Neue Studie: Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland

Lünendonk & Hossenfelder hat in einer aktuellen Studie die Entwicklungen im Rechtsberatungsmarkt analysiert und hierbei sowohl führende Wirtschaftskanzleien als auch WP- Gesellschaften einbezogen.

„In unseren zurückliegenden Studien zur Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung wurde deutlich, dass WP-‐Gesellschaften gerade in der Rechtsberatung ein überdurchschnittlich großes Potenzial für organisches Wachstum sehen “, sagt Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. „Dies war für unser Marktforschungs-‐ unternehmen der Anlass, die Hintergründe sowie die Wachstumsstrategien genauer zu analysieren.“

Auffallend ist, dass die WP-‐Gesellschaften vor allem abseits des Audit-‐Kerngeschäfts zulegen. Hossenfelder hierzu:

„Für die führenden WP-‐Gesellschaften ist das kein Widerspruch, denn sie sehen sich nicht nur als Abschlussprüfer, sondern als Professional-‐Services-‐Anbieter.“

Hier eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Die Wirtschaftsprüfer drängen stärker in die Rechtsberatung.
  • Führende Rechtsberatungs-Einheiten von WP-Gesellschaften wuchsen im Schnitt um 13,6 Prozent .
  • Das relevante Marktvolumen wird auf 6,5 Milliarden Euro taxiert
  • Digitalisierung wird als strategisch entscheidend erachtet, jedoch reichen die Investitionsbudgets nicht aus .

Interessant waren auch die Ergebnisse zu der Frage nach den größten grundsätzlichen Herausforderungen für Kanzleien.

Die detaillierte Lünendonk®-‐Studie 2017 „Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland“ auf Basis der Befragung über Strukturen, Strategien, Planungen und Restriktionen von 32 Wirtschaftskanzleien sowie Rechtsberatungs-‐Einheiten von WP-‐Gesellschaften wird im Februar 2018 bei Lünendonk vorliegen.

Automatisieren+Digitalisieren: Wege zur digitalen Kanzleipräsenz!

24/7 Kommunikation, also ständige Bereitschaft – das erwarten Ihre zukünftigen Mandanten und darauf müssen Sie Ihre Kanzlei einstellen. Es ist einfacher, als Sie denken. Hier bekommen Sie wertvolle Tipps, wie Sie erfolgreich Ihre digitale Präsenz aufbauen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute möchten wir Sie auf dieses interessante Video von Dr. Petra Arends-Paltzer, die Gründerin der Swiss Legal Tech Hackathon + Konferenz, aufmerksam machen. Gewinnen Sie praxisrelevante, neue Erkenntnisse zum Aufbau Ihrer digitalen Kanzleipräsenz.

Mit den besten Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch

 

Weitere Artikel zu dem Thema

Klagelos – Ist die Rechtspflege in der Krise?

Tobias Freudenberg ist Rechtsanwalt und Schriftleiter der NJW, Frankfurt a. M. und schreibt in der NJW regelmässig Kolumnen rund um „Rechtsgeschichten“. Diesen Beitrag finden Sie in der NJW , 1-2/2018, Seite 7

Steht der Zivilprozess vor dem Aus?

Schaut man auf die nackten Zahlen, drängen sich diese Fragen auf. Die Eingänge bei den Zivilgerichten gehen seit Jahren stark zurück. ­Genauer gesagt: Sie brechen regelrecht ein. Jedes Jahr erreichen sie neue Tiefststände.

Die Gründe für den massiven Schwund sind unklar. Richterbund und Anwaltverein fordern gemeinsam, den Abwärtstrend wissenschaftlich zu untersuchen. Andere sind in der Ursachenanalyse schonungsloser. Offensichtlich sind die rechtsuchenden Bürger mit dem Angebot, das der Staat ihnen macht, nicht zufrieden, sagen sie. Weiterlesen

Fehlerquelle Mandantenaufklärung!

Die Kommunikation mit Mandanten kann fehleranfällig sein: Wurden die gesetzlichen Fristen beachtet? Sind alle verjährungshemmenden Maßnahmen bekannt? Vorformulierte Mandanteninformationen können hier ein Segen sein, sagt Rechtsanwalt Dr. Michael Sattler. Aktuell ist die Neuauflage seiner Formularsammlung Mandanteninformationen erschienen. Im Interview verrät er uns, warum jeder Anwalt diese Formulare in seiner Schublade haben sollte.

RA Dr. Michael Sattler

RA Dr. Michael Sattler

Herr Dr. Sattler, Sie sagen, dass die Mandatenaufklärung nicht nur mühsam ist, sondern auch Gefahren birgt. Welche denn?

Der Anwalt muss seinen Mandanten in die Lage versetzen, eine verantwortliche Entscheidung zu treffen. Dazu ist der Mandant nur in der Lage, wenn er umfassend, aber auch verständlich über seine Optionen aufgeklärt wird. Sieht sich der Anwalt dem Vorwurf eines Beratungsfehlers ausgesetzt, muss er Zeitpunkt und Inhalt seiner Aufklärung substantiiert darlegen. Gelingt ihm das nicht, haftet er.

Was ist Ihre Lösung dafür?

Die Aufklärung muss dokumentiert werden. Ich habe es mir zur Regel gemacht, meine Mandanten in Textform, vor allem per E-Mail, über Möglichkeiten und Risiken zu informieren und auch Besprechungsergebnisse auf diese Weise zusammen zu fassen.

Gab es für Sie ein Aha-Erlebnis, bei dem Sie gedacht haben: „Mensch, hätte ich diese Formulare doch schon früher gehabt“?

Ja, in einem Bauprozess verkündete der Gegner nach und nach drei weiteren Beteiligten den Streit. Ich habe dem Mandanten zwar erklärt, dass er mit einer Beteiligung an den Kosten der Streithelfer rechnen muss, wenn es zu einer Kostenquote kommen sollte. Als die Situation Jahre später eintrat, war er überrascht und konnte sich nicht mehr erinnern. Das passiert mir jetzt nicht mehr.

Wie verhindern Sie, dass durch die vorgefertigten Formulare die Individualität der Beratung nicht verloren geht?

In der aktuellen Auflage haben wir die Texte in zwei Varianten auf der CD untergebracht: einmal als Anschreiben und einmal als nicht personalisiertes Merkblatt. Ich bevorzuge die zweite Variante. Das Merkblatt füge ich einer E-Mail bei, verweise darauf und ergänze in dem Anschreiben, was es im aktuellen Fall zusätzlich zu sagen gibt bzw. wie sich die Ausführungen in dem Merkblatt konkret auswirken.

Wie haben die Mandanten reagiert? Oder anders gefragt: Haben die es überhaupt gemerkt oder wie AGBs verstanden? Nach dem Motto: Das Kleingedruckte muss man nicht lesen.  

Mein Eindruck ist, dass Mandanten die Merkblätter, die bei uns als mit Kanzleilogo versehene PDF-Dateien verwendet werden, als Ausdruck der Professionalität und Erfahrung ansehen. Sie erkennen, dass damit Standardsituationen beschrieben werden, die in der Kanzlei immer wieder vorkommen. Das wirkt beruhigend.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Rechtsgebiete ausgewählt, für die sie in ihrem Buch Mandanteninformationen anbieten?

Zunächst habe ich gemeinsam mit der Produktbetreuerin im Verlag überlegt, welche Rechtsgebiete neben den allgemeinen Themen sinnvoll erscheinen. Gemeinsames Merkmal ist, dass sie in den meisten Allgemeinkanzleien zum Tragen kommen. Gleichwohl sind die Formulare so gehalten, dass sie auch für Spezialisten auf dem jeweiligen Gebiet hilfreich sind.

Welche Änderungen bzw. Ergänzungen hat die Neuauflage Ihres Buches erfahren?

Wir haben die Formulare der aktuellen Gesetzeslage und der seitdem ergangenen Rechtsprechung angepasst, sie sprachlich und vom Aufbau optimiert und das Portfolio um etwa 10 % erweitert.

Herr Dr. Sattler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Was Rechtsanwälte wissen sollten, um in Zukunft mehr neue Mandanten über das Internet zu gewinnen.

Für den Erfolg einer Anwaltskanzlei wird die Online-Präsenz immer wichtiger: Mandanten, die einen Anwalt suchen, tun dies heute in den meisten Fällen mit Suchmaschinen im Internet. Will man neue Mandanten gewinnen, führt kein Weg an einem guten Ranking in Google vorbei – aber auch die Kanzlei-Website muss ansprechend gestaltet sein und sich an den Bedürfnissen bestehender und neuer Mandanten orientieren. Aber wie kann eine Anwaltskanzlei ganz konkret Monat für Monat neue Anfragen über das Internet erhalten? Weiterlesen

2018: Das Jahr, in dem die Blockchains in der Rechtswirklichkeit landeten?

Das Blockchain-Prinzip, das beispielsweise hinter der Kryptowährung Bitcoin steht, sorgt derzeit insbesondere in der Finanzwelt für helle Aufregung. Kommentatoren und Investoren überschlagen sich in Begeisterung und bezeichnen das Prinzip schlichtweg als das „next big thing“. Milliardensummen werden investiert. Wann landet Blockchain in der Rechtswirklichkeit?

Die Realität ändert das Recht

Das Recht reguliert die Realität, die Realität ändert aber auch das Recht, manchmal auch ohne den Gesetzgeber. Das kann man insbesondere beim technischen Fortschritt beobachten: 2018 werden neue Investitions- und Transaktionsmöglichkeiten durch vielfältige Fintech- oder blockchainbasierte Anwendungen, Tokens, Kryptowährungen und Smart Contracts ermöglicht, in vielfach (behaupteter und noch zu beweisender) effizienter Weise, mit neuen Vorteilen aber auch unternehmerischen Risiken.

Am wichtigsten ist dabei die Blockchain-Technologie, welche die BaFin wie folgt beschreibt:

„Blockchains sind fälschungssichere, verteilte Datenstrukturen, in denen Transaktionen in der Zeitfolge protokolliert, nachvollziehbar, unveränderlich und ohne zentrale Instanz abgebildet sind. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Eigentumsverhältnisse direkter und effizienter als bislang sichern und regeln, da eine lückenlose und unveränderliche Datenaufzeichnung hierfür die Grundlage schafft.“

Berlin als Zentrum einer weltweiten Entwicklung

Das hat in der heutigen Wirtschaft einen besonderen Charme, weil damit individual bestimmbare, einzigartige und sehr liquide digitale Assets geschaffen werden können, samt automatischer computerisierter Vertragsdurchführung. Deutschland und insbesondere Berlin mit seiner blühenden Crypto-Szene sind insoweit im Zentrum dieser weltweiten Entwicklungen.

Das Bedürfnis nach einer Modernisierung der Finanz- und und Kapitalmärkte besteht nun schon seit langem, doch bisher unter Einsatz von veralteter oder schnell veraltender IT und zentralistischer Ansätze – nun bietet sich Dank der neuen Ansätze der FinTechs und der dezentralen „Distributed Ledger Technology“ (ein anderes Wort für Blockchain) die Aussicht, dass hier in der Praxis gewaltige Fortschritte gemacht werden – so jedenfalls die vollmundigen Versprechen und Wünsche vieler Blockchain-Aktivisten.

Auswirkungen für das Regulierungsrecht und die Anwälte

Wie verhalten sich die bisherigen Akteure und Intermediäe (die „middle men“, also Anwälte, Marktplätze, Banken, zentrale Gegenparteien, etc.) hierzu, was müssen neue Akteure und neue intermediäre (Finanz-Softwareingenieure, Plattformbetreiber, Legal Engineers) beachten, und wie wird sich das Regulierungsrecht hierzu verhalten? Wenn der Gesetzgeber nicht oder verspätet handelt, ist es wie immer die Aufgabe der Aufsichtsbehörden, Märkte zu kennen, zu  beobachten und gegebenenfalls zu regulieren, um z.B. die Märkte überhaupt funktionsfähig zu machen – ohne jedoch wünschenswerte ökonomische Entwicklungen abzuwürgen.

Kann das „smart regulation“ leisten? Das ist manchmal nicht nur eine Gratwanderung, wenn man noch nicht einmal weiß, wohin die Reise geht. Im Falle der sprudelnden Fintech-Ideen samt der Blockchain-Technologie ist jedoch jetzt schon klar, dass wir uns alle inmitten einer grundlegenden Transformation des Finanzwesens wenn nicht, wie manche sagen, von Wirtschaft und Gesellschaft befinden, auf Gedeih und Verderb, weswegen alle, die dies betrifft, aufgerufen und in der Pflicht sind, sich hierzu zu informieren, damit die (vielleicht unabwendbare) Transformation gelingt und allen nutzt.

Und: Keinesfalls ist es so, dass nun die Softwareentwickler die Regulierer, Juristen, Ökonomen, Banken und Fonds vollkommen verdrängen werden; vielmehr wird sich ein neues Zusammenspiel und geistiges Geben und Nehmen entwickeln.

Fazit: Die Anwaltschaft sollte sich bemühen, Teil der Debatte zu sein und nicht nur dem technischen Fortschritt als Nachzügler hinterherzulaufen.

Tom H. Brägelmann, LL.M. (Benjamin N. Cardozo School of Law)  ist Rechtsanwalt / Attorney and Counsellor at Law (New York) bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner Rechtsanwälte PartGmbB

Breidenbach / Glatz
Rechtshandbuch Legal Tech
2018, XXI, 280 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-71348-4,
Preis 99,00 € inkl. MwSt.

Das Richter-Bild in Fatih Akins „Aus dem Nichts“, Gewinner des Golden Globes sowie des Critics Choice Award 2018

Die rechtsprechende Gewalt, so sagt es das Grundgesetz, ist den Richtern anvertraut. ­Fatih Akin zeigt in seinem neuen Kinofilm „Aus dem Nichts“ Richter und Richterinnen, bei denen diese Macht in guten Händen ist.

Die Filmhandlung von „Aus dem Nichts“ lehnt sich an die NSU-Attentate an

Die Hauptfigur Katja verliert ihren deutsch-­kurdischen Ehemann und den gemeinsamen Sohn, erst sechs Jahre alt, bei einem Nagelbombenanschlag auf das Büro des Mannes.

Die Parallele zu den NSU-­Attentaten ist gewollt. Diane Kruger spielt Katja und hat für ihre schauspielerische Leistung eine Goldene Palme in Cannes ­erhalten. Der Film folgt ihr durch den Schock, den Schmerz und die Wut bis in den Gerichtssaal. Angeklagt ist ein rechtsradikales Paar, Katja tritt als Zeugin und Nebenklägerin auf.

Als Zuschauer wissen wir: Die Neonazis waren es, sie haben Katjas Mann und Sohn heimtückisch und auf grausame Weise umgebracht. Die Richter und Richterinnen im Saal wissen das nicht und können es auch nicht wissen. Sie sind keine Filmzuschauer, und bei Anklageerhebung wird ihnen kein Mitschnitt des Verbrechens geliefert. Es bleiben die Mühen der Wahrheitssuche.

Der Vorsitzende Richter, gespielt von einem echten Richter im Ruhestand, will die Wahrheit, die er nur ahnen kann, ans Licht bringen. Und doch bleiben am Ende der mehrtägigen Haupt­verhandlung Zweifel, die im Rechtsstaat für die An­geklagten sprechen müssen. Die Kammer kann nicht ­anders, als das Neonazi-­Paar freizusprechen.

Grenzen der forensischen Tatsachenermittlung

„Aus dem Nichts“ erhebt dagegen keinen Vorwurf. Der Film, zu dem Fatih Akin gemeinsam mit Hark Bohm das Drehbuch geschrieben hat, macht lediglich die Grenzen der richterlichen Entscheidungsfindung sichtbar. Richter entscheiden nach ihrer persönlichen Über­zeugung. Zur Verurteilung berechtigt aber nicht jedes beliebige Meinen und Empfinden, sondern erst die richterliche Überzeugung, die auf einer rationalen und objektiven Grundlage fußt.

Nur die Tatsachen gelten. Und diese lassen sich in einem Strafprozess nicht immer mit der erforderlichen Gewissheit ermitteln. Aber ohne diese Anbindung wäre ein Urteilsspruch nichts als Willkür, selbst wenn er die Richtigen treffen würde.

Gesetzesbindung schützt vor Willkür

Fatih Akin hat schon in anderen Filmen gezeigt, ganz beiläufig, dass staatliche Institutionen auch dazu da sind, die Bürger vor dem willkürlichen Handeln der Mächtigen zu schützen. Als sich Cahit und Sibel, die Hauptfiguren in „Gegen die Wand“, in einem ansonsten leeren Bus laut über ihre Scheinehe unterhalten, hält der deutsch-­türkische Busfahrer unvermittelt an und schmeißt die beiden schimpfend aus „seinem“ Bus, für Türken und Moslems gehöre sich so etwas Gottloses wie eine Scheinehe nicht.

Sibel steigt aus. Cahit folgt ihr, erinnert den Busfahrer aber vorher daran, dass ­dieser nicht am Steuer sitzt, um persönliche Macht auszuüben, sondern dass er im bestem Fall ein Staats­diener ist: „Das ist doch gar nicht dein Bus. Der gehört doch der Stadt!“

Der anerkennende Blick auf eine ­Richterschaft, die menschlich zugewandt und doch nur dem Gesetz verpflichtet ist, findet sich bereits in „Auf der anderen Seite“. Als ­Aytens Asylantrag endgültig ­abgelehnt wird, begründet die Verwaltungsrichterin das ­Urteil sorgfältig und geht geradezu mitfühlend auf ­Aytens Dilemma ein.

Nur dass auch hier das Gesetz keine andere Entscheidung erlaubt: „Ich kann auch nachvollziehen“, lässt Fatih Akin, der wiederum das Drehbuch geschrieben hat, die Richterin sagen, „warum sie vor einem Jahr illegal eingereist sind. Aber nach den hier anzuwendenden rechtlichen Maßstäben kann nicht von einer asylrechtsrelevanten Gefährdung im Falle einer Rückkehr in die Türkei ausgegangen ­werden.“

Seine positive Darstellung beschränkt sich ­allerdings auf die Richter und Richterinnen in Deutschland. Der Ausgang des Prozesses, der Ayten nach der Abschiebung in der Türkei gemacht wird, scheint nicht ­allein von rechtlichen Maßstäben abzuhängen.

Richterliche Wahrheitssuche vs. Rachegedanken

Doch was ist mit den Opfern und ihren Angehörigen, denen die Angeklagten nach einem Freispruch ins ­Gesicht feixen? In „Aus dem Nichts“ wird Katja selbst zur Täterin, eine weitere Filmfigur Fatih Akins, die sich in ihr Schicksal wirft, auch wenn dieses Schicksal ein Abgrund ist. „Aus dem Nichts“ stellt beides neben­einander, das innere Ringen und die Verantwortung der Richter, die nur die Schuld benennen können, die sich vor Gericht feststellen lässt, und den urmensch­lichen Wunsch nach Gerechtigkeit, der ­Rache heißt. •

Dr. Miriam Hannes ist Richterin am LSG Hamburg, der Artikel stammt aus der NJW 52/15

beA-Desaster: Was jetzt passieren muss

Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) hat eine Pannen-Serie hinter sich. Der beA-Start wurde zur peinlichen Angelegenheit für die Bundesrechtsanwaltskammer (Brak) und den technischen Dienstleister.

„Man muss rückblickend kritisch fragen, ob es klug war, die Bundesrechtsanwaltskammer mit der Einführung des beA zu beauftragen. Als Selbstverwaltungskörperschaft hat sie weder die Erfahrung noch die nötige Kompetenz für ein so komplexes IT- Projekt“, kommentiert Matthias Bergt, Rechtsanwalt und Partner bei Boetticher Rechtsanwälte in der aktuellen NJW (3/2018).

Bergt weiter:

„Man muss auch kritisch fragen, ob mit der Firma Atos GmbH der richtige Dienstleister ausgewählt wurde. Immerhin hat er ein schon im Ansatz unsicheres System gebaut und in Betrieb genommen. Schlimmer noch: Auf das wegen Sicherheitsproblemen gesperrte offizielle Zertifikat hat er mit einer hochgefährlichen Bastel- Lösung reagiert, die mit keiner IT­ Policy vereinbar ist – wohl in der Erwartung, es werde schon niemand merken.

Bergt fordert nun von den Verantwortlichen „absolute Transparenz“. Das gesamte beA müsse „komplett offengelegt werden von der Client- Software über die Server- Implementierung und die Schnittstellen bis hin zur Hard- und Software von beA- Karte und Hardware- Sicherheits- Modul im Rechenzentrum“.

beA-Desaster: BSI als Problemlöser?

Sicherheitsprofis sollten die Technologie nun „auf Herz und Nieren“ testen. Und Bergt hat auch schon eine Idee, wer den Job übernehmen könnte: das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI. Dieses könne mit dem Sicherheitsaudit betraut werden und sollte anschließend die Audit-Berichte öffentlich zugänglich machen.

Was ist Ihre Meinung zum „beA-Gate“? 

Tipps und Tricks zur Mitarbeitersuche mit kleinem Budget

Für Gesprächsstoff in den Sozialen Medien sorgte in den vergangenen Wochen die Stellenanzeige eines Steuerberaters aus Ostfriesland, in der er mit provokanten Formulierungen nach einer/einem Auszubildenden suchte. Die Aufmerksamkeit war groß und mit 20 Bewerbungen für den Ausbildungsplatz mehr als erfolgreich. Wir fragen Angela Hamatschek, Autorin u.a. des aktuell erschienenen Buches Die Kunst, Mitarbeiter zu gewinnen, wie es insbesondere kleineren und mittleren Kanzleien gelingen kann, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Gerade kleineren Kanzleien fehlt oft das notwendige Budget, um aufwändig nach Auszubildenden zu suchen. Ist da die Überlegung durch Provokation aufzufallen sinnvoll?

Als ich diese Anzeige gesehen habe, habe ich sofort gedacht „Jawoll, genau so funktioniert virales Marketing“. Entscheidend ist die pfiffige Idee, die richtige Prise Humor, die dann dafür sorgt, dass in den sozialen Medien darüber gesprochen wird. Gefährlich wird es nur, wenn die Provokation zu stark ist und dann einen Shitstorm zur Folge hat. Diese Gratwanderung gilt es zu meistern.

Haben 08/15-Anzeigen, z.B. in Tageszeitungen, heute überhaupt noch eine Chance von jüngeren Leuten wahrgenommen zu werden?

So gut wie gar nicht, auf Printanzeigen – auch in Regionalblättern – bekommen Kanzleien kaum noch Bewerbungen. Die Informationsmedien für die Generation Y sind Online. Ein kurzer Faktencheck dazu: Facebook hat in Deutschland 30 Millionen Nutzer, davon sind 23 Millionen täglich online. Die Gesamtauflage aller Tageszeitungen in Deutschland sinkt seit Jahren und liegt aktuell bei unter 15 Millionen Lesern.

Junge Mitarbeiter, die eine neue Kanzlei suchen, googlen und schauen in die Online-Jobbörsen. Doch auch hier herrscht Wettbewerb, deshalb kommt auch hier auf 08/15 Anzeigen immer weniger Rücklauf. Da spielt auch noch der demografische Wandel eine Rolle, immer weniger Auszubildende und Mitarbeiter stehen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Weiterlesen

Der elektronische Rechtsverkehr im Notariat – Leseprobe der Neuauflage von „Praxishandbuch Notarrecht“

Die rasante technische Entwicklung macht auch vor der Notariatspraxis nicht halt. Was vor 20 Jahren „State of the Art“ war, ist heute längst kalter Kaffee. Konkrete Handlungsempehlungen bietet hier das Praxishandbuch Notarrecht

Mit dem elektronischen Urkundenarchiv und der elektronischen Aktenführung im Notariat beschäftigen sich die Beiträge von Matthias Frohn und Joachim Püls.

Auch alle weiteren Themen des Handbuchs wurden für die 3. Auflage dieses Klassikers sorgfältig überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Dabei war es den Herausgebern ein Anliegen, den elektronischen Rechtsverkehr ausführlich mit vielen Bildschirmfotos und Abbildungen darzustellen, so dass alle wichtigen Aspekte Schritt für Schritt nachvollzogen werden können. Ebenso werden die Vorbereitungen zum elektronischen Urkundenarchiv konkret und praxisgerecht dargestellt. Das neue „Praxishandbuch Notarrecht“ ist damit ein einzigartiger und wertvoller Begleiter für die notarielle Praxis und hilft, alle Herausforderungen schnell und sicher zu bewältigen.