Rattenzüchten in Vietnam: Was bringen kanzleieigene Anreizsysteme?

Um etwas gegen die Rattenplage in Hanoi zu tun, lobten dereinst die französischen Kolonialherren eine Fangprämie aus. Das Ergebnis war – ein Aufblühen der einheimischen Rattenzucht. Anreizsysteme, so lehrt dieses Beispiel von Rolf Dobelli, sind eine ambivalente Sache. „Menschen tun, wofür man sie belohnt“, bringt es Rechtsanwalt und Kanzleiforum-Beirat Dr. Andreas Schnee-Gronauer auf den Punkt, aber das beinhaltet eben auch eine unerwünschte Reaktion auf Fehlanreize.

Damit nicht genug: In der Kanzleientwicklung gibt es immer wieder auch solche Sozietäten, die an zentraler Stelle ganz auf Leistungsanreize verzichten. Da bedeutet dann die Bereitschaft, Managing Partner zu werden, im Wesentlichen eines: nämlich eine Mandats- und Umsatzeinbuße. Wer die Handbuchsubmissionen der Sozietät übernimmt, dem schenken die Kollegen vor allem ein weiteres: Mitleid. Beide Beispiele habe ich erst in den letzten Tagen und Wochen erlebt – und die Aufzählung lässt sich für die anwaltliche Betreuung anderer Themen mühelos fortschreiben.

Eine Herausforderung ist das nun vor allem dort, wo die Belohnung von Leistungsbeiträgen nach Umsatz bzw. Ertrag erfolgt. Schnee-Gronauer empfiehlt für diese Fälle ein „multivariates Anreizsystem“, in dem neben fakturiertem Umsatz, Deckungsbeitrag u.a. auch ein Stück des Partnerkuchens – hier: – auf Publikationen entfällt.

Was aber wäre, wenn man stattdessen Solidarität und Cross-Selling von vorneherein stärker belohnte und alle Partner nach Köpfen gleich vergütete? Oder wenigstens ein so genanntes Lockstep-System einführte, bei dem sich die Höhe der Vergütung nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richtete? Welche weiteren Effekte erzielte man dann? Auf Ihre Erfahrungen freut sich gemeinsam mit dem gesamten Kanzleiforum-Team

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Der Brexit: Vom Sturm zum lokalen Tiefdruckgebiet?

Wie ein Sturm ist die Nachricht vom britischen Austrittsvotum am 23. Juni durch die EU gefegt, auch durch die deutschen Anwaltskanzleien. International aufgestellte Sozietäten kämpfen seitdem mit teilweise heftigen Böen – angefangen vom großen Londoner Office mit dem für ganz Europa zuständigen Back Office über die Frage der fortgesetzten Absetzbarkeit örtlicher Schulgebühren bis hin zur Vergütung deutscher Anwälte in Pfund … als einer Währung auf Talfahrt. Wie aber ist die Stimmung ansonsten?

„Es wird extrem viel darüber geredet, und wir haben natürlich eine Arbeitsgruppe, aber die eigentlichen Auswirkungen kommen wohl erst später“, heißt es dazu aus einer US-Kanzlei. „Ins operative Geschäft spielt der Brexit trotz allem noch nicht entscheidend hinein“, ergänzt eine Top 20-Kanzlei – selbst wenn entsprechende langfristige Strategien von Unternehmen schon jetzt abgefragt werden. Viele Wirtschaftsanwälte rechnen damit, dass es in einem Jahr „richtig rund geht“ und die Beratungswelle dann länger anhält – „ein so komplexes Knäuel an unmittelbar und mittelbar geltendem EU-Recht, wie davon betroffen ist“.

Und dann sind da die Partikularsorgen: Wie schnell können für die Steuerrechtler die Doppelbesteuerungsabkommen verhandelt werden? Was wird im grünen Bereich aus den Gemeinschaftspatenten? Werden rückwirkend Marken „weggeschossen“? Welche Zukunft erwartet die Familienrechtler mit Blick auf Rom III? Umgekehrt die Briten: Werden Sie an den Universitäten zu Ausländerkündigungen und Inländerquoten greifen? Entsprechendes deutet sich an und könnte Konsequenzen für die Breite unserer eigenen Juristenausbildung haben. Überhaupt: Sind Sie als Kanzlei eine LLP? Wenn ja, werden Sie sich das mit der Betonung auf „Sturm“ oder „Wasserglas“ ja vielleicht auch gerade überlegen.

Schreiben Sie uns doch einmal, wie Sie die Lage wenige Monate nach dem Votum wahrnehmen.

Darauf freut sich gemeinsam mit dem Kanzleiforum-Team

Ihre

 

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

Terror – Verfilmung nach Ferdinand von Schirach

Heute Abend wird zeitgleich im Ersten, im ORF und im Schweizer Fernsehen die Verfilmung des viel diskutierten Theaterstücks „Terror“ von Ferdinand von Schirach gezeigt. Mit großem Aufwand wurde dies als multimediales und interaktives Ereignis promotet. Im Stück findet eine Verhandlung vor dem Schwurgericht statt. Unter Mordanklage steht der Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr. Eigenmächtig wie auch in voller Kenntnis der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit des § 14 Abs. 3 Luftsicherheitsgesetz hat er entschieden, ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abzuschießen, das Kurs auf die Fußballarena in München genommen hatte. Dort findet an diesem Abend vor 70.000 Zuschauern das ausverkaufte Länderspiel Deutschland gegen England statt. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte. Ist er nun ein Held oder ein Mörder? Staatsanwaltschaft und Verteidigung tragen verschiedene Argumentationslinien vor. Das Besondere ist, dass der Zuschauer im Anschluss an die Schlussplädoyers in einer multimedialen Abstimmung aufgefordert ist, über Schuld oder Unschuld zu urteilen. Damit wird die Idee von Fernsehen als gesellschaftliches Diskursmedium konkret erprobt. Die Abstimmungsergebnisse in den verschiedenen Ländern können direkt miteinander verglichen werden.

Was halten Sie als Juristen von diesem interaktiven Format?

Wir würden gerne mit Ihnen diskutieren – über das Format und ab morgen über das Ergebnis.

Es grüßt Sie herzlich

RA Katharina Nitsch

für das Kanzleiforum Team

Interview mit Professor Dr. Dr. h.c. Peter Ehlers zum Schifffahrtsrecht

Guten Tag Herr Professor Ehlers. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für den Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Sie haben sich bereits in Ihrer Promotion direkt nach Ihrem Studium mit dem Thema Seeschifffahrt auseinander gesetzt. Wie kamen Sie auf die Idee, sich diesem nicht unbedingt klassischen Rechtsgebiet zu widmen?

Ich bin an der Küste aufgewachsen, wollte nach dem Abitur selbst zur See fahren und habe mich immer für Schifffahrt und Meere interessiert. Durch meine Promotion über die Internationale Seeschifffahrts-Organisation kam ich in Kontakt mit dem Bundesverkehrsministerium und begann meine berufliche Laufbahn in der Schifffahrtsverwaltung des Bundes. In meiner vierzigjährigen beruflichen Tätigkeit  vor allem in der Abteilung Seeverkehr des Bundesverkehrsministeriums und als Präsident des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie habe ich mich immer wieder auch mit seerechtlichen Themen befasst. Seit Anfang der 1990er habe ich Lehraufträge an den Universitäten Hamburg und Rostock wahrgenommen. Während sonst an den Universitäten eher das internationale Seerecht behandelt wird, habe ich mich auf das nationale öffentliche Seerecht konzentriert, bei dem es gerade um die Anwendung und Durchsetzung internationaler Regelungen geht, und dabei meine in der Verwaltungspraxis gewonnenen Erfahrungen eingebracht. Weiterlesen

„Wer fragt, erhält Antworten, wer richtig fragt, die richtigen.“ Interview mit Axel Wendler

wendler

Guten Tag Herr Wendler. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Ihr gemeinsam mit Dr. Helmut Hoffmann verfasstes Werk „Technik und Taktik der Befragung“ widmet sich schwerpunktmäßig der Zeugeneinvernahme. Wird dieses Thema in der Ausbildung vernachlässigt?

Ein klares Ja. In der Ausbildung erhält das Thema quasi überhaupt keinen Raum. Anwälte, Richter und Staatsanwälte befassen sich häufig erst in ihrer Berufszeit mit dem Thema und buchen dann ein berufsbegleitendes Seminar – oft nachdem sie in ihrer Praxis einen Fall hatten, der ihnen ihr Defizit aufgezeigt hatte. Weiterlesen

Rezension Praktikerliteratur: Technik und Taktik der Befragung!

Beide Autoren waren Richter am OLG Stuttgart und halten seit vielen Jahren Seminare u.a. zu Fragen der Vernehmung von Auskunftspersonen. Sie haben sich bei diesem Handbuch über die Technik und Taktik der Befragung zum Ziel gesetzt, ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus – addiert – 70 Berufsjahren weiterzugeben. Diese Kenntnisse sollen u.a. zu „besseren, d.h. letztlich gerechteren Urteilen“ führen. Doch nicht nur an Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte richtet sich dieses Fachbuch, sondern laut Vorwort auch an im juristischen Alltag tätige Sachverständige, Mitarbeiter von Unternehmen, die im Bereich Corporate Governance, Anti Fraud und Compliance tätig sind sowie Sachbearbeiter von Versicherungen.

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel und beginnt der Thematik entsprechend mit der Vernehmungslehre und Vernehmungstaktik. Dieses wichtige erste Kapitel umfasst mehr als ein Viertel des Werkes und legt den Grundstein für das weitere Verständnis. Praktikerfreundlich sind die wichtigen Passagen mit farblich abgesetzten, abschließenden Fazits gespickt. Weiterlesen

Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka

– DIE VERLOSUNG IST INZWISCHEN BEENDET –

Eine der größten Justiz-Affären der Nachkriegszeit kommt in die deutschen Kinos. Am 20.10.2016 startet der Film „Im Namen meiner Tochter – der Fall Kalinka“. Verfilmt wurde die Geschichte nun von Regisseur Vincent Garenq mit Daniel Auteuil (André Bamberski) und Sebastian Koch (Dieter Krombach) in den Hauptrollen.

Der Fall Kalnika

 

Pressestimmen: 

„Eine ergreifende Geschichte“ Aufeminin.com

„Es ist die Geschichte eines Traumas, das ein bisher wohlgeordnetes Leben so sehr auf den Kopf stellt, dass man sich fast schon an Michael Kohlhaas’s verzweifelten Kampf und Gerechtigkeit erinnert fühlt […]“ kino-zeit.de

Verlosung:

Damit Sie diesen spannenden Film nicht verpassen und wir Ihnen eine kleine Freude machen möchten, verlosen wir 5 x 2 Freikarten für das Kino Ihrer Wahl (deutschlandweit).

Was Sie dafür tun müssen? Schreiben Sie uns einfach bis zum 03.10.2016 an kanzleiforum@beck-shop.de, wie lange der Kampf von André Bamberski gegen die Justiz dauerte. Für den Versand lassen Sie uns bitte auch Ihren Namen und Ihre vollständige Adresse zukommen.

Die Gewinner werden per Losverfahren ermittelt. Wir drücken die Daumen!

Zu den Teilnahme- und Datenschutzbestimmungen.

 

Der nachfolgende Trailer bietet Ihnen einen ersten Vorgeschmack:

 

In eigener Sache: beck-shop.de KANZLEIFORUM-News

Damit Sie rund um das Thema Kanzleimanagement und -organisation immer auf dem aktuellsten Stand sind, haben wir die beck-shop.de KANZLEIFORUM-News  für Sie ins Leben gerufen.

In unserem kompakten und unabhängigen Online-Magazin erhalten Sie einen Überblick über die neuesten Trends und Entwicklungen der Branche. Lernen Sie neue Ansätze und Methoden kennen, von denen auch Ihre Kanzlei profitieren kann. Erfahren Sie, wie sich die Zukunft Ihrer Kanzlei entwickelt und wie es Ihnen gelingt, sich den anstehenden Herausforderungen zu stellen und diese zu bewältigen. Finden Sie darüber hinaus Informationen und Tipps, wie Sie das Potenzial Ihrer Kanzlei voll ausschöpfen können.

Bestimmte Themen interessieren Sie ganz besonders? Scheuen Sie sich nicht und lassen Sie es uns wissen! Schreiben Sie uns Ihre Ideen, Anregungen und Wünsche an kanzleiforum@beck-shop.de. Gerne versuchen wir diese aufzugreifen und in unser Magazin einfließen zu lassen.

Bleiben Sie up to date! Erhalten Sie die wichtigsten Neuigkeiten aus den verschiedensten Quellen auf einen Blick und nutzen Sie unser regelmäßig erscheinendes Newsletter-Angebot, indem Sie die KANZLEIFORUM-News direkt abonnieren.

Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Herzliche Grüße aus München

Ihre RA Katharina Nitsch

 

Interview mit Rechtsanwalt Dr. Reinhard Marx zum Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht

Guten Tag Herr Rechtsanwalt Dr. Marx. Wir freuen uns, dass Sie uns für ein Interview für den Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Sie haben sich frühzeitig auf das Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht spezialisiert. Wie kamen Sie auf die Idee, sich diesem nicht unbedingt klassischen Rechtsgebiet zu widmen, das zudem noch nicht einmal mit hohen Honoraren lockt?

Das ist in meiner damaligen ehrenamtlichen Tätigkeit bei  amnesty international begründet. 1973 bin ich in diese Organisation eingetreten. Wenige Monate danach habe ich die Flüchtlingsbetreuung übernommen, die damals noch am Anfang stand und die ich dann als Mitglied des Vorstandes von 1976 bis 1978 in der deutschen Sektion aufgebaut habe. 1974 habe ich mit dem Jurastudium angefangen. Ursprünglich wollte ich Strafverteidiger werden, weil ich vor meinem Studium fünf Jahre in Hamburg im Polizeidienst war und deshalb Interesse an dieser anwaltlichen Tätigkeit hatte. Durch den Einstieg in die Flüchtlingsarbeit gleich im ersten Semester haben sich dann aber meine Koordinaten vollständig verschoben. Heute ist die Flüchtlingsarbeit als Anwalt wie aber auch in politischen Zusammenhängen Teil meiner Identität. Weiterlesen

Buchvorstellung: Günter Seefelder, Wie Sie Ihre Kanzlei vernichten

Am auffälligsten optisch „eingebläut“ hat der Verlag die Anekdoten. Für den eiligen Leser, der in farbigen Kästchen üblicherweise Praxistipps aufstöbert, ist das erst einmal irritierend. Gleichzeitig ist es aber auch ein Spannungselement: Der Kapitelüberschrift hat man schon entnommen, was Sache ist. Jetzt geht es „ans Eingemachte“.

Dazu ein Beispiel: Kapitel II.3 gehört „Matthias Gscheit – fachlich gut zu sein reicht nicht“. Im Untertitel folgt die These auf den Fuß: „Mangelnde Fähigkeiten zum Perspektivwechsel beeinträchtigen den Erfolg“. Geschildert wird der Werdegang eines Gegnerschrecks, der sich anlässlich einer steuerlichen Betriebsprüfung schließlich mit dem Falschen anlegt. Im Folgenden weist der Autor u.a. auf unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation und der Mediation und auf Coaching-Prozesse hin. Wie man entsprechende Konflikte unter Kanzleiinhabern löst, dazu gibt es weitere Fälle … und zur Wahrnehmung von Signalen anlässlich einer „Führung im Feldwebelton“ dann schließlich (in grau) praktische Tipps. Weiterlesen