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Zum Umfang mandantengerechter Beratung – Gastbeitrag von Sabrina Kuske NJW 50/2017

Ein Rechtsanwalt muss über die Voraussetzungen und Folgen eines jeden in Betracht kommenden Gewährleistungsanspruchs beraten. Unterlässt er dies, haftet er, wenn ein anderer als der geltend gemachte Anspruch vorteilhafter für den Mandanten gewesen wäre.

Das Gebot des sichersten Wegs ist wohl jedem Anwalt bekannt. Aber was bedeutet das im konkreten Fall, wenn beispielsweise bei einem Kaufvertrag mehrere Gewährleistungsansprüche parallel in Betracht kommen? Ganz grundsätzlich steht nach ständiger Rechtsprechung des BGH fest, dass ein Anwalt seinem Mandanten nicht notwendig eine vollständige rechtliche Analyse schuldet. Er muss ihm allein die Hinweise liefern, die ihm im Hinblick auf die aktuelle Situation und sein konkretes Anliegen die notwendige Entscheidungsgrundlage vermitteln. Erscheint unter mehreren rechtlich möglichen Alternativen die eine deutlich ­vorteilhafter als die andere, hat der Anwalt darauf hinzuweisen und eine entsprechende Empfehlung zu erteilen. Um beurteilen zu können, welche Handlungsoption die größten Vorteile für den Mandanten bietet, müssen die jeweiligen Rechtsfolgen der einzelnen Alternativen miteinander verglichen und mit den Handlungszielen des Mandanten abgeglichen werden (vgl. ua BGH, NJW 2007, 2485).

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