Digitalsierung beA

Der elektronische Rechtsverkehr – vom „Drumherum“ des beA

Wer bisher dachte, dass sich der voranschreitende elektronische Rechtsverkehr lediglich darauf beschränke, das besondere elektronische Anwaltspostfach „beA“ nutzen zu können, wird sich der Tragweite dieser weiteren und neuen Kommunikationsmöglichkeiten nicht bewusst. Denn …

Büroabläufe müssen angepasst …

Die Einbindung des Postfachs in die üblichen Büroabläufe stellt eine erste Herausforderung dar. Es muss gewährleistet sein, dass über das beA eingehende Kanzleipost nicht nur regelmäßig abgerufen, sondern auch sorgfältig auf Fristen und Termine geprüft wird. Gerade in der Anfangszeit während der passiven Nutzungspflicht, wenn neue Abläufe noch nicht Routine sind, sollte ein besonderes Augenmerk auf die richtige Behandlung der Posteingänge gelegt werden. Vorhandene Arbeitsanweisungen müssen daher zwingend um den Bereich der Nutzung des beA ergänzt und an alle Kanzleimitglieder kommuniziert werden.

Entschließt sich die Kanzlei dann weiter das beA auch zum Versenden von Schriftsätzen zu nutzen, müssen auch hier die neuen Abläufe durchdacht, festgelegt und in einer Arbeitsanweisung schriftlich fixiert und bis zum Eintreten einer gewissen Routine engmaschig überprüft werden.

… und sowohl Mitarbeiter als auch Berufsträger müssen sensibilisiert werden

Dass sich die Büroabläufe verändern müssen, erscheint noch plausibel. Dass aber die Kanzlei ggfs. auch im Personalmanagement nachbessern muss, ergibt sich erst auf den zweiten Blick. Nutzen die Mitarbeiter die beA-Mitarbeiterkarten, so sollte es schriftliche Vereinbarungen zwischen Kanzlei und Mitarbeitern geben, die in der jeweiligen Personalakte abgelegt werden. In diesen wird klargestellt, dass die Karten (und PIN) für Dritte weder offen sichtbar noch zugänglich gemacht werden dürfen.

Beispiel: Die beA-Mitarbeiterkarte darf nach Feierabend nicht offen auf dem Schreibtisch liegen und ein Post-it mit der PIN-Nummer am Monitor kleben. Auch das Beschreiben der Karte mit der PIN ist nicht erlaubt! Besser ist es, die Karte in einem abschließbaren Rollcontainer zu verwahren und sich die PIN schnellstmöglich zu merken. Als Hilfe ist es möglich, die PIN zu notieren, in einen Umschlag zu legen und diesen z. B. in der Personalakte des Mitarbeiters zu verwahren.

Die Karten dürfen die Kanzleiräume auch nicht verlassen (z. B. sollte die Karte nicht in der Geldbörse der Mitarbeiterin verwahrt werden). Außerdem muss klar geregelt werden, dass bei Ausscheiden des Mitarbeiters die Karte in der Kanzlei verbleibt.

Entsprechendes gilt für die Karten von Berufsträgern. Es sollte daher vertraglich geregelt sein, dass ggfs. bereits eingeräumte Zugriffsrechte auf das Postfach des Berufsträgers durch Personen einer anderen Kanzlei mit Eintritt in die neue Kanzlei sofort entzogen werden müssen, um zu verhindern, dass diese Personen z. B. noch Einsicht in das Postfach nehmen können. Mitarbeiter, die ebenfalls Zugriffsrechte haben, sollten selbstständig prüfen, ob der Entzug der Rechte erfolgt ist und ggfs. den Berufsträger bzw. die Person in der Kanzlei, die die Postfächer und Rechte verwaltet, auf die notwendige Veränderung hinweisen.

Beispiel: Rechtsanwältin A verlässt die Kanzlei B zum 31.03.2018 und tritt zum 01.04.2018 in die Kanzlei C ein. Sie vergisst jedoch, die Zugriffsrechte ihrer bisherigen Mitarbeiterin D und dem Kollegen E zu entziehen. Dies fällt ihr erst am 05.04.2018 ein. Bis zu diesem Zeitpunkt könnten die bisher berechtigten Personen auch unbeabsichtigt Einsicht in die gesamte im beA befindliche Post nehmen!

Sonderfälle beachten!

Auch das Ausscheiden von Berufsträgern sollte daher vertraglich so gestaltet sein, dass sie selbst wiederum erteilte Zugriffsrechte entziehen und in Anwaltsprozessen unverzüglich bei den Gerichten anzeigen, dass ein Kanzleiwechsel stattgefunden hat und dieser Umstand bei künftigen Zustellungen des Gerichts berücksichtigt werden muss, um Irrläufer zu vermeiden.

Überhaupt sollte es mindestens eine schriftliche Arbeitsanweisung geben, in der geregelt ist, dass Irrläufer und elektronische Empfangsbekenntnisse nach Ausscheiden aus der Kanzlei unverzüglich beim Absender zurückgewiesen oder ggfs. an den korrekten Adressaten weitergeleitet werden. Die Zukunft wird zeigen, ob und welche weiteren Regelungen praxisrelevant sein werden.

Zu guter Letzt

Wird eine Kanzlei sich dazu entschließen, den elektronische Rechtsverkehr so weit wie möglich zu nutzen, indem z. B. auf Papierhandakten verzichtet wird und mit Neustart des beA sowohl der Posteingang als auch der Postausgang elektronisch erfolgt, wird auch über Speicherkapazitäten auf Servern sowie IT-Sicherheit nachzudenken sein.

Hier sollte gemeinsam mit einem IT-Experten eine realistische Analyse des künftigen Datenvolumens vorgenommen und über notwendige Investitionen der Kanzlei in Hard- und Software gesprochen werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Investitionen je nach bisheriger Ausstattung der Kanzlei ggf. umfangreicher ausfallen und somit erhebliche Kosten auslösen können. Gute Planung ist hier also ratsam.

Die Nutzung des elektronischen Rechtsverkehrs ist eine Chance in der Kanzlei, bewährte Arbeitsabläufe unter neuen (auch datenschutzrechtlichen) Gesichtspunkten zu betrachten und anzupassen. Hier muss auf jeden Fall auch ergänzend die im Mai in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) beachtet werden, die vor allem auch die Datenverarbeitung im Fokus hat.

 

 

Viviane Schrader, Rechtsfachwirtin, zert. Personalmanagerin (DAM), Gesellschafterin der Tietje & Schrader oHG, Kanzlei-Consulting, Achim, www.tietje-schrader.de

 

 

 

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Das AG Bremen hat entschieden, dass der Kreuzfahrtreisende mehrsprachige Durchsagen, also ein „babylonisches Sprachgewirr“ an Bord ertragen muss. Auch nichtdeutsche Mitreisende müssen toleriert werden.

Eine würdige  Entscheidung der Woche der NJW-Redaktion.

 

(Beitragsbild von intografics/pixabay)

Neue Ausgabe des eMagazins Kanzleimarketing.de erschienen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das eMagazin kanzleimarketing.de meldet sich mit frischen Themen zurück: Pia Löffler gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Jahresstrategie. Angela Hamatschek geht auf das Thema Weiterempfehlung von bestehenden Mandanten ein. Tine Kocourek verrät, wie die Farbe Rot als Gestaltungselement auf Kanzleiwebsite, Visitenkarte und Co. wirkt.

Auch die weiteren Beiträge versprechen eine interessante Lektüre:

  • Maren Martschenko: Der Rechtsanwalt & Steuerberater als Marke
  • Susanne Kleiner: Klarheit schafft Vertrauen – Medienstatements in der Kanzlei- und Litigation-PR
  • Kai-Dominik Weyel: Übersetzen oder adaptieren?

magazin kanzleimarketing.de

 

Mit besten Grüßen aus München!

RA Katharina Nitsch

 

Mitarbeitergewinnung – Mit diesen 5 Tipps haben Sie die Nase vorn

Fachkräftemangel und demografischer Wandel machen sich auch in Steuerberaterkanzleien bemerkbar: Es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden. Und wer aktuell eine Stelle zu besetzen hat, für den sind Bewerber sprichwörtlich wie die Stecknadel im Heuhafen. Angela Hamatschek zeigt in ihrem Buch „Die Kunst Mitarbeiter zu gewinnen“ auf, wie sich Kanzleien als attraktive Arbeitgeber präsentieren können. Wir haben sie gebeten, ihre 5 Top-Empfehlungen zur Mitarbeitergewinnung für Sie zusammen zu stellen.

Tipp No. 1: Erfolgsfaktor Arbeitsplatz

Das Gehalt ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers, doch in vielen Fällen nicht der einzige. Unter den wichtigsten drei Gründen für die Arbeitgeberauswahl und Zufriedenheit am Arbeitsplatz findet sich bei Mitarbeiterbefragungen „Flexible Arbeitsplatzgestaltung“. Schaffen Sie deshalb die Voraussetzungen dafür. Individuelle Gleitzeitlösungen, spontan einen halben Tag frei nehmen können bis hin zu Home Office. All diese Angebote erhöhen die Lebensqualität aus Sicht des Mitarbeiters und machen die Kanzlei attraktiv.

Tipp No. 2: Suchen Sie dauerhaft

Wenn Sie kurzfristig eine Stelle besetzen müssen und sich auf die Suche machen, haben Sie schlechte Karten. Der Druck ist groß, die Anzahl der Bewerber gering. Und statt der oder den Besten nehmen sie notgedrungen die oder den Erst-Besten.

Signalisieren Sie auf Ihrer Webseite „Wir sind immer interessiert an guten Mitarbeitern und freuen uns über Initiativbewerbungen“. Vermitteln Sie diese Botschaft Ihren bestehenden Mitarbeitern, damit diese ihre Augen und Ohren offen halten.

Bauen Sie sich einen Bewerberpool auf, auf den Sie im Bedarfsfall zugreifen können. Ehemalige Mitarbeiter, frühere Bewerber, die in der engeren Auswahl waren, Kontakte aus Fortbildungen der eigenen Mitarbeiter.

Tipp No. 3: Wenn schon Anzeige dann anders

Wer in der letzten Zeit eine Stellenanzeige geschalten hat, weiß wie wenig Rücklauf zu erwarten ist. Das hat allerdings nicht nur mit dem Mangel an Fachkräften zu tun, sondern oft auch an den austauschbaren Anzeigen.

Egal ob Print oder Online: Fallen Sie auf aus der grauen Masse der Null-Acht-Fünfzehn Anzeigen, z.B.  mit ausgefallenen Stellenbezeichnungen wie „Beleg-Zauberer“ oder „BWA-Flüsterer“. Wenig Text, ein Hingucker-Bild und die Detailinfos mit Hinweis auf Ihre Webseite.

Tipp No. 4: Webseite mit Mitarbeiterteil

Ihre Webseite ist das wichtigste Werbeinstrument für potentielle Mitarbeiter. Bevor sich ein Kandidat entscheidet, wo er sich bewirbt, verschafft er oder sie sich dort einen ersten Eindruck. Eine Rubrik „Teamgeist“, in der alle Informationen zusammengestellt sind, kann hier den Ausschlag geben.

Stellen Sie hier zusammen, was Mitarbeiter konkret erwartet. Am besten mit Fotos von künftigen Kolleginnen und Kollegen an deren Arbeitsplätzen und Aussagen, warum sie gern in der Kanzlei arbeiten. Arbeitszeit, Fortbildung, Besprechungskultur, gemeinsame Aktivitäten – je konkreter Sie werden, desto besser.

Tipp No. 5: Facebook als Turbo

Und das i-Tüpfelchen setzen Sie mit Hilfe der sozialen Medien. Facebook mag als Instrument zur Mandantenakquise nicht unbedingt das Medium der ersten Wahl sein, für das Mitarbeitermarketing ist es ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wichtig ist es, den Kanzleiauftritt dort für Mitarbeiter interessant zu gestalten. Posten Sie, auf welche Fortbildungen die Mitarbeiter gehen, der Blumenstrauß zum Geburtstag, ein Kaffeeplausch in der Gemeinschaftsküche. Je mehr Sie vom sozialen Leben in der Kanzlei zeigen, desto menschlicher und näher kommen Sie rüber. Kanzleien, die hier aktiv sind, bestätigen, dass das sowohl bei der Bewerberauswahl der ausschlaggebende Grund war, als auch dass Initiativbewerbungen dadurch zunehmen.

Zahlreiche Praxisbeispiele und konkrete Schritt-Für-Schritt-Anleitungen dazu finden Sie im folgenden Buch.

 

Mehr zum Thema Mitarbeitergewinnung lesen Sie im Interview mit Frau Hamatschek

 

Reisekosten richtig abrechnen und bis zu 750,- € mehr erhalten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie wissen es aus eigener Erfahrung: Um erstattungsfähige Kosten zu berechnen, ist eine komplizierte und zeitaufwendige Recherche erforderlich.

Die Reisekostentabelle für auswärtige Anwälte des Abrechnungsexperten Norbert Schneider erspart Ihnen und Ihren Mitarbeitern diesen Aufwand. In ihr lässt sich die jeweils weiteste Entfernung des einzelnen Gerichtsbezirks nachschlagen. Neben Zeit und Aufwand sparen Sie so auch richtig Geld und können im Schnitt 750,- Euro mehr im Jahr erstattet bekommen. Für die Neuauflage wurden die Entfernungen überprüft und aktualisiert.

Die Tabelle umfasst folgende Gerichtsarten:

– Amtsgerichte
– Landesgerichte
– Oberlandesgerichte
– Arbeitsgerichte
– Landesarbeitsgerichte
– Sozialgerichte
– Landessozialgerichte
– Verwaltungsgerichte
– Oberverwaltungsgerichte/ Verwaltungsgerichtshöfe
– Finanzgerichte

 

 

Ergänzend zur Tabelle erklärt Norbert Schneider die Rechtslage zur Verfahrenskostenhilfe-/Prozesskostenhilfemandaten sowie der Kostenerstattung. Musterformulierungen und Erläuterungen helfen, Ansprüche geltend zu machen und durchzusetzen.

 

 

Mit besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

Legal Tech Verzeichnis online

Seit Anfang des Jahres 2018 ist das neu gegründete Legal Tech Verzeichnis online.

In diesem Verzeichnis findet man eine große Anzahl von Legal Tech Firmen, die ihre Produkte auf dem deutschen Rechtsmarkt anbieten. Diese sind unterteilt in Legal Tech Firmen für Rechtsanwälte (z.B. Anbieter von Dokumentenanalyse Software, eDiscovery, Dokumentenautomatisierung, Legal Chatbots, Legal Process Outsourcing, Law Practice Management, Human Resources Software) und Legal Tech Firmen für Verbraucher (z.B. Rechtsmarktplätze und Legal Tech Lösungen im Verkehrsrecht, Arbeitsrecht und Mietrecht).

Geboten werden dazu viele Informationen, wie z.B. Angebotsinhalte, Zielgruppen, Preise, Firmenvideos, Presseartikel und Interviews mit den Inhabern der Unternehmen. Außerdem findet man einen Legal Tech Kalender und aktuelle Legal Tech Nachrichten.

Das Legal Tech Verzeichnis dient in erster Linie Rechtsanwälten, die sich über Legal Tech Software und die Angebote auf dem digitalen Rechtsmarkt informieren möchten. Zudem ist das Verzeichnis auch interessant für Jurastudenten sowie Pressevertreter zu Recherchezwecken und für alle diejenigen, die gerne die Entwicklung der Digitalisierung der Rechtsbranche verfolgen möchten.

Ist Ihre Organisation schon agil?

Es gibt Themen, die man erstmal für Schnickschnack hält – und dann (wenige) Bücher, die einem eines Besseren belehren. Ein solcher Schatz ist das bei Vahlen erschienene Buch von Torsten Scheller über Ansätze „Auf dem Weg zur agilen Organisation“.

Gerade auf eine so strukturaffine Branche wie unsere muss jeder fluide Ansatz erst einmal befremdlich wirken, bestenfalls begegnen wir ihm mit großer Ambivalenz. So erinnert sich die Autorin an einen Besuch in einer Werbeagentur, deren schuhlose Kreative und Sitzpuffs einige Anwälte noch lange beschäftigten. So sehr, dass darüber deren riesiges (sehr ordentliches) Memoboard mit vierfarbigen Zetteln, Sachbearbeiter-Avataren, Tags, Redlines und Descriptions glatt in Vergessenheit geriet.

Im Zentrum allen Handels: der Kunde

Bei Scheller aber ahnt man recht schnell, dass hier mehr auf dem Spiel steht als nur ein paar Spielereien: „Organisationen unterscheiden sich nicht so sehr darin, wie sie aufgebaut sind und was sie machen, sondern wie sie es machen.

Zwei Unternehmen in derselben Branche unterscheiden sich darin, wie sie am Markt agieren. Und genau in diesem Unterschied liegt der Grund für den Erfolg des einen im Vergleich zum anderen.“

In diesem Fahrwasser steht dann „agil“ für ein besonders flexibles, kundenorientiertes Mindset jenseits bloßer Praktiken und Methoden.

Ins Zentrum allen Handelns rückt der Kunde, der Kunde, und nochmals der Kunde – und nicht länger die eigene Organisation.  Für alle diejenigen, die nicht schon an dieser Stelle aussteigen (müssen), stellt der Autor mannigfaltige, teils lang erprobte Arbeitsmodelle vor, um dem näherzurücken.

Praxiserprobte Arbeitsmodelle

So erörtert Scheller beispielsweise das Kulturmodell nach Schneider, das sich als Zwei-Achsen-System nach Erfahrung der Autorin gut zur Beantwortung bestimmter Vorfragen eignet: Wie stark sind wir auf einer horizontalen Linie zwischen Individualitäts- und Organisationszentrierung dem einen oder anderen Pol zugeneigt?

Und in welchem Ausmaß finden wir uns vertikal eher realitätsgetrieben oder idealistisch zielorientiert? Wie nahe sind wir hier als Sozietät am Sollpunkt? Zum Standardrüstzeug jeder Strategieentwicklung zählt sodann die Dilts-Pyramide mit den Erörterungen zum kleineren und größeren Kontext, in den Ziele und Herausforderungen eingebettet sind und bearbeitet werden können.

Agiles Arbeiten versus detaillierte Leistungsaufstellung

Da ist es zu verkraften, dass – wie mehrfach betont wird – ihrem Wesen nach alle Modelle falsch sind und einige nützlich. Der Agilitätsgedanke selbst kommt aus Sicht von Juristen und Steuerberatern ja nun tatsächlich noch einmal aus einer ganz anderen Ecke: Er stammt ursprünglich aus dem Maschinenbau. Seine Home Base ist bis heute die strukuraverse IT-Branche.

Und auch dort funktioniert er, wie der Autorin von IT-Beratern weiß, nur eingeschränkt. So müsse mehr als sonst der Kunde mitspielen und sich gegebenenfalls mit Teilerfolgen als (einzig) brauchbaren Produkten zufriedengeben. Zudem erfordere agiles Arbeiten viel Einsatz bei hohem Know-how und gleichzeitig besonderer Überzeugungskraft: Schließlich zahle der Kunde für all seine Funktionalitäten und wolle über deren Entstehung nicht die Kontrolle verlieren. Von der Vorstellung einer sieben Minuten genau detaillierten Leistungsaufstellung ist dieses Szenario schon sehr weit entfernt.

Trotzdem steht auch in unserer Branche außer Frage, dass nicht nur Produkte, sondern auch Arbeitsprozesse entschematisiert werden müssen! Auch in der Mandatsarbeit von Anwälten und Steuerberatern ist Kreativität geboten ist, will man nicht eines Tages durch algorithmengetriebene künstliche Rechtsfindungsprogramme ersetzt werden.

Wer hier (frei nach dem großen Management-Denker Peter Drucker) rechtzeitig die richtigen Dinge richtig tun will, für den ist die Scheller-Lektüre der ideale Beginn.

Eine Rezension von Rechtsanwältin Dr.  Anette Schunder Hartung, Frankfurt am Main

 

Aktuelle Fachbücher zum Thema Legal Tech im Vergleich

Seit Februar 2018 ist nun innerhalb von wenigen Monaten nach „Legal Tech – die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ das zweite deutsche Legal Tech Buch erschienen mit dem Titel „Rechtshandbuch Legal Tech“. Patrick Prior, Legal Tech Berater und Inhaber des Legal Tech Verzeichnisses hat nun beide Bücher verglichen.

Gemeinsamkeiten

Zunächst lässt sich feststellen, dass beide Bücher das Thema Legal Tech sehr breit behandeln. Im Buch „Digitalisierung des Rechtsmarkts“ (kurz: DdR genannt) gibt es auf über 300 Seiten in 8 Kapiteln 31 verschiedene Themen von insgesamt 38 Autoren. Auch das „Rechtshandbuch Legal Tech“ (kurz: RH genannt), welches über 270 Seiten umfasst, bearbeitet 24 unterschiedliche Legal Tech Themen in 10 Kapiteln von 25 Autoren. Dabei gibt es trotz der sehr überschaubaren Anzahl an Legal Tech Experten in Deutschland nur sehr wenige Autoren, die gleich in beiden Büchern vorkommen. Beide Exemplare liefern zunächst einen guten Überblick über das Legal Tech Angebot in Deutschland. Auch der konkrete Einsatz von Legal Tech für Kanzleien, inkl. Digitalisierung & Automatisierung von Abläufen, findet in beiden Büchern statt. Weiterlesen

JUVE Studie: Wie stehen die Kanzleien zu Legal Tech?

Legal Tech ist nicht mehr nur ein Schlagwort, um sich innovativ und modern zu geben. Die Digitalisierung der Arbeit ist in den deutschen Wirtschaftskanzleien angekommen. Und die Stimmungslage ist verhalten optimistisch. Das hat eine JUVE-Umfrage ergeben, an der im Januar 2018 über 200 Wirtschaftskanzleien teilnahmen.

Unter den Teilnehmern der JUVE-Umfrage ist der Anteil der Ahnungslosen mittlerweile verschwindend gering. Nur drei Prozent der Kanzleien haben sich in den vergangenen zwölf Monaten noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Die überwältigende Mehrheit sondiert mindestens den Markt, die meisten investieren auch schon ganz konkret: in Software, Hardware oder Personal.

Den Beratungsprozess verbessern und wettbewerbsfähig bleiben – das sind die Haupttriebfedern für alle Kanzleien, sich mit Legal Tech zu beschäftigen.

Vor allem Großkanzleien sind diesem Selbstoptimierungszwang verfallen: Sämtliche Kanzleien mit mehr als hundert Berufsträgern geben an, mit Legal Tech den Beratungsprozess beschleunigen und verbessern zu wollen.

Unter den kleinen Kanzleien sind die Beweggründe, sich mit Legal Tech zu befassen, etwas anders gelagert: Zwar will auch eine Mehrheit der Kanzleien mit weniger als 20 Berufsträgern den Beratungsprozess verbessern. Aber nur rund ein Drittel hat Ambitionen, auch neue Beratungsangebote zu entwickeln.

 

 

 

 

 

Mehr Infos zur JUVE-Umfrage erhalten Sie auf juve.de.

 

 

 

 

 

STP Legal Innovation Award – die Anmeldefrist läuft!

Bis zum 31. März 2018 läuft die Anmeldefrist des Legal Innovation Award 2018. Ausgeschrieben wird der Preis von der STP Informationstechnologie AG. Er wird in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben. Gesucht werden gelebte Innovationen von Rechtsabteilungen, Kanzleien und Lösungsanbietern der Rechtsbranche.

Das richtige Publikum für ausgezeichnete Lösungen

Die 9. STP Fachtagung im Grandhotel Schloss Bensberg findet am 21. Juni 2018 statt. Im Rahmen dieser Fachtagung wird auch der Legal Innovation Award (LIA) verliehen. Aufgerufen sind Player am Rechtsmarkt, die sich mit bereits funktionierenden Lösungen positionieren. Den Link zur Anmeldung finden Sie unter www.stp-legal-innovation-award.de.

Gesucht werden Lösungen in den Rubriken: Produkt, Prozesse und Spezial. Voraussetzung für eine Teilnahme am Legal Innovation Award ist die Nominierung durch eine Fach-Jury, bestehend aus Vertretern der Universität St. Gallen, des Bucerius Center on the Legal Profession, der Said Business School der Universität Oxford, dem Deutschen AnwaltSpiegel, die ACC Europe – Association of Corporate Counsel, der CMS Legal Services EEIG sowie der Rechtsabteilungen der thyssenkrupp AG sowie der Daimler AG.

Der Legal Innovation Award wendet sich an Interessierte in der DACH-Region. Den Nominierten winkt, neben einer Einladung zur Preisverleihung, natürlich Visibilität durch die Marketingwirkung der Veranstaltung sowie die Möglichkeit, die eigene Entwicklung einem breiten, interessierten Publikum vorzustellen.

… and the winner was 2017

Gewinner des letzten Jahres in der Rubrik „Produktinnovation“ war die Lösung www.wenigermiete.de. Hinter dem Angebot sitzt das Unternehmen Mietright GmbH aus Berlin. Die Initiatoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, Mietern „per Mausklick“ vollautomatisiert zu ihrem Recht zu verhelfen. Mieter können ihre Rechte im Zusammenhang mit der Mietpreisbremse automatisiert geltend machen.

Im Bereich „Prozessinnovation“ gewann die Lawlift GmbH aus Berlin. Die Anwendung wendet sich an Rechtsabteilungen von Unternehmen und Kanzleien und ermöglicht es dem User, automatisiert intelligente Vorlagen zu erstellen. Eine Anwendung, die Zeit spart und Kosten senkt.

Gewinner im letzten Jahr in der Kategorie „Special Awards“ war das Unternehmen LeReTo aus Wien (Österreich). LeReTo steht für „Legal Research Tool“ und ist ein Quellenrecherche-Tool für RechtsanwältInnen, RichterInnen und JuristInnen, das juristische Dokumente mit darin zitierten Quellen zusammenbringt. Das Tool erkennt und verlinkt Gesetze, Rechtsprechung und Literatur in juristischen Schriftstücken – vollautomatisch und bis zu zehn Mal schneller.

Bei Fragen zum LIA wenden Sie sich jederzeit gern an Susann Seyfried unter: susann.seyfried@stp-online.de