Visualisieren von Inhalten: Bildsprache »InsiviSuell« lernen

Visualisieren ist eine Arbeitstechnik, die im Berufsalltag eine immer größere Rolle spielt. Sie ermöglicht es, komplizierte Inhalte verständlich und auf den Punkt zu vermitteln. Wer Visualisieren beherrscht, findet zu Kollegen oder Mandanten schnell einen Zugang sowie ganz neue Möglichkeiten der Ideenentwicklung.

Sie können nicht zeichnen? Doch, können Sie.

Darf ich es Ihnen beweisen? In Visualisieren am FlipChart für Dummies finden Sie die vollständige Anleitung, um die Bildsprache »InsiviSuell« zu lernen. Und wie bei jeder Sprache beginnt das Lernen immer mit ein paar – ja, Sie ahnen es schon: Vokabeln.

Sie können zeichnen: Der Beweis

Sie wollen den Beweis, dass Sie zeichnen können? Na, dann ran an Papier und Stift. Egal, ob Kuli oder Marker, ob Druckerpapier oder die Rückseite eines Kassenzettels: Zeichnen Sie doch bitte – ganz spontan und mit ordentlich Abstand zum Rand und zur jeweils nächsten Figur – eine Linie, ein Dreieck, ein Quadrat, einen Kreis, ein Ei und ein Herz auf ein Stück Papier.

Das Ganze sollte dann ungefähr so aussehen.

Jetzt üben Sie die nächste Stufe

Indem Sie die Bildvokabel »Eier« einfach nochmal wiederholen – jeweils über den bisher gezeichneten Grundformen. Auch hier lassen Sie einen kleinen Abstand zur jeweiligen Grundform.

So in etwa sollte Ihr Blatt nun aussehen.

Männchen machen … ähem … malen

Jetzt entwickeln wir einfach erste Männchen aus den Grundformen.

Mit Armen und Beinen, Füßen und Händen. In unterschiedlichen Körperhaltungen. Ganz oben links wurde aus dem Strich ein Strichmännchen. Das Dreieck-Männchen zeigt mit der einen Hand schon mal gen Himmel oder Ziel. Das Quadrat-Männchen steht recht steif und unbeweglich. Das Kreis-Männchen freut sich und hat als Erstes angedeutete Knie- und Ellenbogengelenke – also leicht abgeknickt. Das Ei-Männchen steht schon mal gedreht zu einer Seite und das Herzmännchen zeigt ein zorniges Mädchen mit einem dringenden Bedürfnis. Sie merken schon: Es braucht nur ganz wenige Striche, um den Figuren einen Charakter zu verleihen. Dabei haben wir an dieser Stelle noch gar keine Mimik oder weitere Elemente der Körpersprache mit im Spiel.

Sie möchten mehr dazu wissen? Dann ist Visualisieren am FlipChart für Dummies genau das Richtige für Sie.

Aus Grundformen zusammengesetzt

Sie haben noch zu wenig Beweis für Ihre Zeichenkompetenz? Na, dann schauen Sie sich das mal an.

Alle diese Visuals sind – Schritt für Schritt – aus den Grundformen zusammengesetzt. Sie kriegen das also locker hin, oder? Nun, jetzt sehe ich Sie den Kopf schütteln. Weil Sie denken: Och nöööö, so schön sieht das bei mir längst nicht aus. Doch jetzt mal ehrlich: Haben Sie Englisch, Laufen oder Kochen in nur zehn Minuten gelernt? Nein. Alles das braucht Übung.

Erlaubnis zur Imperfektion

Etwas anderes ist beim Visualisieren noch viel, viel wichtiger: Dass Sie sich selbst die Erlaubnis zur Imperfektion geben. Die können Sie sich sogar auf meiner visutrainment.de runterladen!

Ich bin ganz sicher: Als kleines Kind haben Sie gezeichnet. Sehr motiviert sogar. Bis Sie in die Schule kamen. Auf einmal wurde aus dem Malen der Kunstunterricht. Kreativität wurde zu einer messbaren »Leistung«.

Wenn Sie da kein Einser-Kandidat waren, hat Ihre Motivation zum Zeichnen genauso gelitten wie meine. Doch was Sie beim Businesszeichnen am FlipChart brauchen, ist lebendige und dynamische Gebrauchsgrafik. Ohne Perfektionsanspruch. Denn hier zählt der Faktor Zeit.

Weniger ist mehr

Also zeichnen Sie nur das, was unbedingt notwendig ist, damit andere erkennen, was sie da gezeichnet haben. Da dürfen Ecken offen, Linien krumm und Farben nur angedeutet sein. Hier wirkt Imperfektion nämlich sympathisch und nahbar.

Wenn Sie Menschen Fakten, Inhalte oder Botschaften vermitteln wollen, dann geht es darum, diese emotional zu erreichen. Und das schaffen Sie mit imperfekten Visuals viel eher als mit einer aalglatten Beamer-Präsentation. Und eines kann ich Ihnen versprechen: Sie gehen selbst viel kritischer mit Ihren Werken um als Ihr Umfeld. Nehmen Sie doch jetzt einfach das Blatt mit Ihren Männchen oder den Schritt-für-Schritt-Visuals und zeigen es Ihren Mitmenschen. Wetten, dass da sehr motivierende Rückmeldungen kommen?  

Seien Sie mutig

Visualisierung am FlipChart und auch an anderen Stellen soll Freude machen. Den Zuschauern und dem Zeichner. Mit positiven Emotionen lernen wir einfach leichter. Bilder nehmen die Autobahn ins Gehirn. Worte sind lerntechnisch auf dem Feldweg unterwegs. Visualisierung bedeutet, mehrsinnig zu lernen. Die Augen sehen, die Ohren hören und der Marker liegt gut in der Hand.

Dazu kommt der Rätselspaß für Ihre Teilnehmer, wenn Sie am FlipChart etwas anzeichnen und die Zuseher mitraten, was da vorne entsteht. Das bleibt hängen. Das stärkt Ihre Marke als Lehrender oder Präsentator. Es macht auch einfach mehr Spaß, als am Beamer aufs Knöpfen zu drücken.

Ach – und für den Fall, dass Sie Probleme mit Ihrer Art zu schreiben am FlipChart haben: Dazu gibt es in Visualisieren am FlipChart für Dummies wertvolle Tipps, die Ihre Schrift wie von Zauberhand ein Stück besser machen. Trauen Sie sich mutig ran und entwickeln Sie wieder Freude an der Visualisierung. 

Schöbitz
Visualisieren am Flipchart für Dummies
2020, rund 320 Seiten
Softcover ca. € 22,99
Wiley-VCH ISBN 978-3-527-71699-9

Bettina Schöbitz bietet Trainings für Unternehmen in den Bereichen Visualisierung und Entertainment an.

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