Ihr Weg zur digitalen Steuerkanzlei – kompakter Kurzratgeber erschienen

Mit der richtigen Strategie zu mehr Effizienz und Mandantenzufriedenheit

Will man seine Kanzlei zukunftsfähig und krisensicher gestalten, führt kaum ein Weg an der Digitalisierung vorbei. Die derzeitige Krise sorgt für zusätzlichen Handlungsdruck. Hier bietet der neue Fachinfo-Kurzratgeber „Ihr Weg zur digitalen Steuerkanzlei“ einen kompakten
und praxisnahen Leitfaden. Angefangen bei strategischen Überlegungen, die jedem Veränderungsprozess vorausgehen sollten, bis hin zur Umsetzung mit dem gesamten Kanzleiteam. Ziel des Ganzen: Effektiveres Arbeiten, erhöhte Arbeitsqualität sowie gesteigerte Mandantenzufriedenheit.

Themen der Fachinfo-Broschüre:

► Keine Buchung ohne KI: Wie künstliche Intelligenz die Buchhaltung verändert

► Die Digitalisierung in der Kanzlei strategisch angehen

► Der Weg zur digital(er)en Kanzlei

► Den Mandanten in den Fokus stellen: Customer Experience und Steuerberatung

► Checkliste zur Umsetzung der Digitalisierung

Eine interessante Lektüre wünscht mit besten Grüßen aus München
Ihr Kanzleiforum-Team

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Wirtschaftskriminalität: auch eine wirtschaftsethische Herausforderung?

Wirtschaftskriminalität verstehen

Wirtschaftskriminalität verursacht nicht nur große Schäden, sondern wird in Öffentlichkeit, Medien und Fachwelt zunehmend kritisch diskutiert. Wirtschaftskriminelle Handlungen haben heute ein Ausmaß und einen Umfang erreicht, der nicht länger zu relativieren ist und damit zeigt sich, wie wichtig es ist, auf das Problem im Geschäftsbetrieb adäquat reagieren zu können. Dazu ist es nötig, die verschiedenen „Spielarten“ krimineller Handlungen im Bereich der Wirtschaft sorgfältig zu differenzieren und da Problem in den Kontext der Unternehmensethik einzubetten. Nur so wird es möglich, das komplexe Phänomen auf Basis des einschlägigen juristischen, sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschungsstands heraus zu verstehen und Ansatzpunkte für eine Prävention und Bekämpfung im Rahmen von Compliance-Ansätzen aufzuzeigen.

Die Rolle der Unternehmen

Wirtschaftskriminalität ist insofern ein schwer zu erfassendes und vielschichtiges Themenfeld, da Unternehmen Opfer, aber auch Täter oder beides zugleich sein können – das wird in der medialen Berichterstattung, die zumeist effektvoll skandalisiert, zumeist ausgeblendet.

  • Unternehmen sind Opfer bei den verschiedenen Formen von Occupational Crime. Beschäftigte bereichern sich bei Ausübung ihres Berufs auf Kosten des Unternehmens. Diebstahl, Untreue oder Betrug sind Massendelikte, sie haben daher den Charakter von „Jedermannskriminalität“. So berichten Compliance-Beauftragte, dass bei Büromaterial, Kaffeepulver oder Klopapier ein unerklärlich hoher Verbrauch zu verzeichnen ist und bei Spesenabrechnungen flächendeckend betrogen wird. Occupational Crime gewinnt dann bedrohliche Ausmaße, wenn „Intensivstraftäter“ an kritischen Schaltstellen arbeiten, z.B. Mitarbeiter im Rechnungswesen systematischen Abrechnungsbetrug betreiben oder Ingenieure geistiges Eigentum stehlen, um es an Konkurrenzunternehmen zu verkaufen.
  • Unter Corporate Crime werden demgegenüber Delikte verstanden, die im (vermeintlichen) Interesse des Unternehmens begangen werden. Dazu zählen u.a. Korruptionszahlungen, Kartellbildung, Subventionsbetrug oder Umweltdelikte. Es geht jeweils darum, die Kosten-Erlös-Situation des Unternehmens zu verbessern. Doch warum begehen Manager oder Mitarbeiter Delikte, die nicht, jedenfalls nicht primär im eigenen Vorteil, sondern im Unternehmensinteresse liegen? Damit gerät das Unternehmen mit seiner Organisationsstruktur und -kultur als Täter ins Blickfeld. Die Existenz einer konspirativen Schattenorganisation, wie sie bei Siemens zur Zeit des Korruptionsskandals um die Jahrhundertwende installiert war, ist eher ein Ausnahmefall. Doch gibt es Strukturelemente wie schwache Kontrollmechanismen, eindimensionale Bewertungs- und Entlohnungssysteme, ausgeprägte Hierarchie- und Machtdistanzen, die zwar keine Straftaten im kausalen Sinne bedingen, aber häufig unterschätzte Risikopotentiale für Delinquenz vermitteln. Im Mittelpunkt stehen die gelebten Unternehmenskulturen, denn die Praxis zeigt, Organisationskultur „schlägt“ Organisationsstruktur.

Die Praxis zeigt, Organisationskultur „schlägt“ Organisationsstruktur.

  • Mustergültig zeigt auch dies der Siemens-Fall: Obwohl die Firma eine Compliance-Organisation, einen Ethik-Kodex, Regeltreue-Verpflichtungen der Manager etc. besaß, kam es über Jahrzehnte zu massiven Schmiergeldzahlungen. Für defizitäre Kulturen können verschiedene informelle Normen verantwortlich sein, sei es das Einfordern von striktem Gehorsam, das bewusste Wegsehen oder Schweigen bei kriminellen Machenschaften anderer. Häufig ist ein hoher Gruppendruck Ursache für Straftaten, der aus der Philosophie entsteht: Gewinn geht vor Moral!
  • Die ambivalente Rolle der Unternehmen als Täter, Profiteur und Opfer dokumentiert sich insbesondere darin, dass die Beteiligung an Kartellabsprachen oder die Zahlung von Schmiergeldern die Profitabilität steigert, solange diese kriminellen Aktivitäten unentdeckt bleiben. Die Geschäftsführung, die diese Praktiken stillschweigend duldet oder aktiv befördert, macht das Unternehmen zum Mittäter. Die Opferrolle kommt dann hinzu, wenn das kriminelle Engagement aufgedeckt wird, Strafzahlungen fällig werden und Reputationsverluste gegenüber verschiedenen Stakeholdern zu impliziten Kosten führen.
Strafrechtliche Verantwortung

Die vielfältige Rolle beim Strafgeschehen geht einher mit einem geringen öffentlichen Aufklärungsinteresse des Unternehmens. Dafür sprechen Kosten-Nutzen-Kalküle: Bereicherungskriminelles Verhalten der Beschäftigten wird vielfach als Bagatellkriminalität toleriert oder man erkauft sich damit willfähriges Verhalten der Delinquenten bei fragwürdigen Unternehmensentscheidungen. Corporate Crime-Delikte vermögen – wie beschrieben – kurzfristig „Probleme lösen“ und Erträge steigern. Ausdruck dieser Kurzfristorientierung ist die vielfach von Top-Managern praktizierte „strategische Ignoranz“; sie wollen über kriminelle Machenschaften wie Schmiergeldzahlungen, Kartellbeteiligung oder der Einsatz von Schummel-Software gar nicht informiert werden, glauben sie doch, sich so ihrer Führungs- und strafrechtlichen Verantwortung entziehen zu können.

Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität

Das Strafrecht ist bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität ein relativ stumpfes Schwert.

 Dafür ist neben den bereits erwähnten Gründen auch verantwortlich, dass sich die öffentliche Aufklärung und Strafverfolgung wegen der Komplexität der Materie und den Beweisproblemen schwierig gestaltet. Unternehmen sehen sich angesichts dieser Schieflage verstärkt Forderungen gesellschaftlicher Stakeholdergruppen gegenüber, selbst für regeltreues Verhalten zu sorgen. Die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität wäre also nicht primär von einem engen Netz wirtschaftsstrafrechtlicher Regelungen und scharfer staatlicher Sanktionierung ins Werk zu setzen, sondern mithilfe einer unternehmensinternen Compliance-Organisation. Damit ist der Bogen zur Wirtschaftsethik und den von ihr diskutierten Instrumenten geschlagen, mit denen dolose (= vorsätzlich arglistige) Praktiken präventiv verhindert werden sollen. Um Einführung und Praxis eines Compliance- und Integrity-Managements haben sich zwischenzeitlich manche Kontroversen entfacht: Wird damit ein zentraler Baustein für ein erfolgreiches Risikomanagement installiert oder sind die Vielzahl unternehmensinterner Regeln und Prozesse eher ein Geschäftsverhinderungsinstrument? Oder dienen Compliance-Maßnahmen dazu, Fehlverhalten des Top-Managements zu verschleiern und Verantwortung dafür auf nachrangige Unternehmensebenen abzuwälzen?

Ethik-Management im Unternehmen

Die Motivation für Compliance- und Integrity-Management ist offenkundig: Um ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren oder zurückzugewinnen, kann Moral für Unternehmen als produktive Ressource verstanden werden. Ethik-Management ist daher als eine lohnende Investition anzusehen. Den Unternehmen kommt entgegen, dass sich dies mit der moralischen Grundausstattung der Menschen trifft:

  • Sie bauen eher konkretes interpersonelles als abstraktes Vertrauen auf. Das bedeutet:Beschäftigte vertrauen eher  Personen, wie Vorgesetzten oder Kollegen, als abstrakten Unternehmensorganisationen, Behörden oder Institutionen. Das macht zugleich deutlich, dass der Vorbildfunktion der Vorgesetzten und des Top-Managements eine zentrale Bedeutung zukommt.
  • Zudem vertrauen Menschen stärker in moralische Werte und Normen als in Rechtsregeln. Die durch Sozialisation internalisierten moralischen Normen sind für sie das originäre Regelwerk, nicht das Strafrecht mit seiner disziplinierenden und sanktionierenden Wirkung.

Beschäftigte vertrauen eher  Personen, wie Vorgesetzten oder Kollegen, als abstrakten Unternehmensorganisationen, Behörden oder Institutionen.

  • Das macht zugleich deutlich, dass der Vorbildfunktion der Vorgesetzten und des Top-Managements eine zentrale Bedeutung zukommt.
  • Zudem vertrauen Menschen stärker in moralische Werte und Normen als in Rechtsregeln. Die durch Sozialisation internalisierten moralischen Normen sind für sie das originäre Regelwerk, nicht das Strafrecht mit seiner disziplinierenden und sanktionierenden Wirkung.

Unternehmen können also das Verhalten ihrer Beschäftigten unmittelbarer und erfolgreicher über integre Führungspersönlichkeiten, eine intakte Unternehmenskultur und Ethik-Kodizes, beeinflussen, als dies über das Rechtssystem und insbesondere das Strafrecht möglich wäre. Empirische Untersuchungen bestätigen, dass solche unternehmensinternen Regelungen stärker als strafrechtliche Normen bei den Unternehmensangehörigen verankert sind.

Noll
Wirtschaftskriminalität – Eine wirtschaftsethische Herausforderung
2020, 363 Seiten
Softcover € 38,00
Kohlhammer ISBN 978-3-17-029246-8

Der Autor:

Prof. Dr. Bernd Noll lehrt Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsethik an der Hochschule Pforzheim.

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Visualisieren von Inhalten: Bildsprache »InsiviSuell« lernen

Visualisieren ist eine Arbeitstechnik, die im Berufsalltag eine immer größere Rolle spielt. Sie ermöglicht es, komplizierte Inhalte verständlich und auf den Punkt zu vermitteln. Wer Visualisieren beherrscht, findet zu Kollegen oder Mandanten schnell einen Zugang sowie ganz neue Möglichkeiten der Ideenentwicklung.

Sie können nicht zeichnen? Doch, können Sie.

Darf ich es Ihnen beweisen? In Visualisieren am FlipChart für Dummies finden Sie die vollständige Anleitung, um die Bildsprache »InsiviSuell« zu lernen. Und wie bei jeder Sprache beginnt das Lernen immer mit ein paar – ja, Sie ahnen es schon: Vokabeln.

Sie können zeichnen: Der Beweis

Sie wollen den Beweis, dass Sie zeichnen können? Na, dann ran an Papier und Stift. Egal, ob Kuli oder Marker, ob Druckerpapier oder die Rückseite eines Kassenzettels: Zeichnen Sie doch bitte – ganz spontan und mit ordentlich Abstand zum Rand und zur jeweils nächsten Figur – eine Linie, ein Dreieck, ein Quadrat, einen Kreis, ein Ei und ein Herz auf ein Stück Papier.

Das Ganze sollte dann ungefähr so aussehen.

Jetzt üben Sie die nächste Stufe

Indem Sie die Bildvokabel »Eier« einfach nochmal wiederholen – jeweils über den bisher gezeichneten Grundformen. Auch hier lassen Sie einen kleinen Abstand zur jeweiligen Grundform.

So in etwa sollte Ihr Blatt nun aussehen.

Männchen machen … ähem … malen

Jetzt entwickeln wir einfach erste Männchen aus den Grundformen.

Mit Armen und Beinen, Füßen und Händen. In unterschiedlichen Körperhaltungen. Ganz oben links wurde aus dem Strich ein Strichmännchen. Das Dreieck-Männchen zeigt mit der einen Hand schon mal gen Himmel oder Ziel. Das Quadrat-Männchen steht recht steif und unbeweglich. Das Kreis-Männchen freut sich und hat als Erstes angedeutete Knie- und Ellenbogengelenke – also leicht abgeknickt. Das Ei-Männchen steht schon mal gedreht zu einer Seite und das Herzmännchen zeigt ein zorniges Mädchen mit einem dringenden Bedürfnis. Sie merken schon: Es braucht nur ganz wenige Striche, um den Figuren einen Charakter zu verleihen. Dabei haben wir an dieser Stelle noch gar keine Mimik oder weitere Elemente der Körpersprache mit im Spiel.

Sie möchten mehr dazu wissen? Dann ist Visualisieren am FlipChart für Dummies genau das Richtige für Sie.

Aus Grundformen zusammengesetzt

Sie haben noch zu wenig Beweis für Ihre Zeichenkompetenz? Na, dann schauen Sie sich das mal an.

Alle diese Visuals sind – Schritt für Schritt – aus den Grundformen zusammengesetzt. Sie kriegen das also locker hin, oder? Nun, jetzt sehe ich Sie den Kopf schütteln. Weil Sie denken: Och nöööö, so schön sieht das bei mir längst nicht aus. Doch jetzt mal ehrlich: Haben Sie Englisch, Laufen oder Kochen in nur zehn Minuten gelernt? Nein. Alles das braucht Übung.

Erlaubnis zur Imperfektion

Etwas anderes ist beim Visualisieren noch viel, viel wichtiger: Dass Sie sich selbst die Erlaubnis zur Imperfektion geben. Die können Sie sich sogar auf meiner visutrainment.de runterladen!

Ich bin ganz sicher: Als kleines Kind haben Sie gezeichnet. Sehr motiviert sogar. Bis Sie in die Schule kamen. Auf einmal wurde aus dem Malen der Kunstunterricht. Kreativität wurde zu einer messbaren »Leistung«.

Wenn Sie da kein Einser-Kandidat waren, hat Ihre Motivation zum Zeichnen genauso gelitten wie meine. Doch was Sie beim Businesszeichnen am FlipChart brauchen, ist lebendige und dynamische Gebrauchsgrafik. Ohne Perfektionsanspruch. Denn hier zählt der Faktor Zeit.

Weniger ist mehr

Also zeichnen Sie nur das, was unbedingt notwendig ist, damit andere erkennen, was sie da gezeichnet haben. Da dürfen Ecken offen, Linien krumm und Farben nur angedeutet sein. Hier wirkt Imperfektion nämlich sympathisch und nahbar.

Wenn Sie Menschen Fakten, Inhalte oder Botschaften vermitteln wollen, dann geht es darum, diese emotional zu erreichen. Und das schaffen Sie mit imperfekten Visuals viel eher als mit einer aalglatten Beamer-Präsentation. Und eines kann ich Ihnen versprechen: Sie gehen selbst viel kritischer mit Ihren Werken um als Ihr Umfeld. Nehmen Sie doch jetzt einfach das Blatt mit Ihren Männchen oder den Schritt-für-Schritt-Visuals und zeigen es Ihren Mitmenschen. Wetten, dass da sehr motivierende Rückmeldungen kommen?  

Seien Sie mutig

Visualisierung am FlipChart und auch an anderen Stellen soll Freude machen. Den Zuschauern und dem Zeichner. Mit positiven Emotionen lernen wir einfach leichter. Bilder nehmen die Autobahn ins Gehirn. Worte sind lerntechnisch auf dem Feldweg unterwegs. Visualisierung bedeutet, mehrsinnig zu lernen. Die Augen sehen, die Ohren hören und der Marker liegt gut in der Hand.

Dazu kommt der Rätselspaß für Ihre Teilnehmer, wenn Sie am FlipChart etwas anzeichnen und die Zuseher mitraten, was da vorne entsteht. Das bleibt hängen. Das stärkt Ihre Marke als Lehrender oder Präsentator. Es macht auch einfach mehr Spaß, als am Beamer aufs Knöpfen zu drücken.

Ach – und für den Fall, dass Sie Probleme mit Ihrer Art zu schreiben am FlipChart haben: Dazu gibt es in Visualisieren am FlipChart für Dummies wertvolle Tipps, die Ihre Schrift wie von Zauberhand ein Stück besser machen. Trauen Sie sich mutig ran und entwickeln Sie wieder Freude an der Visualisierung. 

Schöbitz
Visualisieren am Flipchart für Dummies
2020, rund 320 Seiten
Softcover ca. € 22,99
Wiley-VCH ISBN 978-3-527-71699-9

Bettina Schöbitz bietet Trainings für Unternehmen in den Bereichen Visualisierung und Entertainment an.

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Legal Tech in Deutschland: Stand 2020

Berlin Legal Tech

Die Legal Tech Berlin fand vom 26.–28.02.2020 zum vierten Mal statt. Diese von dem Berliner Legal Tech Pionier Prof. Breidenbach initiierte Veranstaltung hat sich zu einem bedeutenden Treffen der Branche sowie des interessierten Publikums entwickelt. Die Besonderheit liegt in dem interaktiven, kommunikativen Veranstaltungskonzept, das junge Nachwuchs-Entwickler, Startups, Software zu eigenen Zwecken entwickelnde Großkanzleien und etablierte Anbieter zu einem fruchtbaren Austausch zusammenführt – ein Konzept, das einen sehr hohen Wissens- und Erfahrungs-Ertrag für die Teilnehmer gewährleistet.

Der Autor nahm als Referent an der Veranstaltung teil und möchte mit diesem Artikel den derzeitigen Stand von Legal Tech in Deutschland der Fachöffentlichkeit als Orientierungshilfe vermitteln.

Als Legal Technology (LegalTech,LT) wird die Unterstützung, Automatisierung oder Ersetzung  von durch Menschen erbrachten juristischen Leistungen durch EDV bezeich-net. Der Autor schlägt dazu einen kürzenden Sprachgebrauch vor: Assistenz-LT / Automat-LT / Autonom-LT

1. Assistenz-LT

LT-Assistenz-Systeme unterstützen den Juristen bei seiner

  • geistigen juristischen Tätigkeit
  • Büro-Organisation einschließlich seiner Hilfskräfte
  • Kommunikation mit Dritten in der Anbahnung oder in der Durchführung.

Klassiker als LT-Assistenz-System sind die anwaltlichen Kanzlei-EDV-Systeme, juristische Online-Datenbanken und Anwaltssuchdienste. Ein aktueller Schwerpunkt der Entwicklung von Assistenz-Systemen – insb. von Startups – ist der Bereich der digitalen Dokumente hinsichtlich Erstellung, inhaltlicher Analyse und Auswertung. Da allgemeine und individuelle Juristen-Erfahrung zunehmend in einer großen, beständig ansteigenden Anzahl von digitalen Dokumenten gespeichert ist, liegt es nahe, die Beschränktheit des menschlichen Gehirns in Erinnerung, Suche nach Ähnlichkeiten und Mustern sowie hinsichtlich zusammenschauender Auswertung von Dokumenten durch EDV zu ergänzen. Hier wird in Zukunft künstliche Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der solche LT-Assistenz-Instrumente nutzende Jurist hat Zeit-/Kosten- und Wettbewerbsvorteile, woraus sich ein Business Case für diese Systeme ableiten lässt und damit Investitionskapital angezogen wird, was diese Entwicklung weiter befeuert.

An neuartigen LT-Assistenz-Tools sind konzeptionell interessant der Arbeitsrechts-Vertragsgenerator des Startups Legal OS sowie das Startup codefy, das juristische Texte inhaltlich analysiert und dazu relevante Rechtsprechung aus Online-Datenbanken ermittelt.

Die klassischen LT-Assistenz-Systeme wie Kanzleiorganisations-Software nehmen zunehmend die Arbeitsleistung des Juristen in den Fokus. Legal Tech Tools werden immer mehr in das Kanzlei-Organisationskonzept eingebunden. Die bislang dem Anwalt persönlich vorbehaltene Entgegennahme und Aufbereitung von Falldaten wird zunehmend durch Softwarelösungen unterstützt und ersetzt, so durch Online-Mandantenkonten mit Online-Mandatserteilung und Online-Dateneingaben der Mandanten direkt in die Kanzlei-EDV-Systeme.

2. Automat-LT

Bei der LT-Automatisierung ersetzt der Computer bei typisch wiederkehrenden Einzelschritten der juristischen Dienstleistungen vollständig die geistige und praktische Arbeitsleistung des Juristen. Dieser hat dabei (nur) eine beaufsichtigende – weil die Verantwortung tragende – Funktion.

LT-Automatisierung führt umso mehr zu Arbeitseinsparungen und Kostenvorteilen, je mehr gleichartig gelagerte Fälle als juristische Dienstleistungen zu bearbeiten sind. Hier sind einige Großkanzleien mit eigenen Entwicklungen, auch eigenen Programmierabteilungen, aktiv, insbesondere im Bereich von „Dieselskandal“ sowie von Wertpapier-Sammelklagen. Es ist denkbar, dass dort gewonnene Erkenntnisse und Lösungen zu Produkten führen, die auch Kanzleien mit kleineren Fallzahlen anwenden könnten.

Einen neuartigen Ansatz hierzu hat RA-MICRO in der Entwicklung, in dem im Online‑Mandantenkonto der Anwaltskanzlei dem Mandanten von der Kanzlei für typische Fallgestaltungen generierte Daten-Erfassungsmasken zur Verfügung gestellt werden, die bei Auftragserteilung und während des laufenden Mandats vom Mandanten online mit Daten befüllt werden. Diese Daten werden automatisch in das RA-MICRO Textbaustein-Variablensystem übernommen, sodass der (fehlerträchtige) Arbeitsschritt der Übertragung der Daten (z. B. Kfz-Daten, Grundbuch-/Katasterbezeichnungen u. a.) in das Kanzlei-EDV-System entfällt. Dies ermöglicht in Standard-Konstellationen wie Räumungsklagen und Mahnverfahren automatisiert ablaufende Verfahrensabschnitte der anwaltlichen Dienstleistung.

3. Autonom-LT

Die autonome Legal Tech will den Juristen vollständig durch den Computer ersetzen. Experimentell hat das KI-System IBM Watson erste Ergebnisse gezeigt, die aber weit von praktischer Nutzbarkeit entfernt sind. Derzeit ist die Idee eines „Computer-Juristen“ Science-Fiction und es ist auf dem heutigen Stand der Technik nicht abzusehen, ob und wie eine solche Zukunft jemals Realität werden könnte.

Als Consumer Legal Services haben sich allerdings einige Systeme etabliert, die massenhaft auftretende, einfach gelagerte Sachverhalte mit juristischen Dienstleistungen automatisiert bearbeiten (ohne mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz zu kollidieren) wie „Flugrecht“, „Flightright“ „Geblitzt“, „Wenigermiete“, „Aboalarm“, „myright“.

Im Fall des Vertragsgenerators Smartlaw ist ein Verstoß gegen das RDG vom LG Köln erkannt worden. Das ist deshalb richtig, weil nach dem heutigen Stand der Technik eine intellektuell juristische geistige Leistung durch einen Computer – wie dies die Gestaltung eines Vertrages unzweifelhaft erfordert – unmöglich ist.

Autor:

RA Dr. Peter Becker, Berlin

CovInsAG: „Das wird verheerende Konsequenzen haben“

In der Corona-Krise hat der Gesetzgeber umfangreiche Änderungen insolvenzrechtlicher Vorschriften beschlossen (COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz – COVInsAG). Hier finden Sie dazu ein Interview mit Prof. Dr. Volker Römermann, Mitherausgeber des Kommentars Nerlich/Römermann, InsO.

Mit Hirnschmalz und Herzblut – So geht Networking von daheim!

Wie wie geht es Euch nach drei Wochen Home-Office, Kurzarbeit, mit weniger oder keinen Aufträgen? Der Ausgangsbeschränkung? Covid-19 wirbelt unser Leben durcheinander. Die Außenkontakte fehlen uns: Viele fühlen sich allein, gar einsam, Depressionen nehmen zu, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht die anderen. Wir müssen gerade jetzt in unsere Beziehungen investieren, damit wir mental gesund und wirtschaftlich am Ball bleiben. Der Begriff #socialdistancing ist unsäglich, weil mißverständlich, da lediglich physische Distanz erforderlich ist. Es geht nur um #physicaldistancing.

Haltet Eure Kontakte am Laufen

Wer gesund ist – und das sind zum Glück die meisten -, sollte aufhören zu jammern. Wir sitzen nicht wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel. Und anders als zu Pestzeiten gibt es tolle und vielfach kostenlose Tools, um coronafrei in Kontakt zu bleiben. Smartphones, Festnetztelefone, Skype, Zoom & Co., Emails, WhatsApp, Direktnachrichten bei Facebook, Instagram, LinkedIn, Twitter, Xing, das gute alte, nicht tot zu kriegende Fax nicht zu vergessen – wir haben unzählige technische Möglichkeiten, uns nahe zu sein. Es ist zwar nicht dasselbe, bei einem Business Lunch über Projekte nachzudenken oder zu skypen, doch besser als Emails hin- und herzuschicken. Als Geheimtipp schiebe ich handgeschriebene Briefe und Karten hinterher. Testet die Wirkung!

Ihr habt alles, Ihr müsst lediglich passende Ideen für Eure Klientel entwickeln und umsetzen. Keiner kann behaupten, er habe keine Zeit, wenn er nicht im medizinisch-pflegerischen Bereich, im Handel oder bei Paketdiensten etc. tätig ist. Corona stiehlt uns anderen keine Zeit, wenn wir den Spieß umdrehen: Nutzt die zusätzliche Zeit durch wegfallende Termine oder Fahrten zur Arbeitsstätte fürs Netzwerken. Rechnet täglich ein, zwei oder mehr Stunden einmal hoch! Wow!

Netzwerken mit System & Strategie

Um die geschäftlichen Beziehungen am Laufen zu halten, müssen wir gerade in der Krise strategisch vorgehen. Schaut Kunden- & Adressdateien darauf durch, welche Kontakte wiederbelebt werden sollten, notiert den Grund. Macht Euch zudem Gedanken dazu, welche Kontakte fehlen.

Das Telefon – Euer Freund

Erstellt nach dem Netzwerk-Check eine Telefonliste mit Prioritäten. Ruft täglich mindestens drei Leute an. Ihr müsst kein Small-Talk-Künstler sein, derzeit reicht: „Wir haben uns länger nicht gesehen. Ich wollte hören, wie es Ihnen geht.“ Vorsicht: Jammern killt die Stimmung. Fragt lieber, ob Ihr etwas tun könnt, wo sich der Gesprächspartner Unterstützung wünscht. Stellt hilfreiche Kontakte her. Bietet Zusatzservice. Telefonate sind nach der Begegnung die beste Kommunikationsform.  Sie haben Dank Corona wohl um 50 % zugenommen. Wer zu schüchtern ist oder sich aus anderen Gründen nicht traut, schreibt eine Email oder Karte. Besser als nichts.

Bedankt Euch

Bedankt Euch spontan und auch strategisch. Macht eine Liste, wem Ihr längst hättet danken sollen und ruft an.

Verschickt Überraschungen

Ich verschicke derzeit an Kunden, Freunde und Mitarbeiter Päckchen mit „Provence-Feeling“: Lavendelsäckchen, schöne Seife selbst dekoriert mit getrockneten Immortelles, den Unsterblichen (!), plus Handdesinfektionsmittel, falls erhältlich. Seife war vor Corona als Geschenk ein No Go, jetzt hat sie hohen Symbolgehalt, weil das Händewaschen Leben rettet. Schickt Mitarbeitern eine Tafel Schokolade mit einem persönlichen Gruß ins Homeoffice. Nutzt Lieferdienste.

Macht täglich etwas Nettes

Tut etwas für andere, das tut auch Euch gut. Zu Ostern schenkte ich Kassiererinnen, Postboten etc. Mini-Schokohasen, nur eine kleine Geste, doch alle strahlten. Wen vermisst Ihr? Sagt es ihm oder ihr.

Knüpft neue Kontakte

Selbständige, Unternehmer, Freiberufler, Führungskräfte und andere Ambitionierte sollten sich über LinkedIn vernetzen. Seid aktiv, postet und kommentiert regelmäßig. Laßt stupides Sammeln von Kontakten! Geht individuell auf Menschen zu, sonst könnt Ihr es gleich lassen. Wieso das digital und  analog so ist, verrate ich in meinem neuen Buch „Vergesst Networking – oder macht es richtig! …sonst sind 90% der Kontakte für den Müll.“

Nutzt den erlaubten Ausgang zum Netzwerken

Wenn Ihr draußen einkauft, vergesst das Klopapier, kauft Kleinigkeiten für Kunden, betagte Nachbarn, die alleinerziehende Mitarbeiterin in der Telefonzentrale.

Lasst Blumen sprechen

Meine Apothekerin hat sich über meinen Tulpenstrauß riesig gefreut – Investment: 7 €. Eure Dienstleister sind ein wichtiger Teil Eures Netzwerkes, pflegt sie. Farben beeinflussen uns: Gelb macht gute Laune wie die Sonne, weshalb man insbesondere kranken Menschen gelbe Blumen schenken sollte – mit Erfolg getestet. Blumenläden liefern aus.

Kümmert Euch um Euer Netzwerk, Ihr tut Euch und den anderen einen Gefallen: Es lohnt. Und bleibt gesund.

Haas
Vergesst Networking – oder macht es richtig!
… sonst sind 90 Prozent der Kontakte für den Müll
2019, X, 197 S.
Softcover 19,80 €
Vahlen. ISBN 978-3-8006-6065-0

© Michael Hagedorn

Martina Haas ist Expertin für Networking & Kommunikation und von Hause Rechtsanwältin. Die gefragte Vortragsrednerin und Dozentin begeistert Zuhörer, Leser und Medien mit ihren Ideen für mehr Erfolg. Weitere Informationen via www.martinahaas.com.

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Recht in der Corona-Krise: advocado öffnet sein System für Anwälte

Greifswald, 8. April 2020 – Die Rechtsplattform advocado launcht heute ein neues Tool, mit dem Anwälte ihre Mandanten trotz Kontaktsperre weiterhin sicher betreuen können – nämlich digital. Damit öffnet das Legal-Tech-Unternehmen sein System für Anwälte, die ihre Mandanten aktuell nicht persönlich beraten können. Der Service ist kostenfrei. Weiterlesen

Fröhliche Ostern

und bleiben Sie alle bitte gesund!

Coronakrise – Ihre anwaltlichen Rechte und Pflichten

Während der Corona-Pandemie fällt es vielen Kanzleien schwer, den Überblick zu bewahren. Umso wichtiger ist es, die anwaltlichen Rechte und Pflichten innerhalb der Krise im Blick zu halten. In der zweiten MkG-Ausgabe erklärt Berufsrechts-Experte Tim Günther worauf es ankommt. Weiterlesen

Steuerbüro

Homeoffice und Videotelefonie: Plötzlich geht´s

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Corona-Virus bedroht unser Leben. Die Krise bringt zugleich so viele Chancen wie noch nie zum Vorschein, endlich unser Verhalten und unsere Einstellungen zu überdenken und uns auf die Zukunft besser vorzubereiten.

Neue Möglichkeiten durch Videokonferenzen

Ein Beispiel: Videokonferenzen und Homeoffice. Vor knapp zehn Jahren arbeitete ich im Bereich Videokonferenzsysteme im B2B Vertrieb und Business Development. Meine Aufgabe war es, den Markt in der DACH-Region dafür zu sensibilisieren, Service Partner aufzubauen und mehr Unternehmen und Mitarbeiter dafür zu begeistern.

Das Thema wurde nur zögerlich angenommen. Entscheider wollten Remote-Lösungen nicht wirklich in den Berufsalltag einbauen. Man fand es „ganz nett“, jedoch mehrheitlich nicht zwingend notwendig. Ausnahmen waren Unternehmen, die global tätig waren. Mittelständische und kleine Unternehmen taten sich oft sehr viel schwerer. Die Verantwortlichen hörten zwar die Argumente CO2, Zeit-und Kostenersparnis, Flexibilität et cetera. Die Konsequenzen bezüglich der nötigen Verhaltensänderung wollten zu diesem Zeitpunkt noch wenige eingehen.

Videoübertragungen bieten Möglichkeiten in vielen Bereichen

Auch das Sowohl-als-auch-Prinzip wollte noch nicht wirklich greifen. Ein damaliger Geschäftspartner erzählte mir von einem sozialen Projekt in Bolivien. Es ging darum, via Video per Satellit Schulunterricht zu übertragen, damit Kinder nicht über viele Stunden in die Schule laufen mussten. Ich war damals schon begeistert, dass Video die Möglichkeit gibt, Menschen eine Perspektive in Unwägbaren Situationen zu geben! Ja, Videoübertragungen sind eine tolle alternative Möglichkeit, sich auf Distanz zu treffen und zu sehen. Ich staunte, dass viele Unternehmen und Schulen diese technologische Möglichkeit für die Zukunft kaum nutzten. Sie hätten doch so viele Vorteile davon: Sie gäben Mitarbeitern, Kindern und Eltern mehr Flexibilität und Möglichkeiten, ihrer Tätigkeit nachzugehen oder zu lernen – wo auch immer sie sich gerade befinden.

Neue Lösungen, neue Chancen

Knapp zehn Jahre später drängt uns das Leben in die Ecke, sagt Stopp. Wir werden plötzlich aus Gewohntem geschleudert, stecken in einer Krise. Keine Reisen, keine Veranstaltungen, keine größeren Gruppentreffen oder Besuche, keine Geschäftsessen. Das Treiben fährt runter und trotzdem läuft das Leben weiter, nur anders…

Plötzlich bekommen Videolösungen und Homeoffice einen höheren Stellenwert. Was für eine Veränderung! Was für ein Change! Man ist begeistert und gewinnt Zeit. All das ist dank der Digitalisierung möglich. Neue Lösungen überraschen – Bäcker posten Videos als Marketingaufruf, Schulen rüsten sich auf für digital Teaching, Kinder können von überall aus virtuell ins Klassenzimmer und Zuhause in der Schule sein. Freunde machen Afterwork-Stammtische über Video, Trainer stellen auf virtuelle Seminarräume um. Sensationell. Und das in so kurzer Zeit.

Aus der Situation entstehen neue Möglichkeiten. Und es werden immer mehr sein.

Mobile-Working als dauerhaftes Konzept?

Für mich als Change Beraterin und Coach ist der Corona-Ausnahmezustand eine Erfahrung mehr: Ein Schrei nach Veränderung benötigt manchmal große Einschnitte von außen, um innezuhalten und neue Möglichkeiten zu sehen. Wir lernen, dass wir nicht alles kontrollieren können, und schon gar nicht das Leben! Es zeigt uns aber auch, was alles in uns steckt und was wir möglich machen können. Es zeigt uns unsere Stärken, es zeigt uns aber auch Schwächen auf im System. Irgendwie kommen gerade viele Wahrheiten ans Licht. Wegzugucken ist schwierig. Das Leben fordert uns enorm. Der Appell an uns möchte jetzt nicht mehr verschoben werden.

Ich arbeite nun bereits seit vielen Jahren im Mobile-Working-Modus in einer Sowohl-als-auch-Variante. Mein Arbeitsstil bietet mir viele Möglichkeiten. Und vor allem gewinne ich die Freiheit und Flexibilität, so zu arbeiten wie ich es für meinen Lebens- und Arbeitsrhythmus brauche, um gut auf Veränderungen eingehen zu können.

Es hat nun diese Krise gebraucht, bis Videotelefonie und Homeoffice eine so große Bedeutung bekommen, die Menschen „bewegt“. Veränderung kommt für viele nie zur richtigen Zeit. Oft erkennen wir rückblickend an, dass die Wende wichtig war.

Altes loslassen und Raum für neues zulassen

Wie werden wir auf Corona schauen, wenn alles wieder normal läuft? Wir werden Gewinner und Verlierer haben. Freude und Tränen, neue Begegnungen und Trennungen, Erfolge und Niederlagen haben wir erlebt. Und wir werden Altes und nicht mehr Funktionierendes loslassen und Raum für Neues zulassen. Die Erde fängt an, sich zu erholen. Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit. Zeit für ihre Kinder, Zeit, um sich Gedanken zu machen, was wirklich zählt. Zeit für qualitativen Gesprächsaustausch. Zeit, um aufzuräumen – innerlich und äußerlich. Jetzt zeigt sich, wieviel Stabilität wir in uns tragen, weil im Außen vieles instabil geworden ist.

Und wir beginnen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir hinterfragen, ob das sein muss, was wir in unserer Gesellschaft nach dem Motto „Immer höher, schneller und weiter“ bewegt haben? Ich meine, die Zeit ist überreif, dass wir uns eingestehen: Ja, unser Leben verdient mehr Tiefe und Qualität.

Über die Autorin

Christine Frank ist Changeberaterin und Business Coach, unterstützt Mensch und Unternehmen aktiv Veränderung zukunftsorientiert zu Gestalten. Sie moderiert Workshops und Retrospektiven, begleitet Einzelpersonen und Teams in Projekten zu Themen wie New Work und Agile Transformation. www.frankcoaching.de

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