Verbraucher

Vom Anwalt zum Coach

Als CLP – Consulting for Legal Professionals 2018 dem Legal Revolution Team um Dr. Brandhoff das völlig neue Konzept einer Coaching-Lounge als Kontrapunkt zum klassischen Kongress- und Messeformat anbot, traf dies sofort auf Begeisterung. Trotz der konservativen Zielgruppe mußte der klassische Ansatz „Experten erklären Ihnen die Welt“ aufgegeben werden, um etwas zu bewegen. Statt „Frontalbeschallung“ und „Power-Point-Schlachten“ wurden moderne Formate erarbeitet, die gemeinsame Interaktion, unmittelbares individuelles Erleben und nichts weniger als Innovation, Kreativität und Vernetzung ermöglichen.

Was macht Coaching so erfolgreich?

Coaching ist heute überall präsent und der Markt wird mit Angeboten überschwemmt, die für „Coaching“ werben: Der Business-Coach konkurriert mit der KI des Online-Coaches, der Hausaufgaben-Coach mit dem Chef-Coach, der Cat-Coach mit dem Garten-Coach, der Style-Coach mit dem Vocal-Coach… Die Liste geht weiter. Coaching ist ein Schlagwort

Aber wer darf sich eigentlich coachen oder sich selbst als Coach bezeichnen?

Tatsächlich sind der Beruf und das Konzept des Coachings (noch) nicht geschützt: Der Gesetzgeber wird nur dann aktiv, wenn ein berechtigtes Interesse oder eine „Gefahr für Leib und Leben“ besteht. Das macht Sinn: Der Beruf des Rechtsanwalts oder Arztes ist irgendwann ein staatlich anerkannter und reglementierter Beruf geworden, im Gegensatz zum allgemeinen Beratungsberuf. Die Ausbildung und der Abschluss der staatlich anerkannten universitären Ausbildung, die staatliche Zertifizierung und Zulassung sowie der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung sollen den Verbraucher vor dem Schaden schützen.

Coaching vs. Beratung

Coaching hat sich vor über 50 Jahren als besondere Methode aus der damals noch recht jungen Psychologie entwickelt: mit speziellen Kommunikationswerkzeugen wie W-Fragen, Spiegelung und Feedback sowie Zielfindung. Der Coach soll den Coachee, den Klienten unterstützen und ihm bei seiner persönlichen Entwicklung helfen. Dabei ist es wichtig, das Coaching von anderen Formaten und Methoden, wie z.B. Training, Mentoring oder Beratung, unterschieden wird.

Warum ist Coaching in der Rechtsbranche heute so erfolgreich?

Das Geschäftsmodell der Rechtsberatung befindet sich in einem Dilemma: Kaum jemand kommt heute für den reinen Wissenstransfer und die Beratung in die Kanzlei. Dank der Globalisierung und dem Internet können Informationen zu jedem Thema und jeder Rechtsfrage jederzeit und überall kostenlos und verständlich aufbereitet und abgerufen werden. Die reine Beratung, die früher die Kernkompetenz der Anwälte war, tritt in den Hintergrund, stattdessen spielen Kompetenzen in den Bereichen Krisenmanagement, Konfliktlösung, Empathie, Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, strategisches und systemisches Verständnis eine immer wichtigere Rolle. Mit der Digitalisierung der Rechtsbranche gehen aber nicht nur Innovationen im Bereich der Rechtstechnik einher, die plötzlich ganze Geschäftsfelder der Anwaltschaft auflösen, sondern
auch die Notwendigkeit, Strukturen und Prozesse in den Kanzleien zu überarbeiten und neu zu definieren. Die Arbeitsweise der Anwälte hat sich grundlegend verändert. Vorbei sind die Zeiten der mit Papierkram gefüllten Schreibtische, der Chinesischen Mauer am Eingangsschalter, der beeindruckenden Kanzleibibliotheken und der repräsentativen Sitzungsräume – wohl nicht überall, aber doch. Heute ist der Anwalt zumindest per E-Mail direkt und jederzeit für jeden erreichbar und erreicht endlich die Augenhöhe des Klienten.

Der Anwalt von morgen ist mehr als Rechtsberater

Der Anwalt von morgen sollte in der Lage sein, die Krise des Klienten nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus menschlicher Sicht zu erfassen, ihr Stadium zu bestimmen und die geeigneten Methoden auszuwählen, um den Klienten aus der Krise zu führen. Dies sind nicht in erster Linie juristische Schritte, sondern eine Kommunikation, die das Sicherheitsbedürfnis des Klienten anspricht. Der Klient fühlt sich verstanden, und der Anwalt kann die Informationen des Klienten besser einordnen und verstehen, aber auch Strategie und Taktik sowie das Mandats-Management darauf abstimmen. Dies führt zu einer vertrauensvollen und nachhaltigen Klientenbeziehung, aber auch zur richtigen rechtlichen Lösung für den Klienten. Das Geschäft wird neu belebt. Die Coaching Lounge hat gezeigt, dass diese Unterstützung dankbar angenommen wird.


Dr. Geertje Tutschka mit Kollegen auf der Legal Revolution 2019