Beiträge

Legal Hackathon: warum jeder Rechtsanwalt einmal daran teilnehmen sollte!

Was ist überhaupt ein Hackathon? Bei einem Hackathon handelt es sich um eine Verknüpfung aus den Wörtern „Hacken“ und „Marathon“. Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb einer festgelegten Zeit in Gruppenarbeit gemeinsam neue und innovative Softwareprodukte zu erstellen. Bei einem Legal Hackathon besteht der Sinn vor allem darin, Softwareentwickler mit Juristen zusammenzubringen, die dann gemeinsam neue Legal Tech Ideen oder Legal Tech Software entwickeln. Bisher hat es im deutschsprachigen Raum schon einige Legal Hackathons gegeben. Die wichtigsten sind sicherlich der Berlin Legal Tech Hackathon und der Swiss Legal Tech Hackathon in Zürich.

Ablauf eines Legal Hackathons

Der Ablauf besteht zumeist aus einer Begrüßung durch den Veranstalter und anschließender Teambildung. Die Bildung von Teams gestaltet sich nach vorgegebenen Themengebieten oder bereits zu konkreten Ideen. Allen teilnehmenden Rechtsanwälten kann nur empfohlen werden, hier völlig unvoreingenommen hinzugehen und sich von den Ideen inspirieren zu lassen. Hat die Teambildung stattgefunden, wird je nach Event meist zwei bis drei Tage über das Thema in kleinen Gruppen diskutiert und als Ziel eine Legal Tech Software erstellt. Am Ende des Wettbewerbs steht die Präsentation.  Die Teilnehmer des Hackathon stellen ihre Idee einer Jury vor, welche die ersten Plätze und den Gewinner festlegt. Meist gibt es Preise von Sponsoren. Beim Berlin Legal Hackathon war dies zum Beispiel Wolters Kluwer.

Legal Hackathon kein echter Hackathon?

Manchmal hört man von Programmierern, dass die Legal Hackathons keine „echten“ Hackathons wären, da es zu wenig um das „Hacken“, also um die konkrete Softwareentwicklung, geht, als oftmals nur um die Entwicklung einer bloßen Idee. Dieser Meinung ist zum Teil zuzustimmen, da viele Legal Hackathon Teilnehmer am Ende keine fertige Software präsentieren können. Das hat auch  damit zu tun, dass juristische Ideen oft sehr komplex sind und oftmals mehr Vorbereitungszeit als die üblichen 2-3 Tage benötigen. Im Ergebnis kann dies auch zu vernachlässigen sein, wenn es trotzdem zu tollen Ergebnissen kommt, was eigentlich immer der Fall ist.

Fazit

Jeder Rechtsanwalt, der sich mit Legal Tech beschäftigt, sollte einmal an einem Legal Hackathon teilgenommen haben. Die Erfahrung von Programmierern, die zusammen mit Anwälten über neue Softwareideen sprechen, ist äußerst bereichernd und durch keine Legal Tech Literatur zu ersetzen. Der nächste zu empfehlende Hackathon findet im Rahmen der Swiss Legal Tech am 17.-18.9.18 in Zürich statt.

 

Über den Autor:

Patrick Prior

info@advotisement.de

Patrick Prior ist Jurist und Legal Tech Experte. Über seine Firma Advotisement® berät er Kanzleien & Rechtsabteilungen zum Thema Digitalisierung & Automatisierung. Mit FAQ-Recht.de betreibt er ein rechtliches Informationsportal zur Mandantengewinnung. Seit Anfang 2018 betreibt er das Legal Tech Verzeichnis

 

.

Breidenbach / Glatz

Rechtshandbuch Legal Tech

C.H.BECK

ISBN 978-3-406-71348-4

99,00€

Hartung / Bues / Halbleib

Legal Tech

Die Digitalisierung des Rechtsmarkts

C.H.BECK

ISBN 978-3-406-71349-1

89,00€

 

 

Anleitung zur Legal Tech Strategie für kleine und mittlere Kanzleien

Legal Tech ist nicht teure Technik, sondern ein Mindset – eine Denkweise, Mentalität oder Haltung, die zu mehr Effizienz beiträgt und Berührungsängste mit Technik abbauen soll. Marco Klock, Gründer der rightmart Software GmbH, welche verantwortlich für Portale wie hartz4widerspruch.de ist, und Bettina Taylor von FFI  erklären, wie auch kleine und mittelgroße Kanzleien mit dieser Haltung erfolgreich sind.

Wie sehr wird Legal Tech mein Geschäft beeinflussen? Eine Checkliste

Legal Tech wird nicht jeden Juristen „gleich hart“ treffen. Je häufiger die Fragen in folgender Checkliste mit Ja beantwortet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie für die Zukunft gerüstet sind. Lauten Ihre Antworten jedoch häufiger Ja, sollten Sie Ihre Kanzleistrategie mit den hier beschriebenen Tipps überdenken.

  • Arbeiten Sie in einem hochspezialisierten Fachgebiet oder sind Sie für Ihre Mandanten „austauschbar“?
  • Sind Ihre Mandanten für die Konkurrenz schwer oder leicht zugänglich?
  • Könnte man die Dienstleistungen Ihrer Kanzlei auch als ein Produkt auffassen?
  • Betreiben Sie aktives Kanzleimarketing? Haben Sie sich schon mit Online-Marketing auseinandergesetzt?
  • Haben Sie die Wirtschaftlichkeit Ihrer Mandate im Blick – von der Akquisition bis hin zur Bearbeitung?

Legal Tech in die Kanzlei einbinden – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Den Fokus finden

Listen Sie alle Mandate der letzten 24 Monate systematisch auf: Aus welchen Rechtsgebieten kamen sie? Welche Ansprüche gab es? Auch Daten wie Altersstruktur oder sozialer Hintergrund spielen eine Rolle. Am Ende der Analyse sollten sich die wichtigsten Mandatsarten heraus kristallisieren. Welche sind die lukrativsten? Wie komme ich an diese heran? Wer seine Zielgruppe genau kennt und ihre Bedürfnisse versteht, wird sich auch langfristig an sie binden.

  1. Denken Sie in Rechtsprodukten

Nachdem die wichtigsten Zielgruppen definiert wurden, geht es im nächsten Schritt darum, sich in sie hineinzuversetzen: Was wollen meine wichtigsten Mandanten und was kann ich ihnen bieten? Hier hilft es, in Rechtsprodukten zu denken. Wer seine Dienstleistung als eine „Sache“ betrachtet, muss Zielgruppe, Prozesse und Qualitätsmerkmale genau auf den Punkt bringen. Die wichtigsten Beispiele für produktbasierte Rechtsdienstleistung: hartz4widerspruch.de (Prüfung des Hartz 4-Bescheids), flightright.de (Fluggast-Entschädigung), myright.de (Abgasskandal).

  1. Hürden ausmerzen

Das Geheimnis der oben genannten Rechtsprodukte: die sogenannte convenience – zu Deutsch Bequemlichkeit. Wie Amazon, Google & Co., haben sie es geschafft, sämtliche Hürden für ihre Kunden auszuschalten. Ob Beschreibung, Preisgestaltung, Kommunikation oder Ablauf der Dienstleistung – machen Sie es Mandanten so einfach wie möglich, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Feedback-Mechanismen sind dabei unerlässlich, um sich weiter zu verbessern, zum Beispiel durch einen Bewertungsbogen.

  1. Marketing muss messbar sein

Setzen Sie auf messbare Maßnahmen im Kanzleimarketing. Lange waren Werbung und Marketing für Juristen aus berufsrechtlichen Gründen ein nicht erschließbares Feld. In Zeiten von Legal Tech ist es zu einem wichtigen Werkzeug geworden. Versuchen Sie, bei der Wahl ihrer Marketinginstrumente darauf zu achten, Erfolge messbar zu machen. Besonders im Online-Marketing gibt es hier bezahlbare und mächtige Tools: Google Adwords, Google Analytics, Facebook Business Manager, XING, aber auch Newsletter-Marketing. Experimentieren Sie und finden Sie heraus, welche Plattformen für Sie die meisten Erfolgschancen bringen. Zu den gängigsten Instrumenten gehört die eigene Kanzleiwebsite ein YouTube-,Twitter- oder Facebook-Kanal.

Weitere Tipps für erfolgreiches Kanzleimarketing gibt es hier.

Tools zur Effizienz-Steigerung – auch für kleine Budgets

Mit dem Erfolg steigt auch die Notwendigkeit, Prozesse schlanker zu gestalten und zu automatisieren: Jetzt kommt Software ins Spiel! Bereits kostenlose Tools wie Google Drive (Eine Cloud und automatische Texterkennung helfen bei der Digitalisierung von Akten.), Google Sheets (CRM-System) oder Microsoft OneNote (internes Wissensmanagement und Zusammenarbeit).

Weitere branchenunabhängige Tools aus der Welt des Cloud-Computing:

  • Zendesk: Verwaltung von Kanälen wie YouTube, Facebook, E-Mails und Telefon
  • WebMerge: Dokumentenerstellung auf Grundlage von Formeln
  • SignatureIT: Rechtssichere Unterzeichnung wichtiger Dokumente
  • Candis: Buchhaltung und Controlling

Es lohnt sich, sich intensiv mit derartigen Werkzeugen auseinanderzusetzen, auch wenn es anfangs schwer erscheint.

Fazit: Fünf Säulen für ein erfolgreiches Legal Tech-Mindset

Zu Legal Tech gehört nicht nur Technik, sondern auch die Bereitschaft, eigene Prozesse zu hinterfragen und den Kern seiner Dienstleistung auf den Punkt zu bringen.

Hier noch mal alle Säulen des „Legal Tech-Mindsets“ im Überblick:

  • Fokus
  • Produkt
  • Marketing
  • Vertrieb
  • Software/Automatisierung

Weitere praxisrelevante Tipps zu Legal Tech finden Sie auch auf der Website www.legal-tech.de.

Im Buch „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ von Hartung/Bues/Halbleib stellt Marko Klock seine Strategie noch detaillierter dar.

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Legal Tech Verzeichnis online

Seit Anfang des Jahres 2018 ist das neu gegründete Legal Tech Verzeichnis online.

In diesem Verzeichnis findet man eine große Anzahl von Legal Tech Firmen, die ihre Produkte auf dem deutschen Rechtsmarkt anbieten. Diese sind unterteilt in Legal Tech Firmen für Rechtsanwälte (z.B. Anbieter von Dokumentenanalyse Software, eDiscovery, Dokumentenautomatisierung, Legal Chatbots, Legal Process Outsourcing, Law Practice Management, Human Resources Software) und Legal Tech Firmen für Verbraucher (z.B. Rechtsmarktplätze und Legal Tech Lösungen im Verkehrsrecht, Arbeitsrecht und Mietrecht).

Geboten werden dazu viele Informationen, wie z.B. Angebotsinhalte, Zielgruppen, Preise, Firmenvideos, Presseartikel und Interviews mit den Inhabern der Unternehmen. Außerdem findet man einen Legal Tech Kalender und aktuelle Legal Tech Nachrichten.

Das Legal Tech Verzeichnis dient in erster Linie Rechtsanwälten, die sich über Legal Tech Software und die Angebote auf dem digitalen Rechtsmarkt informieren möchten. Zudem ist das Verzeichnis auch interessant für Jurastudenten sowie Pressevertreter zu Recherchezwecken und für alle diejenigen, die gerne die Entwicklung der Digitalisierung der Rechtsbranche verfolgen möchten.

Aktuelle Fachbücher zum Thema Legal Tech im Vergleich

Seit Februar 2018 ist nun innerhalb von wenigen Monaten nach „Legal Tech – die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ das zweite deutsche Legal Tech Buch erschienen mit dem Titel „Rechtshandbuch Legal Tech“. Patrick Prior, Legal Tech Berater und Inhaber des Legal Tech Verzeichnisses hat nun beide Bücher verglichen.

Gemeinsamkeiten

Zunächst lässt sich feststellen, dass beide Bücher das Thema Legal Tech sehr breit behandeln. Im Buch „Digitalisierung des Rechtsmarkts“ (kurz: DdR genannt) gibt es auf über 300 Seiten in 8 Kapiteln 31 verschiedene Themen von insgesamt 38 Autoren. Auch das „Rechtshandbuch Legal Tech“ (kurz: RH genannt), welches über 270 Seiten umfasst, bearbeitet 24 unterschiedliche Legal Tech Themen in 10 Kapiteln von 25 Autoren. Dabei gibt es trotz der sehr überschaubaren Anzahl an Legal Tech Experten in Deutschland nur sehr wenige Autoren, die gleich in beiden Büchern vorkommen. Beide Exemplare liefern zunächst einen guten Überblick über das Legal Tech Angebot in Deutschland. Auch der konkrete Einsatz von Legal Tech für Kanzleien, inkl. Digitalisierung & Automatisierung von Abläufen, findet in beiden Büchern statt. Weiterlesen

JUVE Studie: Wie stehen die Kanzleien zu Legal Tech?

Legal Tech ist nicht mehr nur ein Schlagwort, um sich innovativ und modern zu geben. Die Digitalisierung der Arbeit ist in den deutschen Wirtschaftskanzleien angekommen. Und die Stimmungslage ist verhalten optimistisch. Das hat eine JUVE-Umfrage ergeben, an der im Januar 2018 über 200 Wirtschaftskanzleien teilnahmen.

Unter den Teilnehmern der JUVE-Umfrage ist der Anteil der Ahnungslosen mittlerweile verschwindend gering. Nur drei Prozent der Kanzleien haben sich in den vergangenen zwölf Monaten noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Die überwältigende Mehrheit sondiert mindestens den Markt, die meisten investieren auch schon ganz konkret: in Software, Hardware oder Personal.

Den Beratungsprozess verbessern und wettbewerbsfähig bleiben – das sind die Haupttriebfedern für alle Kanzleien, sich mit Legal Tech zu beschäftigen.

Vor allem Großkanzleien sind diesem Selbstoptimierungszwang verfallen: Sämtliche Kanzleien mit mehr als hundert Berufsträgern geben an, mit Legal Tech den Beratungsprozess beschleunigen und verbessern zu wollen.

Unter den kleinen Kanzleien sind die Beweggründe, sich mit Legal Tech zu befassen, etwas anders gelagert: Zwar will auch eine Mehrheit der Kanzleien mit weniger als 20 Berufsträgern den Beratungsprozess verbessern. Aber nur rund ein Drittel hat Ambitionen, auch neue Beratungsangebote zu entwickeln.

 

 

 

 

 

Mehr Infos zur JUVE-Umfrage erhalten Sie auf juve.de.

 

 

 

 

 

DialogCamp 2018 – das haben Sie verpasst!

Bereits zum vierten Mal richteten am 23. Februar 2018 die juristischen Fachzeitschriften „MultiMedia und Recht“ (MMR) und „Zeitschrift für Datenschutz“ (ZD)  gemeinsam mit der FOM Hochschule in München das DialogCamp aus. Chefredakteurin Anke Zimmer-Helfrich moderierte und organisierte die lebhafte und unterhaltsame Konferenz,  die unter dem Motto „Meet in the Cloud“ aktuelle Fragestellungen aus den Bereichen Informationstechnologie, Datenschutz und Internet aufgriff. Das Konzept basiert auf der Idee der „BarCamps“, die auch „Mitmach-Konferenzen“ genannt werden, und – obwohl oder gerade – weil sehr viele Juristen da waren, hat es funktioniert!

Zu Beginn eine Paneldiskussion mit Keynotes zu Robotik, KI und Legal Tech

Als „Leuchttürme“ der ersten Session diskutierten Peter Schaar, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz, Dr. Benjamin Werthmann, Gründer und Geschäftsführer der streamlaw GmbH, sowie Dr. Martin Ebers von RAILS die Herausforderungen des technischen Fortschrittes und mahnten eine interdisziplinäre Diskussion zu dem Thema „Legal Tech“ an. Ziel müsse es sein, den gegenwärtigen und zukünftigen nationalen und internationalen Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik in (rechts-)wissenschaftlicher Hinsicht aktiv mitzugestalten.

Twitter, Lex Facebook und Body-Cams

Thomas Petri, bayerischer Datenschutzbeauftragte, befasste sich in seiner Session mit der Frage, ob wir auf dem Weg zu einem Überwachungsstaat seien. Sein klares Fazit: Der Staat nutze alles aus, was an Überwachung rechtsstaatlich möglich ist, deshalb müsse man wachsam bleiben. Ein gutes Beispiel wären hier die Body-Cams der Polizei, mit denen Bayerns Polizisten von Februar 2019 an dauerhaft und flächendeckend ausgestattet werden sollen. Deren Einsatz in Privatwohnungen widersprächen Art. 13 GG .

Weitere Programmpunkte des Tages waren ein Twitterkurs für Juristen (sehr informativ für den Neu-User!) und eine kontroverse Diskussion des Netzwerksdurchsetzungsgesetzes (Lex Facebook).

Abschlusspanel mit Keynotes zu ePrivacy-VO und zum Privacy Shield

Das Abschlusspanel mit Renate Nikolay von der EU Kommission, Rechtsanwalt Michael Neuber und  Dr. Stefan Hanloser, Vice President Data Protection Law bei der ProSiebenSat.1 Group,  moderierte sehr launig Dr. Eugen Ehmann, Regierungsvizepräsident von Mittelfranken. Nach einem kurzen Ausflug zum Privacy Shield drehte sich die Diskussion schnell um die DS-GVO und die Frage, wie sich die weitere Umsetzung gestalten werde und ob die Wirtschaft, insbesondere der Mittelstand, nicht unter den neuen Vorgaben zu leiden hätte. Dr. Ehmann schloss die Überlegungen mit einem pragmatischen Hinweis: „Lassen Sie uns erst einmal anwenden!“ riet er den Kritikern. Renate Nikolay ergänzte: „Die Umsetzung macht’s!“.

Insgesamt eine lohnende Veranstaltung mit einem interessanten Konzept!

 

Übrigens: Das nächste Dialog Camp 2019 findet am 22.2.2019 in München statt!

Weitere Informationen zur DS-GVO finden Sie auf beck-shop.de.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Teil II: Legal Tech – Wird der Anwalt zum Rechner?

Die Digitalisierung des Rechts durch „Legal Tech“ ist unaufhaltsam. Rechtsanwendung und Rechtsgestaltung werden nicht nur irgendwie schneller und effizienter stattfinden, sondern neuartig und teilweise von anderen als den Juristen erbracht werden. Was sind aktuelle Entwicklungen? Worauf müssen sich Kanzleien einstellen? Wo gibt es Gefahren, wo Potenziale? Fragen über Fragen. Grund genug für das Kanzleiforum-Team, ein Interview mit Prof. Dr. Breidenbach, Florian Glatz und Tom Braegelmann zu führen. Sie sind die Herausgeber des neu erschienenen „Rechtshandbuch Legal Tech“. Lesen Sie jetzt Teil II des Interviews. Teil I finden Sie hier. Weiterlesen

Legal Tech – Wird der Anwalt zum Rechner?

Die Digitalisierung des Rechts durch „Legal Tech“ ist unaufhaltsam. Rechtsanwendung und Rechtsgestaltung werden nicht nur irgendwie schneller und effizienter stattfinden, sondern neuartig und teilweise von anderen als den Juristen erbracht werden. Was sind aktuelle Entwicklungen? Worauf müssen sich Kanzleien einstellen? Wo gibt es Gefahren, wo Potenziale? Fragen über Fragen. Grund genug für das Kanzleiforum-Team, ein Interview mit Prof. Dr. Breidenbach, Florian Glatz und Tom Braegelmann zu führen. Lesen Sie jetzt den ersten Teil des Interviews.  Weiterlesen

Alles nur Hype? 7 Argumente gegen Legal Tech

Alle reden über Legal Tech. Zu Unrecht? Prof. Dr. Stephan Breidenbach, Mitherausgeber des Buches „Rechtshandbuch Legal Tech“, nennt sieben Argumente gegen Legal Tech – und schaut sie sich genauer an. Wie viel Skepsis ist angebracht und wo liegen Missverständnisse? Der folgende Text ist ein Auszug aus dem neuen Buch.

1) Legal Tech – auch dieser Hype geht vorbei.

Stimmt. Soweit es sich um die plötzliche Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Thema handelt, geht jeder Hype vorbei.

Die Digitalisierung des Rechts hat jedoch fundamentale Auswirkungen. Sie verschwindet ebenso wenig wie das Internet.

Manche Konsequenzen werden kurzfristig sichtbar werden, zum Beispiel durch neue Geschäftsmodelle im Internet oder durch aggressive Preispolitik von Kanzleien und Prozessfinanzierern.

Andere werden sich eher unbemerkt entwickeln. So wie Programme, die durch Software-Updates jedes Jahr besser werden. Erst in der Retrospektive wird man die enormen Entwicklungssprünge wirklich sehen. Weiterlesen

2018: Das Jahr, in dem die Blockchains in der Rechtswirklichkeit landeten?

Das Blockchain-Prinzip, das beispielsweise hinter der Kryptowährung Bitcoin steht, sorgt derzeit insbesondere in der Finanzwelt für helle Aufregung. Kommentatoren und Investoren überschlagen sich in Begeisterung und bezeichnen das Prinzip schlichtweg als das „next big thing“. Milliardensummen werden investiert. Wann landet Blockchain in der Rechtswirklichkeit?

Die Realität ändert das Recht

Das Recht reguliert die Realität, die Realität ändert aber auch das Recht, manchmal auch ohne den Gesetzgeber. Das kann man insbesondere beim technischen Fortschritt beobachten: 2018 werden neue Investitions- und Transaktionsmöglichkeiten durch vielfältige Fintech- oder blockchainbasierte Anwendungen, Tokens, Kryptowährungen und Smart Contracts ermöglicht, in vielfach (behaupteter und noch zu beweisender) effizienter Weise, mit neuen Vorteilen aber auch unternehmerischen Risiken.

Am wichtigsten ist dabei die Blockchain-Technologie, welche die BaFin wie folgt beschreibt:

„Blockchains sind fälschungssichere, verteilte Datenstrukturen, in denen Transaktionen in der Zeitfolge protokolliert, nachvollziehbar, unveränderlich und ohne zentrale Instanz abgebildet sind. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Eigentumsverhältnisse direkter und effizienter als bislang sichern und regeln, da eine lückenlose und unveränderliche Datenaufzeichnung hierfür die Grundlage schafft.“

Berlin als Zentrum einer weltweiten Entwicklung

Das hat in der heutigen Wirtschaft einen besonderen Charme, weil damit individual bestimmbare, einzigartige und sehr liquide digitale Assets geschaffen werden können, samt automatischer computerisierter Vertragsdurchführung. Deutschland und insbesondere Berlin mit seiner blühenden Crypto-Szene sind insoweit im Zentrum dieser weltweiten Entwicklungen.

Das Bedürfnis nach einer Modernisierung der Finanz- und und Kapitalmärkte besteht nun schon seit langem, doch bisher unter Einsatz von veralteter oder schnell veraltender IT und zentralistischer Ansätze – nun bietet sich Dank der neuen Ansätze der FinTechs und der dezentralen „Distributed Ledger Technology“ (ein anderes Wort für Blockchain) die Aussicht, dass hier in der Praxis gewaltige Fortschritte gemacht werden – so jedenfalls die vollmundigen Versprechen und Wünsche vieler Blockchain-Aktivisten.

Auswirkungen für das Regulierungsrecht und die Anwälte

Wie verhalten sich die bisherigen Akteure und Intermediäe (die „middle men“, also Anwälte, Marktplätze, Banken, zentrale Gegenparteien, etc.) hierzu, was müssen neue Akteure und neue intermediäre (Finanz-Softwareingenieure, Plattformbetreiber, Legal Engineers) beachten, und wie wird sich das Regulierungsrecht hierzu verhalten? Wenn der Gesetzgeber nicht oder verspätet handelt, ist es wie immer die Aufgabe der Aufsichtsbehörden, Märkte zu kennen, zu  beobachten und gegebenenfalls zu regulieren, um z.B. die Märkte überhaupt funktionsfähig zu machen – ohne jedoch wünschenswerte ökonomische Entwicklungen abzuwürgen.

Kann das „smart regulation“ leisten? Das ist manchmal nicht nur eine Gratwanderung, wenn man noch nicht einmal weiß, wohin die Reise geht. Im Falle der sprudelnden Fintech-Ideen samt der Blockchain-Technologie ist jedoch jetzt schon klar, dass wir uns alle inmitten einer grundlegenden Transformation des Finanzwesens wenn nicht, wie manche sagen, von Wirtschaft und Gesellschaft befinden, auf Gedeih und Verderb, weswegen alle, die dies betrifft, aufgerufen und in der Pflicht sind, sich hierzu zu informieren, damit die (vielleicht unabwendbare) Transformation gelingt und allen nutzt.

Und: Keinesfalls ist es so, dass nun die Softwareentwickler die Regulierer, Juristen, Ökonomen, Banken und Fonds vollkommen verdrängen werden; vielmehr wird sich ein neues Zusammenspiel und geistiges Geben und Nehmen entwickeln.

Fazit: Die Anwaltschaft sollte sich bemühen, Teil der Debatte zu sein und nicht nur dem technischen Fortschritt als Nachzügler hinterherzulaufen.

Tom H. Brägelmann, LL.M. (Benjamin N. Cardozo School of Law)  ist Rechtsanwalt / Attorney and Counsellor at Law (New York) bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner Rechtsanwälte PartGmbB

Breidenbach / Glatz
Rechtshandbuch Legal Tech
2018, XXI, 280 S., C.H.BECK, ISBN 978-3-406-71348-4,
Preis 99,00 € inkl. MwSt.