Ichiban: Eins und Eins macht Eins

Zu den beeindruckendsten Anekdoten aus meiner Studienzeit zählte der Bericht einer Freundin meiner Eltern. Die Dame war Leitende Oberstaatsanwältin und hatte in einem Totschlagsprozess gerade eine mäßig hohe Freiheitsstrafe für einen recht selbstbewussten Angeklagten gefordert. Der, nach seinem letzten Wort befragt, antwortete, das mit den dreieinhalb Jahren gehe in Ordnung. „Aber“, so setzte er nach, „nich‘ von die Puppe da!“.

Nr. 1 verhandelt nur mit Nr. 1 – die Japaner haben für dieses Phänomen einen eigenen Begriff geschaffen, das „Ichiban“-System. Tatsächlich fällt auch im Anwaltsgeschäft auf, dass es mittelständische Kanzleien oft gar nicht erst auf die Panels von Großkonzernen schaffen, die Aufträge „verpitchen“ – von Höchstspezialisierungen einmal abgesehen. Von einem bekannten Rechtsberater der Verteidigungsindustrie wird berichtet, er könne sich vor Vergabeverfahren kaum retten, sei er doch Oberstleutnant der Reserve.

Aber es geht auch eine Nummer kleiner: Sie sind ein ausgewiesener Praktiker, aber es fehlt Ihnen der Doktortitel. Genau auf den scheint aber die Geschäftsführung Ihres Wunschmandanten immer wieder Wert zu legen, ohne dass jemals klar würde, worüber Ihre Konkurrenten überhaupt promoviert haben.

Oder ist das alles Unsinn und halb so wild? Rankings, die an dieser Stelle schon angesprochenen „Briefe und Siegel für Hase und Igel“ haben für Sie keine Bedeutung? Und Sie gehören auch nicht zu denen, die bei Kollegeneinladungen als erstes nachschauen, welche Sozietät sonst noch auf dem Verteiler steht?

Wir sind gespannt, was „Ichiban“ für Ihre Praxis bedeutet. Für das Kanzleiforum-Team grüßt

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Steuerberater, achten Sie auf Ihre Aktentasche!

Steuerberater, achten Sie auf Ihre Aktentaschen!
Sie sind Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und „mit Aktentasche bewaffnet“? Dann sehen Sie sich vor, wenn Sie damit auch künftig noch „in die Konzernzentralen marschieren“ wollen! Wo früher „Wirtschaftsprüfer in die Kaffeeküchen eilten“, prophezeit nämlich kein geringeres Medium als die FAS (Nr. 23 v. 12.6.2016, 33) den künftigen Aufmarsch der Informatiker, Mathematiker oder Naturwissenschaftler. Und mit ihnen natürlich den Einsatz passender Analysesoftware. Entsprechende Forschungsprojekte der Big Four sind schon recht weit gediehen, und auch einschlägige Studien präsentieren ihre Ergebnisse zum Wandel der Arbeitskultur wissensbasierter Berufe mittlerweile eher beiläufig als in kapitalen Lettern.
So kommt die Delphi-Studie 2050 über die Zukunft der Arbeit zu dem Ergebnis, dass die qualifizierte Büroarbeit von heute einer virtuellen Kollaboration im „Metaversum“ weichen wird. Übersetzt heißt das: Ihre Aktentasche bleibt, wo sie ist, und die Arbeit kommt zu Ihnen in einen kollektiven imaginären Raum. Passend dazu zeigt die zentrale Studie der Bundessteuerberaterkammer zur Steuerberatung 2020, dass die Digitalisierung von Geschäftsprozessen als zentrales Handlungsfeld erkannt worden ist. Zuerst Digitalisierung, dann Telepräsenz mit (u.a.) virtueller Betreuung – und schließlich (Software-)systeme zur Selbstberatung, das Ganze in deutlich unter zehn Jahren.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn nun schauen Sie sich mal die dort zitierte STAX-Erhebung an, in der Steuerberater auch ihren tatsächlichen Vorbereitungsgrad angeben konnten. Dass die Zunahme elektronisch abgewickelter Geschäftsprozesse eine deutlich stärkere Auseinandersetzung mit elektronischer Kommunikation erfordert, dem stimmt die Mehrheit „voll und ganz zu“. „Bereits bestens vorbereitet“ fühlt sich aber nicht einmal jeder siebte. Und eher unvorbereitet sieht sich weit über ein Viertel. Wie bewaffnen, pardon, wappnen Sie sich denn vor diesem Hintergrund? Und was wird aus Ihren Aktentaschen? Auf jeden Zutrag, der sich nicht im bloßen Umsteuern auf Teeküchen erschöpft, freut sich wie immer
Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

Kollegen im Großraumwagen

Wer kennt das nicht: Sie sitzen in A und vertreten einen Mandanten in B. Die Fahrtzeit rechnen Sie (teilweise) ab, und nun sitzen Sie im Zug und möchten etwas tun für Ihr Geld. Also klappen Sie Ihr Notebook auf oder aktivieren das Pad und loggen sich ein. Aber Sie achten unter Einsatz aller aufklappbarer Bücher und Ihrer kühlen Schulter darauf, dass Ihr fremder Sitznachbar den Bildschirm keinesfalls einsehen kann. Und wenn Sie Ihren Platz verlassen, nehmen Sie das Gerät auch kurzzeitig mit. Falls Ihr Smartphone klingelt, raunen Sie geheimnisvoll, Sie könnten in dieser Umgebung unmöglich sprechen. Es könnte sonst jemand mithören. Frage: Wie oft haben Sie derlei schon gehört und gesehen?

Wie wäre es stattdessen mit diesem Szenario: Erste-Klasse-Verbindung nach Köln, München, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Leipzig, neun Uhr morgens, überall klappern die Tasten. Zwischen herumliegenden Excel Sheets telefoniert das gefühlte ¼ Anwaltskollegen munter über die nächsten Schritte in der Sache xy. Falls der Zug pünktlich ist, erfährt die Pointe der Taxifahrer. Halten Sie das vor dem Hintergrund der § 43a II BRAO, § 2 BORA für einen Verschwiegenheitsverstoß? Bevor Sie sorgenvoll nicken – dort kennt man auch den Begriff der Sozialadäquanz. Zwar könnte es sein, dass jedes „Nichtauspacken“ in der Öffentlichkeit auch auf bezahlten Fahrwegen eine anwaltskulturelle Errungenschaft ist. Aber in Zeiten, in denen Mandanten vor allem eines: nämlich jederzeitige Dienstleistungsbereitschaft zu verlangen scheinen, ist es womöglich auch schlicht „old school“, sich dem Gespräch unterwegs zu verweigern. Wie gehen Sie damit um?

Die gesellschaftspolitische DNA der Anwaltschaft

In seiner Eröffnungsrede anlässlich des 67. Deutschen Anwaltstages in Berlin hat es DAV-Präsident Ulrich Schellenberg heute Morgen so formuliert: „Selbstverständlich nimmt die Anwaltschaft ihre gesellschaftspolitische Aufgabe wahr!“. Hintergrund ist der neu beschlossene Fachanwalt für Migrationsrecht, und dass es kritische Stimmen zu den Positionen des DAV in der Flüchtlingsfrage gibt, ist unübersehbar. In seiner Grundsatzrede schreitet Schellenberg von dort aus weiter voran zur Top-Forderung nach strafrechtlichen Sanktionen, einem zentralen Thema der Fachveranstaltungen.

Indes: Da gab es große Vordenker der Gewaltenteilung, nach denen nicht einmal die Entscheider auf der Richterbank mehr sein sollten als „la bouche qui prononce les paroles de la loi“ (Montesquieu, 1748) … oder, wie es einmal ein Studienfreund formulierte: „das Mietmaul“. Liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte? Kommt gar schon die Frage nach einer Beschränkungswürdigkeit eines gesellschaftspolitischen Mandats dem Ansinnen an die Frösche gleich, einen Teich auszutrocknen? Welche Sachargumente sehen Sie für mehr gesellschaftspolitisches Engagement der Anwaltschaft, welche umgekehrt für größere Zurückhaltung?

Wir freuen uns auf Ihren Zutrag!

Für das Kanzleiforum-Team grüßt aus Berlin

Ihre

Anette Hartung

Briefe und Siegel für Hasen und Igel? Das ambivalente Verhältnis zu Rankings

Kennen Sie das auch? Das ganze Jahr stürmen Sie über die Ackerfurche, und am Ende ruft Ihnen das stachelige, uniforme Wettbewerberteam lapidar entgegen, dass es schon da ist – „Ick bün al dor!“
Warum hat es wieder nicht für den „Lujedor“ (Louis d’or) gereicht? Warum sind Sie nur in Tier 3 gerankt und der Müller-Meier, der nur den Schmidt-Schulz-Deal und sonst nichts weiter zu bieten hatte, … aber Stopp. Wieso sind solche Rankings für Sie überhaupt so wichtig? Und welche Befindlichkeiten lösen Sie bei Ihnen aus?
Meine Beobachtung als Wirtschaftsredakteurin ist die eines tiefen Ambivalenzempfindens. Wer gut wegkommt, postet diesen über alle Zweifel erhabenen Qualitätsnachweis von Juve, Chambers, Handelsblatt Best Lawyers, WiWo, Focus, etc. sofort. Wer nicht, stellt das Medium in Frage. Auf Nachfrage ist den Beteiligten durchaus klar, worin der eigentliche Sinn von Rankings besteht: Sie sind vor allem eine Absicherung für potenzielle Mandanten, die die Qualität einer Dienstleistung ansonsten nur schwer beurteilen können. Aber ob das das Hase-und-Igel-Rennen wert ist, darüber entbrennen immer wieder Diskussionen.
Ihre Chance: Ihre Ansicht?

Aus Frankfurt grüßt Sie
Ihre
Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

Der neue Beck-Anwaltsblog: Wir machen es anders … Machen Sie mit

Eines vorweg: Bloggen auf Schülerzeitungsniveau – das war einmal. Kaum ein renommierter Wirtschaftsredakteur, der sich neben seiner journalistischen Kernbetätigung nicht den eigenen Blog leistet. Sie sind Anwalt und fragen sich, wer Ihre wichtigsten Multiplikatoren sind? Fachlich gibt es hier nicht nur den beck-blog. Zusätzlich schauen Sie sich mal den FAZ-Juristen-Blog „Das letzte Wort“ und den Management-Blog der WirtschaftsWoche an. Dort finden Sie jeweils „Blicke auf Urteile, Gesetze und Ereignisse im Wirtschaftsrecht“ (FAZ) bzw. „Einblicke hinter die Kulissen der Unternehmen“ (WiWo). Daneben gibt es große Sozietäten wie CMS oder Kollegen wie Dr. Johannes Zöttl von Jones Day, deren Blogs manchem Verkaufsprodukt Konkurrenz macht.*
Allerdings: Unsere  Aufnahmebereitschaft ist begrenzt. Und unsere „Medienzeit“ – die wir ja meistens nicht abrechnen können – ist knapp. Deswegen wollen wir mit diesem Blog  aus dem üblichen Schema ausbrechen. Einmal wöchentlich soll es ab sofort 1. nicht um Fachliches gehen! Stattdessen wollen wir Ihnen ein Forum für Entwicklungsthemen zur Verfügung stellen. 35.000 überwiegend mittelständische Rechtsanwälte und 30.000 Steuerberater garantieren einen enormen Pool an Adressaten. Die 2. auch wirklich mitdiskutieren sollen! Das ist Ihre Chance.
Rufen Sie uns Themen zu – und wir greifen Sie Woche für Woche auf. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag .

Es grüßt Sie
Ihr
beck-shop.de Blogteam