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Tipps und Tricks zur Mitarbeitersuche mit kleinem Budget

Für Gesprächsstoff in den Sozialen Medien sorgte in den vergangenen Wochen die Stellenanzeige eines Steuerberaters aus Ostfriesland, in der er mit provokanten Formulierungen nach einer/einem Auszubildenden suchte. Die Aufmerksamkeit war groß und mit 20 Bewerbungen für den Ausbildungsplatz mehr als erfolgreich. Wir fragen Angela Hamatschek, Autorin u.a. des aktuell erschienenen Buches Die Kunst, Mitarbeiter zu gewinnen, wie es insbesondere kleineren und mittleren Kanzleien gelingen kann, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Gerade kleineren Kanzleien fehlt oft das notwendige Budget, um aufwändig nach Auszubildenden zu suchen. Ist da die Überlegung durch Provokation aufzufallen sinnvoll?

Als ich diese Anzeige gesehen habe, habe ich sofort gedacht „Jawoll, genau so funktioniert virales Marketing“. Entscheidend ist die pfiffige Idee, die richtige Prise Humor, die dann dafür sorgt, dass in den sozialen Medien darüber gesprochen wird. Gefährlich wird es nur, wenn die Provokation zu stark ist und dann einen Shitstorm zur Folge hat. Diese Gratwanderung gilt es zu meistern.

Haben 08/15-Anzeigen, z.B. in Tageszeitungen, heute überhaupt noch eine Chance von jüngeren Leuten wahrgenommen zu werden?

So gut wie gar nicht, auf Printanzeigen – auch in Regionalblättern – bekommen Kanzleien kaum noch Bewerbungen. Die Informationsmedien für die Generation Y sind Online. Ein kurzer Faktencheck dazu: Facebook hat in Deutschland 30 Millionen Nutzer, davon sind 23 Millionen täglich online. Die Gesamtauflage aller Tageszeitungen in Deutschland sinkt seit Jahren und liegt aktuell bei unter 15 Millionen Lesern.

Junge Mitarbeiter, die eine neue Kanzlei suchen, googlen und schauen in die Online-Jobbörsen. Doch auch hier herrscht Wettbewerb, deshalb kommt auch hier auf 08/15 Anzeigen immer weniger Rücklauf. Da spielt auch noch der demografische Wandel eine Rolle, immer weniger Auszubildende und Mitarbeiter stehen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Sind Stellenanzeigen in Pizzakartons eigentlich noch up-to-date oder läuft das gesamte Verfahren mittlerweile nur noch elektronisch ab?

Die Frage ist, wo und wie erreiche ich meine Zielgruppe am besten. Und dann kann – wie beim Pizzakarton-Beispiel – ich auch damit Erfolg haben. In diesem Fall hat eine Softwarefirma Programmierer gesucht und die „Nerds“ angesprochen, die Tag und Nacht am Computer spielen und nebenher die Pizza essen.

Wenn Google und Smartphone die täglichen Begleiter sind, wird auch der Bewerbungsprozess zunehmend dort stattfinden. Auf der Kanzlei-Webseite sollte deshalb auf jeden Fall eine ansprechende Seite für Mitarbeiter mit entsprechenden aktuellen Stellenangeboten zu finden sein.

Es kann aber auch eine Kombination von Print- und Onlinemedium Sinn machen. In meinem Buch gibt es dazu das Kanzleibeispiel der Fidelius, die Überzieher für Fahrradsättel mit dem Spruch „Runter vom Sattel – rauf auf die Karriereleiter bei www.kanzleikollegen.de“ drucken und bei der Wirtschaftsuni verteilen lässt. Die Infos finden sich dann auf der Webseite, auf der die Stellenangebote dazu präsentiert werden.

 Welcher Tipp zur Gestaltung einer Stellenanzeige sollte unbedingt beherzigt werden?

Schauen Sie sich die Stellenanzeigen von Steuerberatern an und dann machen Sie es anders. Weg vom Klischee des langweilig, verstaubten Berufsstands und verzichten Sie auf Floskeln. Machen Sie konkrete Aussagen, statt „gutes Betriebsklima“ „Frühjahrsputz, Sommerpicknick, Plätzchen backen – wir machen gern viel gemeinsam“ oder „Jeder besucht mindestens 5 Fortbildungen pro Jahr“.

Gibt es jenseits von Stellenanzeigen noch weitere, leicht umsetzbare Möglichkeiten, um auf sich als potentiellen Arbeitgeber aufmerksam zu machen?

Aus meiner Sicht sind für das Mitarbeitermarketing zwei Medien unverzichtbar: die Webseite und ein Facebook-Auftritt. Eine eigene Unterseite oder sogar Landingpage, die den Kanzleialltag schildert. Mit vielen Fotos vom Miteinander im Team und Mitarbeiterstimmen in der Art „Warum ich gern hier arbeite“. Jeder Bewerber informiert sich vorher auf der Webseite bzw. trifft darüber die Vorauswahl, ob er sich überhaupt in der Kanzlei bewirbt. Und mit einer mitarbeiterorientieren Facebookseite erzielen Kanzleien die größt mögliche Reichweite, die eigenen Mitarbeiter können Beiträge liken und teilen und so auch in ihrem Bekanntenkreis die Werbetrommel rühren.

Die Teilnahme an Ausbildungsmessen halte ich auch für eine gute Möglichkeit, um sowohl für den Berufsstand als auch die eigene Kanzlei Werbung zu machen.

In Sachen Auszubildende abschließend mein Umsetzungstipp: Schreiben Sie allen Mandanten einen Brief, dass Sie eine Ausbildungsstelle zu vergeben haben. Formulierungsvorschläge und weitere Ideen dazu gibt es in meinem Buch.

Frau Hamatschek, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Hamatschek
Die Kunst, Mitarbeiter zu gewinnen
2017, XI, 310 S., NWB Verlag, ISBN 978-3-482-67091-6,
Preis 59,90 € inkl. MwSt.