt: Zwei Drittel möchten effizienter und kostengünstiger arbeiten. In den meisten Fällen, um dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können.

Was ist Ihre Hauptmotivation bei der Nutzung von Legal Tech? (Mehrfachnennungen möglich)

Potenzial erkannt: Zwei von drei Anwälten sehen Legal Tech als Chance

65 % der Befragten blicken positiv auf die Digitalisierung. Nur 8 % fühlen sich durch Legal Tech und mögliche Konkurrenzprodukte bedroht. Ein Großteil gibt an, dass in ihren Kanzleien bereits Investitionen im Bereich Legal Tech erfolgt seien: Neben der E-Akte und dem digitalen Diktat nutzen immer mehr Kanzleien auch komplexere Legal Tech-Lösungen. Besonders beliebt: Software zur intelligenten Dokumentenerstellung und Dokumentenanalyse. 41 % nutzen bereits mindestens eine dieser Softwarelösungen. Nur 18 % aller Befragten möchten noch abwarten, bevor sie in Legal Tech investieren.

Ist der Beschluss gefasst, die eigene Kanzlei mithilfe von Legal Tech zu modernisieren, stellt dies die Anwaltschaft vor neue Herausforderungen: Mangelnde IT-Kompetenz, den Überblick über aktuelle Entwicklungen behalten und fehlende Erfahrung bei Umstellungsprozessen – diese Probleme wurden unter den Umfrageteilnehmer/-innen am häufigsten genannt.

Durchgeführt wurde die Umfrage im Zeitraum Oktober bis Dezember 2019. Die ausführliche Umfrageauswertung wurde auf legal-tech.de und in dieser Broschüre veröffentlicht:

Berlin Legal Tech 2020: Hackathon & Konferenz geht in die vierte Runde

Vom 26. bis 28. Februar 2020 findet zum vierten Mal die Berlin Legal Tech statt. Unter der Leitung des Legal Tech Pioniers Prof. Dr. Stephan Breidenbach und dem „Blockchain Lawyer“ RA Florian Glatz, kommen im Rahmen dieser einzigartigen Veranstaltung Vordenker und Wegbereiter der deutschen und europäischen Legal Tech Szene zusammen.

Ein zweitägiger Legal Tech Hackathon (26.-27. Februar) bringt Juristen mit Software Entwicklern, User Experience Designern und digitalen Unternehmern zusammen. In einem offenen, kollaborativen Format werden über 36h hinweg Ideen entwickelt und sodann als Prototypen umgesetzt.

Ein eigener Tag nur für Workshops am 27. Februar vermittelt praktisches Wissen und alltagsrelevante Fähigkeit durch führende Experten in der Legal Tech Branche, zu Themen wie Entscheidungsautomatisierung, Blockchain und Smart Contracts und anderen wichtigen Themen für die digitalen Anwälte und Rechtsabteilungen von heute und solche die es werden wollen. 

Eine ganztägige Konferenz am 28. Februar gibt Raum zum Zuhören und Diskutieren. Fesselnde Vorträge von Vordenkern der Branche, anregende Gespräche mit Gleichgesinnten und wertvolles Networking machen die Berlin Legal Tech 2020 zu einem „Must Go“.

Abbildung von Breidenbach / Glatz | Rechtshandbuch Legal Tech | 2. Auflage | 2020

Breidenbach / Glatz
Rechtshandbuch Legal Tech
2. Auflage 2020. Buch. Rund 300 S. mit Abbildungen. Hardcover (In Leinen)
C.H.BECK. ISBN 978-3-406-73830-2

ca. 99,00€


Zurück zum Wesentlichen

Warum uns ständige Ablenkungen durch E-Mails, das Telefon, digitale Benachrichtigungen oder auch Kollegen, die nur mal eine kurze Frage haben, ineffizient machen und überlasten.

Gefangen in der Informationsflut

Den meiste Zeit ihres Tageswerks verbringen Führungskräfte mit Kommunikation, dem mündlichen oder schriftlichen Austausch von Informationen. Können Sie für sich beziffern, wie viel Zeit Sie dafür benötigen? Wir schätzen den Anteil auf rund 80 Prozent der Arbeitszeit. Und seien wir ehrlich, ein großer Anteil davon ist ineffizient, unnötig, redundant und schlicht überflüssig. Es werden so viele E-Mails und Papiere produziert, Meetings abgehalten und Gespräche geführt, dass uns der Kopf schwirrt. Hinzu kommen weitere Nachrichten, die uns permanent über Computer, Mobiltelefon oder Radio und manchmal auch Fernsehen erreichen, wenn wir den Empfang nicht abschalten. Im Dauerfeuer von Informationshäppchen, Telefonaten, digitaler Post und endlosen Meetings verlernen wir, uns auf das wirklich Wesentliche zu fokussieren. Wir sind nur immer sehr beschäftigt. Wir überfrachten unsere Tage derart mit teils leeren Informationen, dass die Geschäftigkeit selbst zur eigentlichen Beschäftigung wird. Weiterlesen

Digitalisierung erfolgreich umsetzen

Im Interview spricht Ilona Cosack über ihr neues Buch „Digitalisierung erfolgreich umsetzen“. 

Guten Tag Frau Cosack! Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Was bedeutet der digitale Wandel für eine Anwaltskanzlei?

Frau Cosack: Der digitale Wandel ist noch bedeutsamer wie die Einführung des Telefax oder der EDV, denn er betrifft nicht nur die Arbeitsabläufe in der Kanzlei, sondern bedeutet darüber hinaus auch eine Veränderung der Arbeit an sich. Einige Rechtsgebiete werden durch die Digitalisierung vereinfacht, andere Rechtsgebiete entstehen durch die Digitalisierung völlig neu. Durch die Einführung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs müssen Anwaltskanzleien sich quasi zwangsweise mit der Digitalisierung befassen, denn es ist nicht zielführend und auch nicht zulässig, elektronische Dokumente auszudrucken und in einer Papierakte abzuheften. Elektronische Dokumente sind digital aufzubewahren. Man kann analog und digital nicht 1 : 1 umsetzen, sondern muss sich Gedanken machen, wie digitale Abläufe sinnvoll gestaltet werden. Im Verhältnis zu den Mandanten bietet sich die Chance, neue Servicebereiche zu erschließen, denn auch die meisten Mandanten werden mit der Digitalisierung konfrontiert und sind dankbar für Unterstützung, die ihre Arbeit erleichtert.

Ist Digitalisierung gleichbedeutend mit „Legal Tech“?

Nein, zunächst ist es notwendig, den Begriff Legal Tech zu definieren. Von der Website legal-tech.de wurde ich um meine Definition des Begriffs gebeten und habe es so formuliert:

„Legal Tech ist ein Sammelbegriff, unter dessen Dach sich viele Anbieter tummeln. M.E. sollte immer kritisch der Nutzen hinterfragt werden. Nicht das Tool, sondern das Ergebnis zählt. Und der Mensch (Mandant) steht im Mittelpunkt. Neue Technologien als Chance sehen, die Qualität zu verbessern und für Anwalt und Mandant das Leben leichter zu gestalten.“

Digitalisierung ist also mehr als Legal Tech, denn die digitale Transformation umfasst alle Lebensbereiche. Meine Gesprächspartner, die ich für das Buch interviewt habe, haben bei der Frage, ob und ggf. welche Legal Tech Tools sie in ihrer Kanzlei einsetzen, diese Frage durchaus kritisch beantwortet, weil Legal Tech teilweise als Wundermittel angepriesen wird, ohne dass hinterfragt wird, ob sich Aufwand und Ergebnis rechnen. Es gibt schon seit vielen Jahren Möglichkeiten, z.B. Texte und Abläufe zu standardisieren, jetzt bekommt jedes Tool den Anstrich „Legal Tech“ und jeder Dienstleister im Anwaltsbereich bietet mittlerweile in diesem Bereich Lösungen an.

Welche Vorteile hat die fortschreitende Digitalisierung für Kanzleien?

Wenn man unabhängig von Zeit und Ort flexibel arbeiten kann, ist das ein großer Gewinn. Und größere Kanzleien nutzen die Digitalisierung, um neue Geschäftsbereiche zu erschließen und ihren Mandanten Services zu bieten, die ohne Digitalisierung nicht möglich wäre.

Gibt es Best Practice Beispiele?

Ja, ich habe für das Buch viele Interviews mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten geführt und diese gefragt, wie sie sich auf den Weg der Digitalisierung begeben haben und wie weit sie mit der Umsetzung sind. Einige sind schon recht weit gekommen, andere haben noch ein gehöriges Stück vor sich liegen. Und es hat sich gezeigt, dass es nicht „den einen Weg“, sondern viele Wege gibt, die Digitalisierung in der Anwaltskanzlei erfolgreich umzusetzen.

Die Präsidentin des DAV, Rechtsanwältin und Notarin Edith Kindermann, hat es so formuliert: „Es gibt nicht den perfekten Weg, sondern den zur jeweiligen Kanzlei passenden Weg. Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, die anwaltliche Tätigkeit auszuüben. Wichtig ist, sich zu informieren, an den Erfahrungen anderer teilzuhaben und dann den für die eigene berufliche Tätigkeit optimalen Weg anzugehen und umzusetzen.“

Rechtsanwalt Professor Niko Härting, der konsequent die Digitalisierung in seiner Kanzlei innerhalb eines Jahres umgesetzt hat, empfiehlt: „Der Weg zur digitalen Kanzlei erfordert Mut zur Investition in Technik. Und noch mehr Mut zur radikalen Umstellung aller Arbeitsabläufe. Letzteres ist Chefsache und sollte nicht delegiert werden.“

Und Rechtsanwalt Professor Stephan Ory betont die Notwendigkeit, die digitalen Herausforderungen anzunehmen, um im Anwaltsberuf wettbewerbsfähig zu bleiben: „Allerdings halte ich die Digitalisierung einer Kanzlei für die Basis der Überlebensstrategie.“

Haben Sie konkrete Tipps zur Umsetzung?

Ja, Sie finden im Buch Handlungsempfehlungen und eine Checkliste, um die Digitalisierung der Kanzlei Schritt für Schritt umzusetzen. Sinnvoll ist es, einen realistischen Zeitplan aufzustellen und diesen umzusetzen.

Betrachten Sie die Digitalisierung wie einen wichtigen Mandanten, der Ihnen ein interessantes und lukratives Mandat überträgt. Sie können das Mandat nicht ablehnen:

  • Die Digitalisierung geht nicht mehr weg!
  • Sie müssen sich selbst damit befassen: Digitalisierung ist Chefsache!
  • Beziehen Sie Kollegen und Mitarbeiter ein: Sie sitzen „alle im selben Boot“.

Ist Ihr Buch ein Ratgeber für Kanzleien aller Größen?

Ja, wie der Titel schon verrät, soll es ein „Leitfaden für jede Anwaltskanzlei“ sein. Daher habe ich Kanzleien aller Größenordnungen, von der Einzelanwältin, dem Einzelanwalt und kleine Sozietäten, mittelständische Kanzleien und Boutiquen sowie internationale, größere und Großkanzleien befragt und darüber hinaus auch noch Kanzleien im europäischen Ausland interviewt, um den Blick „über den Tellerrand“ hinaus zu wagen. So können die Leser von einer Vielfalt an unterschiedlichen Erfahrungen profitieren.

Inwiefern nutzt Ihr Ratgeber denn auch kleinen und mittleren Kanzleien, die sich keine ausgefeilten Techniken leisten können, sei es aus Zeit- oder aus Geldmangel?

Gerade kleine und mittlere Kanzleien sollten strategisch an die Digitalisierung herangehen. Wenn das Rechtsgebiet, das der Kanzlei viel Umsatz bringt, durch Alternative Service Anbieter (Legal Tech Portale, z.B. geblitzt.de) „bedroht“ wird, muss man Lösungen suchen, um die eigene Dienstleistung zu optimieren. Zunächst einmal ist wichtig, dass nicht die Technik, sondern die Einstellung, das sogenannte Mindset, der Menschen entscheidend ist. In puncto Service kann mit einer optimalen Betreuung der Mandanten  viel verbessert werden, ohne dass immense Investitionen erforderlich sind. Es nützt gar nichts, schnell Technik einzukaufen ohne die „Hausaufgaben“ zu machen. Das kostet Zeit und diese Zeit muss man sich nehmen. Wenn man mit der richtigen Strategie an die Digitalisierung herangeht, ist es nicht zwingend erforderlich, in ausgefeilte Technik zu investieren, denn man kann auch mit „Bordmitteln“ effizient arbeiten und standardisieren. Marco Klock, der CEO von atornix, hat im Interview berichtet, dass die ersten 5.000 Mandate mit einem Excel-Sheet bearbeitet wurden. Die meisten Kanzleien werden weniger Mandate bearbeiten, so dass man auch mit den in der Kanzlei bereits vorhandenen Mitteln eine Verbesserung erzielen kann.

Welchen Fehler sollten Kanzleien im Bereich Digitalisierung unbedingt vermeiden?

Meine Interviewpartner waren sich einig, dass man „früher, schneller und konsequenter“ hätte digitalisieren sollen, wenn man noch einmal die Chance hätte, diesen Weg neu zu beschreiten. Es bringt jedoch nichts, „von heute auf morgen“ ein Konzept aus dem Boden zu stampfen. Einscannen allein genügt nicht und in der digitalen Welt gelten andere Vorgaben als in den analogen, vertrauten, Bereichen. Wichtig ist, alle Personen in der Kanzlei mitzunehmen und gemeinsam die Chancen der Digitalisierung umzusetzen. Je mehr man digitalisiert, desto mehr ist man auf die Technik angewiesen. Daher ist ein verlässliches Datensicherungskonzept unverzichtbar. Erst dann kann man sich die Vorteile der Digitalisierung zunutze machen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Ich bedanke mich für Ihre Fragen und wünsche den Kanzleien gutes Gelingen bei der Umsetzung.

Gerne können wir den Dialog bei Twitter, LinkedIn und XING und auch auf der Website https://digitalisierung-anwaltskanzlei.de/ fortsetzen. Dort wird es zukünftig auch weitere Interviews mit Best Practice Beispielen geben. Wer selbst über seine Erfahrungen berichten will, darf sich jederzeit bei mir melden.

Cosack
Digitalisierung erfolgreich umsetzen
Leitfaden
2019, 251 Seiten
Softcover € 39,00
Deutscher Anwaltverlag ISBN 978-3-8240-1598-6

You Can’t Get What You Want …

Über den „Erfolgsfaktor Kanzleiidentität“ und das gleichnamige Springer essential, Wiesbaden 2020

Kennen Sie Joe Jackson? Als er 1984 auf seinem brillanten Album Body and Soul den gleichnamigen Song veröffentlicht hat, war ich gerade mal so in den ersten Semestern. Komplett heißt der Titel „You Can’t Get What You Want (Till You Know What You Want)“ und weder Sound noch Botschaft haben seitdem irgendetwas von ihrer Aktualität verloren.

Die digitale Transformation führt zur Erosion der bewährten Verhältnisse

Für uns Juristen ist das ein zweischneidiges Vergnügen, ist doch der Markt für juristische Dienstleistungen umkämpft wie nie. Die digitale Transformation hat ihrerseits für eine Erosion bewährter Verhältnisse gesorgt. Denn einerseits unterstützt sie selbstverständlich die Kanzleiarbeit. Andererseits sorgen technische Hilfen aber auch für ein steigendes Anspruchsdenken. Schließlich hält der digitale Umbruch zunehmend grundlegende Alternativen bereit, während gleichzeitig unser berufsständischer Schutz gegenüber artverwandten Betreuungsangeboten sinkt – Stichwort: § 5 RDG. Nicht zuletzt aus Banken, Versicherungen oder Unternehmensberatungen treten Experten auf den Plan, die ebenfalls sachkundig beraten können und dürfen.

Betonen Sie Ihre besonderen Fertigkeiten!

Wenn Sie in dieser Lage Ihre (unterschiedlichen!) Interessengruppen davon überzeugen möchten, dass sie ausgerechnet bei Ihnen optimal aufgehoben sind, müssen Sie ihnen jeweils etwas Besonderes bieten. Auf gut Deutsch: Zeigen Sie Ihnen, was sie ausgerechnet bei Ihnen zu suchen haben, wo gerade Sie hinzielen, und was Sie von allen Ihren Wettbewerbern unterscheidet. Wie das im Einzelnen geht, habe ich nach vielen Jahren Praxistätigkeit jetzt in einem 50-seitigen Leitfaden zusammengefasst, Stück für Stück mit zahlreichen Übersichten und Tipps, Does und Don‘ts versehen. So empfiehlt es sich nach meiner Erfahrung beispielsweise, von vorneherein einige Betrachtungsebenen auseinanderzuhalten. Dazu zählen (in absteigender Reihenfolge) der Sinn des Kanzleigeschehens („Wozu das Ganze? Wie idealistisch sind wir, wie zukunftsorientiert wollen wir sein?“), sodann Werte und Filter („Steht Kollegialität über allem?“ „Ermutigen wir Perfektionisten?“). Eine weitere Stufe sind die Glaubenssätze und Selbstzuschreibungen („Wir müssen uns so positionieren, dass …“), gefolgt von den Fähigkeiten und Strategien die Sie auszeichnen. Verhalten und Umgangsformen sowie äußere Rahmenbedingungen stehen ganz am Ende dieser Betrachtung und wirken sich auch nicht nach oben aus.

Ziel: Gelebte Kanzleiidentiät

Eine entsprechend entwickelte und gelebte Kanzleiidentität ist die einzige echte Alternative zu allfälligem Stückwerk. Als ganzheitliche Lösung fördert sie Ihren Geschäftserfolg langfristig – sowohl nach innen als auch nach außen. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, sich ordentlich strukturiert Gedanken über die eigene Kanzleiidentität zu machen.

Schunder-Hartung
Erfolgsfaktor Kanzleiidentität
2020
Softcover € 14,99
Springer ISBN 978-3-658-28322-3

Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder Hartung, aHa Strategische Geschäftsentwicklung, Frankfurt