Was wir von Bienen über agile Führung lernen können

Das Schicksal der Bienen geht uns alle an. Ein Grund mehr, sich einmal genauer anzusehen, wie Bienen ihren Staat organisieren und was wir daraus lernen können.

1. Teamentscheidungen sind nachhaltiger als Einzelentscheidungen

Die kleinen fliegenden Honigbomber gelten als besonders fleißig und werden deshalb gerne als Symbol für agile Vorgehensweisen herangezogen, zum Beispiel im Vertrieb. Dass Bienen nicht nur fleißig sind, sondern auch clever, zeigt ein näherer Blick auf die Suche des Schwarms nach einem neuen Standort. Suchen wilde Honigbienen eine neue Bleibe, können sie es sich nicht leisten, die erstbeste Unterkunft zu nehmen. Jedoch können sie es auch nicht riskieren, sich von der Meinung einer einzelnen – ihrer Königin – abhängig zu machen. Die ideale neue Behausung sollte wind- und wettergeschützt sein, auch müssen die Ein- und Ausgänge passen. Eine große Zahl an Bienen fliegt deshalb los, um potenzielle Stammplätze zu untersuchen. Kommen sie zurück, führen sie ihre Erkenntnisse mittels eines Tanzes auf, als freundliche Art eines Wettkampfs um die Aufmerksamkeit der Zuhausegebliebenen. Anschließend überprüfen weitere Bienen die Standorte der interessantesten Tänze, bis sich nach und nach ein bestimmter Platz herauskristallisiert. Die „Unterlegenen“ ziehen sich dabei nicht schmollend in eine Ecke zurück, sondern tragen die endgültige Entscheidung mit voller Überzeugung mit. Immerhin geht es auch um das eigene Leben und Überleben – was im Zuge der Angst vor digitalen Veränderungen in manchen Unternehmen näher und dringlicher erscheint, als manche wahrhaben wollen.

Was Bienen mit ihrem Schwänzeltanz praktizieren, ist folglich astreine Basisdemokratie.

2. Die Bienenkönigin als Vorbild für moderne Führungskräfte

Die Struktur der Bienenvölker in der Organisationsbildung legt es nahe, von Bienen die Führung eines sich weitgehend selbststeuernden Teams zu lernen. Bienen sind kein chaotischer, unorganisierter Haufen, auch wenn Schwärme im ersten Moment so aussehen. Dies liegt nicht zuletzt an ihrer Königin, die, solange sie fit ist, durch ihren Stamm ein königliches Duftsekret wehen lässt, das ihren Arbeiterinnen und Drohnen signalisiert: Alles ist gut. Sobald die Königin schwächelt oder der Platz in der Wabe aufgrund der Entwicklung des Volkes zu klein wird, wird das Volk nervös und der Ruf nach einer frischen Königin laut.

Auch wenn das Leben in einem Bienenschwarm bis auf die zusammenhaltende Wirkung der königlichen Düfte und der nachhaltigen Produktion von Eiern kaum von der Königin gelenkt wird, selbst in den Entscheidungen darüber, wo der Schwarm seine neue Heimstatt aufbaut, spielt die Königin keine Sonderrolle, obgleich beim tatsächlichen Aufbruch des Schwarms nichts ohne sie geht. Führung wird im Zuge der Schwarmintelligenz und agiler Teams also nicht obsolet, sondern dient auch in unserer Zeit noch immer als Backup in Krisen sowie als Stabilisator in Reorganisationsprozessen.

Michael Hübler, ist Mediator, Berater, Moderator und Coach für Führungskräfte und Personalentwickler. Als Konfliktmanagement- und Verhandlungstrainer zeigt er, wie wertvoll der Schritt von einer „Heilen-Welt-Philosophie“ zu einer transparenten, agil-mutigen Führung ist.

 


 

Hübler
Die Bienen-Strategie und andere tierische Prinzipien
2019, rund 220 Seiten
Hardcover ca. € 29,95 inkl. MwSt.
metropolitan ISBN 978-3-96186-031-9