Business-Lunch – Gut essen und dabei auch noch abnehmen. Gastbeitrag von Dr. Frank Lang

Der geplagte Sitzarbeiter hat es nicht nur zuverlässig im Rücken, sondern auch auf den Hüften, meist als Folge der zahlreichen (Frust-) Snacks mit zu vielen Kalorien aus der Büroschublade („A moment on the lips, a lifetime on the hips“). Sollen aus unserem Winterspeck wirklich Frühlingsrollen werden? Nein! Was also tun?

Ein wenig Theorie vorweg

Neben Bewegung (für Rücken und Hüften gut) wird vor allem empfohlen, richtig zu essen, um dem Übergewicht zu trotzen. Was aber bedeutet „richtig“ in diesem Zusammenhang? Um Gewicht zu verlieren und das Wunschgewicht auch zu halten finden sich unzählige Methoden. Ein aktuelles Buch hat gerade mit den in diesem Zusammenhang üblichen Mythen, falschen Heilsversprechen und Anleitungen zum Selbstbetrug aufgeräumt. Abnehmen bedeutet danach: die Summe der täglich verzehrten Kalorien muss deutlich unter den im selben Zeitraum verbrauchten liegen. Ein Kilogramm Fett hat rund 7.000 bis 9.000 kcal; jeder kann also selbst ausrechnen, wie lange ungefähr die tägliche Kalorienbilanz um welchen Wert negativ sein muss, um diese „angesparte“ Menge zu verbrennen. So einfach in der Theorie.

By the way: Für gewöhnlich unterschätzen wir nach Meinung der Autorin unsere Kalorienaufnahme um rund 20 % – unterstützt durch falsche Angaben auf den Lebensmittelverpackungen – und überschätzen unser Maß an Bewegung um denselben Wert!

Ab in die Umsetzung

Es ist ein Gemeinplatz, dass der Sixpack in der Küche und nicht im Fitnessstudio gemacht wird. Deshalb hier die 5 einfachsten und schnell umsetzbaren Tipps  für den diätetisch wertvollen Business-Lunch:

1. Finger weg vom Brotkorb

Vor allem Brot aus Weißmehl liefert völlig überflüssige Kalorien und kaum Nährwert. Vollkornprodukte werden zwar als Ballaststoffe grundsätzlich dringend benötigt, haben aber immer noch einen hohen Brennwert. Und ich kenne nicht viele Lokale, in denen überhaupt Vollkorn im Brotkorb zu finden ist.

2. Nudeln und Reis als Beilage sind: TABU

Gerade diese beiden sehr beliebten und vergleichsweise (für den Wirt) preiswerten Füllmaterialien (lassen den Teller so richtig gut gefüllt aussehen) verfügen über so viele Kalorien, dass schon diese eine Hauptmahlzeit die gesamte Tagesbilanz zunichtemachen kann. Auch hier suchen Sie die Vollkorn-Varianten auf der Speisekarte für gewöhnlich vergeblich. Besser: Fleisch oder Fisch nur mit Gemüse kombinieren.

3. Das Kreuz mit dem Dressing und den Ingredienzien

Der Mimikry-Salat der selbsternannten Fitness-Adepten ist für gewöhnlich eher eine Mogelpackung: Mit Croutons, Käse, Schinken etc. sowie dem Dressing deckt er alleine den gesamten Tagesbedarf eines Erwachsenen an Kalorien. Also: Raus mit den unnötigen Zutaten und verfeinern nur mit Essig und (in Maßen!) Olivenöl.

4. Auf den Nachtisch verzichten

muss niemand. Aber die Wahl sollte weniger auf die zuckerhaltigen Naschereien denn auf ein Stück Obst fallen. Nur am Rande: Es gibt die Theorie, beim Eisessen werde so viel Energie verbrannt, um das Gefrorene auf Körpertemperatur zu bringen, dass die Bilanz am Ende dennoch gut aussehe. Dann aber eher zum Sorbet greifen oder wenigstens auf die Waffel verzichten zugunsten des Bechers …

5. Im Wasser sterben die Fische, …

aber Mineralwasser löscht zuverlässig und ohne unnötige Kalorien den Durst. Viele von uns torpedieren ihre Abnehmbemühungen mit Fruchtsaftschorlen, Smoothies und anderen flüssigen Kalorienbomben. Auch Alkohol zur Mahlzeit ist schädlich, nicht nur wegen der darin enthaltenen Kalorien, sondern auch weil der parallele Alkoholabbau die Verdauung und den Fettabbau beeinträchtigt. Kurz vor dem Essen ein großes Glas Wasser zu trinken soll angeblich zu einer schnelleren Sättigung bei weniger Nahrungsaufnahme führen.

Übrigens: Milch ist ein Nahrungsmittel, kein Getränk. Es wird seinen Grund haben, warum kein echter Italiener nach 11 Uhr morgens Cappuccino trinkt, schon gar nicht im Anschluss an eine Mahlzeit.

Guter Rat zum Schluss

Eine gemeinsame Mahlzeit unter Kollegen oder mit Mandantschaft dient in erster Linie der entspannten Kommunikation und weniger der Nahrungsaufnahme. Deshalb mein dringender Rat: Besser nicht über die Östrogene im Schweineschnitzel und deren Folgen für die menschliche Gesundheit dozieren! Wir wollen doch keine Oberlehrer sein!

Business-Kleidung richtig tragen – die Zweite. Gastbeitrag von Dr. Frank Lang

Zahlreiche unmittelbare (niemand hat sich scheinbar getraut, die Kommentarspalte des Artikels direkt zu bereichern) Reaktionen sind hier eingegangen zum kleinen Beitrag über Herrenmode. Überraschend viele Hinweise kamen zu angeblichen Modesünden, über die vermeintlich nicht geschrieben wurde. Es tut mir leid, liebe Freunde gepflegter Regelkultur: So gerne ich alles in meiner Macht stehende für euch tue, es ist unmöglich, ein ewiges, allseits verpflichtendes Manual aller Aspekte der „korrekten“ Bekleidung aufzulisten und jeden Aspekt abzuarbeiten. Das ist ein großes Missverständnis! Denn: „Wer auf die Welt gekommen ist, sie ernstlich und in den wichtigen Dingen zu belehren, der kann von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut davon kommt.“ (Schopenhauer, P II 493).

Die Deutschen und die Welt

Das mit den Regeln scheint einen Nerv getroffen zu haben in unserer deutschen Seele. Aber welchen? Den des strebsamen Schülers („Herr Lehrer, ich weiß auch noch etwas…!“)? Den des deutschen Oberlehrers, der (selbst saturiert) gerne andere – etwa die armen Südländer beim Geld ausgeben – reglementiert? Oder jenen des ebenso germanischen (die Nazi-Vergangenheit seiner Ahnen verdrängenden) Weltverbesserers, der – getrieben von den selbsternannten „Meinungsmachern“ in den hiesigen Medien – in den heiligen Krieg zieht, um die von ihm zielsicher auf Basis seiner individuellen Vorurteile identifizierten Ungläubigen zwangszubekehren? By the way: Auch der hierzulande so gescholtene Donald Trump ist letztlich ein Deutscher!

Der Faktor Unsicherheit

Der Deutsche mag keine Unsicherheit, das macht ihn nervös. Aber die Mode wechselt, denn deren Hersteller wollen doch auch Wert schöpfen. Grün und blau schmücke jede Sau, hat mir eine altgediente Schneiderin einmal nahe gebracht. Stimmt aber doch schon lange nicht mehr! Gleiches gilt etwa für die Kombination von grau und braun. Die Krawatte ist mal schmäler wie zuletzt, in der übernächsten Saison wieder breiter. Ebenso waren nun einige Jahre die Hosen schmal, im kommenden Sommer sind sie wieder weiter geschnitten. Die Ausführungen zur Brusttasche des Sakkos (dort „The Essential“: Umberto Angeloni ist ja nun doch auch nicht irgendwer!) können morgen schon Geschichte sein. Ob jetzt Krawatte und Einstecktuch identisch sind, ist doch letztlich einerlei. Ende der Auflistung!

Die Entscheidung zwischen Trendsetter und Modeopfer ist eine Frage des persönlichen Mutes, des Instinktes (wer wird schon gerne als „Brioni-Kanzler“ geschmäht) und auch des Umfeldes. Der Geck entlarvt sich selbst dann, wenn er alle „Vorgaben“ peinlichst befolgt. Wahrscheinlich gerade deswegen …

Emanzipation für Anfänger

Auch als Mann sollte man sich einfach von (echten wie vermeintlichen) Regeln emanzipieren: „Denn selbst muss der Freie sich schaffen: Knechte erknet‘ ich mir nur!“ lässt Richard Wagner Wotan seine Brünnhilde belehren. Die zahlreichen dunkelblau und grau gewandeten Business-Knechte in den Unternehmen – oft als „sprechende Anzüge“ diffamiert, manchmal auch als „Stiefellecker“ und „Schleimspurkriecher“, etwas vornehmer wäre vielleicht die Bezeichnung „Wasserträger“; die Liste beleidigungsfähiger Zuschreibungen ließe sich beliebig fortsetzen – zeugen meist vor allem von übertriebener Anpassung und servil wirkender Unterwürfigkeit. Folgen wir also den Frauen und machen uns frei: Der immer weiter um sich greifenden kindischen Blödheit in Politik, Medien und Wirtschaft gilt es mit innerer Haltung zu begegnen statt mit äußerer Uniformiertheit. Korrekte, modische und individuell passende Kleidung kann allenfalls externalisierter Ausdruck solch resilienter Grandezza sein; alles andere wirkt bestenfalls verkleidet. Der erwachsene Mensch wirkt durch seine Haltung, sein Benehmen, die wohl überlegten Worte und nicht zuletzt seine Taten.

Hören wir also nun auf, unsere Mitmenschen zu manipulieren und arbeiten an unserer inneren Haltung. Omm.

Stil ist nicht diskutabel – oder doch? Gastbeitrag von Dr. Frank Lang

Stil ist nicht diskutabel – oder doch?

Stil sei nicht diskutabel, ist eine landläufige Ansicht. Entweder man habe ihn oder eben nicht. Lernen könne man das alles als Erwachsener ohnehin nicht mehr. Soweit diejenigen, welche sich aus dem lebenslangen Lernprozess schon verabschiedet haben, weil er zu mühevoll erscheint.

Was aber ist Stil nun eigentlich?

Der Kolumnist einer renommierten britischen Tageszeitung schrieb vor einigen Jahren, Stil sei die Art und Weise, wie man mit dem Unbill umgehe, welches einem täglich von seinen Mitmenschen angetragen werde. Damit können wir uns der Sache doch ein wenig nähern:

Vorbilder

Hochachtungsvoll bewundere ich immer wieder Menschen, die völlig gelassen bleiben angesichts von Provokationen, Beleidigungen, groben Regelverletzungen und den anderen netten Dingen, welche uns den Alltag und das Zusammenleben so regelmäßig vermiesen. Jedes Mal, wenn ich das Vergnügen habe, solcherlei als Zeuge zu erleben, frage ich mich ehrfürchtig (und ja: ein wenig neidisch): Wie schaffen die das? Den aufsteigenden Ärger reaktionslos scheinbar „durchzuleiten“ und am Ende sogar noch eine spontane, höfliche Entgegnung parat zu haben. Während üblicherweise der Reiz den Schalter trifft und die Abwehr auf Angriff umschaltet.

Praxis

In meiner ländlich geprägten Heimat gibt es eine klare Regel: Mit den Schweinen steigt man nicht in den Ring, denn man macht sich nur schmutzig und die Schweine haben noch ihren Spaß dabei (frei nach Regina Barreca). Das Beste scheint also zu sein, präventiv jede unnötige Form von Konfrontation zu vermeiden.

In der „klinischen Situation“ (Gerichts-) Verhandlung, Besprechung (vulgo Business-Meeting) oder auch Personalgespräch lässt sich das aber nicht zuverlässig verhindern. Es muss also ein Rezept für eine innere Distanzierung zu geben, welches die gleichmütige Resilienz gegenüber dem gemeinen Wadenbeißer ermöglicht. Wer sich aufregt, nimmt die Sache meist viel zu ernst. Denn das ist einer der größten Irrtümer: es gehe in solchen Zusammenkünften um irgendeine Sache. Nein, der Gegenstand des Interesses ist fast immer schon vorher alleine oder in kleineren, informellen Runden auf der Grundlage von Vorurteilen beschlossen und es geht nun nur noch darum, die vorgefasste Entscheidung hierarchiegerecht förmlich zu gebären und damit quasi rituell in die Welt zu setzen. Wer seinen Platz im Stall der Alphatierchen noch nicht gefunden hat oder sich dessen nicht sicher ist, muss also: kämpfen. Wer sich hingegen entspannt zurücklehnt und den anderen bei der Drecksarbeit zuschauen kann, scheint der „Ober“ zu sein.

Diejenigen, welche wirklich etwas zu sagen haben, schweigen ohnehin und die übrigen muss man gewöhnlich mit aller Gewalt vom Reden abhalten. Es hört Ihnen ja doch niemand zu: „Des Menschen Wort ist wie eine gesprungene Pauke, auf der wir eine Melodie heraustrommeln, nach der kaum ein Bär tanzt, während wir die Sterne bewegen möchten.“ (Gustave Flaubert (1, 234), Madame Bovary).

Ein Beispiel gefällig?

Wer regelmäßig das verfolgt, was im Fernsehen gerne als politische Debatte (neudeutsch Polit-Talk) verkauft wird, weiß: Dort diskutieren Menschen völlig befreit von jeder Sachkenntnis zum gewählten Thema, ohne profunde Tatsachengrundlage und unfähig, differenzierte Lösungsvorschläge zu präsentieren (als „postfaktisch“ wurde das neuerdings entlarvt). Die Moderatoren scheinen die Aufgabe zu haben, eine schlagzeilenfähige Bemerkung zu provozieren, um dem Ganzen auch in den folgenden Tagen noch ausreichend mediale Aufmerksamkeit zu garantieren (der Prototyp eines selbstreferenziellen Systems).

Wir grüßen also höflich die Diskutanten, danken für die zahlreichen Wortbeiträge, wenden uns mit dem Hinweis auf dringende familiäre Verpflichtungen ab und zahlen den Rundfunkbeitrag künftig fürs Nichtsehen. Wäre das guter Stil?

Die erste Lektion

für guten Stil scheint also zu sein, schweigen zu lernen. Om. Bitte mit einem Lächeln, denn wir wollen ja bella figura machen mit unserer seit Neuestem immer korrekt gebundenen Krawatte.

Dr. Frank Lang, Lektor, Verlag C.H.BECK oHG

Nicht oben ohne – Beitrag von Tobias Freudenberg, Schriftleiter der NJW

Derzeit wird viel über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Rechtsberatungsmarkt geschrieben. Was an dieser Entwicklung ist disruptiv, lautet eine zentrale Frage. Überhaupt ist im Zusammenhang mit der Digitalisierung viel von Disruption die Rede. Intelligente Maschinen und Algorithmen werden die Menschen bald aus dem Berufsleben verdrängen, heißt es. Auch die Juristen.
Wenn die Roboter da mal nicht unser Beharrungsvermögen unterschätzen.
Unabhängig davon, dass natürlich ausgerechnet unsere Profession viel zu anspruchsvoll ist, um automatisiert zu werden, gibt es ein anschauliches Beispiel, wie wir der Digitalisierung trotzen: Der Kleidungsstil des Computerzeitalters ist betont leger. Oder casual, wie es im Business-­Sprech heute heißt. Der Chef von Apple, Tim Cook, präsentiert etwa seine Produktneuheiten stets in Jeans und Sneakern (so nennt man heute Turnschuhe). Dazu trägt er dunkle Hemden, die natürlich lässig aus der Hose hängen. Mark Zuckerberg, der Chef von Facebook, hält es ähnlich. Statt Hemd trägt er aber T-­Shirt und Hoodie (so nennt man heute Kapuzenpullover, die so etwas wie die Uniform der IT-­Branche sind).
Da wollen deutsche Spitzenmanager natürlich nicht nachstehen. Man könnte ihnen ansonsten ja auch vorhalten, sie hätten den Zug der Zeit verpasst. Der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Dieter Zetsche, trägt neuerdings auch häufig Jeans und Turnschuhe. Das wirkt, ohne dem Mann zu nahe treten zu wollen, immer etwas pseudolässig. Zumal er an seinem buschigen Schnauzer festhält, anstatt auf einen Hipster-­Rauschebart umzustellen, und weiterhin eine randlose Brille trägt, obwohl nur überdimensionale Horngestelle wirklich in sind. Zetsche ist übrigens kein Einzelfall: Auch in anderen DAX-­Konzernen verzichten viele Obere inzwischen auf den Anzug, zumindest aber auf die Krawatte.
Und die Juristen? Die lässt die Digitalisierung zumindest beim Outfit völlig unbeeindruckt. Ich war in den vergangenen Monaten auf mehreren Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Legal Tech beschäftigten. Selbst auf diesen Digital-­Kongressen blieben sich die Rechtsexperten treu. Anzug und Krawatte bei den Herren, Kostüm bei den Damen. Ok, einige Wagemutige verzichteten auf den Binder, das war dann aber auch das Maximum an Nonchalance.
Auch unser Bundesjustizminister geht stets adrett gekleidet mit ­gutem Beispiel voran. Im vergangenen Jahr wurde Heiko Maas (SPD) von einem Männermagazin wegen seiner „perfekt sitzenden Anzüge“ zum „best dressed Man 2016“ gewählt. Weil er mit smartem Auftreten nicht nur politisch Haltung zeige!
Wir Juristen sind eben Traditionalisten. Hemd und Krawatte gelten vielerorts noch als Teil der Amtstracht. Ein Anwalt mit offenem Hemd oder gar T-­Shirt? Ausgeschlossen (OLG München, NJW 2006, 3079). Daran wird auch die Digitalisierung nichts ändern. Zumindest kleidungsmäßig sind die Juristen gegen die Disruption gut gewappnet.

Tobias Freudenberg ist Rechtsanwalt und Schriftleiter der NJW, Frankfurt a. M.

Businesskleidung richtig tragen von Dr. Frank Lang

Über Auswahl und Kauf von Herrenmode ist schon viel geschrieben und mindestens ebenso viel rezensiert (vergleiche etwa die Besprechung des Buches „Was Mann trägt“ von Florian S. Küblbeck) worden. Aber auch für die Zeit nach Kauf gibt es einige informelle Aspekte anzumerken:

Damit der Anzug richtig sitzt

sollte er nicht nur in der richtigen Größe gekauft, sondern auch (anschließend, wenn von der Stange erworben) individuell vom Schneider angepasst werden. Etwa in der Länge der Hosenbeine: Die – leider häufig zu beobachtende – sprichwörtliche „Ziehharmonika“ unter den Waden wirkt nicht sehr gekonnt. Die Breite der Schultern sollte ebenso passen wie die Länge der Ärmel.

Nach langen Sitzungen finden sich auch in hochwertigen Stoffen sowohl in den Kniekehlen als auch im Rücken Falten, was im Lauf der Zeit sehr ungepflegt wirkt. Deshalb empfiehlt es sich, den Anzug regelmäßig zumindest aufbügeln beziehungsweise gleich vollständig reinigen zu lassen.

Insbesondere bei der im Moment modischen, sehr schmalen Silhouette wirkt es sich fatal aus, wenn die Taschen des Sakkos mit allerlei Gegenständen befüllt und damit ausgebeult sind. Diverse Herren-Taschen unterschiedlicher Provenienz kommen darum gerade wieder in Mode. Ein Wort zur Brusttasche: Es gehören hier hinein weder Brillen noch Stifte (auch wenn Sie teuer in der Anschaffung waren), sondern ausschließlich ein Einstecktuch …

Dass die Gesäßtasche nicht Wohnstätte des Portemonnaies ist, versteht sich eigentlich ebenso von selbst wie der Umstand, dass der Schlüsselbund – vor allem die häufig anzutreffende Hausmeister-Edition – nicht in die vordere Hosentasche gehört. Auch für Kleingeld bieten sich andere Behältnisse und Lagerstätten an als die Hosentaschen. Über Mobiltelefone könnte man jetzt so viel schreiben …

Der Tod der Krawatte

ist vielfach beschworen worden, zuletzt etwa unter dem Aspekt der Gleichberechtigung im Anschluss an das so genannte Mützen-Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Aber sie lebt! Allerdings scheint ihre Anwendung doch auch nach Generationen noch reichlich Schwierigkeiten zu bereiten: Oftmals ist sie zu kurz gebunden, dann betont die darauf zeigende Spitze einen mehr oder weniger umfangreichen Bauchansatz. Richtig endet diese auf dem Mittelsteg des Gürtels! Noch viel öfter sieht man aber, wie dieses prominente Beispiel verdeutlicht, die viel zu lang gebundene Version. Schon unsere Großeltern wussten plakativ zu raten: Die Krawatte zeigt auf den Boden, nicht auf den …

Schuhe und Accessoires

finden sich zuhauf, die Mode wechselt stetig. Die Auswahl (insbesondere farbliche Zusammenstellung) genauso wie das Tragen erfordern Erfahrung, modischen Instinkt und gegebenenfalls Beratung. Nicht jeder hat den Mut, dem neuesten aus Italien über die Alpen kommenden Trend zu folgen und bunte Sneaker zum Anzug zu tragen, oder gar geringelte Strümpfe.
Gerade ist etwa der Hut wieder im Kommen, zu dem die älteren Herrschaften immer noch gerne sagen, ein Mann ohne Hut sei ohnehin eigentlich kein Herr.

Formelle Kleidung

hat im Idealfall eine wohltuende Nebenwirkung: Sie wirkt mäßigend auf das Sozialverhalten. Im Business-Anzug pöbelt es sich auch im Straßenverkehr nicht so leicht wie in legerer Freizeitbekleidung, wenn der Träger seine durch die Kleidung vermittelte, selbstgewählte Rolle ernst nimmt.

Über Damenbekleidung

sollen aus naheliegenden Gründen berufenere Protagonisten schreiben.

Es grüßt Sie herzlich im Namen des Kanzleiforum Teams

Dr. Frank Lang, Lektor, Verlag C.H.Beck oHG

Interview mit Horst Hanisch zum Thema Umgangsformen

Guten Tag Herr Hanisch. In der vergangenen Woche haben Sie unseren Leserinnen und Lesern bereits Tipps für das richtige Verhalten auf Weihnachtsfeiern gegeben. Nun freuen wir uns, dass wir uns heute allgemein zum Thema Umgangsformen unterhalten können. Sie sind Autor zahlreicher Benimm-Bücher und leiten seit 1987 Seminare zum Thema Business-Knigge. Spielen höfliche Umgangsformen heutzutage überhaupt noch eine Rolle? Können diese nicht auch schnell aufgesetzt wirken?

Einen schönen guten Tag auch Ihnen, Frau Gans.

Auch wenn es aufgrund zu beobachtender Verhaltensmuster im politischen Umfeld einiger Ländern dieser Erde nicht mehr so scheint, spielen moderne Umgangsformen nach wie vor nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Berufsalltag eine wichtige Rolle. Sie sind die Grundlage für eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit und helfen, dass sich Menschen im sozialen Umfeld authentisch und stressfrei bewegen können. Gespielte Umgangsformen wirken aufgesetzt – einfach deswegen, weil sie nicht authentisch sind.

Welche vermeidbaren Fehler können Rechtsanwälte und Steuerberater bereits bei der Begrüßung machen? Gilt nach wie vor der Grundsatz „Ladies first“?

Nach wie vor gilt, dass eine gewisse Hierarchie zu beachten ist. Als ranghöher ist die ältere Person zu betrachten bzw. die Frau vor dem Mann. Üblicherweise betritt die ranghöhere Person zuerst den Raum oder die Kanzlei, so dass hier bereits eine Hierarchie erkannt werden kann. Zum Beispiel dann, wenn zwei Damen oder zwei Herren zusammen eintreffen. Der Grundsatz ‚Ladies first‘ ist im Berufsleben deutlich überholt, ja er kann sogar als diskriminierend aus Sicht der betroffenen Frau gedeutet werden. Der Rang (Chef/in und Assistent/in) ist demnach geschlechtsneutral zu betrachten.

Reicht es aus, wenn die Auszubildende einer Kanzlei die Mandanten empfängt und zum Besprechungszimmer führt oder ist dies „Chefsache“?

Begrüßt der Chef selbst, zeigt das eine gewisse Wertschätzung dem Mandanten gegenüber. Andererseits ist nachvollziehbar, wenn die Auszubildende begrüßt, da ihr Chef ja möglichweise noch im Gespräch ist.

Raten Sie zu einer bestimmten Sitzordnung bei Besprechungen? Welche Bewirtung schlagen Sie vor?

Sofern der Mandant dem Anwalt am Schreibtisch nicht gegenübersitzt, ist ein Austausch in einem Besprechungszimmer denkbar. Die ‚besseren‘ Plätze sind die, die mit dem Rücken zum Fenster zeigen. So kann der Besucher die Mimik des Anwalts besser sehen.

Nicht nur Kaffee und/oder ein (Mineral-)wasser gelten als einzige Alternative. Ein kleiner Kühlschrank mit Portionsflaschen verschiedener Säfte bietet ein ausgefalleneres und abwechslungsreicheres Angebot. Weshalb immer nur die üblichen Standardkekse? Wie wäre es mit einer exklusiveren, handgemachten Praline oder einer Spezialität des Wohnortes?

Welches Benimm-Prinzip ist Ihrer Erfahrung nach absolute Pflicht?

Das will ich allgemein beantworten: Respekt und Wertschätzung. In meinen Seminaren und Coachings kommen alle möglichen Themenbereiche und Fragen auf. Immer wieder zeigt sich, dass gegenseitiger Respekt, die Achtung des Anderen und damit mehr ‚Menschlichkeit‘ erwartet und gewünscht wird.

Welche Benimm-Fehler unterlaufen aus Ihrer Sicht Anwälten und Steuerberatern am häufigsten?

Das ist für mich kaum möglich zu beantworten. Deshalb drücke ich es so aus: Anwälte, die dem Mandanten eine deutliche Empathie zeigen, die die Ängste oder Befürchtungen der Kunden erkennen und damit eine positive, trotzdem professionelle Atmosphäre aufbauen, schaffen es leichter, Vertrauen zu den Mandanten aufzubauen. Fachliches Wissen wird selbstverständlich unterstellt – der Mensch steht trotzdem im Vordergrund.

Welche Gesprächsthemen bieten sich bei Treffen außerhalb der Geschäftsebene an?

Empfehlenswerterweise Themen, die auch im Bereich Smalltalk zu finden sind. Gemeint sind Themen, in denen sich keine gegenläufigen Meinungen zu einer aggressiven Diskussion aufbauen können. Themen wie Hobby, Urlaub, Essen und Trinken, Kultur sind meist unverfänglich und können bei beiderseitigem Interesse interessante Einblicke in den Lebensbereich des Gegenübers zulassen.

Aus oben genanntem Grund und aus der Möglichkeit, als ‚Stimmungskiller‘ angesehen zu werden, sollen Themen wie Krankheit, Sport, Politik, Religion und vergleichbare vermieden werden. Passend gewählte Themen können jederzeit unterbrochen werden, ohne dass das Gefühl entsteht, etwas ganz Wichtiges verpasst zu haben.

Brauchen auch moderne Kommunikationsformen Regeln?

Seminaranbieter versprechen alle möglichen Tipps und Vorgehensweisen, um zeitgemäß und weitestgehend unmissverständlich miteinander kommunizieren zu können. Also lautet die Antwort: Ja. Zur Basis einer guten Kommunikation gehören vor allem aktives Zuhören, das Gegenüber aussprechen lassen, nachvollziehbares Argumentieren und eine überzeugende Rhetorik.

Haben Sie einen Knigge-Tipp, wie man unangenehme Themen anspricht, wie z.B. Versäumnisse der Kanzlei, oder wie man Honorarfragen am besten angeht?

Bekanntlich passieren dort, wo Menschen arbeiten, Fehler. Viel wichtiger ist der vernünftige Umgang bei Pannen, Versäumnissen oder kostenintensivem Fehlverhalten. Da die meisten Menschen nicht angelogen werden wollen, ist eine sofortige, offene und möglichst direkte Kommunikation richtig und wichtig. „Ich bedaure, dass uns dieses Missgeschick passiert ist und kann verstehen, wenn Sie nun ärgerlich reagieren.“ So könnte das Gespräch begonnen werden. Um in der Zukunft nicht vergleichbare Fehler zu begehen, kann kurz analysiert werden, weshalb es zu diesem Fehler kam. Dann empfiehlt es sich aber, sich auf eine neue Strategie oder Vorgehensweise zu fokussieren, um den Schaden und den Ärger möglichst gering zu halten.

Die Honorarfrage gehört unbedingt dazu. Eine erbrachte Leistung verlangt eine Gegenleistung. Hier erwarten die meisten Mandanten eine transparente, offene Darstellung. Versteckte Kosten drücken eher das mühsam aufgebaute Vertrauen.

Wie verabschiedet man den Mandanten richtig nach Beendigung des Gesprächs?

Der Chef bzw. die Chefin bringt den Mandanten bis zur Kanzleitür. Er ist bei der Garderobe behilflich, wenn Jacken oder Mäntel abgelegt waren. Er öffnet die Tür, verabschiedet sich freundlich mit ein paar netten Worten und gibt zu erkennen, dass er genügend Zeit auch für diesen Vorgang einräumt. Zeit ist heutzutage ein wichtiges Gut. Zeit zu verschenken oder zu investieren zeigt, wie wichtig der Mandant ist.

Wie entdeckten Sie eigentlich das Thema Business-Knigge für sich? Welche Expertise bringen Sie mit?

Meine Wurzeln liegen in der gehobenen Gastronomie/Hotellerie, in der im idealen Falle die Gastfreundschaft groß geschrieben wird. Höflichkeit und perfekte Umgangsformen gehören zu diesem Arbeitsbereich einfach dazu. Auch im Hotelmanagement zeigte es sich schnell, dass mit sauberen Umgangsformen viel mehr erreicht werden konnte, als mit wildem Poltern; sei es bei den Mitarbeitern wie auch bei den Gästen. Durch ein Fernstudium ließ sich erkennen, weshalb der Eine so und der Andere eben anders handelt und reagiert. Dieses Wissen half und hilft, die Empathie deutlich auszubauen.

Seit Beginn meiner Selbstständigkeit, 1987, zeigte es sich sehr schnell, dass zwischenmenschliche Umgangsformen in allen möglichen Bereichen, geschäftlich wie privat, gefragt waren. Zu meinen Kunden zählen der ‚kleine‘ Steuerberater um die Ecke genauso wie die börsennotierten Großunternehmen. Aufgrund der Vielfalt meiner Coaching- oder Seminarauftraggeber komme ich mit Lernenden, Studierenden, Privatleuten, Unternehmern, Vorstandsmitgliedern, Selbstständigen und vielen anderen zusammen. Auch als Keynote-Speaker und in den klassischen Netzwerkveranstaltungen bekomme ich immer die aktuellen Herausforderungen mit, die sich im Bereich des interessanten Themas Knigge wiederfinden.

Nicht umsonst konnten bisher fast 80 Bücher, teilweise in 8 Sprachen, aus dem Bereich Soft Skills, Rhetorik und vor allem Knigge-Themen aus meiner Feder erfolgreich auf den Markt gebracht werden.

Und schließlich bin ich selbst viel lieber mit Menschen zusammen, die einen gewissen Umgangston beherrschen.

Danke für das Interview.

Wir haben zu danken!

Hanisch
Kanzlei-Knigge
2014, XVIII, 202 S., Springer Gabler, ISBN 978-3-658-06513-3,
Preis 29,99 € inkl. MwSt.
Hanisch
Das kleine Knigge-Quiz 2100
2015, 96 S., Books on Demand, ISBN 978-3-7386-1921-8,
Preis 9,70 € inkl. MwSt.
Hanisch
Smalltalk-Knigge 2100
2016, 100 S., Books on Demand, ISBN 978-3-7392-1683-6,
Preis 13,50 € inkl. MwSt.

 

Der Weihnachtsfeier Knigge – von Horst Hanisch

In der Adventszeit steht in vielen Unternehmen die jährliche Weihnachtsfeier als Zeichen der Anerkennung für geleistete Arbeit an.
Viele Teilnehmer freuen sich auf die Feier und sehen darin einen Höhepunkt des Arbeitsjahres. Für andere ist diese Tradition eine Pflichtveranstaltung in der hektischen Vorweihnachtszeit. Da es so viele andere Dinge zu tun gäbe, möchten sie lieber darauf verzichten. Jeder muss selbst entscheiden wie wichtig es ihm ist, sich hier auszugrenzen und auf die Chancen zu verzichten, Kollegen und Mitarbeitern kennen zu lernen.

Die leidige Frage: Was ziehe ich an?
Auch wenn kein bestimmter Dresscode vorgegeben wird – oder durch ein möglicherweise angekündigtes Motto richtungsweisend ist – werden sich die meisten Eingeladenen eleganter kleiden als üblich. Zu solch einem Anlass, der ja nur einmal im Jahr stattfinden kann, sollte das Outfit etwas schicker als im Arbeitsalltag gewählt werden.

Den Aperitif nutzen …
Oft wird beim Eintreffen ein Aperitif gereicht. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich mit möglichst vielen Anwesenden zum Smalltalk zu treffen. Hier ein paar nette, charmante Worte austauschen, dort ein echt gemeintes Lächeln und ein freundliches Zunicken zeigen. Betrachten Sie die Zeit vor dem „eigentlichen“ Programm als mögliche Netzwerkarbeit: Sehen und gesehen werden! Wenn es irgend geht, grüßen Sie auch den Einladenden – in der Regel die Chefin oder den Chef – und bedanken sich für die Einladung. Selbstverständlich gilt es als großes Tabu, diese vermeintliche Chance zu nutzen, um die längst überfällige Gehaltserhöhung anzusprechen. Themen dieser Art gehören nicht auf die Weihnachtsfeier!

Die Reden …
Diejenigen, die im Vorfeld gebeten wurden eine Rede zu halten, sollten diese lustig, kurzweilig und interessant gestalten. Die Weihnachtsrede ist ein passender Anlass, positive Ereignisse des vergangenen Jahres zu erwähnen, den Mitarbeitern zu danken und sie auch für das kommende Jahr zu motivieren. Tadel auszusprechen ziemt sich in diesen Reden nicht. Wohl aber kann kurz auf mögliche (zukünftige) Veränderungen eingegangen werden.

Die Schlacht am Buffet
Fast immer enden diese Reden mit der Eröffnung des Speisenbuffets. Einige springen sofort auf und eilen gehetzten Gangs zum angerichteten Speisenangebot. Hierbei sind regelrechte Künstler zu beobachten, die irgendwo am Buffet beginnen sich zu bedienen und es schaffen, ihre Teller pyramidenförmig mit Speisen zu beladen, und die sich dann triumphierend zu ihrem Sitzplatz zurück begeben und dort sofort anfangen, die Speisen in sich hineinzuschaufeln. Wer etwas gesitteter vorgehen will, begutachtet erst einmal das komplette kulinarische Angebot, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Gesprächsthemen mit Vorsicht wählen
Genießen Sie die Speisen und tauschen sich mit den Tischnachbarn aus. Natürlich wird es auch begleitende Getränke, meist alkoholischer Natur, zum Essen geben. In guter Stimmung trinkt einer mal etwas mehr als üblich. Bekannterweise lockert Alkohol die Zunge. Wer hier nicht aufpasst, sagt schon mal etwas, was er am nächsten Tag bereut. Bleiben Sie bei Ihren Aussagen deshalb loyal sich selbst gegenüber. Wer über Kollegen lästern will, über laufende Projekte schimpfen muss oder sich über die Unfähigkeit der Geschäftsführung auslassen will, sollte dies tunlichst an anderer Stelle tun. Auch am nächsten Tag sollten sie sich mit gutem Gewissen in die Augen sehen können und die Weihnachtsfeier in guter Erinnerung behalten.

Was tun mit Smartphones?
Profis lassen ihre Smartphones und Handys während solcher Feiern aus- oder stummgeschaltet in der Tasche. Andere nutzen die Chance, möglichst viele „lustige“ Fotos der Gäste zu machen und sofort auf den sozialen Plattformen zu veröffentlichen. Wenn Sie sich auf solchen Foren nicht in „peinlicher“ Pose wiedersehen wollen, bleibt nichts anderes übrig, als während der Feier ein angemessenes Verhalten zu zeigen.

Du oder Sie?
Die Stimmung ist gut und wird immer ausgelassener. Schon wird von jemandem das Du angeboten. Bedenken Sie, dass es sich hier lediglich um ein Angebot handelt, dass Sie annehmen, allerdings auch ablehnen können. Gerade dann, wenn der Vorgesetzte das Du anbietet, sollten Sie gut überlegen. Im Falle der Ablehnung könnten Sie freundlich entgegnen: „Wir sind so lange sehr gut mit dem Sie gefahren, lassen Sie es uns vor erst dabei bewenden.“ Wenn das Du für Sie in Ordnung ist, ist natürlich nichts einzuwenden. Unangenehm wird es höchstens am nächsten Tag, wenn sich die Beteiligten „nüchtern“ im Arbeitsumfeld wiedersehen und nun gar nicht mehr duzen wollen. In der deutschen Kultur ist es außerordentlich schwierig bis unmöglich vom Du auf das Sie zurückzukehren. Deshalb sollten Sie Ihr Gegenüber sofort mit Sie ansprechen, um gleich klarzumachen, dass nun doch lieber wieder auf der Sie-Ebene weitergearbeitet werden soll.

Happy End?
Tja, und dann kann es sein, dass Sie Ihre/n Kollegen/Kollegin mit ganz anderen Augen sehen und eine gewisse Sympathie empfinden, die Sie vorher gar nicht wahrgenommen haben. Sollten Sie sich verliebt haben? Das kann vorkommen; es gibt mehr Verliebte in einem Unternehmen, als nach außen hin anzunehmen ist. Herzlichen Glückwunsch dann, wenn es von Ihnen beiden so gewünscht ist.

Es grüßt Sie im Namen des Kanzleiforum-Teams

Horst Hanisch

Hanisch
Kanzlei-Knigge
2014, XVIII, 202 S., Springer Gabler, ISBN 978-3-658-06513-3,
Preis 29,99 € inkl. MwSt.

 

Über den richtigen Umgang mit akademischen Titeln und Adelstiteln

Regeln gelten nur für Sozialaufsteiger, formulierte eine FH-Professorin einmal in einem Interview. Wie jeder Provokation wohnt auch dieser sicher ein wahrer Kern inne. Aber nur, wer die Regeln gemeistert hat, erreicht das, was in Italien Bestandteil von sprezzatura ist: die Leichtigkeit im ungezwungenen Umgang mit anderen Menschen.

Für die Kanzlei ist die korrekte Anrede in Briefen, Emails und vor allem auch am Telefon ein Ausweis von Professionalität. Wenn schon die Ansprache von Mandanten und Geschäftspartnern nicht richtig sitzt, weckt dies Zweifel an der Perfektion der angebotenen juristischen Dienstleistung.

Niemand wird Sie auf Ihre „Fehler“ in der Ansprache hinweisen; schon gar nicht der kundige Titelträger, wenn er auch nur die Grundregeln des höflichen Umgangs beherrscht. Deshalb empfiehlt sich an dieser Stelle vor allem die Anschaffung eines guten Buches, etwa des nun schon in 5. Auflage erschienenen Klassikers von Redeker:

Redeker
Die korrekte Anrede im öffentlichen Leben
2012, 244 S., Bundesanzeiger Verlag, ISBN 978-3-8462-0019-3,
Preis 24,80 € inkl. MwSt.

Aber es gibt eine Reihe von Dingen, welche sich nicht unmittelbar aus Büchern ergeben und oftmals auch informell gepflegt werden:

Vom richtigen Umgang mit akademischen Titeln

Akademische Titel – Professor und Doktor, nicht hingegen der Master-Titel (LL.M., MBA etc.) – werden immer verwendet, denn zumindest einer davon ist auch Bestandteil des Namens. Immer meint: zu jeder Zeit, in jedem Rahmen und gegenüber allen Kommunikationspartnern. Zumindest so lange, bis der Titelträger vorschlägt, denselben doch lieber wegzulassen. Je enger der persönliche Kontakt, desto eher drängt sich das für den Träger des Titels auf.

Aber Vorsicht: Der Verzicht gilt selbstverständlich nur für den unmittelbaren mündlichen Kontakt und allenfalls noch die direkte Email-Korrespondenz ohne Beteiligung Dritter. In offizieller (Geschäfts-) Korrespondenz werden die Titel besser weiter verwendet.

Es ist daneben üblich, dass Professoren und Doktoren desselben Fachbereiches von vornherein und unausgesprochen auf die wechselseitige Nennung des Titels verzichten.

Aber Vorsicht: Höflicher scheint es, dennoch mit dem Titel zu antworten, wenn man in Kenntnis der wechselseitigen Promotion und desselben Fachbereiches damit angesprochen wird.

Auch wenn im Adressfeld eines Briefes alle Titel aufzuführen sind, wird in der Briefanrede nur der höchste verwendet. Letzteres gilt auch für Emails!

Ein Gedanke zur Unterschrift von Briefen: Unter derselben findet sich die Wiedergabe des Namenszuges in Maschinenschrift, damit der Leser erkennen kann, wer genau unterzeichnet hat. Es ist unüblich, seinen Namenszug handschriftlich etwa mit „Dr.“ zu versehen, weshalb die akademischen Titel auch in der maschinenschriftlichen Unterzeile eigentlich nichts zu suchen haben.

Aber Vorsicht: Eine wichtige Ausnahme ist freilich, wenn das CI-Konzept eines Unternehmens entgegen der Regelungen in der DIN 5008 für Geschäftsbriefe etwas anderes vorschreibt: Sollte im Namenszug des Absenders unter der Unterschrift ein Titel verpflichtend ausgeführt sein, sollte der Adressat des Briefes in der Anrede selbstverständlich auch mit seinem Titel angeschrieben werden.

Auch bei der Email bietet es sich an, die „Unterschrift“ nach der Grußformel nur mit Vor- und Nachname auszuführen und die Titel zur Namenswiedergabe in das anschließende Feld für Firma und Kontaktdaten zu fügen.

Zu kompliziert, das Ganze? Dann gehen wir noch eine Stufe weiter:

Vom richtigen Umgang mit Adelstiteln

Eigentlich ist es eher nicht üblich, sich selbst vorzustellen. Wird man vorgestellt, werden auch akademische genauso wie Adelstitel bei der Präsentation durch Dritte genannt.

Aber Vorsicht: Der Adlige wird sich selbst nur mit Vor- und Familiennamen vorstellen; weder wird er seinen Adelstitel noch sein Adelsprädikat jemals aussprechen. Dann stehen wir als Gegenüber vor der Herausforderung, die korrekte Anrede selbst ermitteln zu müssen.

Für alle Einzelheiten zu Adressierung und Anrede verweise ich auf die genannte Literatur. Auch hier gilt wie schon zuvor: Es empfiehlt sich, solange förmlich zu bleiben, bis andere Möglichkeiten angeboten werden.

Eine Besonderheit findet sich beim Zusammentreffen von akademischen Titeln und Adelstitel in einer Person: Hier wird für die Anrede in Brief und persönlichem Gespräch nur der jeweils höchste Titel genannt. Welcher das ist, hängt ab von Umfeld und Anlass: Im akademischen Ambiente kann dies die entsprechenden Titel verlangen, während die Höflichkeit eher für den Adelstitel spricht.

Es grüßt Sie herzlich im Namen des Kanzleiforum Teams

Dr. Frank Lang, Lektor, Verlag C.H.Beck oHG

 

 

Ganz von den Socken: Anwaltskleidung 4.0

Hat unser Kleiderkodex im Informationszeitalter bald ausgedient? Man stelle sich eine Gruppe wartender Anwaltskollegen in einem großen, modernen Medienhaus im teuren Zentrum einer deutschen Landeshauptstadt vor. An der Wand der Empfangsecke hehre Ankündigungen: „Wir lieben es, Experten auf unseren Gebieten zu sein“. „Wir setzen uns gerne den Hut auf.“ – „Ich meine, es ist hoffentlich okay, dass ich bei der Hitze jetzt auf meine Krawatte verzichtet habe?“, meint einer der Juristen anfangs noch.

Unser Gesprächspartner kommt und trägt – Socken. Keine Schuhe und Socken, Schlabbershirt, Baggy Pants und Socken. Was aber weder auf Solvenzprobleme noch auf eine Bit-Nerdiness zurückzuführen ist, wie sie die Älteren unter uns vielleicht noch aus der Frühzeit Sheldon Coopers kennen. Das Konzept, das uns auf allen Ebenen dargeboten wird, nennt sich „Extreme Agile Leadership“ – sog. „Code Monkeys“ gehören darin ebenso sehr der Vergangenheit an wie Anwaltssoldaten. Was die spannende Frage nach sich zieht, ob auch Anzug und Kostüm bald nicht mehr als Ausweis von Expertise, sondern von Ewiggestrigkeit gelten.

Schon berichtet ein befreundeter Coach überaus angetan vom Aufenthalt in der Hannoveraner DB-Lounge: Der ob seiner modischen lila-grünen Socken angesprochene Business Man war tatsächlich Jurist! Bei näherem Hinsehen handelte es sich indes nicht um einen Anwalt, sondern um einen Hochschullehrer.

Gleichzeitig kenne ich einige Anwälte, die finden diese gesamte Modedebatte vollkommen blödsinnig. Woran soll man einander in der Bahn denn überhaupt noch erkennen, wenn nicht an Kostüm und Manschettenknöpfen, hat unlängst einer geflachst. Aber der hatte sicherlich nur den Blogbeitrag zu den „Kollegen im Großraumwagen“ noch nicht gelesen. Jedenfalls sind wir gespannt, wie Sie es mit der anwaltlichen Berufskleidung halten!

Viele Grüße vom Kanzleiforum-Team,

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Digitalisierung im Anwaltsmittelstand: Arbeitserleichterung oder Entmündigung?

Als Wirtschaftsredakteurin und Anwältin habe ich den elektronischen Fortschritt bisher vor allem als Segen empfunden. So erinnere ich mich noch gut an meine erste Zeit als NJW-Schlussredakteurin, in der ich alle (alle!) Heftkorrekturen per Hand ausführen musste. Rechtschreibprogramme? Fehlanzeige. Und auf jeden übersehenen Fehler folgte nahezu zwangsläufig die Beschwerdepostkarte, die natürlich gleich an die Niederlassungsleitung gerichtet war.

Später dann Handys und Smartphones; welch eine Erleichterung, nicht erst in letzter Sekunde vor Ort von jedem ausgefallenen Termin zu erfahren! Und Mails? Musste man ja nicht ständig abrufen. Aber schon an diesem Punkt meldeten sich die ersten warnenden Stimmen: Viele Kolleginnen und Kollegen taten genau das doch. In Sitzungen, wenn es nicht mehr ganz so spannend war. Oder sie rauschten hinaus , sobald es in Ihren Taschen vibrierte. Nach aktuellen Studien schaut jeder Smartphone-Besitzer im Schnitt 80 mal täglich auf sein Gerät. Muss das sein?
Mittlerweile hat die Entwicklung Ausmaße erreicht, bei der auch das nur noch für ein müdes Lächeln sorgt. Legal Process Outsourcing und andere Phänomene, auf die wir noch zurückkommen sollten, haben jedenfalls eines gemeinsam: Sie nehmen dem Anwaltsmittelständler einen Teil des eigenen Kunsthandwerks aus der Hand. Unlängst habe ich eine Runde von Wirtschaftsanwälten moderiert, aus der heraus neue Zukunftsprognosen diskutiert wurden. In 30 Jahren, so war dort zu hören, werde man unsere herkömmliche Subsumtionsarbeit locker durch Elektronikprogramme ersetzen können. Anwältinnen und Anwälte seien dann vor allem als Interpretierende gefragt.
Unsere Nachfolger(innen) als „Röntgenanwälte im Fachanwaltszentrum“ – verlockende Aussichten oder Huxleyscher Albtraum? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Viele Grüße aus Frankfurt,
Ihre
Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung