Strategie wie nie: An- und Einsichten der ArGe Kanzleimanagement (Teil 3)

Der Frage, „wie entwickle ich eine Kanzleistrategie?“ sind wir mit Leo Staub bereits in den beiden vergangenen Ausgaben unseres Blogs nachgegangen. Aufsetzend auf seine zentralen Handlungsaufrufe (Teil 1) und eine definierte Marktstruktur (Teil 2) empfiehlt er ein bestimmtes strategisches Vorgehen. Möchten Sie diesen Prozess einmal mit Ihren Praxiserfahrungen abgleichen?

Am Anfang steht danach die Unterscheidung zwischen dem Blick nach außen (Risiken/Chancen) und dem Blick nach innen (Schwächen/Stärken), dem sich in der Tat jede Unternehmung regelmäßig aussetzen sollte – das ist nichts anderes als eine schlichte SWOT-Analyse. Aus einer begrenzten Zahl von Stichpunkten sind abschließend Schlüsselfragen zu entwickeln, daraus folgen Visionen und Strategien sowie deren Implementierung und Controlling. Soweit, so gut. Und, tatsächlich, da finden sich solche chicen Mission Statements wie die vom „proaktiven, vorausschauenden, kostengünstigen und schnellen Rechtsrat, um das Geschäft unseres Mandanten zu fördern“.

Aber ist das nicht ähnlich originell wie die Antwort, die mir jüngst der Partner einer Frankfurter Wirtschaftskanzlei auf die Frage nach deren Alleinstellungsmerkmal gab: „Wir sind international ausgerichtet, wir haben gute Leute, und wir sind nett“? Geht das auch genauer? Und was, wenn nicht? Worin liegt denn der eigentliche Hund begraben: Darin, dass man des Pudels Kern präziser erforschen muss (Was zeichnet unsere! Sozietät aus? Wo ist unser! Markt?)? Oder soll hier gar etwas mit Gewalt systematisiert werden, das sich für einen strategischen Angang gar nicht eignet? Ich persönlich glaube das zwar nicht, bin aber gespannt auch auf anderslautende An- und Einsichten.

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

Strategie wie nie: An- und Einsichten der ArGe Kanzleimanagement (Teil 2)

Im Rahmen seines Strategieentwicklungsreferats auf dem jüngsten Anwaltstag hat Prof. Dr. Leo Staub eine bestimmte Marktstruktur skizziert. Nun schauen Sie doch gerade einmal, wo Sie Ihre Kanzlei darin finden:

Staub und sein St. Gallener Team unterscheiden vier Typen, die Stück für Stück fachlich komplexer agieren. Den Anfang machen die „Commodity Legal Service Providers“, quasi juristische „Zahnbürstenverkäufer“, die sich für keine noch so kleine juristische Aufgabenstellung zu schade sind. Sie werden gefolgt von den „Legal Housekeepers“ – den juristischen „Hausärzten“ im Markt. Auf der dritten Stufe stehen bereits die „International Business Law Firms“ wie Baker & McKenzie, bevor an der Spitze die „Global und National Champions“ vom Schlage Hengelers die Aufzählung toppen.

Quer zu dieser Aufzählung sehen Staub und sein Team noch zwei weitere Typen, nämlich die „Category Killers“ und die „Boutiques“. Beide folgten statt der Komplexität einem anderen Leitstern – nämlich der Fokussierung auf ein bestimmtes Gebiet. Während erstere dabei innerhalb ihrer Kategorie aber schlichtweg alles erschlagen, was ihnen vor die Füße fällt, assoziiert man mit dem Boutiquenbegriff ein High End-Geschäft.

Jetzt vermuten wir einmal, Sie zählen als Kanzleimittelständler zu den zahlreichen „Legal Housekeepers“. Dann sieht Staub Ihre prinzipielle strategische Herausforderung am Markt wie folgt: Von unten drücken die, die es preiswerter machen – soweit man Sie nicht überhaupt bald mit Legal Tech-Instrumenten in die Enge treibt (worüber wir ja ebenfalls bloggen). Von oben belasten Sie die Branchenstars, die schon länger nicht mehr im Turm sitzen und auf viel größere Fälle warten, sondern längst auf Roadshows daherkommen … vielleicht auch zu Ihren Mandanten. Und von der Seite betrachtet sind die Spezialisten fachlich immer schon da.

Was tun, spricht Zeus? Hier und jetzt ist Gelegenheit, Ihre Lösungsansätze im Wege der Schwarmintelligenz zu verbessern! Darauf freut sich ebenso wie Sie

Ihre

Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Strategie wie nie: An- und Einsichten der ArGe Kanzleimanagement im DAV (Teil 1)

Anfang dieses Monats hat unter der Moderation des Passauer Kollegen Ralph Binder der St. Gallener Professor Dr. Leo Staub einen hervorragenden Vortrag gehalten. Im Rahmen des 67. Deutschen Anwaltstags in Berlin referierte er über zentrale Elemente jeder Kanzleistrategie, zuvörderst: „Skate where the puck WILL BE!“, und: „Stick out!“. Was bedeuten soll, dass (auch) Sozietäten sich tunlichst zukunftsorientiert präsentieren sollten. Und: dass sie den Mut haben sollten, aus dem Konzert der Wettbewerber herauszustechen.
Beides ist nun leichter gesagt als getan, zumal in einer ebenso konservativen wie diskreten Branche. Haben wir es nicht eben gerade unter Mühen geschafft, uns überhaupt ein Dienstleistungsverständnis anzueignen – eine Haltung im Übrigen, die durchaus nicht immer alle juristischen Berufszweige pflegen? Und ist nicht die Kunst des Sich bedeckt Haltens geradezu eine Zierde unseres Berufsstandes? Man denke nur an die Grundpflichten des Rechtsanwalts nach § 43 a BRAO, zu denen an zentraler Stelle das Verschwiegenheitsgebot nach Abs. II gehört.
Wie nun navigieren wir uns als Anwälte aus diesem Dilemma heraus? Die eine oder andere Idee hätte man da als Verlagsbuchhandlung natürlich … sind doch Fachbücher renommierter Häuser höchst elegante „Hingucker“ im modernen Diskurs mit jedem Syndikus auf Mandantenseite. An dieser Stelle warten wir aber vor allem wieder auf Ihre Anmerkungen und Vorschläge. Bis dahin

grüßt für das Kanzleiforum-Team

Ihre Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung

 

Anwaltsnetzwerke: „Keine Zeit, auch wenn‘s zwischendurch mal nett wäre!“?

Die Meinungen im Anwaltsmittelstand über den Stellenwert dieses Geschäftsentwicklungs-Instruments gehen weit auseinander. So ist der oben zitierte Eingangssatz der O-Ton eines sehr erfolgreichen Münchener Einzelanwalts. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die darüber nur den Kopf schütteln würden. Aber wenn – dann wie anders? Die Alternativen  sind mannigfaltig. Sie reichen vom losen Alumni-Stammtisch über Lunchreihen bis hin zu teuren, exklusiven internationalen Verbänden, in denen Hospitationen entsprechend lukratives Empfehlungsgeschäft einbringen sollen.
Sollte man sich besser einem Non Profit-Netzwerk anschließen? Oder taugt nichts, was nichts kostet? Immerhin kann sich ein Verband für einen Jahresmitgliedsbeitrag von 6.000 £ einen General Manager, eine Assistentin und eine gemeinsame HR-Publikation leisten, so dass die leidigen Ehrenamtsdiskussionen unter den gestressten Mitgliedern entfallen. Und wie hält man es am besten mit der Rechtsgebiets- und Branchenzuordnung: Bleiben Sie lieber unter sich, oder haben Sie bessere Erfahrungen mit dem Blick über den Zaun gemacht?
Last but not Least : Da sind wir doch alle Kammermitglieder, außerdem gibt es z. B. für die Anwälte den DAV und für die verstärkt international tätigen Kollegen die IBA.
Spielen diese Institutionen für Sie eine Rolle ? Wir sind sehr gespannt, von Ihnen zu lesen …

Aus Frankfurt grüßt Sie auch heute wieder
Ihre
Rechtsanwältin Dr. Anette Hartung