Stil ist nicht diskutabel – oder doch? Gastbeitrag von Dr. Frank Lang

Stil ist nicht diskutabel – oder doch?

Stil sei nicht diskutabel, ist eine landläufige Ansicht. Entweder man habe ihn oder eben nicht. Lernen könne man das alles als Erwachsener ohnehin nicht mehr. Soweit diejenigen, welche sich aus dem lebenslangen Lernprozess schon verabschiedet haben, weil er zu mühevoll erscheint.

Was aber ist Stil nun eigentlich?

Der Kolumnist einer renommierten britischen Tageszeitung schrieb vor einigen Jahren, Stil sei die Art und Weise, wie man mit dem Unbill umgehe, welches einem täglich von seinen Mitmenschen angetragen werde. Damit können wir uns der Sache doch ein wenig nähern:  Weiterlesen

Nicht oben ohne – Beitrag von Tobias Freudenberg, Schriftleiter der NJW

Derzeit wird viel über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Rechtsberatungsmarkt geschrieben. Was an dieser Entwicklung ist disruptiv, lautet eine zentrale Frage. Überhaupt ist im Zusammenhang mit der Digitalisierung viel von Disruption die Rede. Intelligente Maschinen und Algorithmen werden die Menschen bald aus dem Berufsleben verdrängen, heißt es. Auch die Juristen.
Wenn die Roboter da mal nicht unser Beharrungsvermögen unterschätzen. Unabhängig davon, dass natürlich ausgerechnet unsere Profession viel zu anspruchsvoll ist, um automatisiert zu werden, gibt es ein anschauliches Beispiel, wie wir der Digitalisierung trotzen: Der Kleidungsstil des Computerzeitalters ist betont leger. Oder casual, wie es im Business-­Sprech heute heißt. Weiterlesen

Businesskleidung richtig tragen von Dr. Frank Lang

Über Auswahl und Kauf von Herrenmode ist schon viel geschrieben und mindestens ebenso viel rezensiert (vergleiche etwa die Besprechung des Buches „Was Mann trägt“ von Florian S. Küblbeck) worden. Aber auch für die Zeit nach Kauf gibt es einige informelle Aspekte anzumerken:

Damit der Anzug richtig sitzt

sollte er nicht nur in der richtigen Größe gekauft, sondern auch (anschließend, wenn von der Stange erworben) individuell vom Schneider angepasst werden. Etwa in der Länge der Hosenbeine: Die – leider häufig zu beobachtende – sprichwörtliche „Ziehharmonika“ unter den Waden wirkt nicht sehr gekonnt. Die Breite der Schultern sollte ebenso passen wie die Länge der Ärmel. Weiterlesen

Interview mit Horst Hanisch zum Thema Umgangsformen

Guten Tag Herr Hanisch. In der vergangenen Woche haben Sie unseren Leserinnen und Lesern bereits Tipps für das richtige Verhalten auf Weihnachtsfeiern gegeben. Nun freuen wir uns, dass wir uns heute allgemein zum Thema Umgangsformen unterhalten können. Sie sind Autor zahlreicher Benimm-Bücher und leiten seit 1987 Seminare zum Thema Business-Knigge. Spielen höfliche Umgangsformen heutzutage überhaupt noch eine Rolle? Können diese nicht auch schnell aufgesetzt wirken?

Einen schönen guten Tag auch Ihnen, Frau Gans.

Auch wenn es aufgrund zu beobachtender Verhaltensmuster im politischen Umfeld einiger Ländern dieser Erde nicht mehr so scheint, spielen moderne Umgangsformen nach wie vor nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Berufsalltag eine wichtige Rolle. Sie sind die Grundlage für eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit und helfen, dass sich Menschen im sozialen Umfeld authentisch und stressfrei bewegen können. Gespielte Umgangsformen wirken aufgesetzt – einfach deswegen, weil sie nicht authentisch sind. Weiterlesen

Der Weihnachtsfeier Knigge – von Horst Hanisch

In der Adventszeit steht in vielen Unternehmen die jährliche Weihnachtsfeier als Zeichen der Anerkennung für geleistete Arbeit an.
Viele Teilnehmer freuen sich auf die Feier und sehen darin einen Höhepunkt des Arbeitsjahres. Für andere ist diese Tradition eine Pflichtveranstaltung in der hektischen Vorweihnachtszeit. Da es so viele andere Dinge zu tun gäbe, möchten sie lieber darauf verzichten. Jeder muss selbst entscheiden wie wichtig es ihm ist, sich hier auszugrenzen und auf die Chancen zu verzichten, Kollegen und Mitarbeitern kennen zu lernen. Weiterlesen

Über den richtigen Umgang mit akademischen Titeln und Adelstiteln

Regeln gelten nur für Sozialaufsteiger, formulierte eine FH-Professorin einmal in einem Interview. Wie jeder Provokation wohnt auch dieser sicher ein wahrer Kern inne. Aber nur, wer die Regeln gemeistert hat, erreicht das, was in Italien Bestandteil von sprezzatura ist: die Leichtigkeit im ungezwungenen Umgang mit anderen Menschen.

Für die Kanzlei ist die korrekte Anrede in Briefen, Emails und vor allem auch am Telefon ein Ausweis von Professionalität. Wenn schon die Ansprache von Mandanten und Geschäftspartnern nicht richtig sitzt, weckt dies Zweifel an der Perfektion der angebotenen juristischen Dienstleistung. Weiterlesen

Ganz von den Socken: Anwaltskleidung 4.0

Hat unser Kleiderkodex im Informationszeitalter bald ausgedient? Man stelle sich eine Gruppe wartender Anwaltskollegen in einem großen, modernen Medienhaus im teuren Zentrum einer deutschen Landeshauptstadt vor. An der Wand der Empfangsecke hehre Ankündigungen: „Wir lieben es, Experten auf unseren Gebieten zu sein“. „Wir setzen uns gerne den Hut auf.“ – „Ich meine, es ist hoffentlich okay, dass ich bei der Hitze jetzt auf meine Krawatte verzichtet habe?“, meint einer der Juristen anfangs noch.

Unser Gesprächspartner kommt und trägt – Socken. Keine Schuhe und Socken, Schlabbershirt, Baggy Pants und Socken. Was aber weder auf Solvenzprobleme noch auf eine Bit-Nerdiness zurückzuführen ist, wie sie die Älteren unter uns vielleicht noch aus der Frühzeit Sheldon Coopers kennen. Das Konzept, das uns auf allen Ebenen dargeboten wird, nennt sich „Extreme Agile Leadership“ – sog. „Code Monkeys“ gehören darin ebenso sehr der Vergangenheit an wie Anwaltssoldaten. Was die spannende Frage nach sich zieht, ob auch Anzug und Kostüm bald nicht mehr als Ausweis von Expertise, sondern von Ewiggestrigkeit gelten.

Schon berichtet ein befreundeter Coach überaus angetan vom Aufenthalt in der Hannoveraner DB-Lounge: Der ob seiner modischen lila-grünen Socken angesprochene Business Man war tatsächlich Jurist! Bei näherem Hinsehen handelte es sich indes nicht um einen Anwalt, sondern um einen Hochschullehrer.

Gleichzeitig kenne ich einige Anwälte, die finden diese gesamte Modedebatte vollkommen blödsinnig. Woran soll man einander in der Bahn denn überhaupt noch erkennen, wenn nicht an Kostüm und Manschettenknöpfen, hat unlängst einer geflachst. Aber der hatte sicherlich nur den Blogbeitrag zu den „Kollegen im Großraumwagen“ noch nicht gelesen. Jedenfalls sind wir gespannt, wie Sie es mit der anwaltlichen Berufskleidung halten!

Viele Grüße vom Kanzleiforum-Team,

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Digitalisierung im Anwaltsmittelstand: Arbeitserleichterung oder Entmündigung?

Als Wirtschaftsredakteurin und Anwältin habe ich den elektronischen Fortschritt bisher vor allem als Segen empfunden. So erinnere ich mich noch gut an meine erste Zeit als NJW-Schlussredakteurin, in der ich alle (alle!) Heftkorrekturen per Hand ausführen musste. Rechtschreibprogramme? Fehlanzeige. Und auf jeden übersehenen Fehler folgte nahezu zwangsläufig die Beschwerdepostkarte, die natürlich gleich an die Niederlassungsleitung gerichtet war.

Später dann Handys und Smartphones; welch eine Erleichterung, nicht erst in letzter Sekunde vor Ort von jedem ausgefallenen Termin zu erfahren! Und Mails? Musste man ja nicht ständig abrufen. Aber schon an diesem Punkt meldeten sich die ersten warnenden Stimmen: Viele Kolleginnen und Kollegen taten genau das doch. In Sitzungen, wenn es nicht mehr ganz so spannend war. Oder sie rauschten hinaus , sobald es in Ihren Taschen vibrierte. Nach aktuellen Studien schaut jeder Smartphone-Besitzer im Schnitt 80 mal täglich auf sein Gerät. Muss das sein?
Mittlerweile hat die Entwicklung Ausmaße erreicht, bei der auch das nur noch für ein müdes Lächeln sorgt. Legal Process Outsourcing und andere Phänomene, auf die wir noch zurückkommen sollten, haben jedenfalls eines gemeinsam: Sie nehmen dem Anwaltsmittelständler einen Teil des eigenen Kunsthandwerks aus der Hand. Unlängst habe ich eine Runde von Wirtschaftsanwälten moderiert, aus der heraus neue Zukunftsprognosen diskutiert wurden. In 30 Jahren, so war dort zu hören, werde man unsere herkömmliche Subsumtionsarbeit locker durch Elektronikprogramme ersetzen können. Anwältinnen und Anwälte seien dann vor allem als Interpretierende gefragt.
Unsere Nachfolger(innen) als „Röntgenanwälte im Fachanwaltszentrum“ – verlockende Aussichten oder Huxleyscher Albtraum? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Viele Grüße aus Frankfurt,
Ihre
Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung