Die Entwicklung des (Steuer-)Beraters zum „Alleskönner“?  – Gastbeitrag von Alexander Potthoff

Digitalisierung, Internationalisierung, gebietsübergreifendes „Know How“ und nicht zuletzt Haftungsverschärfungen im Sinne des BGH Urteils zur Steuerberaterhaftung vom 26.01.2017
bedeuten massive Herausforderungen. Doch jede Herausforderung bietet auch Chancen!

Faktische Risiken und Herausforderungen                      
Digitale Entwicklungen, international agierende Unternehmen, komplexe gebietsübergreifende Sachverhalte; Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatung können immer weniger voneinander losgelöst betrachtet werden, um den modernen Kundenanforderungen gerecht zu werden. Was offenbar für die mittelgroßen und großen Beratungsunternehmen Chancen und Wachstumspotential birgt, scheint für kleine und mittlere Berater häufig ausschließlich Risiko und Unsicherheit zu bedeuten. Stellt diese Sachlage nicht schon genug Herausforderung dar, kommen noch verschärfte Haftungsrisiken hinzu. Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklungen  gilt es jedoch nicht den „Kopf in den Sand“ zu stecken, sondern für die Zukunft, durch entsprechende Anpassung und Erlangung des erforderlichen „Know Hows“, Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen.

Verschärfung von Haftungsrisiken        
Neben den genannten faktischen Herausforderungen, kommen verstärkt rechtliche Haftungsrisiken hinzu, mit denen aus Beratersicht umzugehen ist. Dies gilt ganz besonders für Mandanten die sich bereits in wirtschaftlicher Bedrängnis befinden. Für die Situation des Steuerberaters zeigt dies exemplarisch das viel diskutierte Urteil des BGH zur Steuerberaterhaftung vom 26.01.2017 in dem der BGH Prüfungs- und Hinweispflichten des Steuerberaters aufstellt. Im Tenor des Urteils heißt es:

Der mit der Erstellung eines Jahresabschlusses für eine GmbH beauftragte Steuerberater ist verpflichtet zu prüfen, ob sich […] tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten ergeben, die einer Fortführung der Unternehmenstätigkeit entgegenstehen können.

[Der] Steuerberater hat die Mandantin auf einen möglichen Insolvenzgrund und die daran anknüpfende Prüfungspflicht ihres Geschäftsführers hinzuweisen, wenn entsprechende Anhaltspunkte offenkundig sind und er annehmen muss, dass die mögliche Insolvenzreife der Mandantin nicht bewusst ist

Ob man in der Entscheidung eine grundlegende Rechtsprechungsänderung sieht oder nur eine konsequente Anwendung bisheriger Haftungsmaßstäbe ist letztlich nicht ausschlaggebend. Praktisch entscheidend ist, dass der Steuerberater sich (nunmehr) nicht nur auf die steuerliche und bilanzielle Prüfung beschränken und hinsichtlich der wirtschaftlichen und (insolvenz-) rechtlichen Folgen alleine auf den Mandanten verweisen kann. In letzter Konsequenz sollte sich der Steuerberater vielmehr in Teilen auch zum Wirtschaftsberater entwickeln und seine Rechtskenntnisse ausweiten, um guten Gewissens Haftungsfallen vermeiden zu können.

Risiken für die Vergütung          
Behandelt das Urteil des BGH alleinig Haftungsfragen, ist das damit einhergehende Risiko für die Vergütung des Steuerberaters als weitere „Baustelle“ zu identifizieren. Der Steuerberater sieht sich folgendem Konflikt gegenüber: Weist der Steuerberater auf eine mögliche Insolvenz hin, lässt dies Rückschlüsse auf entsprechende Kenntnisse zu und birgt die Gefahr einer späteren Insolvenzanfechtung des Vergütungsanspruchs. Unterlässt der Steuerberater den Hinweis, droht die Haftung. Doch, wie man so schön sagt, für jedes Problem, gibt es (hoffentlich!) auch eine Lösung. Liegen zwischen Leistung und Bezahlung nicht mehr als 30 Tage scheidet insolvenzrechtlich eine Anfechtung aus. Eine zeitnahe Rechnungsstellung ist also oberstes Gebot.

Chancen als Kehrseite der Risiken         
Letztlich bieten die angesprochenen Risiken kehrseitig auch Chancen. Die Digitalisierung sollte hierbei nicht als Gegner, sondern als Helfer begriffen werden. Aufgaben die zukünftig der Computer übernehmen kann und wird, sollten nicht weiter verfolgt werden. Die technische Entwicklung kann allerdings genutzt werden, um anspruchsvolle und komplexe Gestaltungsberatung zu optimieren. Anders ausgedrückt: Die Maschine ersetzt nicht die geistige Arbeit des Menschen, sondern der Mensch nutzt die Maschine, um seine intellektuelle Arbeit zu vereinfachen und zu verbessern.

Strukturell kann sich der Steuerberater, bspw. auch im mittelständischen Bereich, Kooperationen öffnen, um ein breiteres „Know How“ abzubilden. Für den einzelnen Steuerberater bietet sich die Möglichkeit, dass er nicht mehr „nur“ als Steuerberater, sondern darüber hinaus, als  umfassender Wirtschafts- und Strategieberater wahrgenommen wird. Auch kleine Unternehmen haben ein Interesse an einer umfassenderen, auch betriebswirtschaftlichen Beratung. Diese sehen sich den gleichen komplexen Zukunftsherausforderungen gegenüber, haben jedoch vielfach neben den Kenntnissen ihres Kerngeschäfts nur wenige Rechts- Steuer- und Wirtschaftskenntnisse. Häufig kann eine nachhaltige Betriebsführung hingegen nur bei Vernetzung dieser drei Bereiche Erfolg haben. Der Steuerberater hat den Vorteil, dass er in dem hochkomplexen und praktisch sehr relevanten Bereich der Steuern bereits Experte ist. Gerade für Unternehmen in der Krise, kommt darüber hinaus eine spezielle Sanierungsberatung in Betracht.

Für internationale Sachverhalte ist eine entsprechende sprachliche und fachliche Schulung unersetzlich, bietet allerdings die Chance auch internationale Mandanten zu gewinnen. Insoweit ist bspw. an kostenbewusste kleinere in Deutschland agierende ausländische Unternehmen zu denken.

Eine demnach bedeutsame Ausweitung des „Know Hows“ und Geschäftsmodells des (Steuer-)Beraters kann letzten Endes „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“. Zum einen können weitere Umsatzmöglichkeiten geschaffen werden. Zum anderen kann hierdurch Haftungs- und Vergütungsfallen vorgebeugt werden.

Der (Steuer-)Berater als „Richtigkönner“          
Der Beruf des klassischen (kleinen) Steuerberaters steht einer Vielzahl von Herausforderungen und Risiken gegenüber. Diese sind sowohl tatsächlicher (bspw. in Form der Digi- und Internationalisierung), als auch rechtlicher (besonders haftungsrechtlicher) Natur. Für viele betroffene Berater kann das Fahrwasser der Zukunft nicht als wirklich ruhig bezeichnet werden. Auch wenn hierüber das bedrückende Gefühl aufkommen könnte, der Steuerberater müsse sich zum „Alleskönner“ entwickeln, ohne zureichend wirtschaftlich und finanziell davon profitieren zu können, ist dieser Schluss zu pauschal. Die geistige Kernarbeit des Steuerberaters ist und bleibt elementar in einem komplexen Steuersystem. Bei genauer Betrachtung der derzeitigen Entwicklungen geht es auch nicht darum „Alles zu können“, sondern vielmehr an der richtigen Stelle, das „Richtige zu können“.

 „Know How“ als Schlüssel        
Der Schlüssel zur Weiterentwicklung und gleichzeitigen Vermeidung von Haftungsgefahren, liegt letztendlich in dem Erwerb von zweckmäßigem Wissen und nutzbaren Kenntnissen und Erfahrungen („Know How“). Nur hierdurch kann die intellektuelle Arbeit des Beraters im Wettbewerb bestehen und profitabel ausgeübt werden. Eine adäquate, haftungsfreie Beratung sowohl im Kernbereich, als auch in weiteren Geschäftsfeldern kann nur bei entsprechendem „Know How“ Erfolg haben. Wie nicht zuletzt das Urteil des BGH vom 26.01.2017 zeigt, sollte der Steuerberater, quasi als äußerste Grenze, zwingend die berufs- und haftungsrechtlichen Schranken seiner jeweiligen Tätigkeit kennen. Soweit der Steuerberater Spezialsituationen, wie bspw. einen Krisenmandanten, vorfindet oder Geschäftsfelder ausweitet, bspw. in Form der betriebswirtschaftlichen Strategie- oder Sanierungsberatung, ist entsprechendes Spezialwissen zwingend erforderlich.

Aktives Handeln notwendig     
Alles in Allem wäre es unehrlich die herausfordernden Entwicklungen zu verschweigen und achtlos, diese zu ignorieren. Dem gegenüber wäre es genauso falsch, allein ein düsteres Zukunftsbild zu malen. Die tatsächlichen und rechtlichen Entwicklungen sollten nicht zur Sorge oder Resignation führen, sondern vielmehr zum aktiven Handeln bewegen. Hierbei sind Risiken und Chancen ehrlich zu identifizieren, sachgerechte Schlüsse zu ziehen und notwendige Anpassungen vorzunehmen. Der Steuerberater muss hierbei nicht zum „Alleskönner“ werden. Allerdings ist der Blick über den „Tellerrand“ essentiell, um an der richtigen Stelle „Richtigkönner“ zu werden. Die Erlangung des jeweils fruchtbaren Fachwissens sollte hierbei mit Abstand den Schwerpunkt bilden, um die Risiken der Zukunft zu meistern und die damit einhergehenden Chancen zu nutzen.

Ass. iur. Alexander Potthoff ist als Jurist im Bereich Wirtschaftsrecht beim NWB Verlag  in Herne tätig. Jura studierte er an der RUB in Bochum, der WWU in Münster und der KU Leuven in Belgien. Seine primäre akademische Ausrichtung galt dem Zivil-, Wirtschafts- und rechtsanwaltlichen Berufsrecht sowie der Rechtsgestaltung. Vor und im Rahmen des Referendariats war er beim Juristischen Repetitorium Hemmer in Münster, als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Rechtsanwaltssozietät Hengeler Mueller in Düsseldorf sowie bei der AHK Toronto in Kanada tätig

Gräfe / Lenzen / Schmeer
Steuerberaterhaftung
2017, XIV, 1014 S., NWB Verlag, ISBN 978-3-482-50566-9,
Preis 159,00 € inkl. MwSt.
Römermann (Hrsg.)
Sanierungshandbuch für Steuerberater
2017, XXVI, 243 S., NWB Verlag, ISBN 978-3-482-66761-9,
Preis 54,90 € inkl. MwSt.
NWB Steuer- und Wirtschaftsrecht • direkt (Zeitschrift und Datenbank)
2017, NWB Verlag, ISSN 1860-9449,
Preis 496,80 € inkl. MwSt.

 

Die neue Datenschutzgrundverordnung….

…kommt und mit ihr viele wichtige Änderungen.

Hier finden Sie ein Video, in dem Dr. Marcus Helfrich die neuen Regelungen vorstellt.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

RA Katharina Nitsch und das Kanzleiforum Team

Forgó / Helfrich / Schneider
Betrieblicher Datenschutz
2017, LX, 1331 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-69541-4,
Preis 209,00 € inkl. MwSt.

Budras/Fischer: „Wer hat an der Uhr gedreht?“ Rezension von Dr. Anette Hartung

Überfällt Sie in gewissen Business Meetings auch manchmal die Erinnerung an Momos Graue Herren? Oder sind Sie ohne Michael Endes phantastische Zeitdiebe aufgewachsen? Corinna Budras, FAZ-Redakteurin und selbst Mutter zweier Kinder, und ihrem Mann Pascal Fischer sind diese und ähnliche Gestalten offenkundig vertraut. Pünktlich zu Beginn der etwas ruhigeren Sommerzeit haben die beiden Journalisten bei C.H.BECK ein Taschenbuch zu der Frage vorgelegt, warum uns die Zeit abhandenkommt und wie wir sie zurückgewinnen. „Wer hat an der Uhr gedreht?“ ist eine ebenso kluge wie kurzweilig verfasste Betrachtung in zwölf Teilen.

Ihre Tour d’Horizon reicht von der Erfindung der Zeiteinteilung durch die Babylonier – der später übrigens nicht nur das System der Sonnen-, sondern vor allem auch das der Wasseruhren folgte – bis hin zum Unterschied zwischen Beschäftigung und Produktivität. Zudem wäre Budras nicht Arbeitsrechtlerin, würde sie an dieser Stelle nicht auch Hinweise auf Wochenarbeitszeiten und Leistungsverdichtung einfließen lassen. Wobei, die Älteren unter uns erinnern sich noch aus ihrer Kindheit daran, der Samstag bis in die sechziger Jahre hinein ein normaler Arbeitstag war. Und doch ist das Leben für den Coffee to go eine Erscheinungsform späterer Dekaden (Einschub der Autoren: Statt Pizza Hut sollte es in Frankfurt dann wenigstens Käs‘ Petri sein). Essenfassen als (weiterer) Gradmesser der Gesellschaft?

Auch dass Verzicht eine Kategorie ist, die wir als Relikt der Nachkriegszeit nicht mehr besonders schätzen, ist nur zu wahr. Im Kontext der plötzlichen Fremdbestimmung durch Kinder, die die Zeit als frischgebackene Eltern ohnehin zu einer merkwürdigen macht, offenbart sich freilich auch, was das Buch bei alldem nicht ist (und sicherlich nicht sein will): Eine stringente wissenschaftliche Abhandlung. Stattdessen gehen Budras/Fischer die unterschiedlichsten zeitlichen Aspekte zwischen Anfang und Ende des Lebens aus immer wieder neuen Blickwinkeln an.

Ein erfrischendes Element sind die eingestreuten Fallbeispiele. Da wird die eigene Zeiterfahrung beim Abseilen vom Dach eines Hochhauses ebenso geschildert wie die später im Roman „Palladium“ verarbeitete Geschichte des Franzosen Boris Razon, der vorübergehend an Guillain-Barré gelitten hatte. (Für alle Nichtadepten von Dr. House: Das GBS ist eine lähmungsinduzierende Nervenentzündung, die in Extremfällen zu einem Locked-in-Syndrom führen kann). Zurück in der Arbeitswelt gibt es einen Leiter Unternehmenskultur der Otto-Gruppe in Hamburg, unter dessen Ägide sich regelmäßige Veranstaltungen wie der Culture Club und ein Poetry Slam etabliert haben, außerdem ein firmeninternes Youtube-Festival. Bei Google, zum Vergleich, geht man nicht einfach in die Pause, sondern zelebriert die „G-Pause“, „Search Inside Yourself“-Programm inklusive.

Wer es bis dato überlesen haben sollte, dem dämmert es spätestens jetzt: Nicht nur Arbeit zu haben, sondern auch das dauernde beschäftigt sein sind echt hip. Und Zeitmangel entsteht nicht zuletzt auch aus der Angst heraus, etwas zu verpassen. Ein wenig versteckt liest man bei Budras/Fischer von einer Studie zur vorgeblichen 60-Stunden-Woche sechsstellig verdienender Mütter (Männer waren nicht Untersuchungsgegenstand). Führten diese Frauen ehrlich Buch, kamen sie im Schnitt auf „magere“ 44 Stunden. Da bleibt doch nur zu hoffen, dass sie den Grauen Herrn ein Schnippchen geschlagen und den Rest der Zeit, nun: einfach verprasst haben.

Rechtsanwältin und Coach (IHK) Dr. Anette Hartung, Frankfurt am Main, www.aha-kanzleientwicklung.de

Budras,Corinna / Fischer, Pascal
Wer hat an der Uhr gedreht?
2017, 199 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-70565-6,
Preis 14,95 € inkl. MwSt.

legal-tech.de: FFI-Verlag startet neues Fachportal zum 1. September, Beta-Version bereits live!

Legal Tech ist in aller Munde. Doch welche Konsequenzen bringt die Digitalisierung und Automatisierung der Rechtsbranche, über die zurzeit so viel diskutiert wird, mit sich? Wird diese Entwicklung das Wesen der Rechtsberatung wirklich grundlegend verändern oder nur einzelne Arbeitsprozesse umkrempeln? Und noch viel wichtiger: Was bedeutet das für den einzelnen Anwalt und seine Mandanten?

Diese und weitere Fragen wird der FFI-Verlag in seinem Fachportal legal-tech.de ansprechen. Ab dem 1. September werden hier Juristen und Rechtsratsuchende in kompakten und leicht verständlichen Blogbeiträgen erfahren, wie Legal Tech bereits heute den deutschen Rechtsmarkt konkret verändert.

Ergänzt werden die Blogbeiträge der Fachautoren durch das Angebotsspektrum von Unternehmen, Kanzleien und Startups, die sich auf der Plattform mit ihren Dienstleistungen und Geschäftsmodellen präsentieren. Die Webseite vermittelt Interessenten somit einen Rundumschlag der Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen durch Legal Tech – kompakt verständlich und modern.

Neugierig geworden? Dann können Sie jetzt schon unter dev.legal-tech.de einen Blick auf die Beta-Version des Online-Angebotes werfen.

Wer sein Unternehmen auf legal-tech.de präsentieren oder als Fachautor für die Webseite tätig werden möchte, findet unter folgenden Links weitere Informationen:

 

Gewinnspiel: Starterpaket für Auszubildende zum/zur Rechtsanwalts- und Steuerfachangestellten

– DIE VERLOSUNG IST INZWISCHEN BEENDET –

Herzlichen Glückwunsch an die folgenden Teilnehmer:

Buchpaket für Azubis zum/zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten:

  • G. Schäfer aus Ottweiler
  • D. Hopt-Bley aus Balingen

Buchpaket für Azubis zum/zur Steuerfachangestellten:

  • T. Albrecht aus Hattert
  • H. Röttger aus Unterschleißheim

Wir wünschen Ihren Auszubildenden viel Erfolg und Freude mit dem Gewinn! Allen anderen Teilnehmern danken wir natürlich ebenfalls recht herzlich fürs Mitmachen!

 

Das neue Ausbildungsjahr 2017 steht vor der Tür – Machen Sie mit und gewinnen Sie ein Starterpaket für Ihre Auszubildenden!

Auch Ihre Kanzlei bekommt ab Herbst Zuwachs von neuen Auszubildenden? Gerne möchten wir die Berufsanfänger und ihre Ausbilder unterstützen, indem wir Ihnen ein passendes Buchpaket an die Hand geben.

Gewinnen Sie je 2 Buchpakete für Ihre ReNo-Azubis und je 2 Buchpakete für Ihre Azubis zum/zur Steuerfachangestellten.

Starterpaket Azubi

Das Starterpaket für ReNos beinhaltet jeweils 1 x:

Bürgerliches Gesetzbuch: BGB
2017, XXXI, 890 S., Beck im dtv, ISBN 978-3-406-70926-5,
Preis 5,50 € inkl. MwSt.
Breit / Brüggen / Neuhausen / Solveen
Die Prüfung der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten
2017, 1083 S., Kiehl, ISBN 978-3-470-54070-2,
Preis 34,90 € inkl. MwSt.

sowie je eine Ausgabe der Zeitschrift „Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten“:

Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten
2017, Kiehl, ISSN 1618-9442,
Preis 89,40 € inkl. MwSt.

 

Das Starterpaket für Steuerfachangestellte beinhaltet jeweils 1 x:

Steuergesetze: SteuerG
2017, XIII, 1647 S., Beck im dtv, ISBN 978-3-406-70730-8,
Preis 9,90 € inkl. MwSt.
Kliewer / Zschenderlein
Die Prüfung der Steuerfachangestellten
2016, 1071 S., Kiehl, ISBN 978-3-470-64445-5,
Preis 39,90 € inkl. MwSt.

sowie je eine Ausgabe der Zeitschrift „Die Steuerfachangestellten“:

Die Steuerfachangestellten
2017, Kiehl, ISSN 1433-1845,
Preis 89,40 € inkl. MwSt.

 

Darüber hinaus finden Sie in jedem Starterpaket je 1 x die Zeitschrift „AZUBE“ und je 3 x Korki Kiehl, siehe Abbildung oben.

 

Was Sie dafür tun müssen?

Registrieren Sie sich jetzt für unsere wöchentlich erscheinenden Kanzleiforum-News unter: Registrierung Kanzleiforum. Teilnahmeschluss ist der 21.08.2017 (12 Uhr). Die Teilnahmebedingungen mit denen Sie sich einverstanden erklären, finden Sie hier. Die Gewinner werden innerhalb der darauf folgenden 7 Werktage per E-Mail benachrichtigt und auf dieser Seite veröffentlicht.

Wir drücken die Daumen!

Ihr beck-shop.de Kanzleiforum Team

 

Weitere aktuelle Literatur zum/zur Rechtsanwaltsfachangestellten und Steuerfachangestellten finden Sie auf beck-shop.de: 

Aktuelle Ausbildungsliteratur ReNo

Aktuelle Ausbildungsliteratur Steuerfachangestellte

 

Neue Spielregeln für Bauvorhaben – Interview mit Professor Stefan Leupertz über das neue Bauvertragsrecht

Das private Baurecht steckt voller Tücken. Anstatt Parkett schnell noch Fliesen verlegen lassen oder gleich eine ganze Etage aufstocken? Dazu eine detaillierte Baubeschreibung und ein Recht auf Widerruf? Fest steht: Ab Januar 2018 gilt ein neues Bauvertragsrecht. Zahlreiche Vorschriften im BGB werden geändert beziehungsweise neu eingeführt. Auch einige Vertragstypen kommen hinzu. Einen Überblick über die wichtigsten Änderungen gibt der Präsident des Deutschen Baugerichtstags und ehemalige BGH-Richter Professor Stefan Leupertz im Interview.

Herr Leupertz, warum eigentlich ein neues Bauvertragsrecht?
Bauvertragsrecht war bisher Werkvertragsrecht, das seit 1896 mit nahezu unveränderten Regelungen in gleicher Weise für Schuhreparaturen wie für die Errichtung eines Flughafens galt. Es liegt auf der Hand, dass die sich rasant entwickelnde Komplexität des Baugeschehens Sonderregeln braucht, die zumindest Leitgedanken für die Gestaltung und Abwicklung von Bauvertragsverhältnissen enthalten. So gesehen war die Schaffung eines eigenständigen Bauvertragsrechts lange überfällig. Über die letzten Jahrzehnte hat sich die Branche mit der VOB/B über Wasser gehalten, die solche Spezialregelungen enthält. Die VOB/B ist allerdings nicht mehr als eine Allgemeine Geschäftsbedingung, die schon deshalb nicht geeignet ist, die virulente Lücke zu schließen, die das Gesetz für Bauverträge lässt.

Dem Bundesjustizministerium zufolge steht der Verbraucherschutz bei der Reform im Vordergrund. Stimmt das?
Die jetzige Regierungskoalition hat mit der Verabschiedung des neuen Bauvertragsrechts letztlich eine Initiative der Vorgängerregierung fortgeführt, die laut Koalitionsvertrag angetreten war, das Bauvertragsrecht aus dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes zu renovieren. Dementsprechend steckt in dem neuen Gesetz einiges an Verbraucherschutz, angefangen von der Neueinführung eines Widerrufsrechts für private Besteller von Bauleistungen bis zu strengen Regeln für aussagekräftige Baubeschreibungen bei Verbraucherbauverträgen. Der Regelungsbereich der meisten neuen Verbraucherschutzregeln ist allerdings überschaubar, weil sie nur solche Verträge mit privaten Bestellern umfassen, welche die Errichtung eines komplett neuen Gebäudes aus einer Hand betreffen. Der gesamte Bereich handwerklicher Bauleistungen fällt nicht darunter. Deshalb ist es ein wenig Augenwischerei, wenn die Politik den Verbraucherschutz derart in den Mittelpunkt ihrer Bewertung des Gesetzes rückt. Die Kernpunkte der Reform sind eigentlich andere.

Welche?
Es ging dem Gesetzgeber von Anfang an ganz allgemein um die Schaffung austarierter Spielregeln für die Abwicklung von Bauvorhaben. Hierbei hat er sich von zwei Grundgedanken leiten lassen: Die gesetzlichen Bestimmungen für Bauverträge müssen so konzipiert sein, dass die Baustelle im Streit um die nachträgliche Anpassung des Vertrages nicht an Produktivität verliert oder gar völlig still fällt. Darüber hinaus muss die Liquidität des vorleistungspflichtigen Unternehmers gesichert sein. So hat sich ein Dreiklang ergeben, der ein einseitiges Anordnungsrecht des Bestellers und eine daran anknüpfende Anpassung der Vertragspreise vorsieht. Weil beides in der Praxis oft Quell für endlose Streitigkeiten mit desaströsen Auswirkungen auf den Fortgang der Baumaßnahme ist, hat der Gesetzgeber – drittens – vorgesehen, dass solche Streitigkeiten ganz rasch und vorläufig bindend durch eine gerichtliche Eilentscheidung in Form einer einstweiligen Verfügung erledigt werden. Weiterhin wurden ein eigenständiges Vertragsrecht für Architekten und Ingenieure sowie ein gesondertes Bauträgerrecht geschaffen.

Bleiben wir zunächst beim Anordnungsrecht des Bestellers. Was beinhaltet dieses?
Es geht um die Frage, ob und wenn ja, unter welchen Umständen der Besteller berechtigt sein soll, bereits getroffene vertragliche Absprachen zum geschuldeten Leistungsumfang einseitig zu verändern. Ein solches einseitiges Leistungsbestimmungsrecht, dessen vertragliche Vereinbarung das Gesetz in § 315 BGB auch jetzt schon gestattet und das über Klauseln in §§ 1 Abs. 3 und 1 Abs. 4 VOB/B fester Bestandteil unserer bauvertraglichen Praxis ist, wird nun gemäß § 650b BGB n. F. als gesetzliches Anordnungsrecht des Bestellers etwas anders als bisher ausgestaltet. Es gilt – stark verkürzt: Der Besteller darf ohne Einschränkung solche Leistungen anordnen, die für den vertraglich vereinbarten, funktionalen Bauerfolg von Anfang an erforderlich, aber nicht ausgeschrieben und verpreist waren. Demgegenüber steht ihm ein Recht zur einseitigen Veränderung jenes funktionalen Bauerfolgs, etwa weil das vom Unternehmer zu bauende Bürogebäude ein Stockwerk mehr haben soll als nach dem Ausgangsvertrag vorgesehen, nur zu, wenn dieser Eingriff dem Unternehmer zumutbar ist. Über die Definition und Ausgestaltung des Anordnungsrechts sowie den unbestimmten Rechtsbegriff der Zumutbarkeit ist bereits im Vorfeld viel gestritten worden. Dementsprechend werden die Gerichte sicher einige Zeit brauchen, um einigermaßen belastbare Leitlinien für eine klare, kalkulierbare Anwendung dieses Anordnungsrechts zu entwickeln.

Das klingt nach viel Konfliktpotenzial…
In der Tat. Dennoch geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Parteien einvernehmlich entscheiden werden, ob und zu welchen Konditionen der Auftragnehmer bisher nicht verpreisten Mehraufwand betreiben soll. Für diese Einigung haben sie 30 Tage Zeit, gerechnet ab dem Zugang des Änderungsverlangens des Bestellers beim Unternehmer. Erst dann darf der Besteller die Änderung einseitig anordnen. Darin liegt meines Erachtens ein Webfehler des Regelwerks, der leicht dazu führen kann, dass die Baustelle nur deshalb 30 Tage nicht oder nicht wie vorgesehen betrieben wird, weil die Parteien über die Ausführung zusätzlich erforderlicher oder geänderter Leistungen streiten und der Besteller grundsätzlich 30 Tage warten muss, bis er eine entsprechende Anordnung erteilen kann. Einigungswillige Parteien brauchen diesen gesetzlichen Einigungsanreiz nicht, der vielmehr leicht in sein Gegenteil verkehrt und mit dem Druckmittel Zeit für Bauverzögerungen genutzt werden kann.

Kommen wir zum zweiten Kernpunkt, der Möglichkeit zur Preisanpassung…
Auch das ist eigentlich nichts Neues. Es ist doch klar, dass der Unternehmer, der infolge einer Anordnung des Bestellers mehr Aufwand betreiben muss, eine zusätzliche Vergütung erhält. Wirklich neu an der gesetzlichen Regelung in § 650c BGB n. F. ist die Bemessung dieses Mehrvergütungsanspruchs, der nicht mehr – wie unter dem Regime der VOB/B bisher üblich – nach den im Ausgangsvertrag kalkulierten Preisen, sondern nach den tatsächlich erforderlichen Ist- Kosten berechnet wird. Das ist ein echter Paradigmenwechsel, der freilich durch eine widerlegbare Vermutung abgeschwächt wird, dass die vom Unternehmer kalkulierten Preise den tatsächlich erforderlichen Kosten entsprechen. Diese Regelung, die allerdings im Detail viele Tücken beinhaltet, bedeutet faktisch das Ende spekulativ kalkulierter Baupreise.

Trotzdem ist doch sicherlich auch an dieser Stelle Streit vorprogrammiert, oder?
Natürlich. Und hier liegt der eigentlich Knackpunkt des Gesetzes. Wenn die Parteien sich nicht über Anordnung und Preisanpassung einigen, muss es einen neutralen Dritten geben, der im Interesse eines ungestörten Bauablaufs und zur Sicherung der Liquidität des Unternehmers diese Entscheidungen rasch trifft. Nach viel Hin und Her hat der Gesetzgeber schließlich in § 650c BGB n. F. auf das andernorts bewährte Mittel einer einstweiligen Verfügung zurückgegriffen. Ich befürchte allerdings, dass die Gerichte damit überfordert sein werden. Aber warten wir erst einmal ab. Viel dramatischer ist eine andere Neureglung, die es dem Unternehmer aus dem Gesichtspunkt der Liquiditätssicherung gestattet, 80 % seines Nachtragsangebots als Abschlagsforderung anzusetzen. Das ist eine kaum nachvollziehbare Einladung zur Geltendmachung überhöhter Nachtragsforderungen, die mit der ursprünglichen Intention des Gesetzes nur schwer in Einklang zu bringen ist.

Vielleicht noch ein Wort zu dem von Ihnen erwähnten neuen Vertragsrecht für Architekten und Ingenieure sowie dem neuen Bauträgerrecht. Worum geht es dabei?
Beim Gesetzgeber hat sich nach langen Beratungen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die vertraglichen Beziehungen zwischen Bauherren und Architekten/Ingenieuren Gesetzmäßigkeiten unterliegen, die nicht ohne weiteres dem allgemeinen Bauvertragsrecht zugeordnet werden können. Er hat deshalb einen eigenständigen Vertragstyp »Architekten- und Ingenieurvertrag« mit einer neuen Definition der vertragstypischen Leistungspflichten der Architekten und Ingenieure und einigen weiteren Sonderregelungen geschaffen, welche die zunehmend bedrohliche Haftungssituation für diese Berufsgruppe etwas entschärfen sollen. So gibt es künftig einen gesetzlichen Anspruch der Architekten und Ingenieure auf Teilabnahme ihrer Leistungen, sobald das letzte Ausführungsgewerk abgenommen ist; sie sollen erst dann auf Schadensersatz für Mängel des Bauwerks in Anspruch genommen werden können, wenn der Besteller zuvor erfolglos versucht hat, den ebenfalls für jenen Baumangel verantwortlichen Unternehmer zur Nacherfüllung zu veranlassen. Den Bauträgervertrag sieht der Gesetzgeber ebenfalls als eigenständigen Vertragstyp. Allerdings ist bisher kaum mehr als die Definition des Bauträgervertrags selbst vorhanden. Das Bundesjustizministerium arbeitet an substanziellen Sonderregelungen, die in der nächsten Legislaturperiode verabschiedet werden sollen.
Halten Sie die Reform für gelungen, oder sehen Sie heute schon Nachbesserungsbedarf?
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich ein großer Befürworter der Gesetzesinitiative war und bin. Allein, dass es nun ein gesetzliches Bauvertragsrecht mit Sonderreglungen für die Architekten und Ingenieure sowie für den Bauträgervertrag gibt, ist ein riesiger Fortschritt. Aber auch inhaltlich kann ich trotz mancher Schwächen im Detail mit dem neuen Gesetz gut leben. Meines Erachtens wird der Gesetzgeber bei dem Thema Eilentscheidung nacharbeiten müssen; der Architektenvertrag und der Bauträgervertrag sind bisher nur rudimentär geregelt. Da ist für die nächste Legislatur nachsitzen eingeplant.
Vielen Dank für das Gespräch.

Professor Stefan Leupertz ist Schiedsrichter, Schlichter und Adjudikator in nationalen wie inter-nationalen Bau- und Anlagebausachen. Zugleich ist er Präsident des Deutschen Baugerichtstags und Honorarprofessor an der TU Dortmund. Zuvor arbeitete Leupertz vier Jahre als BGH-Richter in Karlsruhe. Zudem war er Mitglied der Arbeitsgruppe Bauvertragsrecht im Bundesjustizministerium. Bekannt ist Stefan Leupertz auch als Mitherausgeber und Autor zahlreicher Publikationen, darunter der Kommentar »Leupertz/Preussner/Sienz, Das neue Bauvertragsrecht«, der bei C.H.BECK erscheint.

Dieses Interview stammt aus „Beckextra Das Magazin“, S. 11 – 13

Interview mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Troidl

beck-shop.de: Guten Tag Herr Rechtsanwalt Dr. Troidl. Wir freuen uns, dass Sie uns zu einem Interview für unseren Blog Kanzleiforum zur Verfügung stehen. Kommen wir gleich zu unserer ersten Frage: Wen es nach Abschluss des Referendariats nicht in den Staatsdienst zieht, sondern sich als Anwalt/Anwältin zulässt, hat meistens die klassischen Rechtsgebiete wie Arbeits-, Familien- oder Wirtschaftsrecht im Blick. Sich auf Verwaltungsrecht zu spezialisieren, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Warum entdeckten Sie diesen Bereich für sich?

Dr. Thomas Troidl: Vielen Dank zunächst für die Einladung zum Gespräch.

Sie haben recht: das Verwaltungsrecht ist in Studium und Referendariat eine eher unbeliebte Materie, vielleicht weil man immer in zwei Gesetzbücher hineinschauen muss: eins für das Bundes- und eins für das Landesrecht.

Ich bin mit dieser Materie aufgewachsen: Mein Vater war Amtsleiter in der Kämmerei von Regensburg, mein Onkel Verwaltungsrichter. Ich kam im Referendariat in die Kanzlei Schlachter und Kollegen, in der mein Vorgänger einen Nachfolger suchte. Also wählte ich auch mein Promotionsthema im Verwaltungsrecht, nämlich im kommunalen Unternehmensrecht, und suchte mir als Wahlfach das Wirtschaftsverwaltungsrecht aus.

beck-shop.de: Zu dem auch das Gewerberecht gehört.

Dr. Thomas Troidl: Das Gewerberecht ist sozusagen die Mutter des Wirtschaftsverwaltungsrechts und die Gewerbeordnung der Vater einer Fülle von Gewerbegesetzen, für deren Erlass nicht erst seit der sog. Föderalismusreform nicht mehr allein der Bund die Gesetzgebungskompetenz besitzt, sondern über weite Strecken die Länder zuständig sind (z.B. im Gaststättenrecht, Ladenschlussrecht, Glücksspielrecht). Rechtsakte der Europäischen Union und Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs bewirken zunehmend eine Globalisierung des Gewerberechts.

beck-shop.de: Wie sieht ein „typisches“ Mandat aus dem Gewerberecht aus?

Dr. Thomas Troidl: Gewerbetreibende gehen meist erst spät zum Rechtsanwalt, weil sie in der Regel Unternehmer sind und davon ausgehen, selbst mit den Behörden fertig zu werden. Wenn sie sich also zu anwaltlicher Beratung und Vertretung entschließen, geht es oft schon um Existenzen, zum Beispiel beim Entzug einer Fahrschulerlaubnis.

beck-shop.de: Macht Ihnen das Angst oder Spaß?

Dr. Thomas Troidl: Ich freue mich immer, wenn ich Menschen helfen kann. Beim Verwaltungsrecht im Allgemeinen und Gewerberecht im Besonderen sind natürlich sehr schnell Grundrechte tangiert, denken Sie nur an Stichworte wie Gewerbeuntersagung und Betriebsschließung. Das können komplexe Konfliktlagen sein, die behutsam aufgelöst werden müssen.

beck-shop.de: Welche Rolle spielt hierbei die Bürokratie?

Dr. Thomas Troidl: Bürokratie gibt es natürlich auch im Gewerberecht, und nicht zu knapp! Nehmen Sie als Beispiel eine Spielhalle: Bis Sie die betreiben dürfen, brauchen Sie eine Lizenz für die Automaten (damit das keine Betrugsmaschinen sind), eine Baugenehmigung (damit es genügend Stellplätze und Fluchtwege gibt), eine gewerberechtliche Erlaubnis (damit keine unzuverlässigen Betreiber am Markt sind) und eine glücksspielrechtliche Konzession (damit nicht Profit aus Spielsucht geschlagen wird). Das hat sicher alles seine Berechtigung, besonders übersichtlich ist es nicht.

Das Beispiel zeigt auch, dass das Gewerberecht zahlreiche Bezüge zu anderen Rechtsgebieten aus dem Öffentlichen Recht aufweist: Zum Baurecht und Umweltrecht, zum Immissionsschutzrecht und Gaststättenrecht, nicht zuletzt schließlich, wie gesagt, zum Verfassungsrecht.

beck-shop.de: Würden Sie neu zugelassenen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, sich auf dieses Rechtsgebiet zu spezialisieren?

Dr. Thomas Troidl: Das kommt darauf an (lacht). Man muss wahrscheinlich schon eine Ader dafür haben, es braucht schon Beharrlichkeit und nicht minder viel Sinn für Humor. Andererseits kommt Bürokratie nicht so schnell aus der Mode. Das ist schon noch eine Nische. Als ich vor fast 20 Jahren mit diesem Thema angefangen habe, gab es in Regensburg und Umland eine Handvoll Kanzleien, die sich auf Verwaltungsrecht spezialisiert hatten. Recht viel mehr sind auch heute noch nicht auf dem Markt. Dabei steht in Regensburg das Verwaltungsgericht für zwei Regierungsbezirke, Oberpfalz und Niederbayern.

beck-shop.de: Ist es wichtig in einem interdisziplinären Team zu arbeiten oder beantworten Sie alle sich ergebenden Fragen, z.B. auch im Mietrecht oder Arbeitsrecht, selbst?

Dr. Thomas Troidl: Gegenfrage: Wissen Sie, wo das Arbeitszeugnis geregelt ist? In der Gewerbeordnung! § 109. Da sehen Sie schon wieder, welche Bedeutung dieses Gesetz für unsere Wirtschaftsordnung hat – immerhin ist es eines der ältesten Gesetze, das wir noch haben, erlassen wurde die Gewerbeordnung vor fast 150 Jahren, im Jahr 1869 vom Norddeutschen Bund.

Gleichwohl haben wir für solche Fragen natürlich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei, Rechtsanwalt Dr. Matthias Ruckdäschel. Wenn es um die Anmietung von Gewerberäumen geht, kann Kollegin Hermelinde Fröhler-Schlachter als Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht helfen; für das gewerbliche Immobilienrecht im Übrigen steht Rechtsanwalt Wolfgang Schlachter, der Sohn des Gründers unserer Kanzlei, als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht zur Verfügung. Die Kanzlei Schlachter und Kollegen ist seit über 60 Jahren auf das Grundstücksrecht spezialisiert, das hatte immer auch einen starken Bezug zum Gewerberecht.

beck-shop: Im Fachverlag WALHALLA ist soeben der Kommentar zum „Aktuellen Gewerberecht“ erschienen, den Sie herausgeben. Können Sie kurz etwas zum Inhalt und Anliegen des Werkes sagen?

Dr. Thomas Troidl: Sozusagen zum 150. Geburtstag der Gewerbeordnung hat es sich der WALHALLA Fachverlag zur Aufgabe gemacht, eine moderne, aktuelle und praxistaugliche Kommentierung herauszugeben. Neben den einschlägigen Rechtsgrundlagen und Arbeitshilfen startet das Werk mit einer Kommentierung der wichtigsten Vorschriften der Gewerbeordnung.

beck-shop: Gibt es nicht schon genug Kommentare zur Gewerbeordnung? Was ist das Besondere an Ihrem Kommentar? Wer ist das Zielpublikum?

Dr. Thomas Troidl: Unser Kommentar wendet sich an Behörden und Rechtsanwälte sowie andere Rechtsanwender, die auf einfache und klare Strukturen angewiesen sind und deshalb konkreten Beispielen aus Rechtsprechung und Praxis den Vorzug geben gegenüber abstrakter Dogmatik. Folgerichtig rekrutiert sich auch das Autorenteam aus Verwaltung, Verwaltungsgerichtsbarkeit und Rechtsanwaltschaft. Von Anfang an steht der Kommentar neben der klassischen Loseblattsammlung in digitaler Fassung zur Verfügung und ist mit zahllosen benutzerfreundlichen Verlinkungen in die Welt WALHALLAs elektronischer Datenbanken eingebunden.

beck-shop.de: Auf das älteste Gewerbe der Welt gehen Sie auch ein?

Dr. Thomas Troidl: Natürlich. Das Prostituiertenschutzgesetz ist zum 1. Juli 2017 in Kraft getreten und stellt das jüngste Beispiel gewerberechtlicher Kodifikation dar, die nun in der Tat endlich auch das „älteste Gewerbe der Welt“ zu regeln versucht und die Rechtspraxis vor völlig neue Herausforderungen stellt.

beck-shop.de: Berührungsängste für den Juristen?

Dr. Thomas Troidl: Überhaupt nicht. Das ist ein spannendes Thema, das die Grundlagen unserer Gesellschaft berührt und wieder einmal die Frage aufwirft, welche Aufgabe unser Staat haben soll: Moralapostel, Sittenwächter oder doch lieber nur Gefahrenabwehr? Gerade für unsere Zeit, die das Gewicht von Freiheit und Sicherheit jeden Tag neu austariert, ist das eine wichtige Standortbestimmung.

beck-shop.de: Welche Zukunft hat das Gewerberecht? Glauben Sie nicht, dass es irgendwann der Deregulierung zum Opfer fällt?

Dr. Thomas Troidl: Leider nicht (lacht). Glauben Sie an die Deregulierung? Mich erinnert das eher an die Sage von Herakles und der Hydra, kennen Sie die? Wo ein Gesetz gestrichen wird, wachsen zwei Verordnungen nach. Uns Verwaltungsrechtlern geht die Arbeit auf absehbare Zeit nicht aus, möchte ich meinen. Möge unser Kommentar den Gewerberechtlern die Arbeit ein wenig leichter machen.

beck-shop.de: Herr Dr. Troidl, wir danken für das Gespräch.

Troidl / Assfalg / Gaa-Unterpaul
Aktuelles Gewerberecht
2017, Rund 1176 S., Walhalla Fachverlag, ISBN 978-3-8029-1805-6,
Preis 98,00 € inkl. MwSt.

 

Zum Autor Dr. Thomas Troidl:

Rechtsanwalt Dr. Thomas Troidl ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht sowie Bau- und Architektenrecht. Er ist Sozius in der 1953 gegründeten Kanzlei Schlachter und Kollegen, Regensburg.

Dr. Thomas Troidl studierte an der Universität Regensburg Jura mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht und belegte im Referendariat das Wahlfach Wirtschaftsverwaltungsrecht. Ein Auslandspraktikum absolvierte er in Mailand bei einer renommierten Anwaltskanzlei.

Rechtsanwalt Dr. Thomas Troidl ist Lehrbeauftragter an der Bayerischen Verwaltungsschule und hat zahlreiche Fachbeiträge und mehrere Monografien zum Verwaltungsrecht veröffentlicht. Er ist Bearbeiter von Kommentaren zum Verwaltungsrecht und Verwaltungsvollstreckungsrecht.

Daneben engagiert er sich als Gründungsmitglied und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Verwaltungsrecht im Deutschen Anwaltverein (Landesgruppe Bayern) und Mitglied im Vorstand der Rechtsanwaltskammer Nürnberg.

E-Mail: thomas.troidl@rae-schlachter.de

Web: www.rae-schlachter.de

Adressen im Netz:

Schlachter und Kollegen auf Facebook

Dr. Thomas Troidl auf TwitterLinkedInGoogle+ und Xing

 

Wichtige Neuregelungen!

Liebe Kollegen,

in dieser Übersicht finden Sie wichtige Neuregelungen zum Juni und Juli 2017.

Wir wünschen informative Lektüre und einen guten Wochenstart!

Mit herzlichen Grüßen aus München

RA Katharina Nitsch und das Kanzleiforum-Team

 

Kostenloses eMagazin zum Thema Legal Tech

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die erste Sonderausgabe des eMagazins kanzleimarketing.de widmet sich dem Thema Legal Tech – einem Trend, der die Rechtsbranche nachhaltig verändert und noch weiter verändern wird. Aber was heißt das genau? Statt sich dem Phänomen allgemein zu widmen, hauchen die Fachautoren ihm Leben ein: Anhand von konkreten Praxisbeispielen aus dem Kanzleialltag zeigen sie, wie Juristen Arbeitsprozesse, Marketing oder Mandantenbetreuung verbessern können. Was kann eine Vertragssoftware leisten? Welche Rolle spielt das Kanzleipersonal bei der Umstellung auf Legal Tech? Was sind Chatbots? Diese und noch weitere Fragen beantworten unsere Fachautoren in unserer Sonderausgabe.

Aus dem Inhalt

  • Stefan Morschheuser: Legal Tech und die Demokratisierung des Rechts
  • Marco Klock: Produktbasierter Marketing-Ansatz
  • Pia Löffler: Suchmaschinenoptimierung: Der Mensch im Fokus
  • Sabine Ecker: Vertragssoftware: Ist ein Vertrag nicht mehr als die Summe seiner Klauseln?
  • Susanne Pannenbäcker: Fit für Legal Tech: Auf die richtigen Mitarbeiter kommt es an!
  • Patrick Prior: Legal Chatbots und die Kommunikation mit Rechtsanwälten

Das Magazin finden Sie hier.

Eine interessante Lektüre wünscht mit besten Grüßen

RA Katharina Nitsch

Zeitschrift JUVE Steuermarkt – Interview mit dem Co-Redaktionsleiter René Bender

Guten Tag Herr Bender, herzlichen Dank dafür, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Seit Anfang 2017 gibt es die Zeitschrift JUVE Steuermarkt als Pendant zur Zeitschrift JUVE Rechtsmarkt. Was ist Ihre Zielsetzung?

Die Grundidee von JUVE Steuermarkt ist, mehr Transparenz in die Beratungsbranche zu bringen und Steuerexperten über die wesentlichen Entwicklungen in ihrem Arbeitsgebiet informieren. Und das in gewohnter JUVE-Qualität: analytisch, hintergründig, fair, investigativ. Der Zeitpunkt dafür ist in unseren Augen ideal, denn der Steuerberatungsmarkt verändert sich so stark wie nie zuvor: Dazu tragen die Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung ebenso bei wie die globalisierte Wirtschaftswelt und ein verstärkter Fokus auf Steuerthemen aufseiten der Gesetzgeber und Verwaltungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene.

Welche Leserschaft spricht JUVE Steuermarkt an?

Wir richten uns an Steuerexperten in Beratungsgesellschaften, Anwaltskanzleien und Unternehmen sowie in der Verwaltung und den Gerichten. Entsprechend groß ist das Spektrum der Adressaten – von den Big Four bis hin zu kleinen Einheiten, die wirtschaftsberatend tätig sind oder die Entwicklungen auf diesem Feld verfolgen. Mit unseren Analysen, Interviews, Kennzahlen und Rankings erreichen wir schon kurz nach unserem Start etwa 6.000 Steuerexperten an allen wichtigen Schaltstellen der Branche, davon alleine mehr als 3.000 in Unternehmen.

Entspricht das Konzept von JUVE Steuermarkt 1:1 dem Konzept von JUVE Rechtsmarkt oder gibt es signifikante Unterschiede?

Das Konzept ist in weiten Teilen angelehnt an das seit Langem bewährte Erfolgsmodell von JUVE Rechtsmarkt, aber es gibt auch einige Unterschiede. Identisch sind die schon angesprochenen Ziele. Wir möchten Transparenz in die Beratungsbranche bringen und die Experten über die wesentlichen Entwicklungen informieren. Vom Grunde her sehr vergleichbar ist deshalb auch das Themenspektrum. Wir lenken unseren Blick auf Managementtrends und die Menschen in Beratungsfirmen und Kanzleien sowie in Steuerabteilungen, in der Verwaltung und Gerichten und berichten über wichtige Transaktionen und Verfahren. Ein entscheidender Unterschied: Im JUVE Steuermarkt beleuchten wir in einer festen Rubrik auch die Ausbildungs- und Karrierethemen, über die wir im Rechtsberatungsmarkt nicht im JUVE Rechtsmarkt, sondern in der Publikation azur berichten. Zudem werden Sie im JUVE Steuermarkt ab dem kommenden Jahr auch detaillierte Rankings in rund zehn verschiedenen steuerlichen Disziplinen finden, angelehnt an die bekannten Rankings im JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien.

Neben Personalien greifen Sie auch Themen auf, die für Steuerberater allgemein von Interesse sind, wie z.B. Mitarbeitersuche oder Existenzgründung. Wie findet die Redaktion die Themen?

Wir finden die Themen vor allem durch den täglichen Austausch mit der Szene. In hunderten von Gesprächen, die jeder Redakteur jährlich führt – auch im Rahmen der Recherche für das JUVE-Handbuch, azur- oder die täglichen Nachrichten auf juve.de – nehmen wir auf, was unsere Gesprächspartner bewegt, interessiert und verbindet. Die Verbindung aller Produkte durch eine Zentralredaktion ist auch der Grund für die qualitative Stärke von JUVE Steuermarkt.

Aus welchen Mitgliedern setzt sich die Redaktion zusammen?

Sieben Redakteure bilden das Kernteam von JUVE Steuermarkt. Dies sind der Chefredakteur Jörn Poppelbaum und ich, die wir die Publikation gemeinsam leiten, sowie die Fachredakteure Catrin Behlau, Eva Flick, Daniel Lehman, Till Mansmann und Stephan Mittelhäuser. Um die Koordination der Informationen und die Datenerhebung kümmert sich Stephanie Riemann, die Schlussredaktion liegt bei Ulrike Sollbach und Sirka Laass. Regelmäßig wird das Team außerdem durch weitere der insgesamt 30 Redakteure unterstützt.

Werden Sie auch ein Handbuch für den Steuerberatungsmarkt herausgeben? Und planen Sie dann gegebenenfalls vergleichbare Veranstaltungen für Steuerberater wie den „JUVE Award für Kanzleien“?

Wie angedeutet, wird es bereits im kommenden Jahr auch ein auf den Steuerberatungsmarkt zugeschnittenes handbuchähnliches Produkt geben. Es wird dem Leser Beraterrankings in den wesentlichen Spezialdisziplinen liefern. Diese reichen vom Konzernsteuerrecht über transaktionsbezogenes Steuerrecht, Umsatzsteuerrecht und Verrechnungspreisen bis hin zur Nachfolge- und Vermögensberatung. Weitere Beispiele sind die derzeit besonders gefragten Felder Steuerstreit und Steuerstrafrecht sowie Compliance-Prävention und Untersuchungen. Dies auf die Beine zu stellen ist erst einmal Herausforderung genug. Ob wir auch eigene JUVE Awards für Steuerberater ausrichten, werden wir zu gegebener Zeit entscheiden. Bereits jetzt verleihen wir ja JUVE Awards in den beiden Kategorien „Kanzlei des Jahres für Steuerrecht“ und „Inhouse-Team des Jahres für Steuerrecht“.

Herr Bender wir danken Ihnen für das Gespräch.

Weitere Informationen zur neuen Zeitschrift JUVE Steuermarkt finden Sie hier.