Beiträge

Experten-Tipp: Warum sich Anwälte mit dem RDG beschäftigen sollten

Die Regulierung des Rechtsmarkts ist ein komplexes Thema. Anwälte kennen sich damit normalerweise nicht aus. Das klingt widersinnig, aber Anwälte orientieren sich eher an ihren Berufsgesetzen, also BRAO, BORA, EuRAG usw. Vielen ist vermutlich auch nicht klar, in welchem Verhältnis BRAO und RDG zueinander stehen und warum sie ohne spezielle Genehmigung nach dem RDG überhaupt Rechtsdienstleistungen erbringen dürfen. Da auch keine obligatorische Ausbildung im Berufsrecht erforderlich ist, wird sich das auf Dauer nicht ändern. Braucht der Anwalt also den „Krenzler“? Lesen Sie hier die Rezension zur Neuauflage „Krenzler, RDG“ von Markus Hartung

RDG = Spezialistenmaterie

Das RDG ist eine Spezialistenmaterie. Besonderes Interesse an der Materie haben alle diejenigen, die, ohne Anwalt zu sein, Zugang zum Rechtsmarkt wollen, denn es handelt sich um einen sehr attraktiven Markt. Daher findet man Spezialisten in den Kammern, denn es ist u.a. Aufgabe der Kammern, die um den Rechtsmarkt gezogenen Zugangssperren zu bewachen und diejenigen, die sich dort unerlaubt aufhalten, aus dem Verkehr zu ziehen.

Der „Krenzler“ füllt eine Lücke

Der vorliegende Kommentar, der sieben Jahre nach Erscheinen jetzt in 2. Auflage vorliegt, ist gerade deshalb erwähnenswert und füllt in der Literatur zum RDG eine Lücke. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt ausgezeichnete Kommentarliteratur zum RDG. Besonders ist aber hier, dass es sich um einen von fast ausschließlich Kammerangehörigen verfassten Kommentar handelt: Unter den neun Autoren sind drei Kammergeschäftsführer und vier Kammervorstände. Herausgeber Michael Krenzler war lange Jahre Vizepräsident der BRAK und noch länger Präsident der RAK Freiburg. Einer der Verfasser, Frank Remmertz, ist Vorstandsmitglied der RAK München und außerdem Vorsitzender des RDG-Ausschusses der BRAK.

Zum Inhalt: Recht und Rechtsmarkt – aus Kammersicht

Man bekommt mit diesem Kommentar einen zuverlässigen Führer durch das Gestrüpp des RDG, aus Sicht der Kammern. Natürlich ist es nicht der offizielle Kommentar der Rechtsanwaltskammern, aber: wenn man eine rechtsmarktbezogene Maßnahme vorhat, die sich nach Prüfung dieses Kommentars als zulässig erweist, dann kann man sicher sein, deswegen keinen Ärger mit der örtlich zuständigen Kammer zu bekommen. Würde man die erhältlichen Kommentare zum RDG auf einer Skala von besonders traditionell bis grundstürzend-revolutionär einordnen, stünde der Krenzler-Kommentar zuverlässig am sehr traditionellen Ende, der Kommentar von Kleine-Cosack hingegen am gegenüberliegenden Ende.

Einzelheiten können hier nicht gewürdigt werden. Allerdings ergeben Stichproben, dass die Auswertung von Literatur und Rechtsprechung sehr gründlich ist, außerdem benutzerfreundlich: Rechtsprechung wird immer mit Datum und Aktenzeichen und einer Fundstelle zitiert, so dass der Leser die Rechtsprechung meistens auch in den Gratisportalen im Internet findet. Das ist ein Leserservice, den man nicht geringschätzen sollte.

Der Kommentar befasst sich natürlich auch mit neuartigen Themen, z.B. softwarebasierter Rechtsberatung, vulgo Legal Tech. Fündig werden aber nur die Eingeweihten, denn das Stichwortverzeichnis fällt etwas zurück: Während z.B. Krenzler im Vorwort „auf Algorithmen gestützte Softwareangebote“ zu Recht als besondere Herausforderung für das RDG bezeichnet, findet man den Begriff „Algorithmus“ im Stichwortverzeichnis nicht. „Software“ findet man auch nicht, dafür aber „softwaregenerierte Rechtsdienstleistungen“. Legal Tech kommt als „Legal-Tech-Unternehmen“ im Zusammenhang mit grenzüberschreitender oder unentgeltlicher Rechtsdienstleistung vor. Die Kommentierung zu diesen Themen ist jedoch umfassender, als es das Stichwortverzeichnis nahelegt.

Braucht man den Kommentar?

Als Spezialist, der sich mit der Materie befasst, kommt man um den Kommentar nicht herum. Für den normalen Anwalt, der nur ab und an mit der Materie in Berührung kommt, ist dieses Werk gut geeignet, denn nach dessen Lektüre kennt er die wichtigen Nachweise aus Literatur und Rechtsprechung und weiß jedenfalls, was die Kammern als Aufsichtsbehörden üblicherweise goutieren und was nicht.

 

Eine Rezension von Markus Hartung, Rechtsanwalt und Mediator sowie Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession (CLP) an der Bucerius Law School in Hamburg.

Krenzler (Hrsg.)
Rechtsdienstleistungsgesetz
2017, 633 S., Nomos, ISBN 978-3-8487-2561-8,
Preis 89,00 € inkl. MwSt.

 

Neue Studie: Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland

Lünendonk & Hossenfelder hat in einer aktuellen Studie die Entwicklungen im Rechtsberatungsmarkt analysiert und hierbei sowohl führende Wirtschaftskanzleien als auch WP- Gesellschaften einbezogen.

„In unseren zurückliegenden Studien zur Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung wurde deutlich, dass WP-‐Gesellschaften gerade in der Rechtsberatung ein überdurchschnittlich großes Potenzial für organisches Wachstum sehen “, sagt Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. „Dies war für unser Marktforschungs-‐ unternehmen der Anlass, die Hintergründe sowie die Wachstumsstrategien genauer zu analysieren.“

Auffallend ist, dass die WP-‐Gesellschaften vor allem abseits des Audit-‐Kerngeschäfts zulegen. Hossenfelder hierzu:

„Für die führenden WP-‐Gesellschaften ist das kein Widerspruch, denn sie sehen sich nicht nur als Abschlussprüfer, sondern als Professional-‐Services-‐Anbieter.“

Hier eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Die Wirtschaftsprüfer drängen stärker in die Rechtsberatung.
  • Führende Rechtsberatungs-Einheiten von WP-Gesellschaften wuchsen im Schnitt um 13,6 Prozent .
  • Das relevante Marktvolumen wird auf 6,5 Milliarden Euro taxiert
  • Digitalisierung wird als strategisch entscheidend erachtet, jedoch reichen die Investitionsbudgets nicht aus .

Interessant waren auch die Ergebnisse zu der Frage nach den größten grundsätzlichen Herausforderungen für Kanzleien.

Die detaillierte Lünendonk®-‐Studie 2017 „Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland“ auf Basis der Befragung über Strukturen, Strategien, Planungen und Restriktionen von 32 Wirtschaftskanzleien sowie Rechtsberatungs-‐Einheiten von WP-‐Gesellschaften wird im Februar 2018 bei Lünendonk vorliegen.