Traumjob Rechtsanwalt: So läuft die Bewerbung erfolgreich

Der Arbeitsmarkt für Rechtsanwälte ist eng: Waren 1950 gerade einmal 12.844 Anwälte zugelassen, ist die Zahl bis 2016 auf annähernd 164.000 gestiegen. Tendenz weiter steigend. Somit stellt sich insbesondere für junge Kolleginnen und Kollegen die Frage, wie sie den richtigen Job in der passenden Kanzlei bekommen können. Praxistaugliche Antworten darauf gibt das Buch „Die erfolgreiche Bewerbung als Rechtsanwalt“, so das Versprechen der Autorin Jana Mähl-Hupka. Im Interview gibt sie Tipps, wie sich der Traumjob auch ohne Traumnoten ergattern lässt.

Frau Mähl-Hupka, wann ist aus Ihrer Sicht der beste Zeitpunkt, sich zu bewerben? Bereits im Referendariat oder ist es sinnvoller zu warten, bis man seine Examensnote kennt?

Erfahrungsgemäß sind Bewerbungen im Referendariat immer sehr sinnvoll; gute Stationsreferendare haben oft schon am Ende des Referendariats eine Stellenzusage. Denn welcher Arbeitgeber lässt einen guten, erprobten und kanzleierfahrenen Referendar ziehen, um dann aufwendig ein kostenintensives Bewerbungsverfahren durchführen zu lassen und anschließend ggf. feststellen zu müssen, dass der Bewerber doch nicht in die Kanzlei passt?

Welches Vorgehen empfehlen Sie bei der Stellensuche? Lohnt es sich auch eigene Stellenanzeigen zu schalten? Wenn ja, welche Informationen sollten diese unbedingt enthalten?

Ich lege allen Suchenden dringend ans Herz passende Stellenangebote regelmäßig zu lesen, was dank Online-Stellenbörsen, wie z.B. dem beck-stellenmarkt oder dem Anwaltsblatt-Stellenmarkt, mittlerweile ja einfacher denn je ist.

Das Schalten von eigenen Stellenanzeigen ist dagegen oftmals kostenintensiv, jedoch nicht unbedingt erfolgsversprechender als andere Bewerbungsmaßnahmen und deshalb auch rückläufig. Kostengünstig und damit einen Versuch wert, sind aber gut gemachte Aushänge am „Schwarzen Brett“ im Gericht.

Das „sich finden lassen“ funktioniert heutzutage verstärkt eher über digitale und analoge Netzwerke. So ist das Sichten von Profilen potentieller Mitarbeiter schon lange nicht mehr nur professionellen Headhuntern vorbehalten, sondern wird immer mehr auch zur Aufgabe kanzleiinterner Personalabteilungen oder direkt „Chefsache“. Deshalb ist es meiner Ansicht nach wichtiger das XING- und ggf. LinkedIn-Profil zu pflegen und aussagekräftig zu gestalten. Dabei sollte darauf geachtet werden, Interessenschwerpunkte überzeugend zu vermitteln.

Raten Sie zu Initiativbewerbungen? Kann eine erste Kontaktaufnahme auch per E-Mail oder durch einen einfachen Telefonanruf erfolgen?

Absolut. Eine Initiativbewerbung hat gute Erfolgschancen, denn sie wird in jedem Fall individuell betrachtet und geprüft. Mitunter ist man der erste und einzige Bewerber auf eine freie oder frei werdende Stelle. Aber auch hier gilt: Massenhafte Blindbewerbungen funktionieren nicht. Vor der Kontaktaufnahme müssen grundlegende Informationen über den anvisierten Arbeitgeber eingeholt und eine überzeugende Antwort auf die sichere Frage: „Warum bewerben Sie sich gerade hier?“ formuliert werden.

Die Form der Kontaktaufnahme ist vom Adressaten abhängig. Während kleinere Kanzleien Telefonanrufen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen und ältere Kollegen Bewerbungen lieber in Papierform erhalten, erfolgt die Kontaktaufnahme bei Großkanzleien meistens nur über Online-Formulare auf deren Websites. Wichtig ist auch hier, den richtigen Ansprechpartner herauszufinden. Denn eine Bewerbung, die an alle und keinen gerichtet ist, landet auch schnell einmal im Papierkorb oder Reißwolf. Hilfreich kann eine freundliche telefonische Anfrage in der anvisierten Kanzlei sein. Zum einen können Sie herausfinden, ob es sich überhaupt lohnt, eine Bewerbung zu schreiben. Zum anderen eignet sich ein derartiges Telefongespräch perfekt als Bezug für die anschließende Bewerbung.

Wie wichtig ist Networking Ihrer Erfahrung nach? Wie schätzen Sie Personalmessen ein?

Networking ist das A und O. Die meisten Stellen werden oft gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern direkt über persönliche Kontakte vergeben. Beispielsweise gibt es immer mehr sogenannte „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“-Programme, bei denen Angestellte gegen eine Prämie neue Kollegen anwerben können.

Die Teilnahme an Personal- oder Karrieremessen kann ich aus eigener Erfahrung heraus nur wärmstens empfehlen. So habe ich mich bspw. erfolgreich bei meinem jetzigen Arbeitgeber MAZARS (damals noch Röver Brönner) auf der DAV-Stellenbörse des Deutschen Anwaltvereins beworben. Und auch andere Kollegen unserer Kanzlei wurden auf solchen Karrieremessen entdeckt.

Der Wert dieser Messen hängt dabei maßgeblich vom Bewerber selbst ab. Wichtig ist auch hier die gründliche und individuelle Vorbereitung – und zwar nicht nur in Bezug auf die Arbeitgeber (was selbstverständlich sein sollte) sondern auch auf die Messe selbst!

Ein Beispiel: Bei den meisten Messen gibt es die Möglichkeit sich vorab um Einzelgespräche mit Kanzleivertretern zu bewerben. Wenn man sich einen Tag vor der Messe zum ersten Mal auf die Veranstaltungswebsite verirrt, sind selbstverständlich alle diese begehrten Termine bereits vergeben. Es ist also Pflicht schon Wochen vor dem Messetermin erste Informationen zu sammeln. Darüber hinaus werden auf Karrieremessen oftmals kostenlos Bewerbungsunterlagenchecks oder sogar Bewerbungscoachings angeboten.

Wenn der erste Kontakt hergestellt ist, wie sollten die Bewerbungsunterlagen gestaltet sein? Und was ist unter dem „Muss-ich-kennenlernen-Faktor“ zu verstehen?

Wichtig ist, dass die Bewerbungsunterlagen individuell in Bezug auf den anvisierten Arbeitgeber mit einer „Spur“ von persönlichen und privaten Informationen erstellt sind. Massenbewerbungen mit einem Einheitsschreiben haben schlicht und einfach keinen Erfolg. Es gilt also gute Vorarbeit zu leisten und zu recherchieren was für den potenziellen Arbeitgeber von Interesse sein könnte. Neben der fachlichen Expertise kann dies beispielsweise auch ein bestimmtes Hobby sein, wie z.B. das Schachspiel, wenn der Sozius selbstbegeisterter Schachspieler ist, oder die Teilnahme an Triathlons, wenn die Kanzlei sich an Unternehmenswettkämpfen beteiligt. Interesse wecken kann natürlich auch ein professionelles Foto mit einem sympathischen, motiviert und offen wirkenden Bewerber.

Rechtsanwälte sind ja als eher dröge Gesprächspartner verschrien. Wie bricht man bei Vorstellungsgesprächen das Eis und überzeugt von den eigenen Qualifikationen?

(Lacht) Ich selbst empfinde die meisten meiner Kollegen nicht als dröge Gesprächspartner. Ganz im Gegenteil. Es ist erstaunlich, wie unerwartet offen und unterhaltsam oft Erlebnisse und Erfahrungen mitgeteilt werden.

Bewerber sollten selbstbewusst auftreten und versuchen, möglichst entspannt und natürlich zu bleiben. Neben den fachlichen Erfahrungen und Vorzügen empfiehlt es sich – dosiert – auch Persönliches preiszugeben. Das lockert die Atmosphäre auf und bringt einander etwas näher. Schließlich ist auch im späteren täglichen Miteinander nicht nur das Fachwissen wichtig, sondern auch der sympathische und kollegiale Umgang.

Sollte man bei dem ersten Vorstellungsgespräch bereits das Thema Gehalt ansprechen?

Wenn Bewerbern das Gehalt wichtig ist (und davon gehe ich aus) sollten sie das Gehalt ansprechen – aber erst zum Schluss, falls der Arbeitgeber es nicht bereits selbst getan hat. Es gibt Arbeitgeber die sich in diesem Punkt nur öffnen, wenn sie vom Bewerber angesprochen werden. Das kann dann zu einer großen Enttäuschung führen, wenn nach einem guten Gespräch und der Aussicht auf die Stelle das lang ersehnte Vertragsangebot kommt und das dort aufgezeigte Gehalt nicht im Mindesten den eigenen Vorstellungen entspricht.

Wie können sich Bewerber informieren, welches Gehalt angemessen ist?

Es gibt verschiedene Wege sich zu informieren, welches Gehalt üblicherweise gezahlt wird, so z.B. über den Bekanntenkreis, die örtliche Kammer oder auch die Rechtsprechung. Ob das so eruierte Gehalt für die in Aussicht gestellte Stelle dann aber auch für einen selbst als angemessen erscheint, muss natürlich jeder selbst entscheiden.

Mal ganz ehrlich: Mit welcher Punktzahl im Examen sind die Aussichten wirklich düster?

Da passt mal wieder die typische Juristenantwort: Es kommt drauf an. Bei Topkanzleien sind befriedigende Examina grds. nicht ausreichend und in einigen größeren Kanzleien gilt, dass in beiden Examen zusammen mindestens 16 Punkte erreicht werden müssen. Andererseits gibt es sicherlich auch etliche Kanzleien, in denen sich selbst ein „Vier-Punkte-Kandidat“ mit einem souveränen und sympathischen Auftreten – und ggf. einer guten Begründung für die unterdurchschnittliche Examensnote – erfolgreich bewerben kann.

Letztlich haben Noten immer nur eine begrenzte Aussagekraft. Gute Noten weisen natürlich auf ein gewisses juristisches Verständnis und die Fähigkeit mit Gesetzen umzugehen hin. Ob der Junganwalt aber nicht nur abstrakte Probleme wissenschaftlich aufarbeiten, sondern auch praxisbezogen und wirtschaftlich lösen kann, die Fähigkeit besitzt auf Leute zuzugehen und für diese zu kämpfen, belegen diese Noten nicht. Dabei sind gerade das Engagement, der Praxisbezug und der Umgang mit Mandanten und Kollegen in der anwaltlichen Tätigkeit außerordentlich wichtig.

Noch ein Tipp zum Schluss: Welche drei Fehler sollte man in der Probezeit unbedingt vermeiden?

Nun – mir fallen vier Fehler ein, die es m.E. zu vermeiden gilt:

  1. Zu „nassforsch“ sein – insbesondere wenn man noch Anfänger ist und erfahrungsgemäß noch viel zu lernen hat.
  2. Unhöflich und unkollegial sein – dies gilt auch in Bezug auf Verwaltungskräfte.
  3. Vor sich „hinwursteln“ – besser ist es nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wurde, anstatt etwas Unbrauchbares zu fertigen.
  4. Kein Engagement zu zeigen und nur „Dienst nach Vorschrift“ zu machen.

Frau Mähl-Hupka, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Jana Mähl-Hupka ist Rechtsanwältin in der Mazars Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (vormals: Roever Broenner Susat Mazars), (kooptiertes) Vorstandsmitglied des Berliner Anwaltsvereins sowie Lehrbeauftragte an der Universität Potsdam.

Trimborn von Landenberg / Mähl-Hupka
Die erfolgreiche Bewerbung als Rechtsanwalt
2017, 192 S., Deutscher Anwaltverlag, ISBN 978-3-8240-1493-4,
Preis 39,00 € inkl. MwSt.

Legal Tech ersetzt nur, wofür man ohnehin keinen Anwalt braucht(e)

Im Buch „Legal Tech“ beschäftigt sich Markus Hartung unter anderem mit Thesen zur Zukunft der Anwaltschaft. Eine seiner fünf Thesen lautet: „Legal Technology ersetzt nur, wofür man ohnehin keinen Anwalt braucht(e)“. 

Diese These ist nicht so leicht verdaulich und weckt Widerspruch. Ist sie nicht schon dadurch widerlegt, dass es heute schon Software gibt, die das erledigt, wofür man früher (oder auch heute noch) Anwälte einsetzt?

Dass man aber spontan hadert, liegt in einer verqueren, geradezu raumgreifenden Definition der anwaltlichen Arbeit. Anwaltliche Arbeit ist das, was Anwälte tun, und Anwälte unterscheiden sich von Nicht-Anwälten durch Examina und Zulassung zur Anwaltschaft.

Aber diese rein regulatorische und statusbezogene Betrachtung hilft uns nicht weiter. Denn nicht alles, was Anwälte tun, ist auch genuine anwaltliche Arbeit.

Das gilt auch dann, wenn Anwälten ein umfangreiches Mandat erteilt wird, das aus vielen Einzelprojekten- und Maßnahmen besteht. Die Neubewertung dessen, was anwaltliche Dienstleistung ist, geht auf die Theorie der Commoditization (Richard Susskind) zurück.

Das danach zu erfolgende „Unbundling“ oder „Decomposing“ von Mandaten eröffnet den Blick darauf, dass nicht alle einzelnen Tätigkeiten eines Gerichtsprozesses oder einer Unternehmenstransaktion oder der kautelarjuristischen Tätigkeit von (teuren) Anwälten erledigt werden müssen.

Warum sind Law Firms überhaupt erfolgreich geworden?

Wenn Mandanten über die Höhe anwaltlicher Kosten klagen, dann bezieht sich das in den seltensten Fällen auf die Kosten für die Arbeit, für die wirklich Anwälte erforderlich sind, vielmehr geht es um die Erledigung standardisierter Tätigkeiten durch teure Anwälte auf Zeithonorarbasis.

Provozierend könnte man sagen, dass viele Law Firms überhaupt nur durch nichtanwaltliche Arbeit, ausgeführt und abgerechnet durch Anwälte, wirtschaftlich so erfolgreich geworden sind.

Hinzu kommt die Überlegung, dass die Softwarelösungen, welche die Arbeit junger Anwälte ersetzen und/oder ergänzen, hauptsächlich im Bereich der Sachverhaltsermittlung, besonders bei der Durchsicht großer Dokumentenmengen nach bestimmten Informationen, eingesetzt werden.

Die Lösung von Rechtsfragen ist damit noch nicht verbunden. Solange es also um Lösungen wie Leverton oder Kira geht4, käme man noch nicht einmal in den Bereich des RDG. Anders ist es bei Software wie Smartlaw: diese Software generiert individualisierte Dokumente für individuelle juristische Probleme, viel „passender“, als das durch ein Formularhandbuch möglich wäre.

Aus einem regulatorischen Blickwinkel könnte man das doch als anwaltliche Arbeit betrachten. Aber ist das die richtige Sicht? Muss man Anwalt sein, um immer wiederkehrende Vertragsmuster mit Variablen zu erstellen?

Die Fragwürdigkeit dieser Betrachtung folgt schon daraus, dass in vielen europäischen Ländern das Beratungsmonopol längst nicht so umfangreich ist wie in Deutschland. Außergerichtlich gibt es nur selten ein so umfassendes Monopol wie in Deutschland.

Legal Tech: Neubetrachtung der anwaltlichen Arbeit

In England, Frankreich, den skandinavischen Ländern oder der Schweiz etwa würde man die Diskussion, die wir führen, gar nicht verstehen.

Wir halten es daher nur für eine Frage der Zeit, dass sich das hierzulande ändert. Unserer Meinung nach darf man den Begriff der anwaltlichen Arbeit nicht nur regulatorisch und statusbezogen betrachten, sondern muss fragen, welche Tätigkeiten notwendigerweise durch einen Anwalt durchgeführt werden müssen, und dabei auch den Nutzen für Mandanten mit einbeziehen.

Erst dann erschließt sich auch wieder der Wert der anwaltlichen Tätigkeit, in Abgrenzung zu standardisierbaren, schematischen und automatisierbaren Tätigkeiten.

Dass Anwälten durch Technik etwas „weggenommen“ wird, ist eine irreführende Bezeichnung, denn es gehörte ihnen nicht.

Die weiteren Thesen und viele Hintergründe zur Zukunft der Anwaltschaft können Sie im Buch „Legal Tech“ lesen.

Verträge rechtssicher gestalten: Leseprobe zur FormularBibliothek

Verträge zu gestalten oder bestehende anzupassen, erfordert ein hohes Maß an Voraussicht, sollen doch oftmals unterschiedliche Interessen Berücksichtigung finden.

Die FormularBibliothek | Vertragsgestaltung bietet – erstmals in einem Band – topaktuelle Muster in Kombination mit ausführlichen und besonders hochwertigen Erläuterungen für die Praxis der Vertragsgestaltung. Erfahrene Autorinnen und Autoren aus Anwaltschaft, Notariat und Justiz haben die Themen zusammengestellt, die in den wichtigsten anwaltlichen Tätigkeitsgebieten im Arbeitsalltag die entscheidende Rolle spielen. Die Bibliothek besticht durch folgende Vorteile:

  • mehr als 1.100 detaillierte Vertragsmuster aus den Kerngebieten anwaltlicher Tätigkeit – von Arbeitsrecht bis Wohnungseigentumsrecht
  • praxisnahe Einführungen helfen, juristische Probleme zu lokalisieren und sinnvolle vertragliche Formulierung zu finden
  • Checklisten verhindern das Übersehen wichtiger zu regelnder Fragen
  • Ein klarer Aufbau bietet optimalen Zugang zu den Mustern ohne langes Suchen
  • Internetanbindung mit vollständiger elektronischer Version einschließlich aller Muster und zitierter Rechtsprechung hilft bei der Vertiefung von Einzelfragen
  • Auf dem neuesten Stand – Reform des Bauvertragsrechts bereits berücksichtigt!

Überzeugen Sie sich selbst vom praktischen Nutzen anhand einer Leseprobe.

Sie haben Interesse? Hier können Sie die FormularBibliothek kostenfrei bestellen!

Dombek / Kroiß (Hrsg.)
FormularBibliothek Vertragsgestaltung
2018, 3407 S., Nomos, ISBN 978-3-8487-4061-1,
Preis 198,00 € inkl. MwSt.

Kanzleimarketing.de: Vierte Ausgabe des eMagazins erschienen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vierte und für 2017 letzte Ausgabe des eMagazins kanzleimarketing.de ist erscheinen! Neben relevanten Bereichen wie Online- und Empfehlungsmarketing steht dieses Mal im Mittelpunkt ein ungewöhnliches und zugleich wichtiges Thema: den Kanzleinamen. Dr. Dominik Herzog erklärt, wie er zur Benennung seiner Sozietät kam. Darüber hinaus liefert Dr. Peter Reinke als Experte für Ureber- und Medienrecht handfeste Ratschläge zum Umgang mit Bildern und Texten im Internet, um Abmahnungen zu vermeiden.

Weitere Themen sind:

  • Pia Löffler: Was soll Ihre Kanzleiwebsite können?
  • Angela Hamatschek: Prädikat Empfehlenswert – DIE entscheidende Frage
  • Peter Reinke: Urheber- und Medienrecht: Die Kanzleiwebsite – Texte und Bilder korrekt nutzen
  • Jens Schleifenbaum: Was ist Adwords und wie funktioniert das?
  • Dominik Herzog: Kanzleinamen: Warum eigentlich keine Fantasienamen?

Wir wünschen eine interessante Lektüre!

Es grüßt Sie im Namen des gesamten Kanzleiforum-Teams

RA Katharina Nitsch

Kollegen aufgepasst: Rechtliches Know-how ist kein Alleinstellungsmerkmal!

Können sich die Älteren von Ihnen an eine Zeit erinnern, in der die Welt der Juristen stärker im Umbruch war als heute? Herr LegalTech treibt sein Unwesen, sagt man, und verändert alles. Das erzählen uns zumindest diverse (kommende) Bücher, Messen, Konferenzen, Vorträge und Zeitschriften. Aber ist der Umbruch wirklich so stark? Kommt die Veränderung wirklich durch LegalTechs?

Ehrlich gesagt: Nein. Die Veränderung ist die Digitalisierung und die hat bereits vor vielen Jahren bei Ihren Kunden angefangen. Ihr Kunde – pardon „der Mandant“ – ist im Internet. Er bucht seine Maledivenreise im Internet und kauft einen individuell-ausgestatteten Tesla direkt online ein. Er bewertet Ärzte und macht online Termine bei Schönheitschirurgen (mit oder ohne Übernachtung?; Vorher noch eine Beratung?).

Die These der Anwaltschaft: Für das intime Verhältnis zwischen Rechtsanwalt und Kunde – pardon „Mandant“, welches in Wahrheit ein Verhältnis voller Unverständnis und Misstrauen ist, kann über das Internet maximal ein Blogeintrag distribuiert werden. Eine richtige Rechtsberatung kann und wird über das Internet nicht stattfinden.

Diese These ist schlichtweg falsch. Rechtliches Know-how ist heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr und der Mandant von heute wünscht sich Service, Komfort und Qualität – in einem und sofort.

Umdenken und sich die Digitalisierung zu Nutze machen – Pionier werden

Vorangetrieben wird die Marktveränderung von Rechtsanwälten und Unternehmern mit einem LegalTech-Mindset, welches viel mehr die Fähigkeit des Umdenkens bestehender Konventionen und nicht die des Entwickelns von Software meint.

Die Strategie des Umdenkens ist mit der Gründung einer neuen Kanzlei zu vergleichen:

  1. Was ist das Produkt? (Produkt)
  2. Wie ist das Geschäftsmodell? (Strategie)
  3. Wie begeistern Sie Kunden für Ihr Produkt? (Marketing/Vertrieb)
  4. Wie hoch ist aus Sicht des Kunden die Hürde mein Produkt zu nutzen? (Prozesse)
  5. Können Sie dieses Produkt skalieren? (Prozesse, Marke)
  6. Welches Know-how benötigen Sie? (Recht)

Im Grunde fangen Sie damit an, die eigene Dienstleistung als Produkt zu sehen. Denken Sie vom Kunden her und fragen Sie sich, ob dieses Produkt profitabel abzubilden und skalierbar einzukaufen (bzw. zu akquirieren) ist. Letzteres wissen viele Rechtsanwälte über ihre eigenen Mandate nicht.

Das rechtliche Know-how als letzte Position bei einer Strategie des Umdenkens für eine Kanzlei hat einen guten Grund: Der Markt für Recht für Verbraucher interessiert sich in erster Linie für Service und Komfort. Je einfacher das Produkt zu greifen ist (z. B. vom Handy direkt nutzbar), desto eher wird ein Service erfolgreich – Beispiele flightright.de, hartz4widerspruch.de, abfindungsheld.de, geblitzt.de.

Der Einwand, all diese Rechtsdienstleister würden keine richtige Rechtsberatung erbringen, ist viel zu kurz gedacht. Alle haben zu Beginn einer software-basierten und datengetriebenen Rechtsberatung auf Produkte gesetzt, die von Kanzleien nicht profitabel abgebildet werden können. Für Mandate, die sowieso für Kanzleien profitabel sind, bleibt noch genügend Zeit.

(Stichwort Komplexität: Der größte Irrtum der Anwaltschaft ist die Tatsache, dass diese Rechtsdienstleister irgendwann an der Komplexität der Rechtsmaterie scheitern. Dieser Gedanke ist gefährlich: Jeder dieser LegalTech-Rechtsdienstleister ist in der Lage bei hochkomplexen Rechtsfällen in einen manuellen Modus zu schalten. Jeder einzelne ist so groß, dass rechtliche Expertise einfach über Legal-Outsourcing-Anbieter wie z. B. edicted.de eingekauft wird.)

Zweiter Schritt: Digital werden und den Komfort für die Kunden erhöhen!

Jede kleine und mittlere Kanzlei kann sich heute für wenig Geld eine Website aufsetzen, welche allein durch bestehende Software-as-a-Service-Anbieter so mächtig wird, dass ganze Vertriebsprozesse automatisiert werden können. Administrative Arbeit kann heute mit simpler Kenntnis über diese am Markt vorhandenen bestehenden Tools (keine Kanzleisoftware!) auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden.

Beispiel: Die ersten 4.000 Mandate der Kanzlei rightmart wurde aus einer Google-Tabelle heraus gesteuert. Diese war über bestehende (größtenteils kostenlose) Software-Lösungen so automatisiert, dass 1.000 Dokumente und Prozesse automatisch auf Basis dieser Tabelle ausgeführt wurden. Diese Google-Tabelle war der Grundstein unseres zentralen Wissensmanagements.

Sich mit obigen Fragen zu befassen und gleichzeitig einen Überblick über bestehende Software-Lösungen und Marketingmöglichkeiten zu verschaffen, ist der Kern des Erfolgs – zumindest zukünftig. Dieses Thema aufzubrechen ist nicht einfach und erfordert viel Mut und Ehrgeiz.

Ein kleines How-to finden Sie im Kapitel über die Gründung von rightmart in Legal Tech – die Digitalisierung des Rechtsmarkts

Marco Klock ist CEO der rightmart Software GmbH in Bremen

 

Hartung / Bues / Halbleib
Legal Tech
2018, XXI, 308 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-71349-1,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

 

 

 

Veranstaltung zu Legal Tech in Berlin: Die Zukunft der Rechtsberatung

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Legal Tech – ein Begriff, der viele Fragen aufwirft, aber auch viele Möglichkeiten bietet. Diesem Thema kann man nicht entkommen. Informieren Sie sich jetzt, damit Sie nicht nur mitreden können, sondern die nötigen Weichen für die Zukunft in Ihrem Business stellen.

Die Euroforum Legal Tech Konferenz 2017 versorgt Sie mit dem nötigen Fachwissen, damit Sie in Zeiten der Digitalisierung zwischen Legal Tech, Blockchain, Smart Contracts und Business 4.0 den Überblick behalten.

Kommen Sie am 28. und 29. November nach Berlin, erhalten Sie wertvolle Praxisinformationen und nutzen Sie den direkten Austausch mit Experten und Kollegen.

Treffen Sie unter anderem: 
– Emilio Matthaei und Micha-Manuel Bues, Leverton
– Steffen Bunnenberg und Konstantin Bertram, LAWLIFT
– Florian Glatz, blockchain.lawyer
– Markus Hartung, Bucerius Law School
–  Kai Jacob, SAP

 

 

 

Nachdenken über den Staat – Interview mit Andreas Voßkuhle

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Herr Voßkuhle, welche Bedrohungen sehen Sie für unseren Staat?“  fragte Beckextra Das Magazin.

Hier finden Sie das gesamte, sehr interessante Interview.

Wir wünschen anregende Lektüre!

Mit den besten Grüßen aus München

 

 

beA-Start – Chancen für Kanzleimitarbeiter: Gastbeitrag von Viviane Schrader

Am 1. Januar 2018 geht es endlich los: Alle Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Deutschland müssen spätestens zu diesem Zeitpunkt ihr besonderes elektronisches Anwaltspostfach („beA“) so eingerichtet haben, dass sie empfangsbereit sind (passive Nutzungspflicht). Das bedeutet, dass sie zumindest regelmäßig in das Postfach sehen müssen, um eingegangene Schriftstücke in Empfang zu nehmen. Bestenfalls wird das beA ab Januar auch zum Versenden der Gerichtspost genutzt.

beA = Schreckgespenst für viele Kanzleien
Viele Kanzleien fühlen sich von beA abgeschreckt und versuchen, die Nutzung zu vermeiden (was nicht möglich sein wird). Das beA ist jedoch kein Schreckgespenst, sondern bietet eine hervorragende Gelegenheit, die Mandatsbearbeitung modern und effizient zu gestalten und einhergehend bestehende Arbeitsabläufe in der Kanzlei zu verschlanken. Die Kommunikation mit den Mandanten wird in den meisten Kanzleien schon seit geraumer Zeit fast vollständig durch E-Mail getätigt. Warum also nicht auch die Korrespondenz mit den Gerichten in die Zukunft heben und beA schnellstmöglich einrichten?! beA muss als Chance gesehen und genutzt werden!

Vorteile von beA
Ein Vorteil liegt sofort auf der Hand: Die durch Textverarbeitungsprogramme erstellten Schreiben und Schriftsätze müssen künftig nicht mehr ausgedruckt und unterschrieben werden. Sie können direkt in eine Nachricht im beA hochgeladen und vor Versand signiert werden. Man spart den Ausdruck und die Mehrfertigung von beglaubigten und einfachen Abschriften. Dasselbe gilt für Anlagen. Diese müssen lediglich eingescannt und dann zur Nachricht hochgeladen werden. Auch hier spart man die Vervielfältigung für den Gegner.

Ebenso verfährt man mit eingehender Gerichtspost. Diese kann elektronisch archiviert und dann mittels einem normalen Mailprogramm an den Mandanten weitergeleitet werden. Es entfällt hier der Zwischenschritt, Papierpost einzuscannen, um sie an den Mandanten per E-Mail zu versenden.

Durch das Erstellen und Hochladen von Nachrichten in das beA wird auch das Umhertragen von Unterschriftenmappen unnötig.

Sind die Schriftsätze erst signiert und an das Gericht verschickt, erhält man sofort eine Eingangsbestätigung des Servers. Diese dient dem Nachweis, dass ein Schriftsatz fristgerecht eingereicht wurde. Kein banges Warten mehr am Faxgerät und auch spätabendliche Botenwege zum Nachtbriefkasten erübrigen sich hierdurch.

Der Versand der Gerichtspost über beA wird außerdem auch die Portokosten der Kanzlei senken.

beA ermöglicht (fast) papierloses Arbeiten
Die Nutzung des elektronischen Rechtsverkehrs wird in den Kanzleialltag immer mehr Einzug halten, sodass ein (fast) papierloses Arbeiten möglich sein wird. Der Vorteil, wenn die Kanzlei mittelfristig auf die vollständige elektronische Aktenführung umstellt, ist, dass hierdurch mit einem Mausklick ein schneller Überblick über alle Schriftstücke in der Akte zu erhalten ist und z. B. Sachstandsanfragen von Mandanten per Telefon augenblicklich beantwortet werden können. Zudem entfallen die physischen Akten in den Schränken und Archiven und werden die Kanzleiräume nicht mehr unnötig belasten.

beA als Chance nutzen
beA wird eine große Arbeitserleichterung für alle Kanzleimitarbeiter und auch die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bedeuten! Allerdings nur, wenn die Zeit bis zum 1. Januar 2018 genutzt wird, um sich über die neuen Abläufe, die notwendig sein werden für eine fehlerfreie und zufriedenstellende Nutzung, Gedanken zu machen und Testläufe in der Kanzlei zu starten. Jetzt ist noch Zeit dafür – nutzen Sie sie!

Von Viviane Schrader, Rechtsfachwirtin, zert. Personalmanagerin (DAM), Gesellschafterin der Tietje & Schrader oHG, Kanzlei-Consulting, Achim, www.tietje-schrader.de

eBroschüre Spezial: Suchmaschinenoptimierung für Rechtsanwälte

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

will man neue Mandanten über das Internet gewinnen, ist die Suchmaschinenoptimierung (SEO) der Kanzleiwebsite wichtig. Mithilfe von SEO wird die Seite von Google weit oben gelistet und so leichter von Mandanten gefunden. Mit Anwaltssuchdiensten haben Kanzleien zusätzlich die Möglichkeit, auf sich und die eigene Arbeit aufmerksam zu machen und die „Sichtbarkeit“ der eigenen Kanzleiwebsite zu verbessern.

Die eBroschüre Suchmaschinenoptimierung für Rechtsanwälte gibt Anwaltskanzleien einen neutralen Einblick in die Kniffe der Suchmaschinenoptimierung. Sie erfahren, was SEO ist, wem es nützt, was es zu beachten gilt und wie Sie neue Mandanten gewinnen.

Aus dem Inhalt:

  • Suchmaschinenoptimierung: Was man wissen sollte
  • Wie gestalte ich den Inhalt meiner Website?
  • Welche Strategie hilft mir bei der Suchmaschinenoptimierung?
  • Welche technischen Aspekte muss ich beachten?
  • Was bringen mir Anwaltssuchdienste?
  • Content-Marketing mit Anwaltssuchdiensten
  • Übersicht geeigneter Suchdienste

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen mit besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Ein Plädoyer für das Jahresgespräch: Gastbeitrag von Constanze Eich

Jahresgespräche haben auch in der Kanzleienwelt längst Einzug gehalten. Was allerdings als wertvolles Management Tool gepriesen und von HR-Abteilungen meist aufwändig installiert wurde, verkommt in den meisten Fällen zum Selbstzweck. Mühsam werden Fragebögen ausgefüllt und abgearbeitet. Es wird Feedback in alle Richtungen gegeben. Der Mitarbeiter soll schließlich wahr- und ernstgenommen werden. Gerade die feedbackhungrige Generation Y fordert von ihren Vorgesetzten immer mehr Rückmeldung ein und wird damit zu einem regelrechten ‚enfant terrible’ in der Arbeitswelt. Denn Feedback kostet Zeit. Und Zeit ist rar. Schließlich steht der Mandant ja im Mittelpunkt des Interesses. Wer um sich selbst kreist, arbeitet nicht profitabel.

Jahresgespräche – Mindestmaß an formalisierter Kommunikatin
Um aber ein bisschen ‚Mitarbeiter-Management’ walten zu lassen und den Erwartungen der Berufseinsteiger gerecht zu werden, sind Jahresgespräche das Mindestmaß an formalisierter Kommunikation. Zudem soll das Jahresgespräch auch Dreh- und Angelpunkt für Gehaltsverhandlungen und Karriereentwicklung darstellen. Und so schlägt – zumindest in größeren Kanzleien – alle Jahre wieder bei Partnern und Führungskräften die Erinnerungsnachricht aus der HR-Abteilung auf, dass eben dieses Jahresgespräch wieder ansteht. Meist wird dann auf den letzten Drücker ein Termin vereinbart und die lästige Pflicht erfüllt. Dabei sind die von HR-Experten entwickelten Leitfäden für Jahresgespräche oft sehr gut durchdacht und ermöglichen, dass man die allgemeinen Leistungen des Mitarbeiters sinnvoll bewerten und neue Ziele vereinbaren kann. Für viele stellen diese auch das Herzstück für Karriereentwicklung, Gehaltserhöhungen und die Vergabe neuer Verantwortungsbereiche dar. Und auch der Mitarbeiter kann das Jahresgespräch dazu nutzen, eigene Ideen und persönliche Ziele zu formulieren.

Jahresgespräche – wertvolle Instrumente für die Kanzleientwicklung
Doch das Jahresgespräch kann noch viel mehr: Wer unternehmerisch denken und handeln möchte, hat mit dem Jahresgespräch ein wertvolles Instrument in der Hand, die Kanzlei voranzubringen und eigene Ziele umzusetzen. Denn die Anwaltspersönlichkeit ist längst nicht mehr nur edler Consigliere, sondern auch Unternehmer in eigener Sache – ob in der Großkanzlei oder in der kleineren Einheit. Und da könnten Jahresgespräche eine echte Schlüsselrolle spielen. Voraussetzung ist, dass der Unternehmeranwalt einen eigenen Plan hat, wohin er mit seiner Kanzlei, seiner Praxisgruppe, seinem Team genau hin möchte. Viel zu selten nimmt man sich im Alltag die Zeit den Kopf aus dem Tagesgeschäft zu strecken. Dabei ist es für beide Seiten wertvoll und gewinnbringend, sich genau diese Zeit zu nehmen. Im formalisierten Jahresgespräch kann man den Mitarbeiter mit der eigenen Strategie vertraut machen, ihn quasi als Multiplikator nutzen, seine Rolle bei der Umsetzung definieren und damit einhergehende Aufgaben und Verantwortlichkeiten ableiten. Auch den Vorschlägen des Mitarbeiters zur Umsetzung dieser Ziele Raum zu geben und sie gemeinsam zu diskutieren, verbindet Vorgesetzten und Mitarbeiter und führt dazu, dass dieser zum selbständigen Denken ermutigt wird und sich dadurch wesentlich stärker mit der eigenen Arbeit identifiziert. Das verpflichtet den Vorgesetzten dazu, sich wirklich über seine strategischen Ziele klarzuwerden und sich auch gründlich auf dieses Gespräch vorzubereiten. Es gilt den Mitarbeiter inhaltlich abzuholen, ihn aber auch für die strategischen Ziele zu begeistern. Die Ziele bezüglich der Kanzleientwicklung oder zur Entwicklung des eigenen Referats müssen zu gemeinsamen Zielen werden.

Kontinuierliche Umsetzung gefragt
Damit die strategischen Bemühungen aus dem Jahresgespräch wirklich greifen, muss kontinuierlich an der Umsetzung gearbeitet werden. Das setzt voraus, dass es unterjährig immer wieder Anknüpfungspunkte an das Jahresgespräch geben muss, um den Plan auf dem Schirm zu behalten. In regelmäßigen Abständen sollten die Vereinbarungen wieder in Erinnerung gerufen werden. Im besten Fall sind sie permanent präsent – sowohl bei der Führungskraft, als auch beim Mitarbeiter, auch wenn das mit einem erhöhten Kommunikations- und Zeitaufwand verbunden ist. Doch dieser Aufwand zahlt sich aus, denn so wird aus dem Anwalt nicht nur ein Unternehmer, sondern auch eine echte Führungspersönlichkeit.

Momente für sinnvolles Feedback im Alltag
Feedback entfaltet im übrigen auch erst dann seine ganze Kraft, wenn es nicht nur auf die wenigen Augenblicke im Jahresgespräch konzentriert und damit zum Valentinstag für Wertschätzung und Anerkennung wird. Momente für sinnvolles Feedback gibt es im Alltag genug. Sei es nach Beendigung eines Mandates, zur unmittelbaren Bewertung eines Arbeitsergebnisses oder auf Wunsch des Mitarbeiters. Je engmaschiger ein Mitarbeiter Rückmeldung zur Entwicklung seiner Fähigkeiten erfährt, desto schneller können Fortschritte erzielt und Kompetenzen erweitert werden. Im Jahresgespräch hingegen sollte das Feedback nicht nur auf die persönliche Entwicklung abstellen. Hier sollte unbedingt auch eine Rückmeldung im Hinblick auf die strategische Entwicklung der Kanzlei oder der Praxisgruppe erfolgen. Der Beitrag des Mitarbeiters zum Unternehmenserfolg, der im Gespräch sichtbar gemacht wird und die ausgesprochene Wertschätzung dafür, können somit zu wertvollen Motivationsquellen werden, die wesentlich nachhaltiger wirken, als so manche Gehaltserhöhung.

Constanze Eich ist Expertin für angewandte Rhetorik und strategische Kommunikation. Sie berät mittelständische sowie internationale Unternehmen, Wirtschaftskanzleien und Institutionen in ihrer internen wie externen Kommunikation. Bei C.H.BECK erschienen ist ihr Buch Networking und Akquise für Anwälte.