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Homeoffice und Videotelefonie: Plötzlich geht´s

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Corona-Virus bedroht unser Leben. Die Krise bringt zugleich so viele Chancen wie noch nie zum Vorschein, endlich unser Verhalten und unsere Einstellungen zu überdenken und uns auf die Zukunft besser vorzubereiten.

Neue Möglichkeiten durch Videokonferenzen

Ein Beispiel: Videokonferenzen und Homeoffice. Vor knapp zehn Jahren arbeitete ich im Bereich Videokonferenzsysteme im B2B Vertrieb und Business Development. Meine Aufgabe war es, den Markt in der DACH-Region dafür zu sensibilisieren, Service Partner aufzubauen und mehr Unternehmen und Mitarbeiter dafür zu begeistern.

Das Thema wurde nur zögerlich angenommen. Entscheider wollten Remote-Lösungen nicht wirklich in den Berufsalltag einbauen. Man fand es „ganz nett“, jedoch mehrheitlich nicht zwingend notwendig. Ausnahmen waren Unternehmen, die global tätig waren. Mittelständische und kleine Unternehmen taten sich oft sehr viel schwerer. Die Verantwortlichen hörten zwar die Argumente CO2, Zeit-und Kostenersparnis, Flexibilität et cetera. Die Konsequenzen bezüglich der nötigen Verhaltensänderung wollten zu diesem Zeitpunkt noch wenige eingehen.

Videoübertragungen bieten Möglichkeiten in vielen Bereichen

Auch das Sowohl-als-auch-Prinzip wollte noch nicht wirklich greifen. Ein damaliger Geschäftspartner erzählte mir von einem sozialen Projekt in Bolivien. Es ging darum, via Video per Satellit Schulunterricht zu übertragen, damit Kinder nicht über viele Stunden in die Schule laufen mussten. Ich war damals schon begeistert, dass Video die Möglichkeit gibt, Menschen eine Perspektive in Unwägbaren Situationen zu geben! Ja, Videoübertragungen sind eine tolle alternative Möglichkeit, sich auf Distanz zu treffen und zu sehen. Ich staunte, dass viele Unternehmen und Schulen diese technologische Möglichkeit für die Zukunft kaum nutzten. Sie hätten doch so viele Vorteile davon: Sie gäben Mitarbeitern, Kindern und Eltern mehr Flexibilität und Möglichkeiten, ihrer Tätigkeit nachzugehen oder zu lernen – wo auch immer sie sich gerade befinden.

Neue Lösungen, neue Chancen

Knapp zehn Jahre später drängt uns das Leben in die Ecke, sagt Stopp. Wir werden plötzlich aus Gewohntem geschleudert, stecken in einer Krise. Keine Reisen, keine Veranstaltungen, keine größeren Gruppentreffen oder Besuche, keine Geschäftsessen. Das Treiben fährt runter und trotzdem läuft das Leben weiter, nur anders…

Plötzlich bekommen Videolösungen und Homeoffice einen höheren Stellenwert. Was für eine Veränderung! Was für ein Change! Man ist begeistert und gewinnt Zeit. All das ist dank der Digitalisierung möglich. Neue Lösungen überraschen – Bäcker posten Videos als Marketingaufruf, Schulen rüsten sich auf für digital Teaching, Kinder können von überall aus virtuell ins Klassenzimmer und Zuhause in der Schule sein. Freunde machen Afterwork-Stammtische über Video, Trainer stellen auf virtuelle Seminarräume um. Sensationell. Und das in so kurzer Zeit.

Aus der Situation entstehen neue Möglichkeiten. Und es werden immer mehr sein.

Mobile-Working als dauerhaftes Konzept?

Für mich als Change Beraterin und Coach ist der Corona-Ausnahmezustand eine Erfahrung mehr: Ein Schrei nach Veränderung benötigt manchmal große Einschnitte von außen, um innezuhalten und neue Möglichkeiten zu sehen. Wir lernen, dass wir nicht alles kontrollieren können, und schon gar nicht das Leben! Es zeigt uns aber auch, was alles in uns steckt und was wir möglich machen können. Es zeigt uns unsere Stärken, es zeigt uns aber auch Schwächen auf im System. Irgendwie kommen gerade viele Wahrheiten ans Licht. Wegzugucken ist schwierig. Das Leben fordert uns enorm. Der Appell an uns möchte jetzt nicht mehr verschoben werden.

Ich arbeite nun bereits seit vielen Jahren im Mobile-Working-Modus in einer Sowohl-als-auch-Variante. Mein Arbeitsstil bietet mir viele Möglichkeiten. Und vor allem gewinne ich die Freiheit und Flexibilität, so zu arbeiten wie ich es für meinen Lebens- und Arbeitsrhythmus brauche, um gut auf Veränderungen eingehen zu können.

Es hat nun diese Krise gebraucht, bis Videotelefonie und Homeoffice eine so große Bedeutung bekommen, die Menschen „bewegt“. Veränderung kommt für viele nie zur richtigen Zeit. Oft erkennen wir rückblickend an, dass die Wende wichtig war.

Altes loslassen und Raum für neues zulassen

Wie werden wir auf Corona schauen, wenn alles wieder normal läuft? Wir werden Gewinner und Verlierer haben. Freude und Tränen, neue Begegnungen und Trennungen, Erfolge und Niederlagen haben wir erlebt. Und wir werden Altes und nicht mehr Funktionierendes loslassen und Raum für Neues zulassen. Die Erde fängt an, sich zu erholen. Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit. Zeit für ihre Kinder, Zeit, um sich Gedanken zu machen, was wirklich zählt. Zeit für qualitativen Gesprächsaustausch. Zeit, um aufzuräumen – innerlich und äußerlich. Jetzt zeigt sich, wieviel Stabilität wir in uns tragen, weil im Außen vieles instabil geworden ist.

Und wir beginnen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir hinterfragen, ob das sein muss, was wir in unserer Gesellschaft nach dem Motto „Immer höher, schneller und weiter“ bewegt haben? Ich meine, die Zeit ist überreif, dass wir uns eingestehen: Ja, unser Leben verdient mehr Tiefe und Qualität.

Über die Autorin

Christine Frank ist Changeberaterin und Business Coach, unterstützt Mensch und Unternehmen aktiv Veränderung zukunftsorientiert zu Gestalten. Sie moderiert Workshops und Retrospektiven, begleitet Einzelpersonen und Teams in Projekten zu Themen wie New Work und Agile Transformation. www.frankcoaching.de

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